eine Laienbewertung von komplexen Dienstleistungen, die man nicht alleine am Erfolg messen kann, taugt nur sehr bedingt. Natürlich kann man grobe Fehler melden, oder „softe“ Faktoren bewerten. Nur stellt sich natürlich die Frage, ob man bei einer ernsten Erkrankung lieber den perfekten Fachmann mit den rustikalen Umgangsformen und der schon etwas in die Jahre gekommenen Praxis oder lieber den netten Arzt mit viel Zeit und hübschen Helferinnen haben will?
Machen wir uns nichts vor, der Laie kann nicht erkennen, dass er den besten Fachmann vor sich hat, wenn der trotz all seines Wissens einem schwerkranken Patienten nicht mehr helfen konnte, und er wird genau so fehl gehen, wenn er den Stümper über den grünen Klee lobt, nur weil trotz dessen untauglicher Behandlung eine Krankheit aufgrund des normalen Verlaufs nach einiger Zeit wieder abgeklungen ist.
Und insoweit taugt auch der Vergleich von Arzt- oder auch Anwaltsbewertungen zu z.B. Hotelbewertungen nicht, weil da auch Laien durchaus in der Lage sind entscheidenden objektive Kriterien akzeptabel zu bewerten.
Die Laienbewertungen, die Du hier kritisierst, sind aber doch die entscheidenden! Es geht ja eben nicht nur um die rein fachliche Seite sondern um das Gesamtprodukt. (Operation gelungen, Patient tot?)
Von daher finde ich schon, dass auch Patienten zumindest zum Teil aussagekräftige Bewertungen abgeben. Das Problem oder wie man das nennen möchte, ist, dass fast jeder Patient andere Prioritäten setzt. Viele, zunächst eindeutige Fragen lassen sich oft unterschiedlich beantworten. Oft gibt es kein richtig oder falsch.
Oder
Ist der fachlich beste Arzt immer noch gut, wenn er dem Patienten durch seine Arzt so verletzt, dass er aus dem Fenster springt?
Ich habe letztens 3,5 Stunden in der Klinik gewartet. Muss jetzt noch mal wiederkommen. Aber nur, weil der Laden schlecht organisiert ist und nicht im Vorfeld in der Lage war, notwendige Untersuchungen anzufordern oder zu planen. So gut kann der Arzt gar nicht sein, um diesen Fehler wieder vollständig wett zu machen.
Die Bewertungen dienen imho nur dazu, Tendenzen zu erkennen. Und bei genügend Bewertungen gewinnen diese Tendenzen an Aussagekraft. Egal ob wir Katzenfutter, Hotels oder Ärzte bewerten. Und wenn 100 Patienten einen guten Eindruck von Therapie und Umfeld haben, dann ist das was. Egal ob sie fachlich vorgebildet sind oder nicht. In erster Linie zählt das Ergebnis aus Patientensicht.
Und vielleicht bringt es den fachlich kompetentesten Arzt ja auch zum Nachdenken, wenn er zum hundertsten Mal im Internet liest, dass er menschlich völlig neben der Spur ist. Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Die Laienbewertungen, die Du hier kritisierst, sind aber doch
die entscheidenden!
Wie kommst du auf den schmalen Pfad?
Es geht ja eben nicht nur um die rein
fachliche Seite sondern um das Gesamtprodukt. (Operation
gelungen, Patient tot?)
Nein, genau darum geht es im Zweifelsfall bei wirklich ernsten und lebensbedrohenden Erkrankungen nicht. Wenn mir drei Ärzte erklären, dass ich nur noch wenige Monate habe, und ich dann auf einen Arzt aufmerksam gemacht werde, der in dieser an sich aussichtslosen Situation vielleicht doch noch helfen kann, dann ist es mir herzlich egal, was an 1001 Faktoren neben der hoffentlich erfolgreichen Behandlung gegen diesen Arzt sprechen könnte. Und in so einer Situation würdest auch Du gerne tagelang warten, um endlich einen Termin bei jemandem zu bekommen, dessen rein fachliche Qualifikation so deutlich besser ist, dass Du nur dort noch eine reelle Chance bekommen kannst.
Und wenn es dann doch nicht klappt, dann mag natürlich vielleicht der Bekannten- und Freundeskreis geneigt sein, über diesem Arzt den Stab zu brechen, der menschlich eine Katastrophe ist, und in genau deinem Fall vom Ergebnis her „versagt“ hat. Nur ändert dies doch nichts daran, dass besagter Arzt eine Erfolgsquote hat, die deutlich über dem Wettbewerb liegt, und aufgrund derer man trotzdem die Hoffnung haben kann, dass einem hier besser als anderswo geholfen wird.
Von daher finde ich schon, dass auch Patienten zumindest zum
Teil aussagekräftige Bewertungen abgeben. Das Problem oder wie
man das nennen möchte, ist, dass fast jeder Patient andere
Prioritäten setzt.
Bei ernsten Erkrankungen gibt es nur eine Priorität. Wenn es um die Behandlung von Husten-Schnupfen-Heiserkeit geht, kannst Du dich gerne am nett eingerichteten Wartezimmer orientieren. Aber ganz ehrlich: Wenn ich dafür einmal im Jahr zum Arzt muss, dann suche ich mir den von Fall zu Fall neu aus, wenn ich beim letzten Mal nicht zufrieden war.
wenn man jetzt mal von lebensbedrohenden Erkrankungen absieht, kann der Patient sehr wohl beurteilen, wie der Arzt ist.
Bsp.: Ein Orthopäde:
Nimmt er sich mehr als 3 Minuten Zeit - kein Scherz!
Welche Untersuchungen werden bei Fortdauer der Beschwerden vorgenommen?
Hat er eigene Vorschläge?
Welche Therapievorschläge gibt es - oder bleibt es bei KG für die nächsten Jahre?
Überweist er ggf. weiter, wenn er merkt, er kommt nicht weiter?
Agiert er oder reagiert er nur auf Vorschläge des Patienten?
Gut, gute Orthopäden zu finden ist vermutlich eh eher unwahrscheinlich - aber diese Beispiele kann man auf jede Fachrichtung anwenden - und dann beurteilen.
Dazu kommen natürlich Wartezeiten - trotz Termin etc.
Bei ernsten Erkrankungen gibt es nur eine Priorität. Wenn es
um die Behandlung von Husten-Schnupfen-Heiserkeit geht, kannst
Du dich gerne am nett eingerichteten Wartezimmer orientieren.
Aber ganz ehrlich: Wenn ich dafür einmal im Jahr zum Arzt
muss, dann suche ich mir den von Fall zu Fall neu aus, wenn
ich beim letzten Mal nicht zufrieden war.
dem möchte ich entschieden widersprechen. Ich habe bei einer durchaus ernst zu nennende Erkrankung (Aortenklappenersatz) meinen Hausarzt aufgrund von „weichen“ Faktoren gewechselt.
Das kam so: nach der OP mußte ich sehr oft zu Kontroll- und Routinegängen in die Praxis, manchmal mehrmals die Woche. Das war nicht schön, und es kostete mich sehr viel Kraft und Mühe. Da war es umso wichtiger, daß alles Periphere reibungslos funktionierte, und genau das war bei ihm nicht der Fall: eine pampige, immer schlecht gelaunte Empfangsdame, die alle Patienten anraunzte, sie von oben herab behandelte, unflexibel und überhaupt unfreundlich war. Mit der ärztlichen Leistung war ich vollauf zufrieden, dennoch bin ich nach einigen Wochen gegangen.
Damals gab es keine Ärztebewertungseiten, aber meine Erfahrung hätte ich genauso wiedergegeben. Und ich glaube, jeder Laie ist in der Lage, diese Bewertung zu lesen und zu würdigen, unabhängig vom fehlenden fachlichen Hintergrundwissen.
ganz einfach: Weil in meinen Augen das Ergebnis aus Patientensicht die wichtigere Seite ist. Ich sage ja nichts dagegen, dass man Bewertungen möglichst differenziert abgeben und auch lesen muss. Wenn ich eine Bewertung lese, wo ein Arzt fachlich schlecht weg kommt, weil das Ambiente nicht stimmt, dann muss ich sie gedanklich streichen. Wenn mir denn die fachliche Geschichte wichtiger ist.
Mal ein Beispiel: Ich war bei einem Arzt, der von anderen Fachärzten und auch aus Patientensicht als DER Spezialist in Deutschland überhaupt empfohlen wird. Lange auf den Termin gewartet, viele km gefahren. Leider hat der sein „Urteil“ schon nach dem Lesen der Vorberichte gefällt. Die Untersuchung fiel mager aus. Und er lag stumpf falsch (habe mittlerweile einen histologischen Nachweis der Erkrankung, die er nach dieser oberflächigen Untersuchung sicher ausgeschlossen hat). Da kann ein Mensch noch so fachkompetent und erfolgreich sein. Wenn er aus Überheblichkeit Dinge ausschliesst, sieht man doch, dass auch diese Koryphäen Fehler machen. Ich glaube auch immer noch, dass dieser Mensch ein absoluter Profi ist und vielen Menschen geholfen hat. Aber im Grunde ist es doch nur richtig, wenn er in einem Bewertungsportal x Prozentpunkte weniger bekommt, weil er eben auch Fehler macht.
Und dazu sind nur die Patienten in der Lage. Ein „Bewerter“ würde nie den breiten Schnitt der Untersuchungen und Behandlungen erfassen können. Es spricht ja nichts dagegen, die „harten Fakten“ eines Arztes/einer Klinik dazu zu veröffentlichen. (Also z.B. Behandlungsfälle, Erfolgsquoten, Fälle mit Komplikationen. Wie auch immer man solche Zahlen ermitteln möchte). Diese Qualitätsberichte der Kliniken gehen da ja schon ein wenig in die Richtung.
Prioritäten setzen muss man dann schon alleine.
Mal eine andere Frage: Wie viele Ärzte wissen denn überhaupt, ob eine Behandlung wirklich erfolgreich und der Patient zufrieden war? Ich habe den Eindruck, dass ein Wegbleiben als Erfolg gewertet wird (wenn noch was wäre, würde der Patient doch wieder kommmen). Ob dies so ist oder ob er sich einfach einen anderen Arzt gesucht hat, weiss doch kaum einer - oder nicht???
…eine pampige, immer schlecht gelaunte Empfangsdame, die alle
Patienten anraunzte, sie von oben herab behandelte, unflexibel
und überhaupt unfreundlich war. Mit der ärztlichen Leistung
war ich vollauf zufrieden, dennoch bin ich nach einigen Wochen
gegangen.
Vielleicht hätte man in dem Fall den Arzt mal darauf ansprechen sollen - der weiß vielleicht gar nicht, was er für eine „Pfeife“ da vorne sitzen hat, weil sie zu ihm immer freundlich ist - und sich eben keiner beschwert.
Vielleicht hätte man in dem Fall den Arzt mal darauf
ansprechen sollen
ja klar. Ich gehe ja nicht wortlos. Nein, er hat sogar einmal eine Auseinandersetzung zwischen mir und der Dame mitbekommen.
Ich hatte meine Krankenkassenkarte im Auto vergessen, das vor der Tür parkte; als ich rausging, um diese zu holen, kam ich nicht wieder rein, weil es inzwischen schon über 12 Uhr war und die Praxis geschlossen hatte - dabei waren drinnen noch mindestens 10 Patienten; die Dame reagierte nicht auf das Klingeln, am Telefon war der Anrufbeantworter dran.
Schließlich wurde ich von einem herauskommenden Patienten reingelassen, und als ich mich darüber beschwerte, daß man weder auf die Klingel noch auf meinen Anruf reagiert hatte, antwortete die Gute tatsächlich: „Wissen Sie, wieviele Leute hier anrufen? Wenn ich jedes Mal darauf reagieren würde, käme ich gar nicht mehr zum Arbeiten!“. Es folgte eine zugegeben hitzige Diskussion, die der Arzt mitbekam und in die er sich auch einschaltete, dummerweise für seine Empfangsdame Partei ergreifend.
Zugegegeben, dass ich damals noch milder…
…über House gedacht habe.
Aber der wesentliche Satz ist doch der letzte, wo ich betone, dass sich so ein Verhalten höchstens ein Chefarzt leisten kann.