Matriachat beim Urmenschen?

Man vermute - so das ZDF heute - das in Kulturen des frühen homo sapiens das Matriachat vorherrschte. Was sagen seriöse Forscherinnen und Forscher dazu? Reine Spekulation oder mehr?
Gruß!
Christian

Man vermute - so das ZDF heute - das in Kulturen des frühen
homo sapiens das Matriachat vorherrschte. Was sagen seriöse
Forscherinnen und Forscher dazu? Reine Spekulation oder mehr?

Meiner Meinung ist es fast unmöglich, dazu umfangreiche Äußerungen seriöser Forscher zu erhalten, da dieses Thema scheinbar immer irgendwie ideologisch verblendet behandelt wird. Zunächst mal muss man dafür klären, was „Matriarchat“ bedeutet.

Ansatzpunkte dafür sind http://de.wikipedia.org/wiki/Matriarchat und http://www.matriarchat.net/frontpage.php wobei insbesondere letzterer Link von Propaganda hochgradig durchsetzt ist.

Wenn man dann wenigstens schonmal an dem Punkt angelangt ist, den Begriff „Matriarchat“ von der Vorstellung einer „Frauenherrschaft“ befreit zu haben, dann ist meines Wissens der Stand des Wissens, daß solche Gesellschaftsformen vor langer, langer Zeit tatsächlich vorherrschten, allerdings nur bis zu der Zeit, in der durch Klimaveränderungen und andere Umstände die Menschen begannen, zu wandern. Spätestens dann stellten sich diese Formen des Zusammenlebens als nicht mehr sinnvoll heraus, und andere - hierarchischere - Formen als günstiger für das Überleben einer Gruppe.

Gruß,

Malte.

Lieber Christian,

Malte schrieb ja schon, daß man erstmal den Begriff des Matriarchats klären müßte. Ich will das nicht tun, denn da schlägt mein Herz nicht, aber ein Hinweis:

bei den Pikten (Bewohner Schottlands bis zum ca.12. Jhdt) gab es eine bestimmte Form des Matriarchats: die Könige waren zwar alle männlich, die Nachfolge wurde aber über die Abstammung von den Frauen geregelt. Es war also vollkommen gleichgültig, wer der Vater war, entscheidend war die Mutter.

Es gibt dazu auch kluge Bücher (Titel kann ich Dir liefern), aber ich bin jetzt zu faul runterzugehen und nachzusehen.

Wenns Dich also weiterhin interessiert, dann melde Dich!

Gruß - Rolf

Hallo Christian!
Nachdem Du wirklich den gaaanz frühen Sapiens meinst: Wir haben keinerlei Ahnung, wie dessen Familienleben aussah. Wir wissen grade mal, dass er überhaupt ein Familienleben hatte. Das war´s aber schon.
Alles Weitergehende MUSS reine Spekulation bleiben.

Davon abgesehen: In der ZDF-Doku geht´s ja auch nicht nur um DEN Homo sapiens, sondern die behandeln nacheinander einzelne, als Beispiele dienende Gruppen in Afrika, Europa, Asien…
Davon abgesehen, dass in der Doku phantasievolle Geschichten nach dem Motto „so hätte es gewesen sein können…“ erzählt werden: Ich gehe mal nicht davon aus, dass alle Homo sapiens weltweit (wie auch Homo erectus und Neandertaler, seine Zeitgenossen, in ihren Verbreitungsgebieten) die gleiche Sozialstruktur hatten. Wär doch komisch, oder?
Nur als Beispiel: Haben alle Schimpansengruppen die gleiche Sozialstruktur? Nein!

VG
Christian

Matriarchat-Matrilinearität
Hi Rolf,

bei den Pikten (Bewohner Schottlands bis zum ca.12. Jhdt) gab
es eine bestimmte Form des Matriarchats: die Könige waren zwar
alle männlich, die Nachfolge wurde aber über die Abstammung
von den Frauen geregelt. Es war also vollkommen gleichgültig,
wer der Vater war, entscheidend war die Mutter.

solch ein System nennt man matrilinear, da eben die Abstammung über die weibliche Linie gerechnet wird. Das hat aber nichts mit Matriarchat zu tun, bei dem es um die Herrschaft der Frauen geht.

Es ist natürlich nicht ausgeschlossen, dass die Matrilinearität einmal in einer matriarchalen Gesellschaftsform entwickelt wurde, es heißt aber nicht, dass jetzt dort auch noch das Matriarchat bzw. die Frauen herrschen.

Trotzdem vielen Dank für den Hinweis auf die Pikten.

Liebe Grüße
Burkhard

Hallo Christian,

die Frage des Matriarchats ist eine umfangreiche wissenschaftliche Diskussion und es kommt tatsächlich darauf an, wie Malte schon schrieb, wie Matriarchat definiert und beschrieben wird.

Es werden und wurden ja immer wieder Gesellschaften als matriarchal präsentiert. (z.B. die Minangkabao auf Sumatra, die Irokesenföderation oder die Bijagos vor der Küste Guinea-Bissaus etc.) Bei genauerem Hinsehen entpuppen sich diese Gesellschaften aber zumeist als Gruppen, in denen die Frauen eine starke Stellung haben, in denen die Vererbung von Grundstücken über die Frauen erfolgt und die Männer bei der Hochzeit zur Familie der Frau ziehen, in denen Frauen und Männer getrennt leben etc.) Das heißt aber noch lange nicht, dass die Frauen die Macht haben, wie der Begriff Matriarchat voraussetzt.

Die Frage beim Matriarchat ist ja, ob man ein solches überhaupt erkennen würde. Wie sähe denn eine Gesellschaft überhaupt aus, in der Frauen das sagen haben? Würden Frauen die gesellschaftliche Macht genauso handhaben wie die Männer? Oder würden sie in der zweiten Reihe bleiben und den Männern das alltägliche Entscheiden überlassen? Ist die Entscheidung im Haus genauso wichtig wie die Entscheidung im Dorfrat? Wer hat die Verfügungsgewalt über die materiellen Güter? Etc. etc.

Interessant sind die Minangkabao, da sich bei denen verschiedene Machtsphären überkreuzen. Traditionell haben die Frauen wie gesagt eine starke Stellung, Grundbesitz wird über die Töchter vererbt, die Männer ziehen bei der Hochzeit zur Frau etc. Gleichzeitig ist die Gesellschaft aber auch sehr islamisch mit einer entsprechend starken Stellung des Mannes.
Da viele Männer „leer“ ausgehen, gibt es eine Menge Migranten, die sich in anderen indonesischen Landesteilen niederlassen. Sie heiraten dort oder nehmen ihre Minang-Frauen mit z.B. nach Jakarta. Dort leben die Frauen isoliert von ihren Familien und die Paare bzw. Familien sind westlichen Einflüssen ausgesetzt.
Viele Frauen kommen mit diesen widerstreitenden Konstellationen nicht gut klar und entwickeln psychosomatische Krankheiten. Außerdem ist bei den jungen Mädchen ein Trend zum Islam festzustellen, der Sicherheit und Klarheit in der gesellschaftlichen Rolle zu geben verspricht.

Liebe Grüße
Burkhard

Danke, Burkhard, für den Hinweis! Irgendwie fehlte mir ein Wort, und ich war, wie gesagt, zu faul runterzulaufen.

Gruß - Rolf

Seriöser Forscher
Hallo Christian,

Uwe Wesel behandelt in seinem Buch „Der Mythos vom Matriarchat“
ISBN: 3518279335 Buch anschauen
das Thema meiner Meinung nach sehr gut.

Bernhard