Mein kind kann nicht spielen

hallo allerseits,

ich bin völlig verzweifelt und weiß gar nicht wo ich anfangen soll.

mein kind kann nicht spielen. wenn ich so nachdenke, konnte er es noch nie. keine dialoge mit playmobil-männchen (wie wir damals). keine rollen/theater/verkleidungsspiele, kein kasper, nix.

es ging schon mit 8 monaten um kaputtmachen und wegschmeissen. kein tasten, erforschen o.ä. später auf dem spielplatz keine sandburg, kein bauen, kein spielen mit anderen. nur draufhauen, kraftakte am kletterturm und doll schiessen (fußball)

heute ist er fast 7 j. und wird immer mehr zum außenseiter.

er ist vor einem viertel jahr eingeschult worden. nun will er nicht mehr zur schule, weil seine mitschüler so doof sind. er versteht auch nicht, wenn ich ihm erkläre, das sein eigenes verhalten konsequenzen hat und niemand sich gerne schlagen und beschimpfen lässt.

natürlich merkt er, das auch die erwachsenen ihn nicht mögen und ehrlichgesagt ich kann es verstehen, denn ich hätte auch keine lust so ein kind im haus zu haben.

andererseits ist er total konzentriert, kann superlieb sein, zeichnet ganz toll hat sehr schnell lesen gelernt. ich bin trotzdem sicher, daß er NCIHT hochbegabt und unterfordert ist.

er versteht einfach nicht, was ich ihm erkläre. als wenn etwas im kopf fehlt.gibt es soetwas ?

auch das er nie ruhig zu zweit oder mehreren spielen kann, sondern „wie ein irrer“ fahrrad fährt oder draußen nur rumschreit finde ich nicht normal. alles ist so extrem bei ihm.

leider haben wir in der nähe keinen psychologen den ich mal fragen könnte.

die schulsituation macht mich echt fertig, weil er mir leid tut und ich das gefühl habe ihm nicht helfen zu können.

lg carmen

hallo allerseits,

Hallo,

ich bin völlig verzweifelt und weiß gar nicht wo ich anfangen
soll.

mein kind kann nicht spielen. wenn ich so nachdenke, konnte er
es noch nie. keine dialoge mit playmobil-männchen (wie wir
damals). keine rollen/theater/verkleidungsspiele, kein kasper,
nix.

es ging schon mit 8 monaten um kaputtmachen und wegschmeissen.
kein tasten, erforschen o.ä. später auf dem spielplatz keine
sandburg, kein bauen, kein spielen mit anderen. nur
draufhauen, kraftakte am kletterturm und doll schiessen
(fußball)

heute ist er fast 7 j. und wird immer mehr zum außenseiter.

er ist vor einem viertel jahr eingeschult worden. nun will er
nicht mehr zur schule, weil seine mitschüler so doof sind. er
versteht auch nicht, wenn ich ihm erkläre, das sein eigenes
verhalten konsequenzen hat und niemand sich gerne schlagen und
beschimpfen lässt.

natürlich merkt er, das auch die erwachsenen ihn nicht mögen
und ehrlichgesagt ich kann es verstehen, denn ich hätte auch
keine lust so ein kind im haus zu haben.

is aber scheiße wenn Du im Bekanntenkreis Personen hast die Dein Kind spüren lassen das sie ihn nicht mögen.
Wenn es hier aber um die Eltern anderer Kinder geht, lade doch andere Kinder zu Dir ein, da gibt ihm niemand das Gefühl unerwünscht und ungeliebt zu sein (hoffe ich jedenfalls).

andererseits ist er total konzentriert, kann superlieb sein,
zeichnet ganz toll hat sehr schnell lesen gelernt. ich bin
trotzdem sicher, daß er NCIHT hochbegabt und unterfordert ist.

Dann versuch eben sein künstlerisches Talent zu unterstützen, eventuell mit Zeichenkursen oder Bastelkursen mit anderen Kindern.

er versteht einfach nicht, was ich ihm erkläre. als wenn etwas
im kopf fehlt.gibt es soetwas ?

auch das er nie ruhig zu zweit oder mehreren spielen kann,
sondern „wie ein irrer“ fahrrad fährt oder draußen nur
rumschreit finde ich nicht normal. alles ist so extrem bei
ihm.

leider haben wir in der nähe keinen psychologen den ich mal
fragen könnte.

Dazu brauchste keinen Psychologen, würde erst mal zu nem normalen Hausarzt gehen und ihm Dein Problem schildern.
Etwas hört sich das so an als wäre Dein Sohn hyperaktiv. Die gleichen Symptome hatte der Sohn meines Cousins, woraufhin der Arzt Hyperaktivität feststellte.

die schulsituation macht mich echt fertig, weil er mir leid
tut und ich das gefühl habe ihm nicht helfen zu können.

Klar ist es scheiße wenn er nicht mehr zur Schule will, eventuell sogar gehänselt wird und aufgrund seiner Aktionen bei anderen Leuten im Haus nicht gerne gesehen ist, aber genau aus diesem Grund solltest Du sobald als möglich mit jemanden über Deine Probleme sprechen um eine Lösung zu finden.
Das ihm im Kopf was fehlt kann ich mir eigentlich nicht vorstellen.
Wie siehts denn aus mit der allgemeinen Familiengeschichte?
Gabs da irgendwelche einschneidenden Erlebnisse die er eventuell noch nicht verkraftet hat?
Schreib Dir alles mal auf was im entferntesten schuld daran sein könnte das Dein Sohn ein solches Verhalten an den Tag legt.
Aber wie gesagt, an Deiner Stelle würde ich schon professionelle Hilfe zuziehen.

Liebe Grüße
Yvonne

lg carmen

du brauchst 'nen Profi

leider haben wir in der nähe keinen psychologen den ich mal
fragen könnte.

Davon solltest Du Dich nicht abhalten lassen.
Ohne nun eine Ferndiagnose stellen zu wollen, ich bin auch nicht kompetent, aber vieles von dem was Du schreibst erinnert mich an Beschreibungen über hochbegabte Kinder. Diese kommen meist nicht klar mit Gleichaltrigen, reagieren dann aggressiv und sind doch eigentlich nur unterfordert. Meist äussert sich das in überdurchschnittlichen Leistungen in einem kreativen Bereich - Du schriebst er „zeichnet ganz toll hat sehr schnell lesen gelernt“.

Du solltest auch jeden Fall einen Lehrer oder Arzt ansprechen. Wenn die Dir eienn Psychologen empfehlen muss das eben sein, egal wie weit es ist. Das ist doch wichtig …

Kopf hoch, Du schaffst das schon.

Gruss aus Duisburg
Garvey

Hallo Carmen,

hast Du schon einmal mit Deinem Kinderarzt diese Probleme besprochen?
Was sagt der denn dazu?
Und was meinen die Lehrer Deines Sohnes? Können die Dir denn nicht weiterhelfen oder hast Du zu denen kein so gutes Vertrauensverhältnis?

Viele Grüße - Sue

Hallo Carmen,

War der Junge vor der Schule schon in einer Kindereinrichtung bzw. haben die Betreuer dort entsprechende Auffälligkeiten festgestellt?
Wie sehen es andere, die Dein Kind gut kennen und Vergleichsmöglichkeiten haben?

Aber ich denke auch, ob hochbegabt oder nicht, Du solltest das Kind unbedingt mal einem Psychologen vorstellen (Hausarzt würde ich da eher nicht bevorzugen). Spielen ist ein normaler und auch notwendiger Prozeß für die Entwicklung, wenn ein Kind entsprechende Angebote (denn an Vernachlässigung oder sowas in der Richtung scheint es ja hier nicht zu liegen) dann liegt vielleicht wirklich irgendeine Störung vor. Die Agressionen sind dann vielleicht die Folge. Je älter das Kind wird, um so mehr kann sich dies verfestigen. Bei meiner Tochter war mal so ein Kind in der Klasse, was die anderen Kinder immer nur als Störenfried wahrnahmen. Außerdem war er auch sehr agressiv und einige Eltern wollten schon ‚etwas unternehmen‘, um das Kind aus der Klasse zu bekommen. Die Lehrerin hatte sich damals sehr engagiert, die Mutter war schon sichtlich überfordert gewesen, obwohl wirklich bemüht. Ich weiß, daß die Therapie, die das Kind in der Folge machte, einige Fortschritte gebracht hat und der Junge sich im Vergleich zu vorher wirklich positiv entwickelte. Nach dem Schulwechsel von der Grundschule habe ich die Sache dann natürlich aus den Augen verloren.

Und wenn ihr mittlerweile auch schon alle unter der Situation leidet, dann denke ich schon, ist eine Verhaltenstherapie möglicherweise angebracht.
Zumindest weißt Du nach dem Besuch beim Psychologen erst mal, woran Du bist und wo man ansetzen könnte.

Alles Gute und
viele Grüße Maid :smile:

Liebe Carmen,

so verzweifelt, wie du schon bist, würde ich unbedingt zum Psychologen gehen, Haus- und Kinderärzte können das oft nicht klären und neigen auch zum Abwiegeln, weil sie einen trösten möchten.
Die Symptome, die du schilderst können auf vieles passen: Hochbegabung, Hyperaktivität, Verhaltensstörungen aufgrund von psychischen Problemen usw.

Was du schreibst, weckt aber bei mir noch einen ganz anderen Verdacht. Es gibt eine milde Form von Autismus, das „Asperger Syndrom“ (AS), die sehr unterschiedlich ausfallen kann. Alles, was du schreibst, sind Symptome, die Kinder mit AS haben können. Das heißt natürlich noch lange nicht, dass dein Kind unbedingt AS haben muss, aber es könnte immerhin sein. AS ist schwer zu diagnostizieren, eben weil es sehr sehr unterschiedlich ausfallen kann. Einen hervorragenden Aufsatz zur Unterscheidung von Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, AS und Hochbegabung gibt es hier:
http://www.bkjpp.de/hochbegabung/hochbegabung-as-ads…
Und einen guten Fragebogen beim Verdacht auf Asperger Syndrom findest du hier:
http://www.aspiana.de/haupt/deframe.htm

Dort gibt es auch viele Links und Buchtipps und dergleichen. Wenn du nach diesem Fragebogen den Verdacht haben solltest, dein Kind könnte vom AS betroffen sein, dann solltest du einen Termin bei einer Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) vereinbaren zur Diagnose. Es gibt in Deutschland nur eine Hand voll Experten, die sich mit dieser noch recht unbekannten Behinderung auskennen; wo die nächste KLP ist, die dir in diesem Falle weiterhelfen kann, erfährst du beim Verband Hilfe für das autistische Kind.

Mein Sohn hat AS und wir waren ebnso verzweifelt wie du, bevor wir die Diagnose bekamen. Damals war mein Sohn bereits 10 und wir hatten schon sehr vieles hinter uns, von der Erzeihungsberatung über Ergotherapie hin zum gnadenlosen Mobbing in der Schule. Vor allem hatten wir auch sehr viel Ärger miteinander. Mein Sohn hat immer noch Probleme zu verstehen, was er im Umgang mit anderen falsch macht, er hat immer noch Probleme, die Gefühle anderer wahrzunehmen und einges mehr, aber unser Verhältnis ist sehr viel besser geworden, durch gezielte Förderung hat er sich prima entwickelt und ich selbst fühle mich vor allem durch die Kontakte im Selbsthilfeverband und einer Elternmailingliste sehr entlastet. Wenn du willst, können wir gern per Privatmail weiter darüber sprechen.

Ich wünsche dir, dass sich die Situation für euch bald entspannt und dass du herausfindest, wo dein Kind der Schuh drückt. Ich weiß, wie schrecklich das ist, wenn man sein eigenes Kind nicht verstehen kann und hin- und hergerissen ist zwischen Ärger, Mitleid und Schmerz.

Alles Gute
Susi

Hallo Carmen,

ich schließe mich Deinen Vorrednern darin an, dass Du vermutlich ohne professionelle Hilfe eines Psychologen das Problem kaum in den Griff bekommen wirst. Und ich denke, Dein Kind sollte Dir einen langen Weg zum Psychologen wert sein.

Gibt es in Eurer Nähe einen Malkurs für Kinder? Ich kann mir vorstellen, dass Dein Sohn durch sein Verhalten Anerkennung sucht und „führen“ will, nun merkt er aber selbst, dass das so nicht klappt. In einem Malkurs würde man seine Talente besser fördern und er würde merken, dass er Anerkennung auch auf eine andere Art und Weise als durch Gewalt bekommt.

Gibt es Möglichkeiten, dass Du gemeinsam mit Deinem Kind sportliche oder andere körperlich anstrengende Aktivitäten unternimmst, damit er „abreagiert“ und gleichzeitig merkt, dass Du da auch mitmachst und an ihm interessiert bist?

Außerdem entsteht nach Deinem Posting durchaus der Eindruck, dass Dein Kind in bestimmten Bereichen unterfordert ist (ich will damit nicht unbedingt auf Hochbegabung hinaus, sondern einfach nur darauf, dass die Talente, die Dein Sohn hat, evtl. in der Schule nicht genügend gefördert werden). Das kann z.B. zur Folge haben, dass er sich „hierarchisch“ über den anderen Schülern sieht, die vielleicht nicht so gut lesen oder malen können und gleichzeitig selbst keine Ziele vor Augen hat, was er noch anstreben und erreichen sollte. Könntest Du versuchen, ihm solche Ziele zu setzen, ihn immer wieder zu ermuntern, etwas zu machen / lernen und ihn dann dafür auch ausgiebig zu loben?

Ich denke, Dein Sohn braucht auf jeden Fall auch viel Lob, denn nur durch Kritik wirst Du vermutlich auch nicht viel erreichen können. Positives Verhalten sollte von Dir in den Mittelpunkt gerückt und ausgiebig gelobt werden. Versuche, ihm (noch mehr als jetzt) zu verstehen zu geben, dass Du ihn trotz allem so liebst, wie er ist und zu ihm stehst und dass er eben NICHT alles falsch macht, sondern er durchaus auch seine guten Seiten hat. Vielleicht könnte man im Übrigen das Ziele-Setzen auch damit verknüpfen, dass Du ihm immer mal wieder erklärst, dass er sich nicht nur durch Gewalt behaupten kann (das scheint ja gerade bei ihm nicht zu funktionieren), sondern auch dadurch, dass er in der Schule bessere Leistungen zeigt (ich weiß ja nicht, ob er nicht eh schon der Klassenbeste ist…), schöne und immer anspruchsvollere Bilder malt (gib ihm immer wieder Anregungen dazu, welche ihn herausfordern!) u.ä.

Du sagst außerdem, Dein Kind könne nicht spielen. Aber ich habe den Eindruck, dass Du viel eher nicht bereit bist, seine Interessen und seine Art zu spielen zu akzeptieren und erwartest, er würde genau das Gleiche tun wie alle Kinder in seinem Alter. Du hast aber eben kein 0815-Kind, sondern eins, das lieber malt als mit Playmobil-Männchen spielt. Wo ist das Problem? Auch malen ist eine Form des Spielens und vielleicht fallen Dir noch weitere Sachen ein, die man dazu zählen könnte (wenn ihm das Lesen Spaß macht, könntest Du das z.B. auch durch den Kauf von immer anspruchsvolleren und interessanteren Büchern unterstützen und ihn evtl. bitten, Dir vorzulesen und Dein Interesse daran bekunden bzw. ihn dafür loben). Versuche, diese Aktivitäten zu fördern und ihm dafür Anerkennung zuteil werden zu lassen, das wird Deinem Sohn auf jeden Fall gut tun.

Aber im Endeffekt denke ich, wie gesagt, auch, dass professionelle Hilfe in diesem Fall erforderlich wäre, meine Vorschläge sind nur mögliche Ergänzungen dazu bzw. Sachen, die Du sofort umsetzen könntest, bevor der Termin mit dem Psychologen o.ä. ansteht.

Viel Erfolg mit Deinem Sohn
wünscht Dir

Anja