Hallo,
nach zwei sehr persönlichen Einstellungen kann ich ja auch meine - ebenfalls sehr persönliche Einstellung
- noch zum besten geben.
Ich studiere Germanistik und Anglistik im Bacherlor-Studiengang mit dem Studienziel Lehramt GHR. Hat mit Medizin herzlich wenig zu tun, aber (wie Fritze schon sagte): irgendwie sind doch alle Studiengänge gleich.
Nach zweieinhalb Semestern ist das erste Stichwort, was mir beim Gedanken an die Uni einfällt organisatorisches Chaos. Überspitzt gesagt: Die Herren und Damen Professoren, Doktoren und Dozenten sind oftmals nicht in der Lage, die simpelsten Sachen zu organisieren. Im Zweifelsfall ist immer jemand anders zuständig. Allgemeine Fragen, die nicht direkt die Vorlesung / Veranstaltung betreffen, braucht man gar nicht erst stellen, das wissen sie sowieso nicht (falls sie nicht zufällig „Koordinator des Studiengangs“ oder ausdrücklich für „Beratung“ zuständig sind, aber dann kriegt man keinen Termin, also auch aussichtslos…). Wenn ihre Sekretärin sich drei Wochen krank ins Bett legt, geht sowieso gar nichts mehr. Vielleicht ist das auch nur bei mir so extrem, den Studiengang gibt es nämlich jetzt erst im dritten Semester. Man braucht also ein gewisses Durchhaltevermögen und - viel wichtiger - den Willen und das sichere Wissen, unbedingt dieses Fach studieren zu wollen, um sich durch die Barrieren zu kämpfen (heißt: wenn du ein Studium beginnst und nicht sicher bist, das Richtige zu tun, geht es mit großer Wahrscheinlichkeit schief…). Jetzt, im dritten Semester, habe ich „das Schlimmste hinter mir“, einige wichtige Erfahrungen gemacht und vor allem Beziehungen geknüpft. Inzwischen weiß ich, wer bereit ist, Auskunft zu geben und nebenbei auch noch Ahnung hat. Ich weiß, zu welchem Büro man gar nicht erst gehen muss, weil man ohnehin gleich zu jemand anderem geschickt wird. Ich weiß, welche Seminare man gleich knicken kann, weil der Dozent zum Einschlafen ist, und welche sich lohnen, weil sich hinter dem Namen ein noch engagierter, flexibler, motivierter und fähiger Mittdreißiger verbirgt (auch wenn das dann in aller Regel „mehr Arbeit“ bedeutet - man lernt wengistens was).
- Ich hab keinen Bock, stupide auswendig zu lernen, ohne zu
verstehen. Genau das ist aber Pflichtprogramm.
Das ist es aber in fast allen anderen Studiengängen auch.
Fragen an Kommilitonen höheren Semesters lieferten erstaunlich
häufig: „Keine Ahnung, ich hab’ den Schein schon.“
Stimmt, das kommt mir doch sehr bekannt vor…
- Die Sachen, um die es da ging und die auf mich zugekommen
wären, haben mich zum großen Teil schlicht nicht interessiert.
Arzt werden und Arzt sein sind zwei Paar Schuhe, die wenig
miteinander zu tun haben.
Ersetze „Arzt“ durch beliebige andere Berufsgruppe
In meinem Fall: was haben Mediävistik, Mittelhochdeutsch, Makrolinguistik und Goethe im Allgemeinen und Besonderen mit Grundschule zu tun? Richtig: NICHTS. Ich lerne eine ganze Menge Krams, der zwar prinzipiell nicht uninteressant ist, aber leider überhaupt nicht weiterhilft, wenn man mein Berufsziel bedenkt. Das große Problem der Uni ist, dass sie viel zu theoretisch arbeitet und versucht, mit einem Studiengang ein sehr breites Berufsfeld abzudecken (in meinen Vorlesungen und Seminaren sitzen zukünftige Lehrer für Grund-, Haupt- und Realschule sowie Gymnasien, außerdem Journalisten, Theaterkritiker, Fachwissenschaftler, etc.). Aber das muss man eben hinnehmen und alle Angebote, die sich bieten, praktische Erfahungen zu sammeln, nutzen. Ich habe alle bisherigen Semesterferien für Praktika genutzt und dabei mehr Erfahrungen gesammelt als in den Hörsälen. Ein weiterer Vorteil: hin und wieder entdeckt man Elemente aus Vorlesungen wieder und ist froh, das schon mal gehört / gelernt zu haben. Anschließend macht auch das Studieren wieder ein bißchen mehr Sinn.
- Die Professoren waren durch die Bank scheiße arrogant. Ihr
Ansinnen war es, von den Studis demütig die Füße geleckt zu
bekommen und aufgrund von Kriterien wie Haarfarbe oder
Busengröße durchfallen zu lassen. Ein Interesse, gute Ärzte
hervorzubringen, konnte ich nicht entdecken.
Auch hier gilt leider an deutschen Unis: Das ist eher die
Regel, als die Ausnahme. Über alle Fachbereiche. Studenten
sind dazu da, Professoren zu zeigen, was für ein Toller Hecht
sie sind und das sie selbst unwürdige Würmlinge sind, von
denen es vielleicht die besten 0.5% mal zu was bringen
könnten.
Das sehe ich etwas anders. Professoren haben alle ihr spezielles Gebiet. Darin sind sie top - und zeigen das auch mal gerne. Alles, was darüber hinaus geht (insbesondere Organisation und Kooperation mit anderen Gebieten des Studienfachs), stellt sie oft vor ein unlösbares Problem. Sicherlich gibt es auch die, die sich wirklich nicht für ihre Studenten interessieren. Wenn man aber nach ein oder zwei Semestern mit den Namen der Dozenten ein Gesicht verbindet ist es auch einfacher, sich die Veranstaltungen herauszupicken, die sinnvoll sind. Ich kann inzwischen die weniger sinnvollen Kandidaten erfolgreich umschiffen.
Ich habe keine Ahnung, wie das Berufsfeld „Medizin“ aussieht. Überleg dir einfach gut, was für ein Typ du bist: lernst du gerne? Interessierst du dich für Hintergründe (auch auf die Gefahr hin, jede Menge zu lernen, die man in der Praxis nie wieder braucht)? Oder bist du eher praktisch veranlagt und willst etwas TUN? Das ist meiner Ansicht nach die eigentliche Entscheidung, die du fällen musst. Alles andere ergibt sich daraus.
MfG, Hanna