Ich mache mir seit langem Sorgen um meinen 14jährigen Sohn und zermartere mir das Hirn, wo auch bei uns der Fehler liegt oder was irgendwann mal schief gelaufen ist. Aber vielleicht ist auch schon das falsch. Ich weiß es wirklich nicht.
Mein Sohn ist ein lieber Kerl, der sich gerne über seine Zukunft unterhält, der in der Hauptschule mittelmäßig ist und für alles etwas länger braucht (das war schon immer so). Aber er schlägt sich durch und gibt sich Mühe im Rahmen seiner Möglichkeiten.
Aber er kommt mittags nach Hause, wir essen und quatschen eine Runde und dann zieht er sich in sein Zimmer zurück, macht seine Hausaufgaben und hockt oft vor dem PC. Wenn ich nachfrage, ob er sich nicht einmal verabreden will, sagt er, dass seine Freunde keine Zeit haben.
Ab und zu kommt mal einer vorbei, aber das war es auch schon.
Er würde niemals von allein in den Bus steigen, um seine Freunde zu treffen - zumindest hat er sich bis jetzt vehement dagegen gewehrt. Aus Angst oder aus Bequemlichkeit - ich weiß es nicht.
Er ist von meinen drei Kindern (12,14 und 18) das jenige, das nie einen Kindergeburtstag feiern wollte - bis heute nicht.
Selbst wenn wir ihm vorschlagen - mal ne richtig coole Party im Sommer mit seinen Jungs zu machen, sagt er, das er das nicht möchte.
Irgendwann habe ich mal seine Lehrerin gefragt, aber die sagte mir, dass er durchaus respektiert und anerkannt wird von seinen Kameraden und auch seine eigene Position auf dem Schulhof hat.
Natürlich spielen auch bei ihm mittlerweile die Hormone ein bisschen verrückt - umsomehr denke ich, müßte er sich doch langsam ein bisschen lösen?
Ich mache mir da große Sorgen und wünsche ihm mehr als alles andere einen richtig guten Freund, mit dem er sich austauschen kann.
Er ist ein Denker, macht vieles mit sich im Kopf aus und teilt sihc uns mit. Er würde mit mir Stunden quatschen, wenn es möglich wäre und das finde ich auch klasse. Er ist sehr musikalisch und kann sich gut ausdrücken - will sagen - er hat so tolle Fähigkeiten, auch menschlich- mir fällt es schwer, zu akzeptieren, dass so ein liebenswerter Mensch relativ allein durch diese Zeiten geht - freiwillig.
Aber vielleicht vermittel ich ihm unbewußt auch irgendetwas - ich bin nicht sicher. Er war als kleiner Junge schon mein Sorgenkind, weil er wegen motorischer Schwierigkeiten zur Frühförderung mußte usw.
Möglicherweise habe ich meine Sorge auf ihn übertragen, sodass er heute kein Selbstvertrauen hat.
Aber ich versuche, wann immer es geht, ihm Mut zuzusprechen und den Rücken zu stärken.
Was kann ich tun, was ihm wirklich hilft?
Ich freue mich ehrlich über Antworten und bin für Kritik sehr offen.
Danke schon einmal.
Bettina
War ich auch.
Hai Bettina,
in dem Alter deines Sohnes hab ich NUR auf dem Bett gelegen und gelesen (PCs gabs noch nicht). Rausgegangen bin ich nur, wenn meine (sich Sorgen machende) Mutter mir alle Bücher weggenommen hat und mich rausgeschoben. Dann hab ich da verloren rumgestanden und mit den Freunden meines kleinen Bruders gespielt, weil ich sonst niemanden kannte.
Ich hab nicht unter Einsamkeit gelitten. Wenn ich gewollt hätte, hätte ich Freunde haben können, ich wollte nur nicht. Solange dein Sohn nicht unter Situation leidet und das Gefühl hat, es wäre etwas nicht mit ihm in Ordnung, brauchst du dir glaub ich keine großen Sorgen zu machen.
Ich denke, ich bin heute als Erwachsener auch nicht überdurchschnittlich verbogen oder gar kontaktscheu (eher im Gegenteil). Es gab damals nur einfach keinen in meiner Welt, mit dem ich meine Zeit lieber verbracht hätte, als mit den Büchern.
Gruß
Burkh
Hallo Bettina,
ich finde gut, dass Du Deinen Sohn im Blick hast und scheinbar machst Du Dir seinetwegen schon aus Gewohnheit Sorgen . . .
Lass´ ihn, solange er nicht offensichtlich an der Situation leidet - er ist Dein Sohn und Du bist nicht sein Coach . . .
Hallo Bettina
Er ist von meinen drei Kindern (12,14 und 18) das jenige, das
nie einen Kindergeburtstag feiern wollte - bis heute nicht.
In gewisser Weise ist das durchaus typisch für die „Sandwich-Kinder“, also die Mittleren, die sich altersmäßig zwischen zwei Geschwistern befinden.
Sie haben es einfach schwerer, eine eigene Rolle zu finden. Der/die Älteste hat eine klar umrissene Rolle, hat am meisten Macht, aber muss auch früh Verantwortung übernehmen.
Der/die Jüngste wiederum kann sich oft länger in Spiel, Jugend und Phantasterei austoben. Die Mittleen sind oftmals introvertiert.
Nimm es gelassene, wie es Dir die Anderen hier auch schon raten. Auch dieser Sohn wird seinen Weg finden.
Gruß,
Branden
Hallo Bettina,
wenn ich mal zusammenfasse: Dein Sohn ist feinmotorisch etwas ungeschickt, langsam und zwischen den Zeilen lese ich raus, dass ihm auch sein Äusseres egal ist. Sprich er ist in den Augen seiner Alterskameraden äusserst „uncool“. Das ist auch nicht weiter schlimm, aber doch sehr lästig wenn man 14 ist. Und „seinesgleichen“ - also jemanden der genauso „uncool“ ist und seine Interessen teilt - hat er offensichtlich in seinem Bekanntenkreis nicht.
Und genau da würde ich ansetzen und versuchen Hobbys im „Kopfbereich“ suchen. Vielleicht Mensa? Ein Schachclub? Elektronisch/Mechanisch/Chemisch basteln? Musikverein? Programmierclub? Keine Ahnung, was halt seinen Interessen am ehesten entgegen kommt 
Und wenn er dann dort Leute findet, die auf seiner Wellenlänge sind ergibt sich das mit den Verabredungen von ganz alleine. Ich glaube übrigens nicht, dass da irgendwas „schief gelaufen“ ist - weder von Eurer noch von seiner Seite. Er ist halt einfach jemand der seine Zeit lieber ehrlich allein verbringt als mit irgendwelchen Leuten, mit denen er nicht wirklich was anfangen kann, rumzuhängen. Ganz persönlich finde ich das übrigens eine ziemlich gute Einstellung.
*wink*
Petzi
hallo bettina,
erstmal finde ichs supertoll dass du dir gedanken um deinen sohn machst - und darum ob du fehler gemacht hast - das ist selten und sehr löblich wie ich meine.
schon das allein ist ein posting wert 
ich bin nun nicht so erfahren und schon gar kein profi. aber mein eindruck ist auch, dass du dir eher keine sorgen machen musst.
er ist offen zu dir/euch und scheint euch zu vertrauen. ihr nehmt
ihn wahr und ernst. und offenbar gibts keine wirklichen probleme in
der schule.
ich plapper mal so laut vor mich hin - wobei das ganz ehrlich auch gut totaler quatsch sein kann:
wegen der optik - da kannste ihn doch sicher begeistern für nen neuen haarschnitt der cool ist oder mal ne andere art jeans oder ähnliches - wenn ihr euch so gut versteht denke ich mal, schaffst du das sicher - nur übertreiben sollte muttern es nat. nicht:wink:
aufdrängen oder ein problem einreden das er gar nicht hat - das sollte man natürlich tunlichst vermeiden.
vielleicht gehst du einfach zu sehr von dir aus - manche menschen mögen dinge die für andere unvorstellbar sind.
evtl findet ihr ja mal für einen seiner kommenden langen ferien etwas, was ihn so richtig komplett begeistert, wo er mit lauter menschen seines alters zusammenkommt die seine interessen teilen - vielleicht gibts das ja und du schaust mal was und wo und ob so was ihm auch gefallen könnte.
aber das würde ich wohl auch dann anbieten wenn das kind viele kontakte pflegt - kann es mir einfach allg. als tolle erfahrung eines jugendlichen vorstellen - vor allem ohne eltern (aber nat. betreut)
eigentlich ist alles gut wie mir scheint - ich habe also evtl nur dinge geschrieben die vor allem dir helfen könnten, ich weiss es grad selbst nicht ehrlich gesagt.
musste selbst abschätzen 
heute is mein chaostag muss ich noch einwerfen, das kann damit zusammenhängen…*seufz
beste grüsse
nina
Hallo Bettina!
Mein „Sandwichkind“ stimmt Burkh voll und ganz zu.
Ja, er ist der sensibelste , auch ein wenig maulfaul,
und etwas Besonderes,
genauso wie seine Geschwister!
Aber er wird seinen Weg gehen - und wenn er mich wirklich braucht, werde ich auch für ihn da sein - egal wie.
MfG Roxelane
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…ich auch…
also nicht total allein, aber ich habe mich dann nach und nach abgeschottet von meinen kumpels…hatte dann ne zeit lang auch wenig bock rauszugehn, hab ich immer vorn fernseher gehockt und fettgefressen…meine mutter meinte immer, ich solle doch mal rausgehn und spielen…mit 16 oder so…
ich meine, eltern kann man’s ja nie recht machen:smile:geht man feiern, haben sie angst, dass man trinkt. bleibt man als braver junge zu hause, fragen sie sich, ob etwas mit ihm nicht stimmt…
er ist ganz normal…wuerde ich sagen…vielleicht geistig unterfordert und perspektivlos, aber das ist auch nicht so ungewoehnlich…dat wird schon…
ich habe das allerdings damals gemacht, weil ich es nicht bei meinen eltern ausgehalten habe…wobei ich dich jetzt nicht kenne…
mfg:smile:
rene
Hallo Bettina,
in diesem Alter war ich auch eher ein Einzelgänger, weil ich durch mein Äußeres und meine Interessen für die anderen höchst uncool war. Erst als ich einige andere ähnlich uncoole Typen fand, kam es zu lockeren Freundschaften. Eine davon wurde im Laufe der Zeit allerdings eine sehr intensive und hält bis heute, auch wenn wir nur selten Kontakt haben.
Mit etwa 16 - 17 Jahren änderte sich das, weil ich einige andere Leute traf, mit denen ich auf der gleichen Wellenlänge schwang und war mit denen viel und gerne zusammen. Auch hiervon sind bis heute einige Freundscahften von Bestand.
Wie schon gesagt wurde; wenn Dein Sohn nicht unter der Situation leidet, würde ich mir keine großen Sorgen machen.
Gandalf
Ich bins wieder:smile:
Also erst einmal Danke Danke Danke - ihr habt mir wieder Mut gemacht und auch mit vielem Recht.
Ich denke auch, dass ich ihn so akzeptiere, wie er ist.
Weil - ich finde ihn eigentlich auch klasse so - er ist diplomatisch, kann sich gut ausdrücken und seine Anliegen formulieren -
In Sachen „etwas unternehmen, was ihn interessiert“: Er ist sehr schwer zu motiveren und aus seinem - tja wie soll ich es ausdrücken -
aus seinem selbstgewählten Alleinsein herauszuholen.
Manchmal kommt ein Freund vorbei und dann zischt er durchaus mit dem ab - leider um zu rauchen - wie er mir erzählt hat.
Aber wenn ich ihm vorschlage, z.B. mal an einer Jugendfreizeit teilzunehmen, dann reagiert er sehr skeptisch und ich merke sofort, dass er irgendwie davor Angst hat. Ich kann ihm das schmackhaft machen wie ich will - er mag das nicht hören. Er sagt, er wäre kein Typ für so etwas:wink:
Eine Sache habe ich im letzten Jahr durchgezogen, nachdem ich einmal zur Schule mußte, weil er mitten im Unterricht anfing, zu singen.
(Backstreet Boys) und alle Mädels an seinen Lippen hingen.
Die Lehrerin hält ihn zwar für sehr charmant und talentiert, fand das aber verständlicherweise in ihrem Unterricht nicht angebracht.
Daraufhin habe ihm endlich Klavierunterricht verordnet. Erst hat er gemault, dann haben wir durch glücklichen Zufall ein Klavier geschenkt bekommen und einen richtig netten Lehrer, der zu ihm kommt -
und jetzt, nach noch nicht einmal einem halben Jahr spielt der Junge richtig gut - ist auch stolz auf sich, das merke ich und das gönne ich ihm von Herzen.
Will damit sagen - er entdeckt sich so schrittweise und die pubertären Veränderungen kommen natürlich dazu - er sucht momentan optisch - glaube ich - seinen Style - und dann sind da ja auch noch die Mädels -
ich verstehe das ja alles. Meine Sorge ist ja auch nur, dass er sich zu lange einigelt und irgendwann keine Traute für andere Dinge mehr hat. Gestern habe ich ihm gesagt, dass er sich für die nächste Klassenfahrt ein bisschen neuer einkleiden muss. Das will er auch.
Dann schlug ich ihm vor, weil es ja vielleicht auch doof ist, mit seiner Mutter im Schlepptau, die ja einen völlig anderen Geschmack hat als er, dass er mit einem Kumpel allein in die Stadt fährt, und ich ihm Geld gebe, dass er bitte für Klamotten seines Geschmackes auf den Kopf hauen soll.
Ich hatte das Gefühl, dies war okay.
Seht ihr, ich lerne vielleicht doch schneller als ich dachte:wink:)
Also, nochmals danke schön. Hat mir echt geholfen.
Freue mich trotzdem über weitere Aussagen:wink:
Alles Liebe
Bettina
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