Hallo Susanne!
ASS ist im wesentlichen ein Ester der Salicylsäure.
Ich kenn den Stoff. Hab ihn auch schon hergestellt.
Die
Salicylsäure verestert wenn sie in VErbindung mit anderen
organischen Säuren kommt und für ASS benötigt sie eben
Essigsäure.
Naja. Wenn Du Essigsäure in wässriger Lösung zu Salicylsäure gibst, passiert erstmal fast nichts.
Man hat aus der Weidenrinde lediglich die Salicylsäure
gewonnen und ihr, um daraus ASS herzustellen, anderweitig
gewonnene Essigsäure zugesetzt, damit man ein pharmakologisch
genau definierbares Präparat hat.
Dafür hätte ich gerne einen Beleg.
Mit Essigsäure wird das nur sehr schwer erreichbar sein.
Man wird nur eine geringe Umsetzung erreichen und die auch nur langsam. ASS und Acetylsalicylsäure sind nach meinen Erfahrungen nicht ganz so einfach voneinander zu trennen.
Es bietet sich daher eine vollständige Umsetzung an.
Dafür braucht man aber stärkere Acetylierungsreagenzien wie Acetylchlorid oder Essigsäureanhydrid.
Auch wenn man nicht unbedingt bewusst Weide/Salycilsäure mit
Essigsäurehaltigem verband, kam es dazu, dass bei der
Verwendung eine Arznei entstand, die ziemlich sicher ASS
enthielt.
Das ist es eben, was ich bezweifle.
Einfach weil freie Carbonsäure so reaktionsträge sind und das Reaktionsgleichgewicht auf der Seiter der Esterhydrolyse liegt.
Neben dem Tee gab es noch viele Arten der Zubereitung (Bei
Rinde ist Tee jedoch am leichtesten herstellbar und ich werde
mich hüten hier gehaltvollere Schmerzmittel-Rezepturen zu
verbreiten), gegen Flechten, (die ja, nach heutigem
Verständnis, vor allem wegen Sekundärentzündungen schwer
abheilen), hat man früher u.a. Weidenblätter mit Essig
zerstampft (Lorscher Arzneibuch, schon 8. Jh.).
Dabei entstehen bestimmt, wenn überhaupt, nur winzige Mengen ASS, sofern freie Salicylsäure in den Wiedenblättern vorhanden ist.
Sollte Salicin verestert werden, dann wäre es umso fraglicher, ob im Körper daraus überhaupt ASS gebildet würde, denn dazu müsste es in der Leber zweifach oxidiert werden, aber die Veresterung müsste erhalten bleiben.
Das ist eine gewagte These, das anzunehmen 
Therapeutische Erfahrung kann also durchaus Jahrhunderte vor
einer Chemischen Entdeckung oder einem Beweis schon bestehen
oder (damit wären wir wieder im ursprünglich gefragten 18. Jh.
wenn auch jetzt Thema Entzündung) sogar Jahrhunderte bevor man
überhaupt einen Pathologischen fassbaren Ansatz der zu
behandelnden Krankheit hat.
Du, das hab ich nicht bezweifelt.
Die Dosierungen sind natürlich nicht mit einer Tablette zu
vergleichen und neben den heute als wirksam erkannten
Inhaltsstoffen stecken noch einige bisher als nebensächlich
angesehene, die aber womöglich doch als Wechselwirkung die
schmerzlindernde Wirkung der Weide unterstützen. Denn
eigentlich ist es anders nicht erklärbar, da die Dosierung von
Salicylsäure in der Weide viel geringer ist, wenn man sie mit
einer gleichgut wirkenden Menge Aspirin vergleicht (Sprich,
wenn du die Wirkung von 1 ASS-TAb. erzielen willst brauchst du
eine Weidenrindenmenge, die eigentlich wesentlich weniger die
500mg Wirkstoff enthält ODER Nimmst du soviel Weidenrinde,
dass du 500mg Wirkstoff hast, bist du heftig überdosiert)
Das glaube ich Dir zwar, aber dennoch, auch wenn ich darauf nicht gern herumreite, vergleichst Du hier Äpfel mit Birnen.
Und zwar, weil sich schon Salicylsäure selbst in seinen erwünschten Wirkungen von ASS unterscheidet.
ASS ist ja nicht nur ein Prodrug der Salicylsäure, sondern acyliert ja auch Zielstrukturen.
Heute nimmt man das Wort Antiphlogistisch in den Mund, wenn
man sich hochtrabend anhören will, und meint damit schlicht
etwas was gegen Entzündungen hilft, von denen man ja
heutzutage weiß dass sie duch Bakterien hervorgerufen werden.
Antibakteriell könnte ja auch jeder andere verstehen. Doch
passt dieser Begriff für das heutige VErständnis wesentlich
besser.
Antiphlogistika sind Entzündungshemmer.
Der Begriff wäre bestimmt besser verständlich.
Antibakteriell wirken sie jedoch nicht.
Eher sogar im Gegenteil, da sie die Immunantwort dämpfen.
Antibakterielle Substanzen befreien auf lange Sicht zwar von einigen Entzündungsauslösern (und zwar von bakteriellen Infektionen),
doch sie können z.B. durch die Freisetzung bakterieller Strukturen auch akut entzündungsfördernd wirken.
MEdizingeschichte ist eben mehr als nur die Aufzählung einer
Liste von Heldentaten.
Das ist mir klar. Ich habe auch nie von irgendwelchen Heldentaten geredet. Ich meinte nur, dass ASS nicht nur ein Prodrug von Salicylsäure ist, obgleich die Wirkung von Salicylsäure bestimmt erst erkannt wurde, als auch die von ASS verstanden wurde.
Für die Entdeckung, dass ASS Cox1 acyliert, wenn Salicylsäure als kompetitiver Cox Inhibitor bekannt gewesen wäre, hätte es sicher eine hochrangige Publikation gegeben, aber keinen besonderen Preis 
Viele Grüße,
Stefan