Medizinische Versorgung im Flugzeug?

Guten Tag,

angenommen ich kippe im Flugzeug um und kein Arzt ist an Bord. Was passiert dann?

Vielen Dank.


Quelle focus.de

Koffer für die Erste Hilfe

In Europa wurde dank der Brüsseler Regelungswut alles bis ins Detail festgelegt. Das Equipment richtet sich nach Zahl der Passagiere und der Flugdauer. Gemäß der JAR-OPS 1.745 (Joint Aviation Requirements Operations) muss jedes Flugzeug einen Erste-Hilfe-Koffer haben. Bis zu 99 Fluggästen reicht einer, bis zu 199 Passagieren müssen es schon zwei sein und ab 300 Reisenden vier. Der Inhalt dieses Koffers entspricht einer erweiterten Fassung von Erste-Hilfe-Ausrüstung, wie sie für jeden Betrieb vorgeschrieben ist. Neben Verbandszeug gehören allerdings Augenspülflüssigkeit und Lifeway Atemspende-Gerät zur flugspezifischen Ausstattung.
Emergency Medical Kit

JAR-OPS 1.755 stipuliert, dass ein so genanntes „Emergency Medical Kit“ ab 30 Passagieren oder einer Flugzeit von 60 Minuten nötig ist. Der Inhalt dieses Koffers darf nur von qualifizierten Personen benutzt werden, also einem Arzt.

Allerdings wird diese Regel außer Kraft gesetzt, wenn ein „übergesetzlicher Notstand“ herrscht. Das heißt, wenn keine medizinische Fachkraft an Bord ist und es „begründete Hoffnung“ gibt, dem Patienten mit Hilfe der Ausrüstung dieses Medical Kits das Leben zu retten. Dann darf auch die Crew oder jeder, der es wagt, den Inhalt des Notfall-Koffers verwenden.

JAR-OPS 1.760 schreibt schließlich die Mitnahme eines Sauerstoffgeräts (zusätzlich zu den Sauerstoffmasken an jedem Platz) bei Flügen, die über 9000 Meter Höhe fliegen, vor.

Im Emergency Medical Kit, das bei der Lufthansa auch „Doctor´s Kit“ genannt wird, befinden sich unter anderem Instrumente wie Absaugpumpe, Einmalspritzen, Blasenkatheter und Einmalskalpelle – kurzum Dinge, mit denen geschulte Kräfte im Notfall Leben retten können.


Bei komplizierteren Notfällen wird der Pilot den nächstmöglichen freien Flughafen ansteuern und den Patienten dort an den medizinischen Dienst übergeben.

Gruß
Kuddenberg

Ich vergaß:

das fliegende Personal erhält mindestens einmal jährlich einen Erste-Hilfe-Kurs.

Hi,

angenommen ich kippe im Flugzeug um und kein Arzt ist an Bord.
Was passiert dann?

wenn Du Glück hast, dann ist jemand an Bord, der professionell Erste Hilfe beherrscht - das ist bei Ärzten nur manchmal der Fall. Im Zweifel helfen die Flugbegleiter, die allesamt in Erster Hilfe geschult sind.

Eine außergewöhnliche Zwischenlandung auf dem nächsten geeigneten Flughafen ist je nach Notfall auch eine (zusätzliche) Option.

Gruß,

Malte

Hallo,

angenommen ich kippe im Flugzeug um und kein Arzt ist an Bord.
Was passiert dann?

Dann kümmern sich die Flugbegleiter um dich.
Aber meistens ist sowieso irgendein medizinisch versiertes Wesen an Bord.

lg

wenn Du Glück hast, dann ist jemand an Bord, der professionell
Erste Hilfe beherrscht - das ist bei Ärzten nur manchmal der
Fall.

Also das halte ich wirklich für sehr unwahrscheinlich. Meiner Meinung nach müsste jedem approbierten Arzt, der keine „Erste Hilfe“ leisten kann, sofort die Approbation entzogen werden. Im Grunde muss jeder Arzt auch in der Lage sein, ein Verfahren im Sinne einer ACLS durchzuführen, da müsste die „Erste Hilfe“ auf jeden Fall auch machbar sein. :wink:

HG
sunconure

Danke für eure Antworten.

Also kann ich mir sicher sein dass ich im Flieger gut versorgt werde?

naja, ein fliegendes Krankenhaus darfst du dir nicht erwarten.

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wenn Du Glück hast, dann ist jemand an Bord, der professionell
Erste Hilfe beherrscht - das ist bei Ärzten nur manchmal der
Fall.

Also das halte ich wirklich für sehr unwahrscheinlich. Meiner
Meinung nach müsste jedem approbierten Arzt, der keine „Erste
Hilfe“ leisten kann, sofort die Approbation entzogen werden.
Im Grunde muss jeder Arzt auch in der Lage sein, ein Verfahren
im Sinne einer ACLS durchzuführen, da müsste die „Erste Hilfe“
auf jeden Fall auch machbar sein. :wink:

Tja, schön wäre das, aber die Realität spricht leider eine andere Sprache. Notfallmedizin, Rettungsmedizin und Erste Hilfe sind halt drei Bereiche, die im Medizinstudium und erst recht später in Facharztausbildung und evtl. niedergelassener Tätigkeit nur einen geringen Stellenwert haben. Wie fit da der einzelne ist, hängt maßgeblich vom Interesse desjenigen ab.

Oft mangelt es schon an den Basics - ich hab bspw. viel zu oft HI-Patienten aus Hausarztpraxen abgeholt, die flach liegend ohne EKG oder Sauerstoff allein in irgendeinem Untersuchungszimmer lagen.

Meine Lieblingsanekdote ist aber immer noch der Kassenärztliche Notdienst Doktor, der in Bezug auf den reanimationspflichtigen Patienten meinte „Nix Defibrillator, schnell Krankenhaus!“.

*sigh*

Klar, das sind Einzelfälle, aber generell hab ich was dieses Thema angeht mehr Vertrauen zu einem Rettungsdienstler oder einem Ausbilder für Erste Hilfe als zu einem Arzt.

Gruß,

Malte

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