Medizin- Studium oder Ausbildung?

Hallo!

Ich gehe in die 12. Klasse eines Gymnasiums und habe mich nach mehreren Praktika entschieden eine berufliche Laufbahn im medizinischen Bereich einzuschlagen. Allerdings wäge ich immer noch die Vor- und Nachteile eines Medizinstudiums ab. Vielleicht kann mir jemand sagen, warum er Medizin studiert hat, bzw. nicht. Und ob es sich heute nicht vielleicht doch lohnt eine Ausbildung in diesem Bereich anzufangen.

Mfg Dana

Hallo!

Ich gehe in die 12. Klasse eines Gymnasiums und habe mich nach
mehreren Praktika entschieden eine berufliche Laufbahn im
medizinischen Bereich einzuschlagen. Allerdings wäge ich immer
noch die Vor- und Nachteile eines Medizinstudiums ab.
Vielleicht kann mir jemand sagen, warum er Medizin studiert
hat, bzw. nicht. Und ob es sich heute nicht vielleicht doch
lohnt eine Ausbildung in diesem Bereich anzufangen.

Ich habe nach erfolgreicher Rettungsassistenten-Ausbildung ein Medizinstudium angefangen und dann auch zügig wieder abgebrochen.

Gründe:

  • Ich hab keinen Bock, stupide auswendig zu lernen, ohne zu verstehen. Genau das ist aber Pflichtprogramm.

  • Die Sachen, um die es da ging und die auf mich zugekommen wären, haben mich zum großen Teil schlicht nicht interessiert. Arzt werden und Arzt sein sind zwei Paar Schuhe, die wenig miteinander zu tun haben.

  • Die Professoren waren durch die Bank scheiße arrogant. Ihr Ansinnen war es, von den Studis demütig die Füße geleckt zu bekommen und aufgrund von Kriterien wie Haarfarbe oder Busengröße durchfallen zu lassen. Ein Interesse, gute Ärzte hervorzubringen, konnte ich nicht entdecken.

  • Die Komilitonen liefen schon im 1. Semester mit ihrem Chemiekittelchen durch die Gegend, als wären sie die großen Dons und fingen dann an, sich mit „Herr Kollege“ anzureden - ernsthaft, nicht aus Spaß. Noch nie Blut gesehen, aber einen auf Arzt machen… Nun, oder aber es waren irgendwelche Hühnchen, die dann sagten „Haaach, ich will Ärztin werden, und in einer Praxis mich um die Menschen kümmern und so. Mein Papa hat gesagt, ich wäre bestimmt gut, und der is auch Arzt.“ Nein danke, kein Bedarf. Natürlich waren nicht alle so, aber die große Mehrheit.

  • Wenn Du fertig bist (und vorher auch schon) wirst Du erstmal als billigste Arbeitskraft verheizt, buckelst im AiP 36 Stunden Schichten für eine Bezahlung, über die eine Krankenschwester lachen würde und wirst eben nicht als Arzt im Praktikum angeleitet, sondern schmeisst den Laden, ob Du willst (und kannst) oder nicht. Wenn was schiefgeht, fliegst Du raus.

Arzt sein ist imho nur dann attraktiv wenn man

  • mind. Oberarzt ist ODER
  • als Notarzt draußen unterwegs ist ODER
  • eine gut laufende Praxis sicher übernehmen kann.

Soweit meine persönliche und damit höchst subjektive Einschätzung.

Gruß,

Malte.

Hallo,

  • Ich hab keinen Bock, stupide auswendig zu lernen, ohne zu
    verstehen. Genau das ist aber Pflichtprogramm.

Das ist es aber in fast allen anderen Studiengängen auch. Fragen an Kommilitonen höheren Semesters lieferten erstaunlich häufig: „Keine Ahnung, ich hab’ den Schein schon.“

  • Die Sachen, um die es da ging und die auf mich zugekommen
    wären, haben mich zum großen Teil schlicht nicht interessiert.
    Arzt werden und Arzt sein sind zwei Paar Schuhe, die wenig
    miteinander zu tun haben.

Ersetze „Arzt“ durch beliebige andere Berufsgruppe

  • Die Professoren waren durch die Bank scheiße arrogant. Ihr
    Ansinnen war es, von den Studis demütig die Füße geleckt zu
    bekommen und aufgrund von Kriterien wie Haarfarbe oder
    Busengröße durchfallen zu lassen. Ein Interesse, gute Ärzte
    hervorzubringen, konnte ich nicht entdecken.

Auch hier gilt leider an deutschen Unis: Das ist eher die Regel, als die Ausnahme. Über alle Fachbereiche. Studenten sind dazu da, Professoren zu zeigen, was für ein Toller Hecht sie sind und das sie selbst unwürdige Würmlinge sind, von denen es vielleicht die besten 0.5% mal zu was bringen könnten.

  • Die Komilitonen liefen schon im 1. Semester mit ihrem
    Chemiekittelchen durch die Gegend, als wären sie die großen
    Dons und fingen dann an, sich mit „Herr Kollege“ anzureden -
    ernsthaft, nicht aus Spaß.

OK, das gibt es vorwiegend bei Medizinern, Juristen und BWLern :smile:

  • Wenn Du fertig bist (und vorher auch schon) wirst Du erstmal
    als billigste Arbeitskraft verheizt, buckelst im AiP 36
    Stunden Schichten für eine Bezahlung, über die eine
    Krankenschwester lachen würde und wirst eben nicht als Arzt im
    Praktikum angeleitet, sondern schmeisst den Laden, ob Du
    willst (und kannst) oder nicht. Wenn was schiefgeht, fliegst
    Du raus.

Auch das ist leider bei fast allen Akademikern so. Nennen sich dann natürlich nicht AiP, sondern Trainee, Intern oder schlicht Praktikant. Aber fakt ist, Jobs gibts derzeit nur für Leute mit Beziehungen. Der große Rest kämpft sich von Internship zu Internship. Liefert dabei natürlich die volle Arbeitsleistung eines qualifizierten Akademikers, aber für eine Bezahlung, bei der die Pförtner sofort in den Streik treten würden.

Und lauscht man den Worten unserer unendlich weisen Wirtschaftsführer (siehe z.B. von Pierer Interview in einem der letzten Spiegel Ausgaben), dann gibts Arbeit auch erst wieder, wenn wir alle 3800 Stunden im Jahr für den durchschnittlichen chinesischen Stundenlohn arbeiten.

Ergo: Akademiker sein ist imho nur dann attraktiv, wenn man:

  • mind. Abteilungsleiter in einem großen Unternehmen ist
  • als Vertriebsleiter durch die Welt gondeln kann
  • eine gut laufende Firma von Papa übernehmen kann

Soweit meine ebenfalls sehr persönliche Einstellung.

Gruß

Fritze

Hallo,

nach zwei sehr persönlichen Einstellungen kann ich ja auch meine - ebenfalls sehr persönliche Einstellung :wink: - noch zum besten geben.

Ich studiere Germanistik und Anglistik im Bacherlor-Studiengang mit dem Studienziel Lehramt GHR. Hat mit Medizin herzlich wenig zu tun, aber (wie Fritze schon sagte): irgendwie sind doch alle Studiengänge gleich.

Nach zweieinhalb Semestern ist das erste Stichwort, was mir beim Gedanken an die Uni einfällt organisatorisches Chaos. Überspitzt gesagt: Die Herren und Damen Professoren, Doktoren und Dozenten sind oftmals nicht in der Lage, die simpelsten Sachen zu organisieren. Im Zweifelsfall ist immer jemand anders zuständig. Allgemeine Fragen, die nicht direkt die Vorlesung / Veranstaltung betreffen, braucht man gar nicht erst stellen, das wissen sie sowieso nicht (falls sie nicht zufällig „Koordinator des Studiengangs“ oder ausdrücklich für „Beratung“ zuständig sind, aber dann kriegt man keinen Termin, also auch aussichtslos…). Wenn ihre Sekretärin sich drei Wochen krank ins Bett legt, geht sowieso gar nichts mehr. Vielleicht ist das auch nur bei mir so extrem, den Studiengang gibt es nämlich jetzt erst im dritten Semester. Man braucht also ein gewisses Durchhaltevermögen und - viel wichtiger - den Willen und das sichere Wissen, unbedingt dieses Fach studieren zu wollen, um sich durch die Barrieren zu kämpfen (heißt: wenn du ein Studium beginnst und nicht sicher bist, das Richtige zu tun, geht es mit großer Wahrscheinlichkeit schief…). Jetzt, im dritten Semester, habe ich „das Schlimmste hinter mir“, einige wichtige Erfahrungen gemacht und vor allem Beziehungen geknüpft. Inzwischen weiß ich, wer bereit ist, Auskunft zu geben und nebenbei auch noch Ahnung hat. Ich weiß, zu welchem Büro man gar nicht erst gehen muss, weil man ohnehin gleich zu jemand anderem geschickt wird. Ich weiß, welche Seminare man gleich knicken kann, weil der Dozent zum Einschlafen ist, und welche sich lohnen, weil sich hinter dem Namen ein noch engagierter, flexibler, motivierter und fähiger Mittdreißiger verbirgt (auch wenn das dann in aller Regel „mehr Arbeit“ bedeutet - man lernt wengistens was).

  • Ich hab keinen Bock, stupide auswendig zu lernen, ohne zu
    verstehen. Genau das ist aber Pflichtprogramm.

Das ist es aber in fast allen anderen Studiengängen auch.
Fragen an Kommilitonen höheren Semesters lieferten erstaunlich
häufig: „Keine Ahnung, ich hab’ den Schein schon.“

Stimmt, das kommt mir doch sehr bekannt vor…

  • Die Sachen, um die es da ging und die auf mich zugekommen
    wären, haben mich zum großen Teil schlicht nicht interessiert.
    Arzt werden und Arzt sein sind zwei Paar Schuhe, die wenig
    miteinander zu tun haben.

Ersetze „Arzt“ durch beliebige andere Berufsgruppe

In meinem Fall: was haben Mediävistik, Mittelhochdeutsch, Makrolinguistik und Goethe im Allgemeinen und Besonderen mit Grundschule zu tun? Richtig: NICHTS. Ich lerne eine ganze Menge Krams, der zwar prinzipiell nicht uninteressant ist, aber leider überhaupt nicht weiterhilft, wenn man mein Berufsziel bedenkt. Das große Problem der Uni ist, dass sie viel zu theoretisch arbeitet und versucht, mit einem Studiengang ein sehr breites Berufsfeld abzudecken (in meinen Vorlesungen und Seminaren sitzen zukünftige Lehrer für Grund-, Haupt- und Realschule sowie Gymnasien, außerdem Journalisten, Theaterkritiker, Fachwissenschaftler, etc.). Aber das muss man eben hinnehmen und alle Angebote, die sich bieten, praktische Erfahungen zu sammeln, nutzen. Ich habe alle bisherigen Semesterferien für Praktika genutzt und dabei mehr Erfahrungen gesammelt als in den Hörsälen. Ein weiterer Vorteil: hin und wieder entdeckt man Elemente aus Vorlesungen wieder und ist froh, das schon mal gehört / gelernt zu haben. Anschließend macht auch das Studieren wieder ein bißchen mehr Sinn.

  • Die Professoren waren durch die Bank scheiße arrogant. Ihr
    Ansinnen war es, von den Studis demütig die Füße geleckt zu
    bekommen und aufgrund von Kriterien wie Haarfarbe oder
    Busengröße durchfallen zu lassen. Ein Interesse, gute Ärzte
    hervorzubringen, konnte ich nicht entdecken.

Auch hier gilt leider an deutschen Unis: Das ist eher die
Regel, als die Ausnahme. Über alle Fachbereiche. Studenten
sind dazu da, Professoren zu zeigen, was für ein Toller Hecht
sie sind und das sie selbst unwürdige Würmlinge sind, von
denen es vielleicht die besten 0.5% mal zu was bringen
könnten.

Das sehe ich etwas anders. Professoren haben alle ihr spezielles Gebiet. Darin sind sie top - und zeigen das auch mal gerne. Alles, was darüber hinaus geht (insbesondere Organisation und Kooperation mit anderen Gebieten des Studienfachs), stellt sie oft vor ein unlösbares Problem. Sicherlich gibt es auch die, die sich wirklich nicht für ihre Studenten interessieren. Wenn man aber nach ein oder zwei Semestern mit den Namen der Dozenten ein Gesicht verbindet ist es auch einfacher, sich die Veranstaltungen herauszupicken, die sinnvoll sind. Ich kann inzwischen die weniger sinnvollen Kandidaten erfolgreich umschiffen.

Ich habe keine Ahnung, wie das Berufsfeld „Medizin“ aussieht. Überleg dir einfach gut, was für ein Typ du bist: lernst du gerne? Interessierst du dich für Hintergründe (auch auf die Gefahr hin, jede Menge zu lernen, die man in der Praxis nie wieder braucht)? Oder bist du eher praktisch veranlagt und willst etwas TUN? Das ist meiner Ansicht nach die eigentliche Entscheidung, die du fällen musst. Alles andere ergibt sich daraus.

MfG, Hanna

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Hallo!

Ich gehe in die 12. Klasse eines Gymnasiums und habe mich nach
mehreren Praktika entschieden eine berufliche Laufbahn im
medizinischen Bereich einzuschlagen. Allerdings wäge ich immer
noch die Vor- und Nachteile eines Medizinstudiums ab.
Vielleicht kann mir jemand sagen, warum er Medizin studiert
hat, bzw. nicht. Und ob es sich heute nicht vielleicht doch
lohnt eine Ausbildung in diesem Bereich anzufangen.

wenn ich nochmal 18 wär, würde ich nicht medizin studieren. es ist kein benefit-orientiertes studium. außerdem wirst du vom unmittelbaren nutznießer nicht gegenfinanziert. die interessenlage ist deshalb selten eindeutig. das ranking innerhalb der helferriege hat einen zu hohen stellenwert im miteinander.

Mfg

Hallo!

Was hat dich denn am Anfang dazu bewegt, eine Rettungsassistenten-ausbildung anzufangen?

Stimmt es eigentlich, dass ein Medizinstudium an einer französischen Uni wesentlich praktischer orientiert ist? Soweit ich weiß, möchte man das jetzt auch in Aachen einführen. Ich weiß nur nicht, ob sich das alles lohnt, da ich auch gerne „praktisch“ arbeiten würde.

Habe auch schon meinen San B gemacht, durfte aber damals meinen Sanitäter nicht abschließen, da man der Meinung war, ich wäre noch zu jung, um regelmäßig mit im Krankenwagen zu fahren.

Naja, trotzdem schon mal danke. Mir bleibt ja noch ungefähr ein halbes Jahr… bis dahin hab ich mich dann auch bestimmt entschieden.

Mfg Dana

Hallo!

Was hat dich denn am Anfang dazu bewegt, eine
Rettungsassistenten-ausbildung anzufangen?

Wartesemester für’s Medizinstudium :smile: Letztlich hatr sich herausgestellt, daß RettAss ein idealer Beruf für mich wäre, wenn da nicht einige unangenehme Arbeitsbedingungen wären (null Karrierechancen, körperliche Belastung auf Dauer, miserable Bezahlung…).

Ich hab den Job aus mehreren Gründen geliebt:

  • selbständiges und eigenverantwortliches Arbeiten
  • schnelles Feedback in Form von Erfolgserlebnissen (meistens :wink:)
  • man kommt in soziale Umfelder, Situationen, unter Menschen, die man als „Normalbürger“ nie kennenlernt und von deren Existenz man oft gar nicht weiß. Das gibt ein ganzes Stück Reife und Sicherheit bzw. Erfahrung im Umgang mit ungewöhnlichen Situationen.
  • Gewisse Einsätze sind einfach aufregend und spannend. Das kickt.
  • Man hat im Einsatz ein nicht unerhebliches Maß an Macht: Macht über Patienten, Angehörige, Polizisten, Untergebene… Mißbrauch rächt sich unmittelbar, aber wenn man damit verantwortungsvoll umgeht, ist es ein gutes Gefühl.
  • Ich kann wohl einen latenten Helferkomplex nicht von mir weisen. Der wurde durchaus befriedigt. Heute ist der nicht mehr so ausgeprägt wie damals, denke ich.
  • Man hat immer spannende Anekdoten zu erzählen :wink:
  • Man darf bei Rot über Ampeln fahren :smile: Blaulichtfahrten sind hochanstrengend, immer riskant und vom fahrerischen recht anspruchsvoll - aber sie machen auch einen Heidenspaß.
  • Man lernt sich und seine Grenzen recht gut kennen mit der Zeit. Eben durch die erwähnten Extremsituationen. Da lernt man für’s Leben. In anderen Extremsituationen kann man eher die Ruhe behalten und rational reagieren als viele andere Menschen, man wird ziemlich „abgebrüht“.

Das sind alles Sachen, die man sicher auch in anderen Berufen finden kann, ich habe sie im Rettungsdienst gefunden. Einiges aus der Liste ist sehr egoistisch, vielleicht ssogar ein bischen albern, aber selbst das ist bei jeder Berufswahl so. Auch sind mir natürlich nicht alle Punkte gleich wichtig gewesen.

Stimmt es eigentlich, dass ein Medizinstudium an einer
französischen Uni wesentlich praktischer orientiert ist?

Weiß ich nicht.

Habe auch schon meinen San B gemacht, durfte aber damals
meinen Sanitäter nicht abschließen, da man der Meinung war,
ich wäre noch zu jung, um regelmäßig mit im Krankenwagen zu
fahren.

RS darf man ab 17 werden. Ich würde als Wachleiter Minderjährige nicht im normalen Rettungsdienst einsetzen.

Naja, trotzdem schon mal danke. Mir bleibt ja noch ungefähr
ein halbes Jahr… bis dahin hab ich mich dann auch bestimmt
entschieden.

Wie gesagt: Rettungsdienst hat mit Medizin(-studium) fast nichts gemeinsam.

Gruß,

Malte.

Hallo,

  • Ich hab keinen Bock, stupide auswendig zu lernen, ohne zu
    verstehen. Genau das ist aber Pflichtprogramm.

Das ist es aber in fast allen anderen Studiengängen auch.
Fragen an Kommilitonen höheren Semesters lieferten erstaunlich
häufig: „Keine Ahnung, ich hab’ den Schein schon.“

Hm, das sehe ich anders. Ich studiere jetzt (mit wesentlich größerem Erfolg und mehr Freude) einen Ingenieursstudiengang. Auswendig lernen bringt hier gar nichts. Natürlich vergisst man das meiste sofort wieder nach Erhalt des Scheins, aber um diesen zu erlangen, muß man den Stoff schon verstehen. Die Art des Lernens ist einfach eine andere.

  • Die Sachen, um die es da ging und die auf mich zugekommen
    wären, haben mich zum großen Teil schlicht nicht interessiert.
    Arzt werden und Arzt sein sind zwei Paar Schuhe, die wenig
    miteinander zu tun haben.

Ersetze „Arzt“ durch beliebige andere Berufsgruppe

Nun, auch das erlebe ich anders. Grundsätzlich hast Du natürlich wieder recht, aber in der Medizin empfand ich die Diskrepanz als sehr extrem.

  • Die Professoren waren durch die Bank scheiße arrogant. Ihr
    Ansinnen war es, von den Studis demütig die Füße geleckt zu
    bekommen und aufgrund von Kriterien wie Haarfarbe oder
    Busengröße durchfallen zu lassen. Ein Interesse, gute Ärzte
    hervorzubringen, konnte ich nicht entdecken.

Auch hier gilt leider an deutschen Unis: Das ist eher die
Regel, als die Ausnahme. Über alle Fachbereiche. Studenten
sind dazu da, Professoren zu zeigen, was für ein Toller Hecht
sie sind und das sie selbst unwürdige Würmlinge sind, von
denen es vielleicht die besten 0.5% mal zu was bringen
könnten.

Wieder: Erlebe ich anders. Bei uns merkt man schon, daß die Profs wollen, daß wir möglichst gut werden. Du bekommst Unterstützung bei Problemen, fast zu jeder Zeit von den wiss. Mitarbeiter gratis Nachhilfe, Kritik an Lehrveranstaltungen wird zumindest ernstgenommen und bedacht, manchmal sogar umgesetzt. Das persönliche Verhältnis ist eher väterlich als herablassend. Mag tatsächlich die Ausnahme sein, weiß ich nicht, ich hab bislang nur diese beiden Studiengänge ausprobiert :wink:

  • Die Komilitonen liefen schon im 1. Semester mit ihrem
    Chemiekittelchen durch die Gegend, als wären sie die großen
    Dons und fingen dann an, sich mit „Herr Kollege“ anzureden -
    ernsthaft, nicht aus Spaß.

OK, das gibt es vorwiegend bei Medizinern, Juristen und BWLern

)

Yep :smile:

  • Wenn Du fertig bist (und vorher auch schon) wirst Du erstmal
    als billigste Arbeitskraft verheizt, buckelst im AiP 36
    Stunden Schichten für eine Bezahlung, über die eine
    Krankenschwester lachen würde und wirst eben nicht als Arzt im
    Praktikum angeleitet, sondern schmeisst den Laden, ob Du
    willst (und kannst) oder nicht. Wenn was schiefgeht, fliegst
    Du raus.

Auch das ist leider bei fast allen Akademikern so. Nennen sich
dann natürlich nicht AiP, sondern Trainee, Intern oder
schlicht Praktikant. Aber fakt ist, Jobs gibts derzeit nur für
Leute mit Beziehungen. Der große Rest kämpft sich von
Internship zu Internship. Liefert dabei natürlich die volle
Arbeitsleistung eines qualifizierten Akademikers, aber für
eine Bezahlung, bei der die Pförtner sofort in den Streik
treten würden.

Wieder: Bei den Medizinern habe ich das als sehr extrem erlebt. Der Sumpf aus Beziehungen, Bestechung, Sex und Drogen scheint mir da tiefer und schmutziger als andernorts.

Ergo: Akademiker sein ist imho nur dann attraktiv, wenn man:

  • mind. Abteilungsleiter in einem großen Unternehmen ist
  • als Vertriebsleiter durch die Welt gondeln kann
  • eine gut laufende Firma von Papa übernehmen kann

Eine schöne Analogie :smile: Dennoch sind Ärzte nicht ohne Grund die suchtgefährdetste Berufsgruppe…

Gruß,

Malte.

Hallo,

Du scheinst ja an einer echten Ausnahme-Traumuni zu studieren.

Ergo: Akademiker sein ist imho nur dann attraktiv, wenn man:

  • mind. Abteilungsleiter in einem großen Unternehmen ist
  • als Vertriebsleiter durch die Welt gondeln kann
  • eine gut laufende Firma von Papa übernehmen kann

Eine schöne Analogie :smile: Dennoch sind Ärzte nicht ohne Grund
die suchtgefährdetste Berufsgruppe…

Ich dachte immer, am gefährdetsten wären die Pharmazeuten. Und dann natürlich die Mediziner. Haben schließlich den extrem leichten Zugriff auf allerlei tolles Zeug. Dürfen Ärzte sich eigentlich selbst Rezepte ausstellen?

Gruß

Fritze

Ärzte, Selbstmord und Sucht
Hallo,

Du scheinst ja an einer echten Ausnahme-Traumuni zu studieren.

Das eher nicht (Ruhr-Uni Bochum - höchste Selbstmordrate unter Deutschlands Unis), aber in einem Ausnahme-Studiengang (klein: 25 Studenten im 5. Semester, mehr als ausreichende Budgets, dadurch entsprechend motiviertes Lehrpersonal).

Dennoch sind Ärzte nicht ohne Grund die suchtgefährdetste Berufsgruppe…

Ich dachte immer, am gefährdetsten wären die Pharmazeuten. Und
dann natürlich die Mediziner.

Ich kann das leider nicht belegen, hab auf die Schnelle keine Studien dazu gefunden. Bei der Suche nach Belegen für meine Behauptung bin ich allerdings auf die Aussage gestoßen, daß Mediziner zudem die Berufsgruppe mit der höchsten Selbstmordrate sind (in Dtld.).

Haben schließlich den extrem
leichten Zugriff auf allerlei tolles Zeug. Dürfen Ärzte sich
eigentlich selbst Rezepte ausstellen?

Das brauchen sie nicht. Ich weiß nicht, wie das bei Niedergelassenen ist, aber im Krankenhaus wird über rezeptpflichtige Medikamente meinem Erleben nach kein Buch geführt. Kann sich jeder, der Zugang hat, nehmen, was er will. Ausnahme sind Medikamente, die unter das BTM-Gesetz fallen. Da wird das recht eng gesehen. Allerdings können auch da mal Ampullen „runterfallen“ - fällt bei Regelmäßigkeit aber auf.

Gruß,

Malte.

Hallo Fritze,

Ich dachte immer, am gefährdetsten wären die Pharmazeuten.

das dürfte sich m.E. ungefähr die Waage halten. Bei Ärzten ist es allerdings eher möglich über Schinrezepte oder Scheinpatienten an den Stoff zu kommen, ein Apotheker muß da schon mehr tricksen.

Dürfen Ärzte sich
eigentlich selbst Rezepte ausstellen?

theoretisch schon, aber warum?!
Da kriegt der Patient A (ob es ihn nun gibt oder nicht) ein Zeug aufgeschrieben, oder wenn er es wirklich kriegt etwas mehr und schon bleibt was für das Personal übrig.
Beim jobben im Krankenhaus und/oder bei diversen Praktika hab ich mehrfach mitgekriegt, wie eine Ampulle mit BTM-relevantem Zeug in die Gurgel eines Mitarbeiters/Mitarbeiterin geflossen ist und anschließend einem Patienten aufgeschrieben wurde. Das ist allerdings schon ettliche JAhre her, mitlerweile mag es strenger zugehen.

Gandalf

Hi Dana,

ich habs so ähnlich wie Malte gemacht…erst Rettungsdienst und dann irgendwie ins Medizinstudium geschlittert.

Da ich erst durch den Rettungsdienst begonnen habe, mich für Medizin zu interessieren, hatte ich glaube ich von vorneherein ein recht realistisches Bild vom Studium und vom Arztberuf.(Zähle zumindest nicht zur „Ich helf mal ganz vielen Menschen und rette viele kleine Kinder, ich bin ganz toll“-Fraktion :smile:

Ich hab irgendwann einfach mal beschlossen, mich auf einen Studienplatz zu bewerben, und hab ihn auch bekommen - und bis jetzt bin ich dabei geblieben.

Das würde ich dir auch empfehlen…probieren kostet nix, höchstens ein halbes Jahr deines Lebens, aber was ist das schon im Verhältnis zu einem ganzen Berufsleben!

ciao
Phil

Hi Dana-
da muss ich doch mal auch eine Lanze für das Medizinstudium brechen, nachdem so viele Antworten so frustriert klingen:
Medizin ist anspruchsvoll, das stimmt, aber das mit dem Auswendiglernen ist ein lange gepflegtes Vorurteil: Klar, es sind viele Fakten die man im Kopf haben muß, aber mit ein bißchen Grips und Verständnis der Hintergründe der Physiologie und Pathophysiologie kann man sich so viel herleiten, was man nicht auswendig wissen muß! Wer auswendig lernt ohne zu verstehen ist selber schuld!! Ein gewisses Maß an Hirn und Sitzfleisch ist definitiv notwendig!
Vieles von dem, was man im Grundstudium lernt, braucht man als Arzt in der Tat nicht mehr direkt, aber als Grundlage fand ich es äußerst interessant. Aber das ist in anderen Fächern im Grundstudium auch nicht anders.
Ich hab mein Medizinstudium sehr genossen und würde es jederzeit nochmal machen! Wichtig ist sicher der Studienort, es gibt ziemlich Unterschiede in der Qualität der Lehre an verschiedenen Unis (kenne jetzt die Lehre an drei verschiedenen Unis ganz gut…)
Kleine Bemerkung zu Malte: Mich haben in den ersten Semestern weniger die „Kollegen“ in den „Chemiekittelchen“ genervt (über die konnte man sich doch schön amüsieren), als eher die Rettungssanis, die kontinuierlich ungefragt ihre dramatischen Blaulichtstories zum besten gaben und die ganze Zeit verkündet haben, daß man das, was gerade in der Uni gelehrt wird, später überhaupt nicht braucht und völlig überflüssig sei! Hey- das ist ein Studium- keine Ausbildung!!

Was den Job danach betrifft… na, reich wird man eher nicht- und arbeitsscheu sollte man auch nicht sein! Und das AiP wird es für Dich auch nicht mehr geben. Aber durch den allgemeinen Ärztemangel im Moment verbessern sich die Arbeitsbedingungen schon.
Ich gehe jeden Tag gerne in die Klinik, es ist abwechslungsreich und spannend.

Aber das ist sicher sehr persönlichkeitsabhängig. Das wichtige ist, daß Du feststellst, ob Du für das Studium und den Beruf danach geeignet bist! Ob Dir ein anspruchsvolles Studium, das viel Lernaufwand erfordert, Spaß machen würde!
Kannst ja mal ein Ferienpraktikum im Krankenhaus machen, und wenn Dich das noch nicht abgeschreckt hat, versuch’s doch wirklich mal ein Semester. Ich finde, es lohnt sich! Und eines ist in jedem Beruf gleich: es hängt davon ab was man draus macht!

Viele Grüße,
Stephan

Hallo Stephan!

Danke für den Ratschlag von einem, der jeden Tag in die Klinik fährt.
Ein Praktikum im Krankenhaus habe ich schon gemacht. Dabei hat es sich zum einen um ein Praktikum in der Phatologie und zum anderen um eines im Labor gehandelt. Das im Labor war sehr aufschlussreich, da ich Einblick in viele Bereiche erhalten hab (Stationsgang, etc.).

Was meintest du damit, dass es das AiP für mich nicht mehr geben wird? Ich habe davon gehört, dass man dabei ist an vielen Unis das Studium umzustrukturieren, damit man auch praktische Erfahrungen macht. H.d im Enteffekt, dass man den AiP nicht mehr braucht?

An welchen Unis warst du denn, bzw welche würdest du empfehlen? Ich bin da nicht sehr standort gebunden. Habe bisher gehört, dass Köln sehr gut ist, es dort aber im Grunde genommen viel zu viele Studenten gibt.

Lohnt sich eigentlich ein Auslandssemester? Wenn ja, wo?

Viele Grüße
Dana

Hi Dana-
das AiP wird es ab dem 1.10.2004 nicht mehr geben. Ist schon durch den Gestzgeber fest abgesegnet. Eine gute Entwicklung, denke ich.
Daß du schon Praktika gemacht hast ist super, bessere Entscheidungshilfe gibt es nicht. Aber vielleicht wäre ein richtiges Krankenpflegepraktikum noch ganz interessant, weil bisher hast Du ja hauptsächlich die Labors etc. kennengelernt. Und mal so richtigen Patientenkontakt wäre sicher wichtig. Außerdem braucht man eh glaube ich immer noch 6 Wochen Krankenpflegepraktikum bis zum Physikum. Da müßtest Du Dich mal genauer erkundigen.
Ich habe in Freiburg die Vorklinik gemacht (bis Physikum) und dann in München die Klinik. Jetzt unterrichte ich selber in Dresden.
Die Vorklinik in Freiburg war super, deutlich besser als München zu der Zeit- allgemein sollte man sicher an einer etwas kleineren Uni bewerben. Klinik in München war o.k., es mangelte jedoch etwas an engagierten Kursleitern…
Dresden kann ich voll und ganz für’s Medizinstudium empfehlen! Dresden hat seine unterrichtsform vollständig auf POL (Problemorientiertes Lernen) umgestellt, viele Kleingruppen, Praxisnahe Ausbildung und sehr engagierte Kursleiter, da der Lehre insgesamt ein sehr hohes Gewicht beigemessen wird. Die Studenten, die wir hier in den Kursen sehen, haben im Vergleich zu denen anderer Unis, die ich so miterlebt habe, ein deutlich umfassenderes Wissen! Ich glaube, im Spiegelranking letztes Jahr, war Dresden auch an Stelle 1 in der Lehre.
Aber bei der Wahl des Studienortes spielen ja auch andere Gesichtspunkte mit… also schau Dir einfach mal ein paar Unis und Städte an. Weg von zuhause ist sicher nicht schlecht und Auslandssemester kann man eigentlich jederzeit einlegen, das ist sicher ein langes Kapitel, über das man einige Seiten schreiben könnte. Meld Dich mal, wenn’s aktuell wird. War selber während des Studiums viel unterwegs…

Grüße, Stephan

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