Hallo Carmen,
ich schließe mich Deinen Vorrednern darin an, dass Du vermutlich ohne professionelle Hilfe eines Psychologen das Problem kaum in den Griff bekommen wirst. Und ich denke, Dein Kind sollte Dir einen langen Weg zum Psychologen wert sein.
Gibt es in Eurer Nähe einen Malkurs für Kinder? Ich kann mir vorstellen, dass Dein Sohn durch sein Verhalten Anerkennung sucht und „führen“ will, nun merkt er aber selbst, dass das so nicht klappt. In einem Malkurs würde man seine Talente besser fördern und er würde merken, dass er Anerkennung auch auf eine andere Art und Weise als durch Gewalt bekommt.
Gibt es Möglichkeiten, dass Du gemeinsam mit Deinem Kind sportliche oder andere körperlich anstrengende Aktivitäten unternimmst, damit er „abreagiert“ und gleichzeitig merkt, dass Du da auch mitmachst und an ihm interessiert bist?
Außerdem entsteht nach Deinem Posting durchaus der Eindruck, dass Dein Kind in bestimmten Bereichen unterfordert ist (ich will damit nicht unbedingt auf Hochbegabung hinaus, sondern einfach nur darauf, dass die Talente, die Dein Sohn hat, evtl. in der Schule nicht genügend gefördert werden). Das kann z.B. zur Folge haben, dass er sich „hierarchisch“ über den anderen Schülern sieht, die vielleicht nicht so gut lesen oder malen können und gleichzeitig selbst keine Ziele vor Augen hat, was er noch anstreben und erreichen sollte. Könntest Du versuchen, ihm solche Ziele zu setzen, ihn immer wieder zu ermuntern, etwas zu machen / lernen und ihn dann dafür auch ausgiebig zu loben?
Ich denke, Dein Sohn braucht auf jeden Fall auch viel Lob, denn nur durch Kritik wirst Du vermutlich auch nicht viel erreichen können. Positives Verhalten sollte von Dir in den Mittelpunkt gerückt und ausgiebig gelobt werden. Versuche, ihm (noch mehr als jetzt) zu verstehen zu geben, dass Du ihn trotz allem so liebst, wie er ist und zu ihm stehst und dass er eben NICHT alles falsch macht, sondern er durchaus auch seine guten Seiten hat. Vielleicht könnte man im Übrigen das Ziele-Setzen auch damit verknüpfen, dass Du ihm immer mal wieder erklärst, dass er sich nicht nur durch Gewalt behaupten kann (das scheint ja gerade bei ihm nicht zu funktionieren), sondern auch dadurch, dass er in der Schule bessere Leistungen zeigt (ich weiß ja nicht, ob er nicht eh schon der Klassenbeste ist…), schöne und immer anspruchsvollere Bilder malt (gib ihm immer wieder Anregungen dazu, welche ihn herausfordern!) u.ä.
Du sagst außerdem, Dein Kind könne nicht spielen. Aber ich habe den Eindruck, dass Du viel eher nicht bereit bist, seine Interessen und seine Art zu spielen zu akzeptieren und erwartest, er würde genau das Gleiche tun wie alle Kinder in seinem Alter. Du hast aber eben kein 0815-Kind, sondern eins, das lieber malt als mit Playmobil-Männchen spielt. Wo ist das Problem? Auch malen ist eine Form des Spielens und vielleicht fallen Dir noch weitere Sachen ein, die man dazu zählen könnte (wenn ihm das Lesen Spaß macht, könntest Du das z.B. auch durch den Kauf von immer anspruchsvolleren und interessanteren Büchern unterstützen und ihn evtl. bitten, Dir vorzulesen und Dein Interesse daran bekunden bzw. ihn dafür loben). Versuche, diese Aktivitäten zu fördern und ihm dafür Anerkennung zuteil werden zu lassen, das wird Deinem Sohn auf jeden Fall gut tun.
Aber im Endeffekt denke ich, wie gesagt, auch, dass professionelle Hilfe in diesem Fall erforderlich wäre, meine Vorschläge sind nur mögliche Ergänzungen dazu bzw. Sachen, die Du sofort umsetzen könntest, bevor der Termin mit dem Psychologen o.ä. ansteht.
Viel Erfolg mit Deinem Sohn
wünscht Dir
Anja