Hallo Kate,
Aber dein Beispiel interessiert mich, waren schon vor dem
Schulbesuch Englischkenntnisse vorhanden oder wurde an der
Schule ins Englische eingeführt?
Unsere Schule ist eine Schule für englischsprachige Kinder, nicht eine Schule, in der Kinder Englisch lernen können, will heißen, relativ gute Englischkenntnisse sind Voraussetzung zur Aufnahme.
Die Familien mit internationalem Hintergrund sind aber meist „highly mobile“, d.h. sie sind nur für begrenzte Zeit in Deutschland und das wissen sie frühzeitig. Da liegt es nahe, Englisch als Sprache in der Familie einzuführen, um spätere Umzüge durch die Möglichkeit von englischsprachigen Schulen leicht zu gestalten. Dies wird öfters erreicht, durch englischsprachigen Kindergarten, eventuell auch Aupairs.
Wir haben natürlich nur wenige Kinder an der Schule mit vier Sprachen (ich glaube, zwei, und ich kann selbstverständlich nicht beurteilen, wie gut alle Sprachen gesprochen werden). Aber etliche Kinder, die mit drei Sprachen konfrontiert sind und damit - soweit ich weiß - gut zurechtkommen. Es verlangt aber immer einen hohen Einsatz von Seiten der Eltern.
Gruß
Elke
Hallo Helena,
ich hab das vorhin aus dem Gedächtnis geschrieben.
Im Netz finde ich Folgendes:
„Die prägenden emotionalen Erfahrungen hat Canetti in seiner Kindheit in Rustschuk (1905-1911) gemacht. Er wurde 1905 geboren, drei Jahre vor der Unabhängigkeit Bulgariens vom Osmanischen Reich. Rustschuk war zu dieser Zeit ein kleinstädtisches Wien mit der Vielfalt des k.u.k.-Reichs. Seine Eltern wie ihre Kinder blieben türkische Staatsbürger; sie waren sephardische Juden, die Spaniolisch sprachen, und Deutsch , wenn ihre Kinder sie nicht verstehen sollten. Beide waren nach Wien orientiert, wo sie als Kinder wohlhabender Kaufleute zur Schule gegangen waren. Canettis erste Sprachen waren Ladino und das Bulgarisch der Dienst- und Kinder-mädchen. (hier wurde uns im Germanistikstudium erzählt, aber Quellen finde ich keine, die das bestätigen, dass die Ungarn, da ärmer als Dienstboten kamen, und so Ungarisch hinzukam. 1911 bis 1913 lebte die Familie in Manchester. Sein Vater arbeitete als Textilkaufmann bei Verwandten seiner Frau, beruflich sicher nach der privilegierten Situation in Rustschuk ein Abstieg. Elias Canetti wurde 1911 eingeschult, er lernte zusätzlich von einer englischen Nurse die neue Sprache; und er lernte mit großer Unterstützung seines Vaters lesen. Es folgte die Schulzeit in Wien, Zürich, Frankfurt (1913-1924). Canetti lernte 1913 Deutsch innerhalb von drei Monaten, unter der „Diktatur“ seiner Mutter: Sie sagte ihm einen deutschen Satz aus einer englisch-deutschen Grammatik vor, er musste wiederholen, bis die Aussprache stimmte, dann erfuhr er erst und nur einmal die englische Bedeutung; und so fort, ein Satz nach dem andern. Er sollte die deutschen Sätze für sich wiederholen, tagsüber und ohne Buch, und wurde am nächsten Morgen unter Beschimpfungen abgefragt. Die Schulen – Wien, Zürich, schließlich bis zum Abitur 1924 in Frankfurt – boten dagegen trotz der Wechsel keine Schwierigkeiten für Elias Canetti; seine Erinnerungen an die Schulzeit sind fast durchwegs positiv, für die Zürcher Jahre sogar begeistert. Anscheinend war er gerne Schüler, hatte nie Schwierigkeiten, Anschluss zu finden, von antisemitischen Anfeindungen blieb er bis auf die letzten Jahre weitgehend verschont.“
Quelle: http://www.jmw.at/de/pr_elias_canetti.html
Zusammenfassend heißt es da, seine dritte Sprache sei Deutsch gewesen (aber er hatte zumindest rudimentäre Kenntnisse auch in den anderen erwähnten Sprachen, Hebräisch durch seinen Glauben natürlich auch). Da dort auch unterschlagen wird, dass er am Ende seines Lebens seine Essays etc. auf Englisch verfasste, bin ich versucht, die Version meiner Germanistikdozentin bis auf Weiteres zu glauben.
Faszinierend finde ich seine Sprachgewalt in Deutsch (man lese: Autodafé oder Die Blendung) und nicht nur die Tatsache, dass er auf Deutsch schrieb.
Nur - die Methode, wie er die Sprache lernen musste, ist wohl eher nicht zu empfehlen. Allerdings lebte er dann ja in Österreich, in der Schweiz und in Deutschland und er muss den Leuten um sich herum genau auf den Mund geguckt haben ,das merkt man schon daran, wie er mit indirekter Rede umgeht, bzw. bei seinen Theaterstücken.
Gruß
Elke
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Hallo Sweet-Jane,
also zweisprachig aufgewachsene Menschen kenne ich jede Menge mit allen möglichen Sprachkombinationen. Aber auch drei- und viersprachig aufgewachsene, wobei ich bei letzteren schon ne Weile nachdenken mußte. Und oft ist es dann wirklich so, daß die Eltern eine Sprache miteinander sprechen, die weder das eine noch das andere Elternteil als Muttersprache innnhat. Ne Freundin von mir z. B. ist in Syrien aufgewachsen, ihr Vater sprach Arabisch mit ihr, ihre Mutter Deutsch, aber die „Familiensprache“ war Französisch. Nichtsdestotrotz hat sie ein deutsches und ein französisches Abi ohne Probleme abgelegt (ein arabisches aber nicht). Die Viersprachenkombination kenne ich 3x und zwar mit den eben genannten Sprachen und zusätzlich noch Englisch dazu. Ganz lustig find ich’s in großen Familien mit vielen Kindern, wenn es dann sogar noch zwischen Geschwistern bestimmte Sprachkombinationen gibt. Denke gerade an eine Bekannte, die obige Sprachen spricht, aber mit ihrer Schwester einige Zeit in einem englischen Internat war und von daher auch heute noch mit ihrer Schwester nur Englisch spricht.
Ist es sinnvoll sich auf eine Sprache zu konzentrieren oder
maximal zwei? Wie sieht die sprachliche Entwicklung bei vier
Sprachen aus - könnte dies eher schaden bzw. die sprachliche
Entwicklung verzögern?
Also von einer sog. Verzögerung hört und liest man oft bei mehrsprachig aufgewachsenen Kindern, d. h. es wird gesagt, daß diese Kinder leicht verzögert im Vergleich zum Durchschnitt mit dem Sprechen anfangen. Aber der Sprachbeginn ist sowieso so unterschiedlich bei den Kindern, daß ich im persönlichen Umfeld da keine große Unterschiede ausmachen kann.
Bei Euch kann ich mir vorstellen, daß der Vater des Kindes in spe Schwierigkeiten haben könnte „seine“ Sprache/n durchzusetzen bzw. konsequent zu sein und diese eben auch mit dem Kind zu sprechen.
Sofern ihr in D wohnen werdet dürfte es für Dich als deutsche Muttersprachlerin ja sowieso ein leichtes sein Deutsch mit dem Kind zu sprechen. Eure Familiensprache ist Englisch und auch diese ist dann dementsprechend präsent. Der Vater ist nun gezwungen eine Sprache mit dem Kind zu sprechen, die erstmal in der engen Umgebung nur er selbst spricht (Flämisch oder Türkisch). Daß dies schwierig ist/sein kann, kenn ich aus persönlicher Erfahrung.
(Noch) sommerliche Grüße zurück,
Christiane
Hallo:smile:
Mich würde interessieren warum ihr englisch miteinander redet
- kannst Du kein Flämisch und er kein
Deutsch oder gibt es einen anderen Grund.
Tja, warum eigentlich:smile:) Also, er versteht Deutsch und spricht es auch - aber langsamer und unsicherer als z.B. Englisch. Sagen wir mal, er fühlt sich noch nicht so recht „wohl in der Sprache“. Ich verstehe ihn mittlerweile teilweise in flämisch. Wenn er von etwas erzählt, dass wir zusammen erlebt haben, verstehe ich dies in Flämisch - sprechen kann ich hingegen nur ein paar Sätzchen.
Wir sprechen Englisch zusammen aus Gründen der Fairness, denk ich. Es ist weder seine noch meine Muttersprache und wir haben den gleichen Wortschatz in dieser Sprache und den „Umstand oder Aufwand“ uns gegenseitig mitzuteilen.
Grüße,
Sweet-Jane
Hallo Helena,
Hallo,
Vorab: Du hast mich angeklickt, also ich hoffe, daß Jane das
auch liest…
Na klar - ich lese sehr interessiert mit:smile:
Nach Rücksprache mit meinem Freund gestern, würde der sich wohl auf Flämisch konzentrieren wollen. Würde dann für uns bedeuten:
Ich: Deutsch
Er: Flämisch
Wir: Englisch (oder vielleicht habe ich bis dahin ja mein Flämisch verbessert oder er sein Deutsch…)
Seine Familie: Türkisch
Für mich selber konnte ich ganz gut die Postings aufnehmen, die gesagt haben, dass der Bezug zur Person wichtig ist. Also eine Person, eine Sprache.
Grüße,
Sweet-Jane
*neugierig*
Hallo Anita,
welche seltene Sprache ist es denn, wenn ich fragen darf:smile:
Grüße,
Sweet-Jane
Hallo Sweet-Jane,
Na klar - ich lese sehr interessiert mit:smile:
Schön! Dann ist es ja i.O.
Nach Rücksprache mit meinem Freund gestern, würde der sich
wohl auf Flämisch konzentrieren wollen. Würde dann für uns
bedeuten:
Ich: Deutsch
Er: Flämisch
Wir: Englisch (oder vielleicht habe ich bis dahin ja mein
Flämisch verbessert oder er sein Deutsch…)
Seine Familie: Türkisch
Wie gesagt, mMn. die wichtigsten Leitsätzen sind:
- Ein Mensch - Eine Sprache
- Diese Sprache UNBEDINGT die eigene Muttersprache.
Für mich selber konnte ich ganz gut die Postings aufnehmen,
die gesagt haben, dass der Bezug zur Person wichtig ist. Also
eine Person, eine Sprache.
Also bei meinem Sohn habe ich das stets so gemacht (gut, etwas anders kam ja für uns nicht in Frage) und jetzt zeigt sich, daß es wohl gut war. Es hat toll geklappt! Und wenn er jetzt nach Spanien fliegt und mit einsprachigen, gleichaltrigen spanischen Kinder spricht, merkt man nicht wer zweisprachig ist (weder an Wortschatz, noch an alterentsprechende Ausdrucksweise, noch an der „Geschwindigkeit“ wie er redet). Kurz: Ich bin darüber sehr glücklich! :o)))
Schöne Grüße,
Helena
Hallo Sweet-Jane und Christiane,
Also von einer sog. Verzögerung hört und liest man oft bei
mehrsprachig aufgewachsenen Kindern, d. h. es wird gesagt, daß
diese Kinder leicht verzögert im Vergleich zum Durchschnitt
mit dem Sprechen anfangen.
Genau das habe ich auch gelesen. Doch dann, eins die Kinder mit der Sprache anfangen, „holen“ diese Verzögerung schnell nach und in max. 1 Jahr merkt man nix davon, ausser daß das Kind zwischen den beiden Sprachen umschalten kann, wie mit dem Lichtschalter, z.B.
Bei Euch kann ich mir vorstellen, daß der Vater des Kindes in
spe Schwierigkeiten haben könnte „seine“ Sprache/n
durchzusetzen bzw. konsequent zu sein und diese eben auch mit
dem Kind zu sprechen.
Ich habe keine gehabt.
Der Vater ist nun
gezwungen eine Sprache mit dem Kind zu sprechen, die erstmal
in der engen Umgebung nur er selbst spricht (Flämisch oder
Türkisch). Daß dies schwierig ist/sein kann, kenn ich aus
persönlicher Erfahrung.
Genau das ist meine Situation und die von den letzten 6,5 Jahren und es war überhaupt nicht schwierig, allein deshalb weil es meine Muttersprache ist, in der ich denke, träume, überlege, etc… Nein, für mich war es sehr einfach und schwer wäre es nur gewesen wenn ich mit ihm irgendeine andere Sprache hätte reden müssen. Egal wieviele Menschen in meiner Umgebung diese auch nutzen (Bei mir NULL) ;o))
(Noch) sommerliche Grüße zurück,
Für Dich auch!
Helena
Hallo Elke,
Vielen Dank für Deinen sehr interessanten Beitrag. Dafür ein Sternchen.
Daß es ein „altes Spanisch“ gibt, die irgendwo im südosten Europas gesprochen wird (weiß nciht genau wo) wußte ich. Und das kam so zustande: Spätestens 1492 mußten alle Juden in Spanien entweder „konvertieren“ und katholisch werden oder das Land verlassen. Letzten verstreuten sich, aber viele gingen eben zu diesem mir nicht näher bekanntes Gebiet im SO Europas und so redeten ihre Sprache natürlich weiter, also spanisch. Dadurch daß rumherum kein Spanisch gesprochen wurde, kein großes Einfluß auf der Sprache aufgesetzt waren, wodurch man diese hätte mischen könnte (zB. wenn sie in einem Land gegangen wären, wo eine lateineische Sprache, wäre es vermutlich anders verlaufen) usw. blieb die Sprache weitesgehend so, wie es Ende des 15. Jh. war. Und so ist es bis heute.
Liebe Grüße,
Helena *die sich jetzt ausklicken muß, sonst verpasse ich noch den Flug ins nahe Ausland* ;o))
Hallo Elke,
ich kenne mehrere Familien, solche die immer nur jemweils eine Sprache mit dem Kind gesprochen haben und welche, die gemischt haben. Die Ergebnisse waren so wie oben beschrieben. Bei einem Paar haben die Eltern sogar beim ersten Kind „getrennt“ gesprochen und das Kind spricht fließend beide Sprachen und sein kleinerer Bruder (intelligenzmäßig genauso drauf) kann nur eine Sprache perfekt. Bei ihm haben die Eltern sich nicht so konsequent dran gehalten. Ich bin in dem Punkt sicher nicht wissenschaftlich aufgeklärt, es zeigt nur meine Erfahrung mit verschiedenen Menschen.
Gruß
Anna
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Aber dann…
…ist doch alles klar 
Hi Sweet-Jane,
Ich wohne in Deutschland (Muttersprache also Deutsch).
also redest Du deutsch
Er wohnt in Belgien (Muttersprache Flämisch).
Er ist türkischer Abstammung (Zweit-Muttersprache Türkisch).
Da müsstet Ihr Euch halt überlegen, wo Ihr hauptsächlich seid und/oder ob irgendwelche Grosseltern (die räumlich näheren?) vielleicht in der jeweils anderen Sprache reden. Dass Dein Partner in beiden Sprachen mit dem Kind redet ist wohl nicht besonders schlau.
Wir unterhalten uns zu 95% auf englisch.
Dann ist das halt Eure Familiensprache, wenn Ihr alle zusammen seid 
*wink*
Petzi
Hallo Elke,
eine Logopädin hat das mal in Bezug auf meine Nichte gesagt. Als sich herausstellte, dass jedoch für beide Eltern Deutsch nicht Muttersprache ist und sich das entsprechend im Akzent und evtl. ab und an in Fehlern äußert, hat sie das aber natürlich revidiert und stattdessen vorgeschlagen, ICH solle mit ihr immer nur Deutsch reden (da ich weder Akzent habe noch fehlerbehaftet spreche).
Ergo: Nach Meinung der Logopädin ist eine konsequente Trennung sinnvoll, allerdings nur, wenn die Person, die die jeweilige Sprache spricht, diese auf Muttersprachenniveau beherrscht.
Grüße
Anja
Hallo,
Das sehe ich allerdings nicht so unproblematisch.
Warum genau???
ich habe einen indischen Bekannten, bei dem die Eltern aber von Anfang an zu Hause nur Englisch gesprochen haben. Nun befinden wir uns beide aufgrund unseres Studiums in England und ich habe hier auch einen ganz guten Vergleich zu anderen ausländischen Studenten. Sein Wortschatz ist, v.a. was umgangssprachliche Redewendungen angeht, zweifelsohne besser als der von den meisten Leuten, die Englisch als Fremdsprache gelernt haben. Allerdings habe ich bei niemandem der „Fremdsprachler“ Probleme bei der Kommunikation mit den native speakers festgestellt, insofern spielt das imho keine große Rolle. Aber sein Akzent ist grausig! Wenn ich ihn mit anderen Indern vergleiche, für die Englisch Fremdsprache ist, dann ist sein Akzent eindeutig schlimmer! Ich vermute, das liegt daran, dass für ihn schon als Kind die „richtige“ englische Sprache die war, die er zu Hause von seinen Eltern aufgenommen hat, während die anderen von Anfang an bewusst die tatsächlich englische Aussprache lernten. Insofern überwiegen meiner Meinung nach die Nachteile, wenn das Kind zu Hause Nicht-Muttersprachler eine Sprache sprechen hört. Ich weiß, dass diese Situation nicht komplett vergleichbar ist mit der Situation der Ausgangsposterin, weil diese ja vorhat, mit dem Kind selbst in der Muttersprache zu reden. Aber wenn „Familiensprache“ trotzdem Englisch bleibt, wird das Kind zwangsläufig das Englisch der Eltern mit all deren grammatischen und Aussprachefehlern lernen. Ob das schlimm ist oder nicht, hängt davon ab, wie gut die Fragestellerin und ihr Freund die englische Sprache beherrschen. Imho wäre es der bessere Weg, wenn auch die Eltern im Beisein des Kindes jeder in seiner Sprache spräche, vorausgesetzt, das andere Elternteil versteht es. Aber ich würde auf jeden Fall bei einem Logopäden nachfragen, denn das ist nur meine laienhafte Meinung!
Viele Grüße
Anja
Hallo,
dein Beispiel ist meiner Meinung nach für diese Diskussion nicht aussagekräftig, da in Indien Englisch schon seit längerer Zeit in den gehobenen Schichten Umgangssprache ist. Der Akzent, der sich dort entwickelt hat, ist eindeutig durch indische Sprachmelodie und Aussprache gefärbt und eindeutig zuzuordnen. Dein Freund hat nicht nur Englisch von seinen Eltern, sondern mit ziemlicher Sicherheit von seinem ganzen indischen Umfeld gelernt. Dass sein Akzent deshalb wesentlich „indischer“ klingt, als das derjenigen Inder, die mit wenig Englischkenntnissen in Großbritannien Englisch lernten, ist nur logisch.
Vergleiche dazu das Englisch, dass sich in Südafrika unter weißen Südafrikanern entwickelt (es sind durchaus gravierende Unterschiede zwischen von Haus aus Afrikaans-sprachigen Südafrikanern und von Haus aus englischsprachigen Südafrikanern festzustelle bzw. das Englisch, dass unter schwarzen Südafrikanern gesprochen wird. Das ist eine ganz eigene Sprachkultur.
Näher zuhause: das Deutsch, was von Türken in Deutschland gesprochen wird, kommt nicht direkt von den Eltern.
Gruß
Elke
Hallo,
Ergo: Nach Meinung der Logopädin ist eine konsequente Trennung
sinnvoll, allerdings nur, wenn die Person, die die jeweilige
Sprache spricht, diese auf Muttersprachenniveau beherrscht.
Nichts gegen deine private Erfahrung. Ich bin aber auf der Suche nach wissenschaftlichen Studien, da ich nachwievor die Vermutung habe, dass die Theorie inzwischen einige Schritte weitergegangen ist.
Gruß
Elke
Hallo Elke,
es mag ja sein, dass es dazu neue wissenschaftliche Erkenntnisse gibt. Aber die Aussage einer Fachärztin als „private Erfahrung“ zu bezeichnen finde ich etwas überheblich.
Grüße
Anja
Hallo Elke.
dein Beispiel ist meiner Meinung nach für diese Diskussion
nicht aussagekräftig, da in Indien Englisch schon seit
längerer Zeit in den gehobenen Schichten Umgangssprache ist.
… was nichts daran ändert, dass es für die Sprachkenntnisse des Kindes eher schädlich sein kann, wenn Eltern mit ihm in der Nicht-Muttersprache sprechen.
Der Akzent, der sich dort entwickelt hat, ist eindeutig durch
indische Sprachmelodie und Aussprache gefärbt und eindeutig
zuzuordnen. Dein Freund hat nicht nur Englisch von seinen
Eltern, sondern mit ziemlicher Sicherheit von seinem ganzen
indischen Umfeld gelernt.
Zumindest mit seinen Großeltern spricht er nur indisch und er beherrscht auch mehrere Strömungen der indischen Sprache.
Dass sein Akzent deshalb
wesentlich „indischer“ klingt, als das derjenigen Inder, die
mit wenig Englischkenntnissen in Großbritannien Englisch
lernten, ist nur logisch.
Natürlich ist das logisch. Imho ist es aber ein gutes Beispiel dafür, dass das Sprechen der Nicht-Muttersprache zu Hause für das Kind nachteilig sein kann.
Näher zuhause: das Deutsch, was von Türken in Deutschland
gesprochen wird, kommt nicht direkt von den Eltern.
Mir ist nicht klar, was du damit sagen willst. Dass türkische Kinder die deutsche Sprache in der Schule und von Freunden lernen? Das ist klar, geht meiner Nichte (sie ist aber nicht Türkin
) genauso. Sie spricht jetzt aber ein sehr schönes, muttersprachliches Deutsch, auch wenn der Wortschatz noch etwas karg ist. Hätten die Eltern mit ihr zu Hause Deutsch gesprochen, hätte sie ihren Akzent und ihre Fehler übernommen. Und hier sind wir wieder beim Beispiel mit dem Inder angekommen.
Gruß
Anja
Hallo,
… was nichts daran ändert, dass es für die Sprachkenntnisse
des Kindes eher schädlich sein kann, wenn Eltern mit ihm in
der Nicht-Muttersprache sprechen.
Das ist deine Interpretation. Die Inder, die auf diese Weise Englisch gelernt haben, sprechen nicht Standard-Englisch, aber bewegen sich in ihrer Art von Englisch sehr sicher und mit allen Nuancen (auch wenn es andere Nuancen sind, als beim Standardenglisch, bzw. das ,was darunter verstanden wird). Innerhalb der indischen Community können sie sich verständigen.
Zumindest mit seinen Großeltern spricht er nur indisch und er
beherrscht auch mehrere Strömungen der indischen Sprache.
Umso mehr erklärt es seinen ausgeprägten indischen Azent.
Natürlich ist das logisch. Imho ist es aber ein gutes Beispiel
dafür, dass das Sprechen der Nicht-Muttersprache zu Hause für
das Kind nachteilig sein kann.
Warum ist das schädlich? Du erklärst das Englisch von Millionen von Indern (möglicherweise mehr als es Großbritannier gibt) zu einer minderwertigen Sprache.
Näher zuhause: das Deutsch, was von Türken in Deutschland
gesprochen wird, kommt nicht direkt von den Eltern.
Mir ist nicht klar, was du damit sagen willst.
Das sich hier eine neue Sprache entwickelt (entwickelt hat). Vergleichbar zum Beispiel mit dem Ghetto-Englisch aus amerikanischen Städten.
Vergleichbar mit dem Englisch der südafrikanischen Townships. Vergleichbar mit dem Englisch, was in Indien die Lingua franca ist.
Gruß
Elke
Hallo,
es mag ja sein, dass es dazu neue wissenschaftliche
Erkenntnisse gibt. Aber die Aussage einer Fachärztin als
„private Erfahrung“ zu bezeichnen finde ich etwas überheblich.
Es ist eine Aussage einer Fachärztin, die du als Individuum hier wiedergibst. Unter Wissenschaft stelle ich mir etwas anderes vor. Was hat die Nachfrage mit Arroganz zu tun?
Ich lese hier viel Empirie (auch von mir, schließlich habe ich privat und berufliche Erfahrungen mit mehrsprachlicher Erziehung), aber Empirie allein steht leider auf sehr wackligen Beinen. Und wenn sie sich so äußert, dass einmal geäußerte Thesen nur unreflektiert (oder begrenzt reflektiert) wiedergegeben werden, dann steht sie einer Wissenserkenntnis (auf deren Grundlage Ratschläge gegeben werden sollen) im Weg.
Gruß
Elke
Hallo,
Innerhalb der indischen Community können sie sich
verständigen.
… aber innerhalb der internationalen Community, bei der Englisch Sprache Nr. 1 ist, sind sie dafür schwer zu verstehen. Und dieser Inder hat vor, zumindest für die nächsten drei Jahre, aber voraussichtlich noch wesentlich länger, in England zu bleiben.
Natürlich ist das logisch. Imho ist es aber ein gutes Beispiel
dafür, dass das Sprechen der Nicht-Muttersprache zu Hause für
das Kind nachteilig sein kann.
Warum ist das schädlich? Du erklärst das Englisch von
Millionen von Indern (möglicherweise mehr als es
Großbritannier gibt) zu einer minderwertigen Sprache.
Wieso minderwertig? War davon irgendwo die Rede? Es entspricht zumindest in der Aussprache aber nicht dem international verbreiteten und verwendeten Englisch und stellt somit bei der Kommunikation mit Nicht-Indern eine Hürde dar.
Näher zuhause: das Deutsch, was von Türken in Deutschland
gesprochen wird, kommt nicht direkt von den Eltern.
Mir ist nicht klar, was du damit sagen willst.
Das sich hier eine neue Sprache entwickelt (entwickelt hat).
Na ja, wenn in einem Bezirk aus Problemen mit dem Erlernen der deutschen Sprache stattdessen ein Mischmasch gesprochen wird, würde ich das nicht als „neue Sprache“ bezeichnen.
Gruß
Anja