Hallo, Gemeinde!
Wer kann mir Quellen nennen, in denen ich etwas über die -Achtung, jetzt kommt`s- metaphorische Bedeutung des Blutes in der Geschichte der Medizin erfahren kann?
Klar, dass ich in die Bibliothek der Mediziner gehen werde, aber vielleicht hat sich jemand schon einmal damit beschäftigt und weiß etwas Genaueres.
Lieben Dank für jeden Hinweis sagt
Lea
hallo Lea,
falls dich auch literarische Quellen interessieren, lies mal
Der arme Heinrich von Hartmann von Aue. Im Original in Mittelhochdeutsch, gibts aber auch als Übersetzung, Nacherzählung und Bearbeitung (z.B. von Gerhart Hauptmann)
Gruß
Oliver
Hallo Lea,
vielleicht bringt’s was, die Artikel „Blut“ nachzulesen in
LThK (Lexikon für Theologie und Kirche) und
Grimm, Deutsches Wörterbuch.
Da geht es zwar nicht um die
metaphorische Bedeutung des Blutes in der Geschichte
der Medizin,
aber es sind interessante Hinweise und Belegstellen zu finden, die vielleicht doch Dein Thema berühren.
Beste Grüße!
H.
Hallo Lea,
im 3. Reich hat ja die „metaphorische Bedeutung“ des Blutes ja noch einmal einen letzen Höhepunkt erlebt, bevor dann 1953 die Strukur der DNS entdeckt und die Vererbung etwas enmythifiziert wurde.
Die folgenden Zitate sind aus „Erbpathologie“ von Otmar von Verschuer (das ist Mengeles Doktorvater gewesen) und verdeutlichen das. Das Buch ist 1945 letztmalig erschienen, diese Auflage habe ich erwischt.
S. 37: „Ein Gen ist wahrscheinlich ein Einzelmolekül oder ein kristallähnlicher Atomverband. Eine Genmutation entspricht damit der Umlagerung einer einzelnen Atomgruppe in diesem Atomverband.“
S. 68: „Seele und Geist des Menschen haben ihre Wurzel ebenso wie der Körper im Erbgefüge. Die Psyche ist aber ein empfindliches Reagens. Disharmonie der Gene wird sich deshalb wahrscheinlich leichter in psychischen als in körperlichen Störungen äußern. Es fehlt aber noch an wirklich beweisenden Unterlagen.“
Verschuer war damals ein führender Humangenetiker. Es lag also ein Halbwissen vor, das das ideale Fundament für die Blut-und-Boden-Mythologie war.
Eine gute (und nicht zu teure) Übersicht über den damaligen Wissensstand in Sachen Genetik bietet „Erblichkeitslehre und Rassenhygiene“ von Baur, Fischer, Lenz in zwei Bänden (Band 1: Theorie, Band 2: Praktische Anwendung).
Auch ganz interessant: „SS-Mann und Blutsfrage“, damals nur zur internen Verwendung, herausgegeben von Himmler und im Internet zum Herunterladen zu finden.
Mit mittelalterlichen Quellen kann ich leider nicht dienen 
Aber für den Abschluss deiner Arbeit, falls es eine wird, sind die Nazis vielleicht ganz nett.
Schöne Grüße
Petra
Schon mal Dank an Euch! owT
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Hallo Lea,
bei solchen Themen immer zu empfehlen: Das Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, mit Angaben zu Blutbrüderschaft, Teufelspakt, Heilung durch Blut etc. und weiterführender Literatur, wenn auch auf dem Stand der 30er Jahre
Gruß Lessing
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
Falls es nicht schon zu spät kommt…
Nicht wirklich metaphorisch, sondern antike Physiologie aus der sich aber sicher auch manche Metapher ableiten lässt.
Blut gehört zu den vier Kardinalsäften (+Schleim= Phlega, Galle= cholon und „schwarze Galle“=Melancholon) der griechischen Medizin, die bis in die Neuzeit hinein Geltung hatte. Dabei hatte er unter den vieren die Hauptrolle, denn wenn er ausläuft, kann es ganz schnell aussein.
Schleim läuft höchstens aus der Nase (Schnupfen) und die Gallen sieht man nur selten direkt auslaufen. Wichtiger war ein gesundes Mischungsverhältnis.
Blut war der wichtigster Lebens-Saft, der in seiner Bedeutung auch Nichtmedizinern bekannt war.
Literatur dazu: H.E. Sigerist Anfänge der Medizin 1962 (alt aber sehr ausführlich)
Antike Medizin ein Lexikon. hg Leven 2005
grmek: Geschichte des Medizinischen Denkens 1996
und natürlich die entsprechnden Stellen bei Hippo und Galen etc.
Viel Spass Susanne