Matrixorganisationn oder divisionale Organisation?

Hallo liebe Forumleser,
ich soll entscheiden, ob in einem Unternehmen das Sicherheitspersonal der Außenwerke dem jeweiligen Werksleiter, d. h. einem Ingenieur bzw. Fertigungexperten, oder aber dem Werkschutzleiter des Hauptwerks unterstellt werden sollte.
Meines Erachtens wäre es sinnvoll, zwei Leitungssysteme miteinander zu kombinieren und das Sicherheitspersonal wegen der Nähe, dem jeweiligenWerksleiter zu unterstellen und wegen der Fachkompetenz ebenfalls dem Werkschutzleiter des Hauptwerks. Dies wäre doch dann die MAtrixorganisation, oder?
Oder handelt es sich um die divisionale Organisation, in der die Hauptabteilungen nach dem Objektprinzip gegliedert sind?
Oder habe ich einen Denkfehler und man sollte das Stabliniensystem bevorzugen?
Ich würde mich über Unterstützung bei dieser für mich schwierigen Aufgabe sehr freuen. Herzlichen Dank.

Hallo Syltfreundin,

die Frage ist aus der Entfernung nicht einfach zu beantworten. Wenn es einen Werkschutzleiter gibt, der zur obersten Leitung des Unternehmens gehört, würde ich ihm die Leitung anvertrauen. Seine Aufgabe wäre dann, die möglicherweise unterschiedlichen Sicherheitsbedürfnisse der verschiedenen Werke in seine Leitungstätigkeit zu integrieren. Es gibt möglicherweise räumliche, zeitliche oder soziale Aspekte, die für eine andere Lösung sprechen.
Ich würde daher zunächst folgendes recherchieren:

  • Die Strategie des Unternehmens sollte dessen Struktur bestimmen. Daher sollte untersucht werden, welche ungewollte Rückwirkung „Sicherheit“ (oder das Gegenteil davon) auf die Strategie haben kann. Und umgekehrt: Welchen (unerwünschten) Einfluss kann eine Strukturentscheidung auf die Strategie haben. Es gibt häufig diese Konstellation, daher erwähne ich sie.
  • Die Unternehmenskultur ist auch ein wichtiger Aspekt, gerade bei der Matrixorganisation, bei der ein hohes Maß an Selbstabstimmung erforderlich ist. Mit anderen Worten: Wenn die Zusammenarbeit nicht funktioniert, weil politische Kämpfe an der Tagesordnung sind, wäre ich hier vorsichtig.

Außerdem bin ich nicht sicher, ob die angefragte Strukturentscheidung nur für den Sicherheitsdienst gefällt werden kann. „Linie“ oder „Matrix“ betrifft in der Regel das Gesamtunternehmen und nicht nur Teile davon.

Hattest Du Gelegentheit, mit den Betroffenen zu sprechen? Welche Lösung bevorzugen beispielsweise die Werksleiter? Vielleicht ist eine ganz pragmatische Lösung möglich, mit der alle zufrieden sind.

Ich habe also mehr Fragen als Antworten. Aber Fragen können ja auch inspirierend auf den Problemlösungprozess wirken. Viel Erfolg!

Gruß,
Uli

Hallo Uli,
danke, dass du dir Gedanken zu diesem Thema machst. Da es sich bei dieser Frage um eine Studienaufgabe handelt, habe ich leider nicht die Möglichkeit mit dem Werksleiter oder anderen beteiligten Personen zu sprechen.
Ich soll einfach herausfinden, für welche Möglichkeit das Unternehmen sich entscheiden wird und soll meine Antwort begründen. Da aber in der Frage steht, dass ich außerdem die Vor- und Nachteile einer zweifachen Unterstellung erklären soll und andere Beispiele aus der Praxis, gehe ich fast von einer divisionalen Organisation aus…
Die Aufgabe besteht noch aus zwei weiteren Teilen: einmal sollen in diesem Zusammenhang noch die Begriffe (Haupt-)Vorgesetzter und Fachvorgesetzter erklärt werden, zum andern wird gefragt, ob das vorliegende Thema auch mit dem Begriff „Matrixorganisation“ zusammenhängt. Demnach sollte man sich vermutlich wirklich für eine Organisation mit einem Hauptvorgesetztem und einem Fachvorgesetztem entscheiden…
Oder?
Einen schönen Feierabend und liebe Grüße
Ute

Hallo Ute,

die Idee des „Planspiels“ hatte ich auch irgendwann beim Lesen Deiner Ausgangsanfrage - und dann erfolgreich verdrängt. Bin wohl durch zuviel Praxis für theoretische Fragestellungen verdorben.
Ohne Bezug zur Unternehmensumwelt (auch wenn nur als Modell) kann ich Dir nicht weiterhelfen. Kann auch sein, dass ich die Aufgabenstellung nicht kapiert habe.

Die arbeitsteilige Binnenstruktur eines Unternehmens richtet sich nach der Komplexität der Umwelt (Kunden, Märkte, Gesetze usw.). Jede Organisationsform hat in Relation zur Umwelt ihre Vor- und Nachteile. Für die angefragte Entscheidung bräuchte man - meiner Meinung nach - Kriterien. Was ist für das Unternehmen wichtig: Die Organisationskosten? Die Geschwindigkeit, mit der Probleme gelöst werden sollen? Die Nutzung gemeinsamer Ressourcen? Transparenz? Expansion?
Das sind alles Fragen, die von einem Rüstungskonzern anders zu beantworten wären als von einem Nahrungsmittelkonzern. Panzer oder Pudding?

Ich hoffe, dass sich noch jemand unserer Ratlosigkeit erbarmt und eine Lösung anbieten kann. Bin gespannt.

Gruß,
Uli