Hallo Raimund,
Und es ist schade, dass zwei Volksgruppen, die sich im Laufe
der Jahrhunderte so gegenseitig kulturell, geistig,
wissenschaftlich befruchtet haben wie Deutsche und Juden,
nicht verstehen.
Die Juden, die in Deutschland vor 1933 lebten und nicht gerade zugewanderte Ostjuden waren, verstanden sich als Deutsche bzw. vielfach als „deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens“.
Sie haben sich nicht als andere „Volksgruppe“ wahrgenommen.
Um die Wechselwirkungen zwischen jüdischen Kulturen und Umgebungskulturen in Europa - und zwar in ganz verschiedenen Bereichen wie Musik, Sprache, Eßgewohnheiten, Philosophie usw.
geht es in der neuesten Ausgabe des europäisch-jüdischen Magazins GOLEM, die in den nächsten Tagen auf den Markt und auch ins Internet kommt:
Leider auch teilweise nicht wollen (auch von
beiden Seiten ausgehend).
Dafür gibt es sicher ganz unterschiedliche Gründe. Die heute in Deutschland lebenden Juden haben zum allergrößten Teil nichts mit dem Vorkriegsjudentum in Deutschland zu tun. Sie kommen aus ganz anderen Traditionen und Regionen - meist Osteuropas.
Warum ist keine Normalität möglich?!
Um zu einer Normalität - wie auch immer die aussehen sollte - zu kommen, braucht es Zeit. Die Vernichtung der meisten europäischen Juden liegt gerade mal 60 Jahre zurück.
Wir hatten beste Startmöglichkeiten nach dem Krieg.
Ich weiß nicht, auf den Du dieses „Wir“ beziehst. Juden kannst Du damit nicht meinen - und das Verhältnis von in Deutschland lebenden Juden zu nicht-jüdischen Deutschen wohl auch nicht.
Meiner Frau ihr Chef ist Jude (Mutter Jüdin). Wir kommen
bestens mit ihm aus. Das Thema Juden kommt gar nicht zur
Sprache. Es ist einfach uninteressant.
Jüdisch sein ist nicht unbedingt ein abendfüllendes Thema - genauso wenig wie schwarz sein oder die Zugehörigkeit zu irgendeiner anderen Minderheit
findet
Iris