'Mathematischer' Beruf?

Moin Experten,

was könnte man einem Jungmensch, der nächstes Jahr Abi macht und eine Leidenschaft für (angewandte) Mathematik sein eigen nennt, für einen Berufsweg empfehlen? Derjenige ist ehrgeizig und durchaus bereit sich zu „quälen“, möchte aber später auch nicht den 9-to-5 Job haben, bei dem man mit 35 seine Endstufe erreicht hat und nur noch auf die Rente hinarbeitet.

Ich muss sagen, dass ich selber damit überfragt bin (auch weil meine eigenen Lehr- und Wanderjahre doch schon ein paar Jahrzehnte her sind), daher die Frage an Euch: was würdet Ihr empfehlen?

Gruß
Stefan

Hallo,

du sagst angwandte Mathematik. Da fallen mir als angehender Elektroingenieur natürlich die Ingeniuersberufe ein. Ausgend vom Eletrotechnik-Studium kann ich sagen, dass die Mathematik eine große Rolle spielt. Es ist allerdings nicht so abstrakt wie reine Mathematik, weil man immer den Bezug zur Realität hat.

Außerdem kann ich mir gut Vorstellen, dass man als Ingenieur nicht bis aufs Letzte ausgequetscht wird, und wie du sagst mit 35 fertig ist. Sicherlich gibt es auch solche Unternehmen, es gibt aber auch definitiv Unternehmen, die fair sind und denen die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter wichtig ist.

Solltest du dich eventuell auch dafür interessieren, der Welt etwas Gutes zu tun, empfehle ich dir, dich mit Erneuerbaren Energien zu beschäftigen. Die Technologien, die in den nächsten 30 Jahren entwickelt werden, werden ganz sicher helfen, den Klimawandel zu begrenzen.

Ich erzähl die das nur, weil ich da selbst interessiert bin. Ob das was für dich ist, musst du selbst herausfinden.
Die Job- und Bildungsmesse Eneuerbare Energien (www.jobmesse-ee.de) könnte dir da weiterhelfen.

Viele Grüße
toto

Hallo Stefan,

was könnte man einem Jungmensch, der nächstes Jahr Abi macht
und eine Leidenschaft für (angewandte) Mathematik sein eigen
nennt, für einen Berufsweg empfehlen?

Nur Mathematik? Wie sieht’s mit Physik aus? Da könnte er irgendwo in die Forschung einsteigen (ich denke z.B. an den Forschungsreaktor in Garching, den wir mal besucht haben, oder an einen Teilchenbeschleuniger).

Und wie ist es mit Informatik? Das ist ja mit Mathematik verwandt, und wenn man nicht vor komplizierten Zusammenhängen zurückschreckt, kann man damit sicher gutes Geld machen. Wie ist es mit Systemprogrammierer? Die Definition auf Wiki lässt etwas zu wünschen übrig: http://de.wikipedia.org/wiki/Systemprogrammierer
Also Systemprogrammierer sind z.B. für die Software verantwortlich, mit der man Zahlungsabläufe steuert, automatisierte Brieferstellung, Geldautomaten und sowas. Da läuft nachts dann ein Programm, das z.B. alle Kunden anschreibt, die neu dazugekommen sind. Nun hat eine Nacht aber nur so ca. 12 Stunden, und ein Drucker braucht eine gewisse Zeit und muss auch noch etwas anderes tun - Optimierung ist gefragt. Es ist ein verantwortungsvoller Job und sicher interessant, wenn man Spaß daran hat, den ganzen Tag an einem PC ohne GUI zu verbringen.

Last but not least fallen mir dann noch Versicherungen etc. ein. Dort werden auch Mathematiker beschäftigt. Aber ich halte das für nicht so interessant, was den Inhalt angeht. (Man macht halt Wahrscheinlichkeitsrechnung, berechnet die Lebenserwartung, etc.)

Also ich würde mal nachfragen, wie es mit „verwandten“ Disziplinen (Physik, Informatik) aussieht.

Schöne Grüße

Petra

Hallo Stefan,

so auf die Schnelle fällt mir ein:

  • Statistik in der medinzinischen Dokumentation, Versicherungen

  • Simulation z.B. Meteorologie, Fahrzeug/Flugzeugbau, Soziologie, Stadt/Verkehrsentwicklung

  • FEM (Finite Element Methode) in der Konstruktion

  • Bildverarbeitung in der Medizin, Automation

vllt. ist ja eine Idee dabei, dass diese knappe Aufzählung nicht abschließend ist, ist, denke ich, klar.

Gruß Volker

Grüß Dich.

Grundsätzlich wäre zu unterscheiden, ob der junge Mann sein Abitur verschwenden möchte und einen Lehrberuf ergreift, oder das Abitur wie vorgesehen ausschöpft und ein Studium antritt.

Studiengänge mit hohem mathematischen Anteil:

  1. Elektrotechnik

Die Ingenieurwissenschaft, die mit Abstand am meisten Mathematik bedeutet. Du hast abgesehen von den Vorlesungen Elektrotechnik, Chemie und Physik das ganze Grundstudium ausschließlich Mathe. Das heißt nur immer anders. Und selbst die genannten 3 Sachen sind voll mit Mathe bis Oberkante Unterkiefer. :smile: Was du später davon brauchst, hängt von der Vertiefung ab. Differentialgleichungen lauern hinter allen Ecken, die Theorie der Wellen und Felder heutigen Tags sowieso. Bloß wenn du zu sehr in bestimmte Niederungen herabsteigst, verengt sich das Bild ein bißchen. Ob er allerdings zum Ingenieur geeignet ist, liegt nicht an der mathematischen Leidensfähigkeit oder am Knall im Kopf für Mathe, sondern das korreliert stark mit dem Verstehen von Physik und, noch wichtiger, dem Gefühl für Technik. Letzteres vernachlässigen unsere Gymnasien bekanntlich sträflich und man kann jedes Wintersemester wieder Unmengen Abiturienten absaufen sehen, die sich einbilden mit Mathe- und Physik-LK auftrumpfen zu können.

Bei den Ingenieuren ist es so: Das viele Fachwissen liest du dir peu à peu an. Erfahrung und ständig neue Dinge machen spielt die größte Rolle und wiegt viel schwerer als bspw. in der theoretischen Physik et cetera. Von der Uni (und FH) kommt der Jungingenieur höchstens als Rohdiamant ohne echte Ahnung von der Welt draußen. :wink: Wenn er mathematisch veranlagt ist, solltester des weiteren unbedingt die Finger vom FH-Studium lassen. Die paar Monate Praxis, die die FH-Studenten während des Studiums mehr im Stundenplan stehen haben, holt er ohne Hürden wieder auf. Aber die Uni vermittelt die Hintergründe und das Fachwissen bedeutend besser. Langlebiger vor allem.

  1. Maschinenbau

Im Prinzip siehe Elektrotechnik, aber spürbar weniger Mathe.
Gleiches gilt für alle anderen Ingenieurwissenschaften

  1. Chemie

Wenn er sich auf die Pfade der physikalischen Chemie begibt, mußt er mit Sicherheit nicht über Mathemangel klagen. Orbitale, Quantenmechanik usf…

  1. Physik

Hier vor allem die theoretische Physik, die mit dem alternativen Wort mathematische Physik sinngebender beschrieben ist. Die Grenzen zwischen Mathe und Physik verschwimmen in den Gefilden aber zusehends, trotzdem ist es angewandter als die reine Mathematik. :wink:

möchte aber später auch nicht den 9-to-5 Job haben

In allen oben genannten Berufsfeldern arbeiten die Leute anständig, mindestens 40 Wochenstunden. Ingenieure baumeln um 42-44, speziell in den neuen Ländern.

Die Arbeit trägt ihm keiner ins Haus und wenig Arbeit für viel Kohle kannst er sich aus dem Kopf schlagen.

Reich wird er auch nicht in solchen Berufen.

Tschüß

Maschinenbau hat auch nicht weniger Mathe als Elektrotechnik. Wer sich auskennt, versteht es sicher. Für den OP ist (technische)Informatik sicher nicht falsch.

Vielen Dank an Alle!
Ich werde die vielen guten Anregungen an die junge Dame weitergeben.

Gruß
Stefan

Hallo Stefan,

was ist denn mit Mathematik als Studium??
Mit Verlaub, als Schüler(in) hat man keinen Überblick zwecks Unterscheidung angewandt und rein, zumal Geschmacksfrage.
Angewandte Mathematik gibt es als Studium (leider) jedoch fast nicht, aber letztenendes faktisch schon, nämlich durch Vertiefung in entsprechende Richtungen bzw. Bleibenlassen der „abgedrehten“ Teile. Und diese Richtungen sollte sie sich noch offen lassen und nicht mit dem 1. Semester festlegen, da zu verschieden (siehe bisherige Tips). Alle Ingenieurstudiengänge und Physik enthalten Ingenieurinhalte bzw. Physik!! Das *muss* sie auch mögen, das ist nicht Mathe mit etwas Beiwerk.
Aus der Mathematik als Studium ist es möglich in diverse Bereiche einschliesslich Ingenieurwissenschaften zu gehen, zumindest forschungsartig. Fast alle Mathematik Studiengänge
erfordern oder erlauben 1-2 Zusatzfächer genannter Art.
Ausserhalb der Unis und Institute gibt es nur sehr wenige Nischen in Versicherungen oder Banken in denen (selbst angewandte) Mathematik als solche relevant ist.
Alles andere ist fast nur „Anwendung und Umstellung von Formeln“ und ist geeignet den/die
mathematisch interessierten zu langweilen. Dies gilt für viele der bisherigen Tips, erlaube ich mir zu behaupten. Es ist auch zu unterscheiden zwischen „Angewandter M.“ und „Praktischer M.“ und was man individuell darunter so versteht.

Und dann müssten wir auch noch mal unterscheiden zwischen einerseits nicht-studiumsspezifischen konkreten Tätigkeiten, wie zwischendurch vorgeschlagen, und andererseits Studiumswahl, welche wenig bis garnicht die konkrete Tätigkeit 5 Jahre später festlegt.

Dies zum einen. Zum anderen hat die Angelegenheit 9-5 und ab 35 für die Rente nicht das geringste
zu tun mit der jetzigen Wahl der Ausbildung, im weitesten Sinne. So wie es keine Möglichkeit gibt obiges
per Bildungsauswahl zu verhindern, kann man es auch fast garnicht durch die „richtige“ Wahl positiv beeinflussen, dass es so kommt. Ausnahme vielleicht: Lehre bei einer Behörde oder soetwas.

Gruss
Daniel