Frage an die Praktiker in Kostenrechnung:
Wie geht ihr damit um, wenn im Unternehmen übers Jahr 500 verschiedene Produkte gefertigt werden und die Gemeinkostenstellen unterschiedlich viel Aufwand pro Auftrag damit verbringen. AV , EK, Vertrieb usw.
(bspw. hat der Vertrieb bei Folgeauftrag nicht mehr den Aufwand wie bei Erstauftrag)
Nun sollte die Preisuntergrenze unter Berücksichtigung der GMK berechnet werden. Prozentuelle Umlage bringt bei hoher Stückzahl und hohen Wareneinsatz eine Verfälschung genauso wie bei geringer Stückzahl und niedrigem Wareneinsatz. Ein Prozentsatz ist ein Hebel der die Kostenrechnung verfälscht. Damit meine ich, ob das Produkt 500.- / Stk. kostet und nur 5.- bei Menge von 5 oder 5000 Stk. Die Vertriebsarbeit bleibt real gesehen sets dieselbe. Wie geht in der Praxis damit um? Gruss und Dank Christian
Hallo Christian,
ich werde mal versuchen eine antwort darauf zu finden. Bei 500 verschiedenen Produkten wird das Unternehmen sehr stark daran interessiert sein, die kurzfristige Erfolgsrechnung (dazu gehört u.a. auch die DB-Verrechnung) möglichst detailliert aufzuführen. Das Problem was Du ansprichst geht ja im Prinzip auf die gleiche Schiene wie die Proportionalisierung der fixen Kosten.
Die prozentuale Verrechnung der GK auf die Kostenträger macht man ja bei eben diesen Kosten wie z.B. Vertrieb oder Verwaltung nur, um der verursachungsgerechten Zuordnung der Kosten zu entgehen bzw. eine Lösung zu finden wo diese nicht möglich ist. Wie Du schon sagtest, für einen Auftrag über 2 EUR wird ebenso eine Rechung geschrieben wie für einen Auftrag über 2 Mio. EUR. In der KoRe erreicht man ja schon durch die prozentuale Verrechnung, dass der größere Auftrag ja schon mit höheren Kosten verrechnet wird. Der Aspekt, dass nun Aufwandsverschiebungen entstehen wenn es ein Folgeauftrag ist der weniger Aufwand erzeugt wird dabei nicht berücksichtigt.
Soweit ich es beurteilen kann wird es in der Praxis auch dabei belassen. Man könnte natürlich nun noch verschiedene Verrechnungssätze für unterschiedliche Kundengruppen einführen aber das würde die Sache natürlich unnötig kompliziert machen. Das ist auch eines der Hauptprobleme: Je genauer die KoRe wird, desto umfangreicher und aufwendiger sind auch die Rahmenbedingungen. Da das zwangsweise zu hohen Kosten führt verzichten Unternehmen zu Lasten der Detailliertheit auf dieses Extra.
Selbst die Flexible Plankostenrechnung die ja viele von diesen Sachen aufgreift ist nur in wirklichen Großunternehmen installiert.
Hoffe ich konnte Dir ein wenig helfen. Ob es wirklich so der Praxis entspricht kann ich leider nicht wirklich beurteilen, da ich das auch nur von anderen gehört habe.
vg
Simon
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