Mein Buch! Sehr Lang

Hallo,

ich bin gerade eine Autobiographie am schreiben und möchte gerne eure Meinung hören.
Hierbei handelt es sich nur um einen kleinen Auszug.

Das Buch

11.07.1980 heute ist mein vierzehnter Geburtstag und meine Mutter weint, aber nicht weil ihr einziger Junge schon so groß geworden ist.
Es sind Abschiedstränen, denn ich hatte mich entschlossen zu meinem Erzeuger und seiner Matratze zu ziehen vorher wurde mir immer erzählt das wäre seine Putzfrau solange ich das dachte habe ich mir nie darüber Gedanken gemacht das diese Frau grottentief hässlich war ich kann bis heute nicht verstehen wie er Sie gegen meine Mutter austauschen konnte.

Wäre mir vor 4 Wochen besser die Zunge abgefault als ich dem Familienrichter meine Entscheidung offenbarte. Aber schließlich erwartete mich ja ein Moppet bei meinem Erzeuger, ein Moppet das ich nie bekam. Mein Erzeuger war sehr großzügig zu seinen Kindern, aber nicht zu mir.
Während meine beiden Stiefschwestern viele neue Sachen bekamen, dachte er auch an mich und schenkte mir seine alten Socken. Endlich konnte ich mir mal frische Wäsche anziehen, denn meine Mutter hatte mir bei meinem Auszug nur das nötigste mitgegeben und die Matratze meines Erzeugers war wohl für viele Sachen gut aber nicht zum Wäschewaschen, somit holte ich mir meine Kleidung immer wieder aus der Schmutzwäsche raus. und so ging es auch immer weiter neun lange Monate.

Neun lange Monate in denen mein Erzeuger jede Mark die er für mich ausgab auf einem Zettel schrieb der mit einem Magnet am Kühlschrank befestigt war, er dachte wenn ich mal Geld verdiene , würde er alles zurück bekommen, ich wunderte mich immer wieder das dass essen nichts kostete. Ich merkte schnell dass ich doch nicht das große versprochene los gezogen hatte.

Selbstverständlich hatte ich auch kein eigenes Zimmer und so wurde ich kurzerhand im Wohnzimmer untergebracht er hatte noch ein altes Klappbett das ich unentgeltlich benutzen durfte.
Ich sagte schon mein Erzeuger war sehr großzügig.

Und weil er so Großzügig war hatten wir auch öfters Besuch, der bis spät in die Nacht blieb und so kam es das ich manchmal nicht zu Bett gehen konnte, oder ich einfach den Besuch ignorierte und mich angezogen in mein Klappbett legte, der besuch ignorierte mich übrigens auch. Einen Schlafanzug besaß ich nicht und in die von meinem Erzeuger passte ich nicht rein.

Und mit den selben Klamotten ging ich dann auch zur Schule ich muss nicht extra betonen wie ich mit den zerknitterten Klamotten ausgesehen habe irgendwann gewöhnte ich mich daran, so zu schlafen dass ich mich gar nicht mehr umzog und wochenlang die selbe Wäsche trug, ich stank, bei Gott und wie ich stank, aber das kümmerte zuhause keinen und so ging es immer weiter neun lange Monate.
Neun Monate in denen ich keine Freunde fand weil ich nichts mit meinen Klassenkameraden unternehmen konnte. Musste ich doch um 18 Uhr wieder da sein. Also wurde ich notgedrungen zum Einzelgänger was hatte ich auch zu erwarten ich stank sah scheiße aus und hatte keine Freunde.
Irgendwann fing ich auch an die Schule zu schwänzen was sollte ich auch da ich wurde ja eh nur gehänselt.
Ich stank ja.
Aber wenn Ihr jetzt denkt, Mensch ging es dem Jungen Scheiße, dann solltet Ihr mal erlebt haben was passiert ist als mein Erzeuger den ersten Brief von der Schule in empfang nahm.
Mein Erzeuger nahm Ihn zur Kenntnis, stellte mich kurz zur rede und verdonnerte mich zu einer Woche Stubenarrest, „echt toll mein Erzeuger hat seinen ersten Gefangenen gemacht“. Was macht ein Junge der seine Freizeit zuhause verbringen muss?
Er deckt seinen Freizeitbedarf während der Schulzeit. Was macht die schule? Sie schickt wieder einen Brief.
Was macht mein Erzeuger? Er gibt mir noch mal zwei Wochen drauf und als Sahnehäubchen bekam ich auch Fernsehverbot, „Er wollte seinen Gefangenen wohl mürbe machen durch Informationsentzug“. Das bedeutete für mich das ich mein da sein in der Küche fristen musste“ vielleicht hilft es mein Leid besser zu verstehen wenn ich euch sage das die Küche grün war“ denn es war bei uns so, dass sobald ich mich ins Wohnzimmer setzte irgendjemand auf die Idee kam fernzusehen.

Und so ging es immer weiter bis der Tag kam an dem ich die Küche nicht mehr sehen konnte Ich entwickelte eine Strategie wie ich meinem Erzeuger davon überzeugen konnte das es mir scheiße ging und er mir mehr liebe zukommen lässt „ so eine Art Hilferuf“.

so ging ich zu meinem Erzeuger und sprach:
Vater, ich möchte nicht mehr hier bleiben ich merke doch das ihr mich nicht wollt. „ nicht schlecht, oder?“

Vater: Ja, mein Sohn was sollen wir den machen? Wo willst Du denn hin? „am liebsten zu meine Mutter, da ging es mir besser“

Ich: ich möchte ins Heim! „habe ich das gesagt?“

Das muss für meinen Erzeuger wohl das Stichwort gewesen sein mich noch schlechter zu behandeln um mir den Auszug schmackhafter zu machen “das zum Thema Hilferuf“

Denn er bot mir auf einmal Taschengeld an und das sogar rückwirkend für eine Woche.
Mein Erzeuger war so groszügig. Einen Tag später hatte ich Stubenarrest, Fernsehverbot und das Taschengeld hatte er mir auch gesperrt.
Langer rede kurzer Sinn es war wirklich nicht mehr auszuhalten mittlerweile ist er dahintergekommen das ich rauchte und so zähle er auch immer seine HB`s in der Packung.
Was blieb mir anderes übrig als mir seine angerauchten Kippen aus dem Aschenbecher zu nehmen was mein Erzeuger nur mit einem hämischen Lächeln quittierte. Hauptsache es qualmte.

Ich lief von zuhause weg. Versteckt hatte ich mich bei einem Klassenkammeraden. Ihr habt richtig gehört ich habe tatsächlich einen freund gefunden wir waren uns etwas näher gekommen weil wir dieselben Interessen hatten wir schwänzten beide gerne die schule.
Seiner Mutter schien das nicht viel auszumachen, ich mochte die Frau.
Sie war so eine richtig gute dicke Mama, die immer im geblümten Kittel rumlief.
So ließ ich mich häuslich nieder, allerdings nicht sehr lange, denn irgendwie ist mein Erzeuger dahintergekommen wo ich mich aufhielt und es stand öfters die Polizei bei der Frau Schmitz vor der Tür. Das wollte ich ihr nicht lange zumuten und so ging ich wieder nach hause.
Ihr glaubt nicht was ich euch jetzt sage, aber mein Erzeuger und seine Matratze , hatten sich doch tatsächlich schon die mühe gemacht, meine Sachen zu packen und so stand ich einen stunde später mit meinem ganzen hab und Gut was in zwei Plastiktüten passte vor einem Kölner Aufnahmeheim.
Von dort sollte ich dann zu einem freien Heimplatz vermittelt werden.
Mein Erzeuger hatte es sehr eilig mich loszuwerden.
Eines schönen Tages kam mein Erzeuger mit einer Tante vom Jugendamt zum Aufnahmeheim „ich dachte schon, er würde Reue zeigen und mich wieder nach Hause holen“
Stattdessen eröffnete er mir, dass sie einen freien Platz für mich gefunden hatten ich würde begeistert sein, „ ich war eigentlich mehr verwundert!“
Wir fuhren noch am selben Tag nach Trier dort sollte ich mir ein Internat ansehen und mich dann entscheiden ob es mir zusagt.“ Natürlich sagte es mir nicht zu.“
Und so kehrten wir unverrichteter dinge nach Köln zurück.
Das nächste Heim was mir vorgeschlagen wurde brauchte ich mir nicht zuerst anzusehen,
denn ich hatte eh keine andere Wahl als den Platz anzunehmen.
Und so kam ich nach Düsseldorf in ein Heim für schwer erziehbare jugendliche.
Ich der nie gestohlen hatte, ich der nie die Hand gegen seine Elter erhoben hatte, ich der mit falschen Versprechungen aus der Geborgenheit seiner Mutter gerissen wurde, ich der noch nie sex hatte sollte jetzt in ein Heim für schwer erziehbare Jugendliche.
Danke Vater, du bist ein Arschloch.
Aber ich wusste ja, dass ich bestimmt nicht lange in dieser Brutstätte von Hass und gewallt bleiben würde,
denn ich hatte ja noch meine Mama die so bitterlich geweint hatte, als ich Sie verlies.
Ich war noch keine 15 und schon machte ich die nächste bittere Erfahrung in meinem jungen Leben. Meine Mutter meldete sich nicht, nicht nur, das Sie sich nicht meldete, nein, sie legte auch auf wenn ich sie anrief.
Ich war allein auf der Welt, keine wollte mich, nicht mal meine eigenen Eltern.

Was hatte ich vom leben noch zu erwarten. Ich feierte also meinen 15. Geburtstag im Heim.
Dass keiner meiner Eltern anrief muss ich nicht erst betonen.
Aber ich hatte mich schon gut eingelebt.
Es war doch keine Brutstätte von Hass und Gewalt, sondern es war ein Nest von Freundschaft und Geborgenheit.
Hier in Düsseldorf im Heim für schwer erziehbare jugendliche, sollte ich meinen ersten sex haben. Sie war klein und zierlich und doch konnte sie feste zugreifen Ihr Name war Hand sie sollte mich auch das nächste Jahr begleiten.
Ich lernte Sie kennen als wir mal abends mir Vier Jungs zusammen saßen als einer einen Dessouskatalog unter seiner Matratze hervorzog.
Wir sahen alle sehr anregende Bilder bis einer anfing sich einen zu wichsen die anderen machten natürlich mit ich zierte mich erst ein bischen aber dann saßen wir vier da und schauten wer am höchsten spritzen kann. Das war meine erste richtige Sexorgie und mein erster Organsmuss und das Beste war, Hand war immer da wenn ich sie brauchte.
Es machte mir großen Spaß im Heim. Wir amüsierten uns gut, ich ging dort zur schule und begann eine lehre als Dreher, ich lernte zu stehlen und Türen aufzubrechen, eigentlich alles das was man für eine spätere kariere als Dieb und Einbrecher braucht.
Ich entwickelte mich zum großen Strategen und Organisator. Das Werkzeug was wir für unsere nächtlichen Streifzüge brauchten stellten wir uns selber her ich drehte mit meiner Drehbank eine Brechstange die auch in die kleinste Sporttasche passte sie bestand aus drei teilen und konnte vor Ort miteinander verschraubt werden um die Spitze und die Härtung der spitze kümmerte sich der Kollege in der schmiede. Es war eben alles perfekt.
Und so gingen wir hin und wieder auf Beutejagd allerdings war der große Coup nie dabei. Wir entwickelten uns zu richtigen Eierdieben es reichte immer nur für den nächsten Discobesuch, aber wir waren zufrieden mit dem was wir bekamen, machte es uns doch einen Riesen Spaß und so machten wir immer weiter. Wir brachen ein und wurden erwicht mansche von uns bekamen Jugendarrest und mansche Soziale Arbeitsstunden aufgebrummt.
Eines Tages zog ich die Arschkarte und bekam ein Wochenende Jugendarrest, es war zum lachen ich musste ein Wochenende in die Jugendstrafanstalt nach Düsseldorf Geressheim ein Wochenende wo ich nicht meine Zelle verlassen durfte das kannte ich doch schon von zuhause her, wo ich ein paar Wochen die Küche nicht verlassen durfte. Auf mich hatte das keine abschreckende Wirkung.
Einmal bei einem Einbruch in eine Boutique wurden wir noch in der selben Nacht erwicht, aber nicht weil die Polizei schneller war als wir, sondern weil ein Gehirnakrobat seine Arbeitshandschuhe fein säuberlich mit seinem Namen versehen hatte und sie auf der Flucht in der Boutique liegen ließ. Wir verbrachten den Rest der Nacht in Polizeigewahrsam machte aber nichts war ja nicht die erste und es sollte auch nicht die letzte sein.
Trotz der ganzen Gaudi die wir hatten beschloss ich mich von diesen Dilettanten zu trennen.
Meine Position im Heim war mittlerweile so gestärkt das ich solche Äußerungen straffrei von mir geben konnte. Und so kehrte Ruhe in unserem kleinen Dorf ein, es gab keine Einbrüche mehr und die Geschäftsinhaber konnten wieder ruhig schlafen. Wir übrigens auch.

Nach der Arbeit verbrachten wir jetzt unsere Freizeit mit unseren Freundinen mittlerweile wurde erlaubt das Mädchen unser Heim betreten Durften, und glaubt mir es kamen viele Mädchen.“ Verwegenheit macht sexy, und wir waren verwegen“
so härchte auch nie ein Mangel und wir tauschten sie untereinander aus komischerweise gab es nie Streit zwischen uns.
Einmal hat es doch tatsächlich ein Mädchen gewagt uns gegeneinander auszuspielen, unsere Rache war fürchterlich wir lockten Sie unter irgend einen Vorwand zu uns und zerschlugen Ihr gute zwanzig Eier auf Ihrem süßen Schädel anschließend haben wir sie weggejagt wir waren nicht nur verwegen wir waren auch Skrupellos.

Aber Skrupellosigkeit ist kein Garant dafür das die Mädchen Respekt vor uns bekamen es hat sich noch eine gewagt negativ aufzufallen.

Wir pissten Ihr zur strafe in den Regenschirm, wir fanden es lustig, Sie nicht! Sie war froh das wir Ihr nicht in den schirm gekackt haben, wir waren eben auch gemeine Schweine.

Irgendwann trennte sich die Spreu vom Weizen und wir waren nur noch eine dreier Clique „bis dahin sind wir immer in Rudeln aufgetreten“ wir nannten uns „Die Macht“ wir hatten viel Spaß, wir tranken viel Limo und schnüffelten Patex und das taten wir jeden Abend nach der Arbeit unser Hirn muss wohl echt Matsch gewesen sein anders ist es
nicht zu erklären das wir in unseren Patexwahn einen Einbruch direkt gegenüber einer Polizeiwache verübten, jetzt denkt ihr natürlich die Polizei hätte uns auf frischer Tat ertappt.
Nein, dem war nicht so! in unserem Delirium nahmen wir die Beute mit ins Heim und versteckten sie in unseren Zimmern wir hatten nun für unser ganzes Leben Oil of Olaz, mehr haben wir Schwachmathen nicht mitgenommen. es dauerte auch keine paar Stunden bis die Polizei bei uns im Heim stand und unsere Zimmer durchsuchte somit ist „Die Macht“ zur Lachnummer geworden aber auch nur bis zur Urteilsverkündung wir bekamen diesmal vier Wochen Arrest.

Ende des Auszugs

ich bitte euch über schreibfehler hinwegzusehen

Gruß

Denis

ich […] möchte
gerne eure Meinung hören.

Nbisschen Helge Schneider als literarischer Inspirator, nur langweiliger, weniger witzig und ohne die sprachliche Kreativität. Furchtbar!

Hi,
Betroffenheitsprosa… literarischer Wert: Null.
Sorry, aber du wolltest es ja wissen.
Gruß,
Anja

Am Anfang eines langen Weges
Lieber Denis,

Dein Text ist so ziemlich das Unerquicklichste, das ich in der letzten Zeit gelesen habe. Ich will Dir gerne sagen, warum, aus Zeitgründen stichpunktartig.

Schreibstil
Im Gegensatz zum romanhaften Stil vieler Autobiografien hast Du einen ausgesprochen berichthaften Stil gewählt. Geeignet ist dieser Stil sicher, um einen Autounfall im Polizeiprotokoll oder den Heimsieg einer Volleyballmannschaft im Lokalblättchen festzuhalten. Er ist indes völlig ungeeignet, Gefühle und Stimmungen zu transportieren, was ich mir von einer Autobiografie verspreche. Es ist Dir an keiner Stelle Deines Textes gelungen, mir als Leser Deine Gefühlslage verständlich zu machen. Ein Beispiel: Ich lese in Deinem Text, dass Du regelmäßig mit einer jugendlichen Clique auf Raubzug durch ortsansässige Läden gegangen bist. Du schreibst lapidare Sätze wie „Und so gingen wir hin und wieder auf Beutejagd allerdings war der große Coup nie dabei.“ Grundlos vergibst Du die Chance, mir als unbescholtenem Leser eine Vorstellung zu vermitteln, wie es sich anfühlt, mit selbst gemachtem Werkzeug massive Türen zu durchbrechen, im Regen Schmiere zu stehen und sich aus dem vollen Lager hemmungslos die Taschen voll zu stopfen. Mache von Deiner Erfahrung Gebrauch, ob Dich Schuldgefühle gequält haben – oder ob Du einen wahnsinnigen Adrenalinkick erlebt hast, an den Du Dich bis heute mit einem wohligen Schaudern erinnerst. Mach es spannend! Keine einzige Szene Deines Textes ist spannend. Es muss nicht immer in dramatischem Gefasel enden; der Leser will mit Dir lachen und weinen können, mehr ist nicht gefordert.

Wortwahl
Auch dieser Aspekt trägt dazu bei, dem Leser den Wunsch, weiter zu lesen, leicht zu machen oder zu vergällen. Dir ist leider Letzteres gelungen. Grund dafür ist beispielsweise, dass Du Deinen biologischen Vater etwa zwanzig Mal „Erzeuger“ nennst. Wenn es Dir wichtig ist, zu betonen, dass sein Sperma der wertvollste Beitrag zu Deinem bisherigen Leben war, dann widme diesem Thema einen gesonderten Abschnitt. Anschließend gibst Du der Figur einen Namen – meinetwegen ein Pseudonym, das ist gleichgültig – und benennst sie im Verlauf der weiteren Handlung damit. Wenn Du hin und wieder eine Umschreibung fallen lässt, wird sich keiner daran stoßen. Auch die ironischen Feststellungen zu der Großzügigkeit Deines „Erzeugers“ leiden mit jeder Wiederholung. Wenn Du diesen Wesenszug am Ende einer Schlüsselszene mit einem griffigen Satz brandmarkst und diesen einmal (!) im Rahmen einer der ersten Szene auffällig ähnelnden Episode wortwörtlich wiederholst, wird der Aha-Effekt beim Leser erheblich größer sein. Synonyme schaffen Abwechslung. Ganz am Rande möchte ich erwähnen, dass in Deinem Text ein bisschen zu viel gepisst und gekackt wird. Drastische Ausdrücke entfalten ihre volle Wirkung nur, wenn sie in einem standard- oder gar hochsprachlichen Umfeld stehen.

Dialoge & Charaktere
In Deiner bisherigen Fassung gibt es einfach keine Dialoge. Das ist ein Manko. Auch eine lebendige Handlung in frischem Erzählstil kann durch ein paar Sätze in wörtlicher Rede noch gewinnen. Exzellenten Autoren gelingt es, Dialoge derart differenziert zu verfassen, dass ein aufmerksamer Leser nach einer Weile jeden einzelnen Satz – auch ohne Regieanweisungen wie „Peter bemerkte“ oder „Meine Schwester raunte“ – einer bestimmten Figur zuordnen könnte. Dialoge sind ein wichtiges Instrument, um Charaktere zu entwickeln – etwas, das Deinem Text ebenfalls fehlt. Nicht einmal Dich als Erzähler habe ich als Individuum empfunden, geschweige denn irgendeine andere Figur. Außer dem omnipräsenten „Erzeuger“ ist mir nur Frau Schmitz in Erinnerung geblieben, da Du hier den Ansatz einer ehrlichen Personenbeschreibung gewagt hast: „Sie war so eine richtig gute dicke Mama, die immer im geblümten Kittel rumlief.“ Von diesem winzigen Ansatz ausgehend muss es Dir für ein gutes Buch gelingen, aus jeder Figur einige hervorstechende Charaktereigenschaften zu destillieren und dafür zu sorgen, dass diese in jeder Szene durchscheinen. Deinen Figuren fehlt jegliche Handlungskonsequenz. Natürlich gibt es Brüche, nicht nur aus Gründen des Realitätsbezugs, aber Deine Protagonisten sind so flüchtig, dass ich an keiner Stelle eine Prognose wagen würde, was sie wohl als Nächstes zu tun gedenken.

Relevanz
Warum hast Du den Text geschrieben, der uns vorliegt? Wenn ich ein Buch lese, so verlange ich in jedem Fall, dass mir aus der Lektüre ein – wie auch immer gearteter – Vorteil für den Rest meines Lebens entsteht. Wenn ich einen Steuerratgeber lese, werde ich beim nächsten Mal weniger an den Staat abdrücken müssen. Wenn ich eine Autobiographie lese, werde ich mich möglicherweise in meinen Ideen von den Erfahrungen eines anderen bestärkt fühlen oder andernfalls darauf verzichten, dessen Fehler zu wiederholen. Aus dem, was Du schreibst, in der vorliegenden Fassung etwas lernen zu können, bezweifle ich. Sekundäre Gründe dafür sind die formalen Kriterien, die ich angesprochen habe. Der primäre Grund ist Deine Sicht der Dinge. Ich kann an keinem Punkt entdecken, dass Du Dich aus Deinem eigenen Leben in die Position eines Erzählers zurückziehst und aus gemessener Distanz den Leser durch die Szenerie dirigierst. Du stehst die ganze Zeit mitten im Bild, um es plastisch auszudrücken, bevormundest und beeinflusst Deinen Leser zu Ungunsten einer viel eindringlicheren Selbsterkenntnis. Es misslingt Dir, den Leser unmerklich zu drängen, mit Deiner Position, die Du aber nicht wörtlich darlegen solltest, übereinzustimmen, um am Ende eine Quintessenz anzubieten, die sich Dir nach jahrelanger Reflexion erschlossen hat, sodass es mir als Leser wie Schuppen von den Augen fällt. Wenn ich am Ende das Gefühl habe, Dich reifen, Dich die richtigen Schlüsse ziehen und als ein weiserer Mensch enden gesehen zu haben, hat das Buch sein Ziel erreicht.

Angesichts der Tatsache, dass Du noch eine Weile Lebenszeit haben dürfest, um Deine Erlebnisse niederzuschreiben, würde ich das Projekt Buch – zugunsten dieses Zieles – zunächst auf Eis legen. Vielleicht achtest Du demnächst beim Lesen – denn häufiges Lesen guter Bücher schult ungemein! – bewusster darauf, mit welchen Mitteln all das, was Deinem Text fehlt, von geübten Autoren hervorgebracht wird. Der nächste Schritt wäre, an kleinen Texten systematisch zu üben, Spannung aufzubauen, Dialoge zu formulieren und Charaktere zu formen. Das, was ich formuliert habe, sind nur Rudimente der Palette, die einem guten Erzähler zur Verfügung steht. Positiver Nebeneffekt dieses einige Monate oder Jahre dauernden Arbeitsprozesses wird sein, dass sich die Ereignisse, die Du beschreibst, in Dir setzen, dass Du Zeit finden wirst, darüber nachzudenken. Ich behaupte, dass Literatur nur auf der Grundlage von Ereignissen stattfinden kann, mit denen der Autor vielleicht nicht gerade seinen Frieden gefunden, aber von denen er doch wenigstens einen gebührenden Abstand gewonnen hat.

Vielleicht gelingt es Dir, vielleicht nicht. Ich wünsche Dir viel Erfolg und einen stets selbstkritischen Blick dabei.

Gruß
Christopher

Hallo Denis,

zu dem, was Christopher schon phantastisch ausgedrückt hat, möchte ich hinzufügen: führe Tagebuch. Dann kannst du, wenn die Zeit reif ist, auf jede Menge Fakten und Emotionen zurückgreifen, die dir sonst vielleicht verschüttet gingen.

Grüßt: Guido

PS: Christopher, das gibt 'n Sternchen. Große Klasse! :sunglasses:

Nicht schreiben: Reden!
Hallo, Denis!

Ganz ehrlich: Es scheint eher, dass Du Deine Erlebnisse in Gesprächen verarbeiten solltest. Ob das ein guter Freund ist, eine Selbsthilfegruppe oder vielleicht sogar ein Gesprächstherapeut: Du brauchst jemanden, der Dir zuhört, um Deine Probleme zu bewältigen.

Das mit dem Schreiben lässt Du besser: Es bringt Dich nicht weiter und Leser wirst Du nicht finden.
Und noch eine Bemerkung zu Deiner Bitte, über Rechtschreibfehler hinweg zu sehen:
Die Rechtschreibung ist das Werkzeug, das für das Handwerk des Schreibens unabdingbar ist, darüber kann man nicht hinweg sehen! Du hast richtig gelesen: Schreiben ist ein Handwerk, das man lernen muss wie jedes andere. Es kann sich nicht jeder, der einen Stift in der Hand halten kann und das Alphabet kennt, hinsetzen und drauflosschreiben. Höchstens in ein Tagebuch, aber verschone Deine Umwelt mit Deinem „Werk“.

Gruß
Lea

hallo denis,

ich habe gerade erst zum thema „autobiographie“ bzw. „mein leben ist ja so einzigartig“ in einem andern forum gepostet und kopiere dir das und die antworten einfach hier hinein, ok?
das ist zwar auch etwas viel zu lesen, aber ich möchte gern auf all die fragen eingehen, die du noch gar nicht gestellt hast.

auslöser war folgendes posting:

Hallo xxx, ich habe mein Leben aufgeschrieben, was ziemlich ungewöhnlich war. Einige haben es gelesen und haben sich sehr positiv geäußert. Ich wollte es eigentlich bei BOD versuchen. Wer hat da Erfahrungen ? Viele Grüße von yyy

daraufhin schrieb ein autor/in, der/die bereits mehrfach erfolgreich veröffentlicht hat:

yyy, überleg dir vorher gut, ob deine Lebensgeschichte interessant genug für Leute ist, die dich nicht kennen. Dabei ist das Urteil von Leuten, DIE dich kennen, nicht hilfreich. Versuch dir von wirklich Fremden Meinungen einzuholen. Am besten im Internet, wo man kein Blatt vor den Mund nimmt. Sind die Meinungen dann immer noch positiv - und dein Leben wirklich herausragend, und zwar so herausragend, dass es etwas Vergleichbares noch nicht auf dem Markt gibt -, kannst du es auch bei richtigen Verlagen probieren. Wenn nicht, lohnt auch BOD nicht - deine Bekannten zu versorgen, geht billiger im Copyshop.

damit ist schon eigentlich alles gesagt. weil es aber dann noch einige antworten gab, habe ich auch noch was dazu geschrieben:

_hallo yyy,

hör auf den : überlege dir gut, ob du deine lebensgeschichte anderen zumuten willst und kannst.
denn zum einen glauben ZIGTAUSENDE, er hätte ein sooooo interessantes leben, daß es für die nachwelt unbedingt festgehalten werden müsse. zum anderen ist noch lange nicht gesagt, daß - wenn es tatsächlich zutrifft, daß die lebensgeschichte so besonders ist - daß derjenige auch SCHREIBEN kann.
was ist denn, wenn du mit deiner lebensgeschichte andere zu tode langweilst? oder - das gegenteil - wenn sie so dramatisch ist, daß du evtl. schaden beim leser anrichtest?

ich habe unzählige dieser „wahren und ungeheuer interessanten lebensgeschichten“ in den händen gehalten und meist angewidert wieder weggelegt. was mir da geboten wurde, reicht an inhalt und vielfalt meist nicht an eine einzige woche meines lebens heran und langweilt maßlos. (ich sollte vielleicht dazu sagen, daß ich lektorin bin und weiß, daß auch eine aneinanderreihung der schröcklichsten schicksalsschläge noch kein lesenswertes buch ausmacht.)

wenn du also nicht gerade einen großen namen hast, polit- oder showgröße bist oder die bundesliega trainierst, ist dein leben für die allgemeinheit - mit verlaub - gänzlich uninteressant. diese erfahrung mußten auch auch diverse damen machen, die für o.g. personenkreis einst die beine breitgemacht haben und nun glauben, daraus ihre existenzberechtigung schreibenderweise ableiten zu dürfen.

schreib tagebuch für deine kinder, meinetwegen laß es auch in einem copyshop deines vertrauens binden. da haben deine nachkommen vielleicht eines tages wirklich etwas davon - aber laß das mit BoD… bitte.

schöne grüße
ann_

daraufhin kam von einem vierten folgende frage bzw. argument:

_@ Ann:
[…]
Wie (und/oder wo) kannma denn so interessant und gediegen schreiben lernen, dass sich eine Lektorin eventuell /doch/ fuer solch ein Werk erwaermen koennte?

Ich glaube naemlich der yyy was sie ueber ihr Leben sagt - wenn es also nun noch in ansprechender Form verpackt wird, koennte doch vielleicht was daraus werden, oder?

Sprich: Wie lerntma gut schreiben??_

und meine abschließende antwort darauf:

_@:
schreiben lernt man nur durch eins: durch SCHREIBEN.
wenn du/ihr euch wirklich fürs schreiben interessiert, wenn ihr gerne und gut geschichten erzählt, wenn ihr phantasie habt und/oder gut im nacherzählen seid, wenn ihr kritik vertragen könnt, dann schreibt bis der griffel qualmt.
und schmort nicht im eigenen saft, sondern nehmt an wettbewerben teil, geht in schreibgruppen - online oder in real life. habt keine angst, man könnte euch die geniale idee klauen - seit der antike sind alle themen eigentlich durch und es „klaut“ nur einer von dem andern. aber sieh es mal realistisch: wenn ich sieben leuten z.b. die aufgabe stellen würde, eine reifenpanne auf einsamer landstraße zu beschreiben, nur einmal in der woche kommt der bus vorbei. außer heute, da passiert etwas total beklopptes/unerwartetes/skurrilles/…
ja, denkst du nicht, ich bekäme mindestens 7 verschiedene geschichten?

also heißt das doch, daß die idee allein noch gar nicht macht. na gut kaum was. aber das A und O ist eben die umsetzung. und die kann man üben. da gibt es tricks, wie man z.b. spannung erzeugen und halten kann, wie man den leser „mitnimmt“. aber das geht nun mal nicht wie nach kochbuch. jeder wird seinen eigenen stil entwickeln, und so soll es auch sein.

und wenn ihr einmal erlebt habt, wie die selbsterfundenen figuren plötzlich anfangen zu leben, dann _könnte_ die story gut werden.

nochmal zu den lebensgeschichten:

>Ich glaube naemlich der yyy was sie ueber
>ihr Leben sagt - wenn es also nun noch in
>ansprechender Form verpackt wird, koennte doch
>vielleicht was daraus werden, oder?

wahrscheinlich nicht. denn so ein leben genügt nun mal in den seltensten fällen den gesetzmäßigkeiten der dramaturgie. welcher ich-erzähler oder autobiograf stirbt schon freundlicherweise auf dem höhepunkt der handlung? wo hat er je den nötigen abstand zu sich selbst?

nein, die eigene lebensgeschichte so zu schreiben, daß fremde leser sie gerne lesen, neugierig sind und vielleicht ergriffen (oder auch amüsiert), ist das schwierigste überhaupt. wenn es jemals gelingt, dann bestimmt keinem schreibanfänger.

[…]

ein tipps zu schreibforen gefällig?

ich nenne nur drei. es gibt unzählige:
www.lettern.de
www.literaturcafe.de
www.leselupe.de
dort wird überall gelesen, rezensiert, (gemeinsam) geschrieben, stories besprochen u.ä.
[…]_

so, das mag dir anregung und antwort auf deine fragen sein.

viel spaß weiterhin beim schreiben wünscht
ann

@Cristopher
Lieber Cristopher,

vielen Dank für Deinen ernüchternden Beitrag,

ich komme nicht umhin Dir meinen Respekt auszusprechen und Dir Deinen 8. Bewertungspunkt zu geben.

Gruß

Denis

Probier’s mal hier
Hallo Denis,

dieses Forum beschäftigt sich hauptsächlich mit Literatur, weniger mit dem Handwerk des Schreibens oder den Möglichkeiten/Methoden einer Veröffentlichung.

Möglicherweise findest du hier ein besseres Publikum für deine Fragen:

http://f1.parsimony.net/forum1279/index.htm

Gruß,

Andreas

schöner link, danke! :smile:
* dafür

gruß
ann

An Christopher
Hallo Christopher

Deiner Meinung zu Denis’ Text kann ich absolut nichts hinzufügen. Ich hätte Dir gern einen Stern verliehen, aber leider bin ich dafür noch nicht lange genug bei wer-weiss-was angemeldet. Deshalb dieses posting…

Ich bin schlicht und ergreifend hin und weg von Deiner Fähigkeit, einen Text zu analysieren, objektiv zu beurteilen und danach die Quintessenz dessen so präzise zu formulieren, wie Du es getan hast - vor allem in Anbetracht Deines Alters.

– denn häufiges Lesen guter Bücher schult ungemein! -

… was sich in Deinem Fall ganz offensichtlich bestätigt.

Ich behaupte, dass Literatur nur auf der Grundlage von
Ereignissen stattfinden kann, mit denen der Autor vielleicht
nicht gerade seinen Frieden gefunden, aber von denen er
doch wenigstens einen gebührenden Abstand gewonnen hat.

Nun, ein ausgezeichneter Literaturkritiker hat nicht zwangsläufig das Zeug zum hervorragenden Schriftsteller. Dennoch, wenn genügend Zeit vergangen ist, lesen wir ja vielleicht einmal ein Buch von Dir? Aufgrund Deiner sich abzeichnenden Schreibfertigkeit und Deinen Kenntnissen über die relevanten Elemente des schriftstellerischen Handwerks, kann so übel das nicht werden.

Solltest Du es tatsächlich dereinst in Angriff nehmen ein Buch zu schreiben, und wenn es nur halb so gut werden würde, wie es zu werden verspricht, hast Du in mir bereits eine potentielle Leserin gefunden. Christopher […], ein Name den ich mir merken werde…

Gruss aus der Schweiz
Silvia

[Team: Nachname entfernt]

Lieber Christopher,
auf dass Dir die Sternchen nicht gar zu sehr zu Kopfe steigen mögen hier eines meiner geliebten Eugen Roth-Gedichtchen:

Der Rezensent
Ein Mensch hat Bücher wo besprochen
und liest sie nun im Lauf der Wochen.
Er freut sich wie ein kleines Kind,
wenn sie ein bisschen auch so sind.

Mit einem breiten Grinsen habe ich das geschrieben und Dir für Deinen gelungenen Text auch ein Sternchen appliziert :smile:

Aber auch für unseren Schriftsteller habe ich aus dem unergründlichen Fundus noch eines:

Gutes Beispiel
Ein Mensch, der Bücher schreiben wollte,
besinnt sich plötzlich, ob ers sollte.
Ob er, bisan ein heilig Wesen,
dran Dichter und Verlag genesen,
einMensch, der nicht nur las, der gar
sich Bücher kaufte gegen bar
und den, weil selbst er nie geschrieben,
die Menschen und die Götter lieben,
ob er, gleichviel aus welchen Gründen,
sich stürzen sollt in solche Sünden,
wie sie im Himmel und auf Erden
höchst selten nur vergeben werden -
Der Mensch, der schon Papier erworben,
hat anderweitig es verdorben.

(Luk. 10, 37, zweiter Satz)

Grüße
Eckard

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Hallo Eckard,

auf dass Dir die Sternchen nicht gar zu sehr zu Kopfe steigen

ich bin nach wie vor überrascht über deren Vielzahl.

mögen hier eines meiner geliebten Eugen Roth-Gedichtchen:
Der Rezensent

Das gefällt mir, weil es mich an eine Satire von Ephraim Kishon mit dem Titel „Wie man ein Buch bespricht, ohne es zu lesen“ erinnert. Muss ich dringend mal wieder lesen (wirklich lesen, nicht nur besprechen).

Mit einem breiten Grinsen habe ich das geschrieben und Dir für
Deinen gelungenen Text auch ein Sternchen appliziert :smile:

Danke! :smile:

Viele Grüße
Christopher