Medizin

Liebe/-r Experte/-in,
bei einer arbeitsmed. Routineuntersuchung wurde bei mir eine SD-Vergrößerung festgestellt. Sie wird als Struma multinodosa et parenchymatosa bezeichnet. Nach Aussage der untersuchenden Radiologin sind es „viele“ kalte Knoten. Der größte misst 13x12x18 mm. Dieser und ein weitere „suspekter“ Knoten wurden punktiert. Die Sd ist gleichmäßig vergrößert (links etwas mehr) und hat ein Ges.Vol. von ca. 50 ml. Die Stoffwechsellage ist euthyreot (TSH 0,58 mIU7l,FT3 5,6pmol/l, FT4 19,2pmol/l). Calcitonin ist im Normbereich. Ich spüre kein Druckgefühl oder etwas ähnliches, betreibe Leistungssport (Langstreckenlauf) und habe auch dort weder Atem- noch Kreislaufprobleme. Die FNP ergab, dass es sich um beninge Knoten handelt. Die Radiologin rät zur OP. Muss das sein? Gibt es andere Behandlungsmöglichkeiten? Ich danke für die hilfreichen Antworten.

Hallo Uwe,

Bei mehreren kalten Knoten, wie bei Ihnen vorhanden, ist leider die Operation wirklich die beste Therapie.
Zwar wurden in den punktierten Knoten keine bösartigen Zellen gefunden, die Punktion ist aber leider kein 100 % sicheres Verfahren und man weiss auch nicht was sich hinter den anderen Knoten verbirgt.
Deshalb wird die Schilddrüse sicherheitshalber entfernt. Alternativen gibt es beim kalten Knoten kaum, eine Radiojodtherapie ist nur bei warmen Knoten möglich, also wäre die einzige Alternative das Abwarten.
Dazu würde ich jedoch nicht raten, da das Risiko eine bösartige Veränderung zu übersehen einfach zu hoch ist.
Zufällig war ich in den letzten Monaten bei mehreren Schilddrüsenentfernungen dabei und kann berichten, dass die Operation in den allermeisten Fällen völlig komplikationslos verläuft. Probleme gibt es fast nur bei sehr großen Schilddrüsen oder übergewichtigen Menschen. Die Hauptrisiken sind Nachblutungen und Nervenverletzungen, beides habe ich bisher noch nicht erlebt.
Nach der Entfernung müssen natürlich die Schilddrüsenhormone lebenslang in Tablettenform eingenommen werden, was jedoch schnell zur Routine wird.
Falls Sie sich für eine Operation entschließen würde ich empfehlen in ein Krankenhaus zu gehen, in dem Sie häufig durchgeführt wird (mehrmals pro Woche).

Ich hoffe ich konnte Ihnen weiter helfen und wünsche eine gute Besserung

Lieber Uwe,
eine SD-OP ist heutzutage ein Routineeingriff.
Prinzipiell ist bei dir vielleicht auch eine medikamentöse Therapie möglich. Durch geeignete Medikamente kann das Entstehen neuer Knoten ev. verhindert bzw. das Wachstum der vorhandenen gestoppt werden.
Falls die Knoten dabei jedoch trotzdem weiter wachsen - was passieren kann - ist eine Operation dann unumgänglich.
Weitergehende Informationen und eine zweite Meinung erhältst du sicher bei einem Internisten mit Fachrichtung Schilddrüse.

Hallo Uwe,
zufälligerweise bin ich Assistenzärztin in einer Klinik die auf Schilddrüsenchirurgie spezialisiert ist. Ich sehe also jeden Tag zehn bis fünfzehn Fälle Deiner Art.

Leider muß ich Dir sagen, daß das was Du beschreibst eine absolute OP-Indikation ist. Kalte Knoten kann man leider nur operieren. EIne Radiojodtherapie wie bei heißen Knoten ist in diesem Fall nicht möglich.

Kalte Knoten produzieren kein Schilddrüsenhormon und haben ein etwa 5%ig erhöhtes Risiko bösartig zu sein. 5% sind in der Medizin sehr viel.
Zudem ist Deine Schilddrüse soppelt so groß wie sie sein sollte. Wenn sie weiter wächst kann es irgendwann Probleme mit der Luftröhre geben. Und eine Operation wird natürlich schwerere je größer die Schiddrüse ist.
Eine Punktion ist leider nicht sehr aussagekräftig, weil sie nur einen sehr kleinen Teil der Schilddrüse beurteilt. Die Gefahr ist groß das man am Karzinom vorbei punktiert und deshalb nichts findet. Die hundertprozentige Sicherheit hat man leider erst nach einer Operation.
Wegen des Leistungssports mußt Du Dir aber keine SOrgen machen. Nach der OP ist man schnell wieder fit, und die Hormontherapie nach der Operation ist nicht kompliziert und wenn sie gut gemacht wird faktisch nebenwirkungsfrei.
Allerdings würde ich mich nur in einem Schilddrüsenzentrum operieren lassen,da die OP nicht ganz einfach ist und leider schwerwiegende Komplikationen wie eine Stimmbandnervlähmung auftreten können, wenn man es nicht richtig macht.
Stell Dich doch einfach mal in einer Klinik vor und lasß Dich beraten.
Ich hoffe ich konnte Dir ein wenig helfen. Sonst meld Dich doch einfach nochmal.
Liebe Grüße, Veronika

Hallo,
Prinzipielle Operationsindikationen einer Struma nodosa, euthyreot, sind
kosmetische oder mechanische Probleme, die Sie nicht haben.
Man sollte aber bedenken, das die Struma weiter wachsen kann (und
wahrscheinlich wird) und dann Probleme bereiten kann (Luftnot,Schluckstörung,
Heiserkeit,Druckgefühl…), eine Operation später jedoch aufgrund der Größe
schwieriger sein kann (mit entsprechenden Komplikationen) und spezielle
Probleme (Heiserkeit) eventuell nicht reversibel sind.
Desweiteren sind kalte Knoten prinzipiell möglicherweise bösartig,laut
Lehrbuchdaten zwischen 1 und 10% (was man mit Sicherheit jedoch erst durch den
feingeweblichen Befund NACH der OP sagen kann), je nach Befund und anderen
Faktoren mit größerem oder kleineren Risiko. Eine FNP schließt eine Malignität
nicht aus, da der Befund falsch negativ sein kann (falsche Stelle punktiert,
bösartiger Tumor findet sich direkt daneben im selben kalten Knoten).
Hormontherapie und Radiojodtherapie sind bei Struma nodosa weniger erfolgreich
und nur bei Patienten mit schlechtem Allgemeinzustand sinnvoll.
OP-Risiken und event. Komplikationen sind zu bedenken. Sollte bei Ihnen ein
niedriges OP-Risiko anzunehmen sein (sonst gesund, Sportler, schlank, ggf. gute
OP-Anatomie, Ausbreitung der Struma Richtung Brustraum etc…) und eine gute
Nachbehandlung/-betreuung gegeben sein, ist eine OP zu empfehlen. Sollte es
sich in Ihrem Fall tatsächlich um nur benigne Knoten handeln und die Struma
nicht weiter wachsen ist eine OP sicher nicht absolut nötig. Aber wer kann das
vorher sagen?
Ich hoffe die Antwort war etwas hilfreich.