Hi,
hier: http://www.zmag.de/artikel.php?id=108&:stuck_out_tongue_winking_eye:HPSESSID=c877… mal ein Artikel, der recht anschaulich vielerlei Probleme im Zusammenhang mit Verständnis und Zensur bietet. Ich hoffe, dadurch wird einiges auch mal aus anderer Sicht betrachtet, ist nämlich nicht ganz uninteressant.
Ich muß an der Stelle sogar mal data recht geben, dass man sich wirklich vor Ort ein Auge holen muß - besser zwei oder drei. Beispiel: zwei linke Juden, Noam Chomski und Jared Israel, betrachten den Konflikt in Palästina aus diametral entgegengesetzten Richtungen, obwohl sie politisch recht nah bei einander sind. Israel hatte vorerst auch erst die „typisch mitteleuropäische“ Auffassung. Beide haben sie aber dennoch nicht vollendas recht - der Palästinenser Toni Cliff kommt dem am nächsten.
Dasselbe ist mit dem Bild, was Ossis vom Westen bzw. Wessis vom Osten hatten. Kein Wunder, dass viele Wessis denken mussten, dass der Osten fast am verhungern gewesen sein muß, weil sie nach 89 wie die Kälber zum Schlächter rannten. Einem damals schon recht runtergewirtschaftetem Land.
Aus Ossi - Sicht war das ganz anders. Ureigentlich wollte man ja nur den Rentnerfunktionärsapparat weg. Das Angebot mit Westfernsehern und -autos und -… nahm man als Geschenk gleich mit, weil alle dachten, dass die aber nett sind und es jetzt steil nach oben gehen muß und nur noch Millionäre gibt usw. Mit dem Ostgeld kam der Durchschnittsossi nämlich bestens aus und hatte nie zu wenig, ein Wessi kennt das garnicht.
Ich will das nicht schon wieder zur Diskussion stellen - nur mal als Betrachtung zum drüber nachdenken. Vielleicht fallen einem noch andere Beispiele ein.
Gruß
Frank
Leider kann man heute so auf Anhieb keiner Zeitung mehr glauben. Ist nunmal so. Ich lese regelmäßig mehrere Politmagazine quer plus Tageszeitung. Die Wahrheit liegt meistens dazwischen. Oder man kann erahnen, wo noch Lücken in der Berichterstattung sind. Den Tenor der Politmagazine kann man eh Parteien oder politischen Richtungen zuordnen. Problematisch ist nur, daß man zwar manchmal kritisch hinterfragende, aber immernoch nur aus deutscher Sicht geschriebene Artikel liest.
Artikel mit Interview von verschiedenen Ansichten, wie hier, sind viel zu selten. Unsere Regeln des Zusammenlebens werden als Schablone auf die Welt gelegt, und wo es anders läuft, da läuft´s schief…
Unsere Art der Demokratie, die sich im kläglichen Kampf um Reformen immer mehr Stöcke selbst zwischen die Beine schmeisst, und wo das Volk eh nix mehr zu melden hat, wollen vielleicht manche Länder dieser Erde gar nicht haben… kann ja sein oder? Muß man sie ihnen dann aufzwingen, wenn die gröbsten Menschenrechte dennoch dort eingehalten werden? Wenn eine Nation aufgrund ihrer starken Religionsbindung besser ohne Frauenwahlrecht und Frauenquote im Parlament auskommt, sich ansonsten aber untereinander achtet, warum nicht so lassen? Warum Schwierigkeiten bereiten wo keine sind?
Wobei Deutschland nur alles aus seiner Sicht betrachtet, andere Nationen formen ja die „andere“ regelrecht nach ihren Vorstellungen. Dass das nicht immer ganz so gut klappt, kann man an verschiedenene Schauplätzen dieser Welt beobachten. Arroganz siegt nicht leicht und nicht immer.
Zu deinem Absatz über Ost-West muss ich dir Recht geben. Ich bin im Osten aufgewachsen. Und auch wenn ich das Regime nicht wiederhaben möchte, kann ich regelmäßig auf beiden Seiten alte Vorurteile hören. Niemand weiß wirklich wie es auf der jeweils anderen Seite ist und war, aber alle reden. Da ich Vorurteile nicht ab kann, argumentiere ich jeweils dagegen.
Im Westen belächelt man mich dann manchmal als armen kleinen Ossi, der jetzt im Westen fleißig für sein altes Land Solizuschlag berappt, im Osten klagen manche, ich wäre schon ein richtiger arroganter Wessi geworden…
…Die Wahrheit liegt wohl auch hier irgendwo dazwischen.