Liebe/-r Experte/-in, wenn Medikamente süchtig machen heißt das auch, daß sie helfen. Warum werden sie dann verurteilt?
Liebe/-r Experte/-in, wenn Medikamente süchtig machen heißt
das auch, daß sie helfen. Warum werden sie dann verurteilt?
Hallo 8undzwanziger,
das ist eine sehr gute Frage. Ganz vorweg - nicht alle Medikamente, die helfen, machen süchtig. Es sind nur bestimmte Stoffgruppen, die ein Suchtpotential haben, z.B. Benzodiazepine (in Beruhigungsmitteln oder Schlafmitteln enthalten) oder die Opiate und das Morphium. Natürlich helfen diese Medikamente udn natürlich kann man manchmal gar nicht daraif verzichten. Nehmen SDie als Beispiel den Krebspatienten mit Schmerzen oder den chronischen Schmerzpatienten. Es wäre in diesen Fällen ein Kunstfehler, diesen Patienten wirkungsvolle Schmerzmittel, also z.B. Morphium, vorzuenthalten. Oder einen aus irgend einem Grund erregten Patienten. Hier wird sicherlich versucht werden, die Erregung mit Benzodiazepinen zu dämpfen. Verurteilt werden sie, weil der unkontrollierte Umgang, also die unkontrollierte Einnahme dieser Medikamente zur Sucht führen können. Dabei wird übersehen, daß der Arzt, der solche Medikamente verordnet sehr sorgfältig zwischen Nutzen und Risiko abwägen muß, d.h. er muß im Vorfeld überlegen, ob der potentielle Nutzen (z.B. Schmerzlinderung) vertretbar ist mit dem Risiko (also Abhängigkeit). Die Verteufelung der sucht-machenden Medikamente kommt sicherlich auch daher, daß viele Drogenabhängige zu einem oder sogar mehreren dieser Mittel greifen. Und sie kommt auch daher, weil die Menschen Angst haben, von irgend etwas, vor allem Medikamenten abhängig zu werden.
Aber wie gesagt, die wenigsten Medikamente führen zur Sucht. Obwohl Patienten von vielen Mitteln „abhängig“ sind - ich sage das jetzt mal provokativ. Ein Diabetiker wird seine Medikamente poder sogar Insulin dringend brauchen, sonst würde er sterben. Ebenso ein Hochdruckpatient. In gewisser Hinsicht sidn ja auch diese Patienten „abhängig“ von den richtigen Medikamenten.
Sie sehen, Ihre Frage könnte man stundenlang diskutieren und dabei alle möglichen Aspekte der Medizin und medizinischen Ethik einfließen lassen.
Zusammenfassend: Wenn Medikamente, die zu einer Sucht führen können, nötig sind, muß vor der Gabe eine Nutzen-Risiko-Abwägung vorgenommen werden. Und wenn es zum Wohle des Patienten ist, darf die Gabe solcher Medikamente nicht verteufelt werden.
Ich hoffe, ich habe in der Kürze Ihre Frage beantworten können. Wenn Sie weitere Fragen haben, melden Sie sich einfach wieder.
Viele Grüße
Ingeborg Steffes-Tremer
Liebe/-r Experte/-in, wenn Medikamente süchtig machen
heißt
das auch, daß sie helfen. Warum werden sie dann
verurteilt?
Hallo, ich weiß nicht wie ich auf diese allgemeine Frage
antworten soll.
Viele Grüße
Ich dachte an Benzodiazepine. Die Adrenalinausschüttung wird gehemmt, der Effekt ist aber nach einiger Zeit wieder vergangen. Der Nutzer möchte eine Hemmung der Adrenalinausschüttung, also nimmt er wieder Benzodiazepine.
Die Medikamente tun nichts anderes, als ihren Zweck zu erfüllen. Also helfen sie. Wie Sie schon sagten brauchen Herzkranke auch Medikamente zum Leben. So wird die Abhängigkeit von Herzmedikamenten mit dem drohenden Tod gerechtfertigt, aber Angst soll jeder haben?
Und zuletzt: Was sind die Nebenwirkungen eines Langzeitkonsums von Benzodiazepinen?
Per Tastatur. Danke.
Hallo 8undzwanziger,
nein, Angst muß niemand haben. Nur sollte sich jeder bewußt sein, daß Medikamente keine Bonbons sind, die man dann einnimmt, wenn man eben Heißhunger auf Süßes hat oder irgendwann gesündigt hat. Medikamente sind sinnvoll in vieler Hinsicht. Aber sie sind keine Konsumgüter.
Benzos dämpfen die Erregung, wie sie richtig sagen, damit auch den Adrenalinspiegel. Und der Patient will eine weitere Senkung von Adrenalin, also nimmt er wieder ein Benzo ein. Er ist seelisch davon abhängig. Und vergißt dabei, daß seine Probleme nach wie vor bestehen. Erst nach längerer Zeit kommt die körperliche Abhängigkeit dazu. Und diese ist eine der Hauptnebenwirkungen der Langzeiteinnahme von Benzodiazepinen. Weitere sind Müdigkeit, Schwindel, herabgesetztes Denk- und Urteilsvermögen und Gewichtszunahme. Magen-Darmprobleme seinen nur am Rande erwähnt.
Um die seelische Abhängigkeit zu vermeiden, ist es sinnvoll, nach der Ursache der erhöhten Erregbarkeit zu forschen - psychische Probleme, Schilddrüse, Herz-Kreislaufprobleme usw., könnenn Ursache davon sein und gehören dann entsprechend behandelt - OHNE BENZOS!. Die körperliche Abhängigkeit ist schwerer zu behandeln. Ein vorsichtiges Reduzieren der Menge, eventuell in Kombination mit einer Psychotherapie sind die erfolgsversprechendsten Maßnahmen.
Bei Benzos gilt: die Einnahme nur Kurzfristig, nie die empfohlene Menge überschreiten und NIE sofort absetzen (also die Menge langsam reduzieren).
Noch Fragen?
Gruß, Ingeborg Steffes-Tremer
Liebe/-r Experte/-in, wenn Medikamente süchtig machen heißt
das auch, daß sie helfen. Warum werden sie dann verurteilt?
Hallo.
Inwiefern werden diese Medikamente „verurteilt“?Wie ist das gemeint? Klar, Medikamente werden dazu gemacht,um zu helfen.Bei bestimmten Stoffen wird „gewarnt“, weil Sie eine Gewöhnung herbeiführen können. Deshalb unterliegen die meisten Medikamente mit solchen Stoffen der Verschreibungspflicht,sodass der behandelnte Arzt eine Kontrolle hat.
Bei der Sucht muss ja immer zwischen psychischer und physischer Sucht unterscheiden…Ist ein bestimmtes Mittel gemeint?
Liebe/-r Experte/-in, wenn Medikamente süchtig machen heißt
das auch, daß sie helfen. Warum werden sie dann verurteilt?
Hallo,
Das ist eine schwierige Frage und sie ist nicht leicht zu beantworten! Nicht alle Stoffe die süchtig machen, helfen oder sind Medikamente, das wäre eine Rückschluss aus Ihrer Aussage.
Es gibt einige Medikamente, die süchtig machen, so z.B. Die Opioide, wie Morphin in der Schmerztherapie oder auch viele Schlafmittel. Es sind trotzdem meist wertvolle und wichtige Medikamente ohne die die Patienten z.B. bei Tumor-Schmerzpatienten sehr leiden müssten, deshalb nimmt man es unter Umständen bei solchen Patienten in Kauf, dass sie „abhängig“ von den Schmerzmitteln werden.
Man kanni in meinen Augen Medikamente, deshalb nicht allein deswegen verteufeln, weil sie abhängig machen. Das muss man viel differenzierter betrachten. So führt z.B. der Falschgebrauch mancher Arzneimittel zu Abhängikeit, wie z.B. beim Nasenspray, die man nicht länger als 1 Woche am Stück benutzen soll um eine Gewöhnung zu vermeiden.
Ich hoffe ich konnte Ihnen damit etwas helfen.
Viele Grüße
Liebe/-r Experte/-in, wenn Medikamente süchtig machen heißt
das auch, daß sie helfen. Warum werden sie dann verurteilt?
Hallo
Es heisst nicht dass die Medikamente helfen nur weil sie süchtig machen.Die Sucht ist eine Nebenwirkung. Das Problem bei Medikamenten die Abhängig machen ist, dass die Patienten oft die Dosis stetig erhöhen (ohne ärztliche Absprache), was sich extrem ungesund auf Leber, Hirn usw. auswirkt. Das wird wohl auch der Grund sein, weshalb sie verurteilt werden.