Medizin im Mittelalter

Hallo!
Falls ich hier falsch bin, bitte ins Mittelalter-Brett verschieben.

Gab es „früher“ die Vorstellung, Pferdeurin sei als Heilmittel geeignet, z.B. um blutende Wunden zu behandeln?

Gruß,
Eva

Hi

Bin kein Arzt aber aus meiner Arbeit weiß ich, dass die Volksmedizin (!) nicht nur im Mittelalter sondern noch gut und gerne bis ins 18. Jh. hinein Rezepte mit Hühnermist und Pferdeurin etc. benutzte.

Das war einfach billiger und oft das einzige was sich die Leute leisten konnten. Ein paar Funktionen hatte das Zeug ja wie man wusste, mit Pferdeurin wurde z.B. gegerbt (und heutzutage findet er sich in vielen Kosmetika). Auch Rinder wurden im Krankheitsfall mit Pferdeurin eingerieben (und mit allerlei anderen Wurzelextrakten und Pülverchen)

Das geht auf verschiedene Vorstellungen zurück, im 18. Jh. sollen es etwa ätiologische Vorstellungen gewesen sein, vorher waren es Analogien wie „Das Pferd kann schnell laufen, wenn ich mich mit Pferdurin einreibe (ich kann mir nicht leisten Pferdefleisch zu essen) dann kann ich mit dem kaputten Bein auch wieder laufen.“

lg
Kate

Falls ich hier falsch bin, bitte ins Mittelalter-Brett
verschieben.

Gab es „früher“ die Vorstellung, Pferdeurin sei als Heilmittel
geeignet, z.B. um blutende Wunden zu behandeln?

Spezielle Quellen kann ich zwar nicht angeben, aber die mittelalterliche Dreckapotheke", zu der auch Hahnemanns Homöopathie gehört (dsvon wollen die allerdings nichts mehr wissen). Die Sache ist also sehr wahrscheinlich.

Tatsächlich gibt es aus neuerer Zeit einen Bericht Sauerbruchs (anekdotisch): Er hatte sich die hand verstaucht, als ein Pfehlf ihm darauf pinkelte, tat ihm das gut.
Verfolgt hat er diese Sache allerings nicht weiter.

Hallo,

Spezielle Quellen kann ich zwar nicht angeben, aber die
mittelalterliche Dreckapotheke", zu der auch Hahnemanns
Homöopathie gehört.

Also rein zeitlich gehört Hahnmann allerdings nicht ins Mittelalter (nur dass sich da nichts falsch einprägt).

Gruß
Werner

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Hallo Hahnemanns Homöopathie hat eher etwas mit der Signaturenlehre (zB. Gelbwurz gegen Gelbfieber) zu tun, die schon in der frühen Neuzeit (um 1500) beliebt war. Die Signaturenlehre wurde auch für andere eher magische und für heutiges Verständis unsinnige Dinge herangezogen, zB. für die Phrenologie nach LAvater, der manche Menschenvisage mit Tierschädeln verglich und daraus den Charakter ablas.

Drecksapotheke bezieht sich auf ein Werk eines Herrn Paullini um 16irgendwas und dort geht es ausschließlich um heilende Wirkung von Exkrementen, die wiederrum eher aus der antiken Säftelehre begründet wurde (Also dass mit dem Urin Stoffe ausgeschieden wurden, das neue war dann dass man die dem Patienten dann wieder zuführte). Da spielt auch mithinein, dass man allmählich einige Kreislaufsysteme des Körpers erkannte, daher ist auch das wieder frühe Neuzeit, nicht Mittelalter, aber der historische Laie macht da selten Unterschiede ob etwas 1200 oder 1600 war.

Gruß
Burli

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Danke für die Präzisierung meiner Aussage, ich hab’s wohl ein bißchen zu lässig abgehandelt.

Gruß

Priamos