Mein Gerechtigkeitsgefühl treibt mich in den Wahnsinn

Hallo (erstmals),
ich erhoffe mir Hilfe durch Kommentare und Meinungen…
Ich habe ein extrem ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden. Das bringt mich schon in alltäglichen Situationen (Strassenverkehr, rücksichtslose Menschen, Nachrichten über allgemeine Ungerechtigkeiten etc.) „in Wallung“. Damit meine ich beschleunigten Herzschlag, Hitzegefühl, ausgeprägte Unruhe und Anspannung, Unvermögen an anderes zu denken usw. Die Welt ist voll mit solchen Ungerechtigkeiten und offensichtlich werden die meisten Menschen damit problemlos fertig. Ich nicht.
Wenn es mich dann persönlich betrifft und ich keine Möglichkeit sehe, mich zu wehren oder das Abzuschalten, dann wühlt mich das mit o.g. Symptomen über Tage und Wochen auf - sofern es sich um ein einmaliges Erlebnis handelte. Wenn sich so eine Situation aber fortsetzt, dann treibt mich dieses Gefühl an den Rand des Wahnsinns, an dem ich nichts anderes mehr denken oder tun kann. Ich sehe im Extremfall immer nur zwei Möglichkeiten: Gewalt gegen den Verursacher oder psychische Gewalt gegen mich. Da ich friedlich und feige bin, ist das Ergebnis immer Letzteres…
Was kann ich tun, um diesem Gefühl in meinem Kopf und meiner Brust Herr zu werden - außer Saufen…?
MfG Hermlo

Abreagieren, indem man z. B. auf einen Boxsack schlägt oder sich anderweitig körperlich verausgabt.

Oft hilft es auch mit anderen darüber zu reden, z. B. mit Freunden, einem Therapeuten oder einer Selbsthilfegruppe.

Fressen. Nein, ich will mich damit nicht über dich lustig machen. Mir fällt bloß außer Fressen und Saufen auch nichts mehr ein, wodurch die Ungerechtigkeit der Welt auch nur halbwegs erträglich wird. Wenn Du was gefunde hast, schreib’s mir.

Grüße,
Max

Lieber Hermlo66,

wer so abstrakt über Ungerechtigkeiten schreibt, ohne auch nur ein Beispiel zu nennen, kann mit wirksamer Hilfe in den Antworten nicht rechnen.

Wenn das stimmt, solltest Du in der Lage sein, einige konkrete Beispiele zu schildern. Es gibt durchaus unterschiedliche Meinungen darüber, was eine Ungerechtigkeit ist.

Gruß, Hans-Jürgen Schneider

Ich habe absichtlich keine konkreten Beispiele genannt. Wenn ich das machen würde, erhielte ich Ratschläge, das konkrete Problem zu lösen. Darum gehts aber nicht - dann könnte ich jeden Tag was neues posten. Es geht um das ausgelöste Gefühl und den generellen Umgang damit.

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Hi

schon - nur um einschätzen zu können, ob deine Reaktion und die ausgelösten Gefühle völlig im Rahmen sind (jeder ist da ja ein bisschen anders) … oder pathologisch und damit evtl. behandlungsbedürftig, braucht es schon Beispiele

Gruß h.

Das hat Hermlo geschrieben - damit sollte klar sein, dass es behandlungsbedürftig ist.

ja, nun… jeder Tipp hier wäre schon in Richtung „Behandlung“

Da @Hermlo66 es bis heute geschafft hat, weder straffällig noch auffällig zu werden, hat er/sie/es wohl geschafft, einigermassen damit umzugehen.
Im Laufe der Jahre habe ich mir auch so meine Strategie für „Niederschläge“ aufgebaut:
1, Frage: kann ich etwas ändern oder muss ich das so akzeptieren?
Wenn man es ändern kann, dann sollte man zumindest erste Schritte unternehmen.
Wie bei ihm/ihr/es ließe sich z.B. „Wetter“ nicht ändern. Sich deswegen ärgern oder gar aufregen - es nützt nix. Das dann ins lustige zu biegen, ist meine Art, damit umzugehen… Ach, zur Grillfeier habe ich wohl aus versehen auch meine persönliche Regenwolke eingeladen, na schön, dass Du Dich wenigstens um den Rasen kümmerst.
Macht vieles erträglicher und zerstört weder Stimmung noch kommt es zu einem Kreislauf.

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Hallo @Hermlo66,
du wolltest ja Kommentare und Meinungen hören. Meine - ganz persönliche - Meinung ist, dass solche Probleme, wie du sie in deinem Post beschreibst, eine verborgene Ursache haben. Damit meine ich, dass du aus einem bestimmten Grund heraus in diesen Situationen so stark reagierst.
Dazu noch zwei Anregungen, woher so etwas kommen könnte.

Denkbar ist m.E., dass hinter der Reaktion eine Traumatisierung steckt. Jemand könnte z. B. als Kind von den Eltern oder anderen wichtigen Bezugspersonen massive Ungerechtigkeiten erlebt haben oder massiv der Ungerechtigkeit beschuldigt worden sein. Oder in einem Ehekrach könnten die Eltern einander Ungerechtigkeit vorgeworfen haben. In solchen Fällen würde im Alltag erlebte Ungerechtigkeit das Trauma triggern. Die Reaktion wäre dann in der Situation unangemessen stark, weil die Person eigentlich auf eine Situation reagiert, die Jahre oder Jahrzehnte zurückliegt.

Man könnte überlegen, in diese Richtung zu forschen durch Gespräche mit Geschwistern, Eltern oder Verwandten.

Genauso kann ich mir aber auch vorstellen, dass das Ärgernis der Ungerechtigkeit eigentlich eher ein Problem mit dem Regelbruch ist. Da könnte unbewusst eine Argumentationskette ablaufen der folgenden Art:

  1. Jemand beobachtet, dass ein anderer gegen eine verbindliche Regel verstößt. Das kann ein Paragraph der Straßenverkehrsordnung sein oder auch eine Sozialkonvention wie entschuldigende Gesten, wenn man unbeabsichtigt die Vorfahrt nimmt.
  2. Jemand denkt bei sich: Das ist nicht richtig. Das ist falsch.
  3. Er folgert: Der andere muss bestraft werden.
  4. Er beobachtet, dass keine Strafe folgt. Darauf reagiert er mit der allgemeinen Anklage an die Welt: Das ist ungerecht!

Was auch immer die Ursache ist, eine ganz andere, relevante Frage ist natürlich die nach sinnvollen Strategien, mit den Situationen umzugehen. Möglicherweise helfen dabei Entspannungsübungen wie Meditationen. Dabei denke ich zum einen an regelmäßige abendliche Meditation, um den Stresslevel im Körper wieder herunter zu regeln. Das könnte dagegen helfen, dass ein dauerhaft hohes Stresslevel durch zahlreiche Kleinigkeiten immer weiter steigt. Und zum anderen könnten gezielte Denk- oder Atemübungen dabei helfen, in der konkreten Situation einen Ausweg zu finden. Allein die Perspektive, eine Handlungsoption zu besitzen, nimmt manchen Situationen ihren Schrecken.

Liebe Grüße und viel Erfolg wünscht
der Namenlose.

Was hat bitte Gewalt mit Gerechtigkeit zu tun?

zb in der Familie?

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Auch ich empfinde die - mehrheitlich negativen - Nachrichten in der Presse, in denen ungerechte Situationen beschrieben werden als unangenehm.

Etwa die Todesrate bei Kindern in anderen Zivilisationen und gleichzeitig unseren Nahrungs-Überfluss. Ob das stimmt, dass ein Drittel unserer Nahrung in den Abfall kommt, kann ich nicht überprüfen. Aber unser Fleischkonsum ist wohl nur möglich, weil anderweitig Futtermittel angebaut werden. Ob das dieselben Länder mit der Hungersnot sind, weiß ich auch nicht. Dazu schweigen die Nachrichten.

Aber dann denke ich, dass die Natur es so vorgesehen hat, den Nachwuchs zu begrenzen bei ungünstigen Lebensbedingungen. Und - sorry, wenn ich so hart erscheine - wenn es nicht genug zu futtern gibt, gibt’s auch weniger Nachwuchs. Was läuft da schief, dass es doch Nachwuchs gibt? Menschliche Eingriffe, Entwicklungshilfe, die nicht bis zuende denkt? Wieder keine Antwort in den Nachrichten.

Ergo: Ich werde gefüttert mit Aufregungen ohne Hintergrund-Informationen. Und das nenne ich Propaganda, die mich manipulieren soll.

Du lässt dich manipulieren, springst über jedes Stöckchen, das dir hingehalten wird. Denk mal drüber nach.

Gruß, Kurti

Vielleicht ließe sich ja herausfinden, wo unsere Lebensmittel herkommen und wo die Menschen Hunger leiden. Wenn man diese beiden Informationen zusammenbrächte, käme man vielleicht weiter, ohne eine diffuse und unbegründete Kritik an unseren Medien zu äußern.

Mal ganz davon abgesehen, daß man sich auch selbst überlegen könnte, wann man zuletzt Bilder von großen Soja- und Maisplantagen aus Subsaharaafrika, Süd- und Zentralasien und von der arabischen Halbinsel gesehen hat.

Auch hier wieder unbegründete und diffuse Kritik an den Medien. Natürlich kann man sich - heute besser denn je - über diese Themen informieren. Daß sich die Tagesschau oder RTL aktuell ausführlich über fehlgeleitete Entwicklungsprojekte äußern, kann man natürlich erwarten, aber damit belegt man nur, daß man bei der Medienkompetenz nicht ganz so weit vorne ist, wie man vielleicht meint.

Hübscher Versuch, den Artikelbaum zu kapern. Der Autor spricht von alltäglichen Ungerechtigkeiten im Straßenverkehr, rücksichtslose Menschen usw. und Du versuchst hier durch die Hintertür irgendeine unscharfe und -greifbare Art von Medienkritik unterzubringen und Andeutungen von einer großen Verschwörung der Lebensmittelindustrie und Hilfsorganisationen in den Raum stellen. Und als wenn das noch nicht unverschämt genug wäre, behauptest Du, der Fragesteller ließe sich von den Medien manipulieren und spränge über jedes Stöckchen und sei insofern letztlich selbst schuld an seinem Problem.

Ungefähr so, als beklage sich jemand über Schmerzen in der Brust und Du schriebest dann, daß derjenige daran selber schuld ist und man halt schon ein bißchen mehr Sport machen muß, wenn einem der Rücken weh tut.

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Mod: Bitte beim Thema bleiben!

Es geht in der Frage nicht um allgemeine politische/wirtschaftliche/gesellschaftliche Themen oder die Berichterstattung durch die Medien, sondern um ein spezielles persönliches Problem.

Weitere Beiträge, die keinen klaren Bezug zum eigentlichen Thema des Threads aufweisen, werden gelöscht.

Gruß
Kreszentia [Mod]

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Also - nach den ersten Antworten gestern hatte ich eine schlaflose Nacht ob der blöden Idee, hier so eine Frage zu stellen. Dann habe ich heute morgen geguckt, ob ich die löschen kann. Geht ja nicht.
Stattdessen wollte ich mich jetzt eigentlich wieder abmelden. Aber ich sehe mit Erstaunen und Freude, daß hier 1. jemand aufpasst (moderiert) und daß mich 2. doch jemand verstanden hat und sich dann auch noch die Mühe macht, so ausführlich zu antworten…
Trotzdem: Die vermutete Ursache kann ich bestätigen - die ist mir durchaus bewußt. Ich habe verstanden, daß das Gepostete ein Problem ist, das man nicht so einfach in einem Forum loswerden kann (hab ich gemacht, weil das gestern wieder so akut war und ich das irgendwie loswerden mußte), sondern daß man dafür wohl besser professionelle Hilfe sucht. Das alles zu erklären führt deutlich zu weit. Und womöglich habe ich mich auch noch dumm ausgedrückt. Mit „Familiengewalt“ hat das schon mal gar nichts zu tun. Summa summarum: Siehe oben: blöde Idee.
Danke und Gruß Herm

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Hallo,
Du solltest ruhiger werden.
Niemand kann alles aendern, die Moeglichkeiten sind begrenzt. Und wenn man sich aergert, woertlich, dann aergert man sich und nicht den anderen.
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gruss Helmut

Hallo Herm,

Wenn Du eine schlaflose Nacht hattest, zeigt das zumindest, dass Du ein sehr emfindsamer Mensch bist. Wenn Dir alles so zu Herzen geht, brauchst Du wahrscheinlich professionelle Hilfe.

In diesem Forum gibt es Moderator(inn)en, die den input überwachen. Mit Kreszentia hast Du eine besonders Gute erwischt.

Bleib also im Forum und lass Dich von der zum Teil etwas derben Sprache nicht verwirren.

Schönes Wochenende, Hans-Jürgen Schneider