Hallo Elli,
ich beschäftige mich gerade mit den drei Romanen von Max
Frisch (Homo faber, Stiller und Mein Name sei Gantenbein). Bei
meiner Recherche bin ich auf die Aussage gestoßen, dass diese
drei Romane sogar als Triologie gesehen werden.
Ich finde mehr als das
Identitätsproblem und die Thematik der Bildnishaftigkeit haben
alle drei nicht gemeinsam. Welche Argumente sprechen denn für
die Zusammenfassung als Triologie?
Das ist eine schwierige Frage. Man könnte natürlich sagen, daß diese gemeinsame Thematik der Identitätsfrage ausreicht, alle drei als Trilogie zu bezeichnen, wobei man natürlich „Trilogie“ nicht in dem üblichen Sinne von 1.-3. Band mit gemeinsamen Hauptfiguren verstehen sollte. Man könnte zur Bekräftigung auch noch die Form mit heranziehen, Homo Faber und Stiller sind beide als Tagebücher angelegt und (jetzt ein Zitat aus der Wikipedia)
"Sybille Heidenreich weist darauf hin, dass auch die offene Erzählform des Romans Mein Name sei Gantenbein eng an die Tagebuchform angelehnt ist.
http://de.wikipedia.org/wiki/Max_Frisch
Aber, Du merkst an den vielen „man könnte“, daß ich davon auch nicht recht überzeugt bin, und daß führt jetzt zu ein paar kleinen Anmerkungen, denen Du eventuell nachgehen kannst, vielleicht bringt es dich ja etwas weiter.
Mir ist die
Aussage von Max Frisch noch nicht so ganz klar.
Hat denn tatsächlich Max Frisch dies geäußert? Oder kommt diese Auffassung nicht eher von anderen Literaturwissenschaftlern? Ich habe ein wenig recherchiert und bin auf einen Aufsatz von Steinar I. Bergo gestossen „Hauptaufgabe über Max Frisch“
http://rain.prohosting.com/1948/Hovudoppg%E5ve%20i%2…
in dem er die Aussage von Homo Faber, Stiller und Mein Name sei Gantenbein als Trilogie dem deutschen Literaturwissenschaftler Hans Mayer zuschreibt. Er habe dies in einem Aufsatz in der Literaturbeilage „Der Zeit“ vom 18.09.1964 behauptet. Liest man jedoch Mayers Aufsatz selbst durch
http://www.zeit.de/1964/38/Moegliche-Ansichten-ueber…
(vielleicht besser noch den gedruckten Aufsatz, da ein kleines Literaturverzeichnis beim Einscannen in die Mitte des Artikels geraten ist, aber den habe ich nicht zur Hand)
so muss zumindest ich sagen, daß von einer Trilogie dort keinesfalls die Rede ist. Mayer stellt lediglich fest, daß Frisch im Gantenbein sein altes Thema wieder aufnimmt,
„daß wir etwas nicht gleichzeitig „erleben“ und „deuten" können. Das eine ist der gelebte Augenblick, das andere seine nachträgliche Deutung durch uns selbst.
Diese Grundthematik stellt Mayer aber nicht nur für die drei Werke, sondern für das gesamte Schaffen Frischs fest, so daß ich nicht verstehe, wie Steinar I. Bergo dies als Aussage über eine „Trilogie“ interpretieren kann.
Ich kann mir allerdings vorstellen, daß diese Aussage nun von vielen ungeprüft übernommen wurde, „Bergo sagt, daß Mayer sagt… eine Trilogie…“. Ja, und wenn der große Mayer das sagt (immerhin eine Autorität unter den Germanisten), dann wird es wohl so sein…
Nun muss ich natürlich zugeben, daß dies auf sehr schwachen Füßen steht. Ich habe weder die Tagebücher und sonstigen Aussagen von Frisch selbst zu dem Thema durchforstet, noch weiteres Quellenstudium getrieben. Also nimm es als das, was es sein soll, als Anregung, eventuell in diese Richtung weiter zu forschen. Ist ja auch ein Ergebnis, wenn man zum Schluß der Untersuchung feststellt, daß eine Behauptung so nicht stimmt.
Viele Grüße
Marvin