Hallo Dennis,
Ich glaube, die Juden sind gar nicht soooooooo medienpräsent,
wenn man von der aktuellen FDP-Diskussion mal absieht.
Doch Dennis, wenn man sich anschaut, wie hoch der jüdische Bevölkerungsanteil ist, dann sind Meldungen wo Juden oder Jüdisches vorkommt überproportional vertreten.
Geh mal in www.paperball.de (Zeitungssuchmaschine). Du wirst keinen Tag finden, wo Du nicht mehrere Dutzend Zeitungsartikel zu diesen Bereich hast.
Gib „Muslime“ ein, und Du wirst merken, daß es meistens weniger als ein Dutzend Artikel sind, obwohl der muslimische Bevölkerungsanteil viel höher ist.
Allerdings ist es sehr interessant sich anzuschauen, wie Juden hier oft funktionalisiert werden als moralische Instanz, als Mahner etc.
Warum muß man immer Paul Spiegel ein Mikro unter den Mund halten, wenn wieder ein rassistischer Übergriff war?
Und warum interessiert es niemand, welche Positionen sich aus der jüdischen Tradition für aktuelle Fragen - sei es Gentechnik, Lebensmittelskandale, Zuwanderungsgesetz etc. ableiten ließen.
Boike Jacobs, eine niederländische Journalistin hat vor ein paar Jahren mal festgestellt, daß Juden in den deutschen Medien als die drei O 's vorkommen:
- als Orthodoxe Juden mit den entsprechenden Exotenklischees,
- als Offizielle (Spiegel, Friedman, Bubis etc.)
- als Opfer (des Holocaust, von Sicherheitsmaßnahmen etc.)
In der letzten Zeit verschiebt sich das etwas in Hinblick auf die Israelberichterstattung - aber im Großen und Ganzen hat boike Jacobs nach wie vor recht.
Was Juden allerdings selber wichtig finden, findet in die deutschen Medien kaum Eingang, weil es meist Nichtjuden sind, die aus ihrer Perspektive über Jüdisches mehr oder weniger (meist weniger) kompetent schreiben.
Wenn Dich die andere Seite interessiert, empfehle ich Dir die größte deutschsprachige Internetseite zu jüdischen Themen - täglich aktualisiert
http://www.hagalil.com
und das europäisch jüdische Magazin GOLEM
http://www.hagalil.com/golem/
viele Grüße
Iris