Hallo Tanya,
erstmal vielen Dank das du dir die Mühe machst, dich zu dem Thema zu informieren, viele Menschen denken ja, das sich sowas von selbst ergibt und wundern sich dann, warum ihre Meerschweinchen so jung sterben.
Nur weil ein Tier lebt, heisst das ja nicht, dass es ihm automatisch gut geht. Gerade Fluchttiere wie Meerschweinchen neigen dazu, ihre Leiden zu verstecken um sich nicht als leichte Beute preiszugeben. Ein wichtiges Anzeichen ist immer, wenn sich das Tier von der Gruppe absondert und mit dem Gesicht zur Wand rumsitzt.
Aber kranke Meerschweinchen sind nicht das Thema.
Ich hatte in jungen Jahren mehrere Meerschweinchen, hatte auch einige Bücher gelesen, hab nur das beste Futter gekauft und hielt sie für hervorragend versorgt.
Jetzt als Erwachsene habe ich ein schlechtes Gewissen, weil ich es nun (glücklicherweise) besser weiss.
Gerade die günstige Literatur oder viele private Homepages erzählen alle das gleiche und basieren im Endeffekt nur auf der Erfahrung einzelner Menschen deren Meerschweinchen (ob jetzt wegen oder trotz guter Haltung) noch am Leben sind.
Wir haben heute drei rundum zufriedene Meerschweinchendamen und endlich auch eine gute und spezialisierte Tierärztin, die uns mit vielen wichtigen Informationen versorgt hat, die auch deinen Schweinchen nützen könnten.
Das wichtigste ist zunächst, das der Meerschweinchen-Verdauungstrakt sich auf bestimmtes Futter spezialisiert und das die Nahrung bis zu 5 Tage im Meerschweinchen bleibt (da sie sich auch nicht erbrechen können, kann das fatale Folgen haben).
Das heisst nicht, das das Futter monoton sein darf, sondern das man keine schnellen Futterumstellungen vornehmen darf und das man bei jedem neuen Futter vorher überprüfen sollte, ob das Meerschweinchen es verträgt.
Alles neue immer erst in kleinen Portionen füttern.
Der Verdauungstrakt basiert auch auf der Besonderheit, dass immer etwas nachgeschoben werden muss, damit hinten was rauskommen kann. Im Klartext: Meerschweinchen sollten IMMER gutes (möglichst grünes, nach frischem Heu riechendes) HEU zur Verfügung haben, dies bekommt man meist eher in kleinen Fachgeschäften, von Marken wie Vitakraft ist grundsätzlich abzuraten, das sind keine Tierfreunde.
Desweiteren sollte das Schweinchen um seine Verdauung optimal zu gewährleisten alle 2-3 Stunden mit einer kleinen Portion gefüttert werden, das das in Realität nicht funktioniert ist klar, aber man sollte eben nach der Devise füttern, lieber häufiger kleine Portionen.
Um nun endlich zu der Frage zu kommen, was gefüttert werden soll, würde ich gerne zunächst sagen, das Meerschweinchen von Natur aus keine Körner-Fresser sind, sie ziehen durch die Landschaft und futtern, was für sie erreichbar ist, also in erster Linie Gras (also Heu in Frischform) und „Gemüseartiges“ oder auch frisch runtergefalenes Obst. Kein Getreide, oder nur in Ausnahmefällen.
Das heisst, die Körnermischung, die man im Handel als Meerschweinchenfutter kauft, darf nur Zusatzfutter sein (bei unseren Meerschweinchen ist es nur als Belohnung da) und nicht als Grundlage dienen. Schweinchen, die ihr Leben lang einen Fressnapf voll Trockenfutter vor der Nase haben und nur einmal am Tag etwas Gemüse sehen, können dank der spezialisierten Verdauung zwar überleben, sind aber deutlich anfälliger für Krankheiten. Es ist schwer verdaulich, also keine Lösung für den Alltag. Aber Werbung und Image haben hier wirklich gute Arbeit geleistet, wenn Meerschweinchenfutter draufsteht, ist es naheliegend es zu kaufen…
Zugegeben, die Ernährung mit frischem Obst ist teurer als das Trockenfutter, lohnt sich meiner Meinung nach aber 100%ig.
Unsere Meerschweinchen sind jetzt 3 Jahre alt, waren noch nie krank und sind selbst an diesen viel zu heissen Tagen immer fit.
Unser Essensplan sieht wie folgt aus:
immer mit dabei (wenn beim Marktstand unseres Vertauens erhältlich):
-> Salatgurke
-> Tomaten
-> grüne und gelbe Paprika
-> Eisbergsalat
-> Möhren
-> Fenchel
häufiger mal:
-> rote Beete
-> Petersilie (viel Vitamin C, soll aber angeblich Schweinchen süchtig machen, weiss da jemand was?)
-> Apfel
-> Banane
-> Wassermelone
-> Stangensellerie
-> Basilikum
-> Chicorée
selten und in kleinen Mengen:
-> Erdbeeren / Himbeeren (eine pro Schwein)
-> Broccoliröschen
Grundsätzlich sind alle Kohlarten kritisch, genauso wie Birnen, Kirschen/Pflaumen und einige andere Obstsorten (müsste ich nochmal recherchieren).
Bei einer solchen Ernährung sind auch andere käufliche Nahrungsergänzungen wie Salz-und Mineralleckstein, Vitaminpräparate (Meerschweinchen können selbst kein Vitamin C produzieren) oder ähnliches nötig. Von Knabberstangen und den anderen angebotenen Snacks ist aus den gleichen Gründen wie bei dem Trockenfutter abzuraten, zusätzlich beinhalten diese auch noch Zusätze wie Zucker oder tierische Eiweisse.
Mir fallen noch so viele Dinge ein, die hier jetzt völlig den Rahmen sprengen würden, wenn du noch Fragen hast, auch zu anderen Meerschweinchenthemen kannst du mir gerne eine Mail schicken.
Zum Thema Grünfutter aus dem Garten: schwer zu pauschalisieren, auf jeden Fall sollte sicher gestellt sein, dass sich dort weder Hund noch Katze drauf entleert haben, auf jeden Fall, genau wie das gekaufte Gemüse, gründlich waschen und abtrocknen.
Viele Grüsse,
bytheway