Mein Tief

Hallo Leute,

mach seit 2 Jahren ne tiefe Phase durch. Es hat angefangen mit der Arbeitslosigkeit, danach kam ne Trennung und zuletzt gesundheitliche Probleme. Was mir z.zt. schwer zu schaffen macht ist diese Schwere in meinem Gemüt. Momentan gibt es keinen Grund unglücklich zu sein und es gibt nichts was mir zu schaffen macht. Ich merke aber dass ich nicht mehr richtig Lachen oder Weinen kann. Besonders das Letzte wäre mal nötig und reinigend. Es ist so als ob 1000 Liter Tränen in meinem Kopf stecken, aber die Schleusen sind dicht. Diese Schwere macht mich benommen, manchmal kommt ein Schwindelgefühl dazu und am Ende bin ich mir meiner nicht mehr sicher und Angst schleicht sich ein. Ich gehe meinen Freunden ausm Weg, da ich mich in der Lage kaum unseres Treffens erfreuen kann.
Vor nem halben Jahr und nachm langen Ärzte-Hopping kam ich auch zu nem Neurologen der prompt ne Angsterkrankung diagnostizierte. Ich nahm auch 3 Monaten seine Pillen bis ich am Ende nur noch ein Häufchen Elend war. Also sagte ich mir Schluß mit Chemie, bin ins Fitness-Center und versuch gesund zu leben. Seitdem ist es besser geworden, aber immer noch wie oben beschrieben.
Also, wer kenn nen guten Tipp wie ich „die Schleusen öffnen“ kann, die Schwere wegkrieg und wieder mich des Lebens erfreuen kann??
Danke
mfG
ec

Lass mich das ganz kurz und knapp zusammenfassen: In Zeiten emotionalen Stresses neigt Mensch dazu, sich komplett emotional zu kontrollieren. Das hat auf der einen Seite den positiven Nebeneffekt, dass man nicht völlig den Bach runter geht. Aber auf der anderen Seite verliert man den Kontakt zu sich selbst, zu seinen eigenen Gefühlen, weil man sich emotional nicht mehr reflektiert oder zu reflektieren traut. Ich möchte dir jetzt nen Tip geben, der vielleicht erstmal mächtig blöd klingt, mir aber in kurzen Phasen, in denen ich ähnlich gefühlt (oder eben nicht gefühlt) hab wie du, geholfen hat (hab den Tip mal in nem Buch gelesen): Setzt dich vor nen Spiegel und schau dich selbst an. Lass dir Zeit. Konzentrier dich auf dich selbst, schau dir in die Augen. Denk über dich selbst nach, über dein Leben. Es kann sein, dass sich dann die emotionale Blockade löst, da du dich lange nicht mehr so sehr auf dich selbst konzentriert hast, auf dich selbst eingelassen hast (eigentlich ein ganz einfacher, psychologischer Trick), und du wirst endlich weinen können. Wenn es dir aber nichts bringt, hast du eben nur ein paar Minuten Zeit verschwendet. Aber was du dir bewusst machen musst, ist, dass du dich selbst emotional abgeschottet hast, aus Angst (und da hatte dein Psychologe mit der Angststörung ja nicht Unrecht), dass dich deine Emotionen überwältigen könnten. Wenn dir das klar ist, kannst du auch anfangen, die Blockade zu lösen.

Lieben Gruß, Dine

Hallo ec,

Dein Tief scheint mir - abgesehen von der Angststörung - durch depressive Beschwerden gekennzeichnet zu sein. Ganz typisch dafür sind die Schwere im Gemüt und daß Du nicht weinen kannst, obwohl Dir danach ist. Hat der Neurologe dazu nichts gesagt? Ich möchte Dir empfehlen, bei einem Psychiater wegen Deiner Situation vorstellig zu werden oder Dich direkt um einen Termin bei einem Psychotherapeuten zu bemühen. Hier wie dort könnt ihr schauen, was man am geeignetsten unternehmen kann, damit Du so schnell wie möglich aus Deinem Tief herauskommst.

Grüße,

Oliver Walter

Hi ec,

ich kann Dir keine medizinischen bzw. medizinisch fundierten Ratschläge geben, glaube allerdings, dass Du mit der Umstellung zu „gesunderem Leben“ einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung gemacht hast. Sportstudio ist bestimmt gut für Dein Selbstwertgefühl und damit Du rauskommst. Wie wäre es, wenn Du versuchst, (D)ein Hobby in einem Verein odgl. zu betreiben (z. B. ein Mannschaftssport) oder Dich ehrenamtlich engagierst. Ich halte für wichtig, dass Du aus Deiner Isolation rausgehst und unter Leute kommst, auch wenn es anfangs schwer fallen mag.

Auch mein Tief
Hallo,
ich bin kein Psychologe und kann Dir deswegen keine Fachmeinung geben, aber vielleicht kann ich Dir dennoch ein wenig weiterhelfen.
Du sagst, seit Deiner Arbeitslosigkeit, und nach der Trennung gehe es Dir schlecht. Das sind zwei Schicksalsschläge die einen schonmal mitnehmen können. Für gewöhnlich sollte man sich aber erholen.
Ich kenne Dich nicht, deswegen weiß ich nicht wie Dein Leben vorher war.
Ich hatte ein sehr schönes Leben bevor mir und meiner Familie etwas passiert ist, was ein schweres Trauma ausgelöst hat. das ist mit Sicherheit etwas anderes als bei Dir, aber seitdem habe ich immer wieder längere Phase in denen es mir ähnlich geht wie Dir. ich habe das Vertrauen darin verloren, dass es ein happy End für alles und jeden gibt. Ich lernen mit Existenzängsten zu Leben und fokusiere mich immer mehr auf das Negative als auf das positive im Leben.
Manchmal ist alles wie in Watte und ich komme mir vor wie eine Maschiene.
So ein Verhalten und so eine Wahrnehmung müssen aber nicht pathologisch sein. Man kann es auch einfach Melancolie nennen.
das ist etwas was man annehmen und mit dem man Leben kann, ähnlich wie ein Persönlichkeitszug ( der bei Dir vielleicht durch die starke Veränderung Deiner Umwelt ausgelöst wurde).

ich will Dir keinen falschen Rat geben, aber ich ahbe die Erfahrung gemacht,das heute oft an sachen herumgedoktert wird, an denen man nicht herumdoktern müsste.

Mir hilft Glaube und mein soziales Umfeld wieder auf die Beine zu kommen.
Sich vons einen Freunden zu distanzeiren ist falsch, sprich mit ihnen über Deine Problem und versuche öfters mal aus dem gewohnten Umfeld rauszukommen.
Vielleicht gibt Dir das ein paar neue Perspektiven.
Viel Erfolg
Daniela

Zeit lassen
Hallo Evangelos,

zusätzlich zu dem, was die anderen schon gesagt haben, fällt mir noch ein: Lass dir Zeit. Eine Dauerkrise von zwei Jahren ist kein Pappenstiel. Du schreibst aber auch:„Momentan gibt es keinen Grund unglücklich zu sein und es gibt nichts was mir zu schaffen macht.“ Wahrscheinlich hast du innerlich auf „Notbetrieb“ geschaltet, also alle Gefühle, mit denen du sonst auf die Ereignisse reagiert hättest, „auf Eis gelegt“, um dich mit den äußeren Problemen auseinanderzusetzen. Und jetzt, wo es leichter wird (das interpretiere ich jetzt halt mal so), kannst du eben nicht von heute auf morgen wieder auf „normal“ schalten, vielleicht bist du auch noch zu erschöpft. In meinen Augen ist das nur natürlich, wenn auch quälend. Immerhin sind deine Lebensgeister so weit wieder erwacht, dass du dir den noch schlummernden Rest zurückwünschst, und du entwickelst einen Instinkt dafür, was dir guttut! An deiner Stelle würde ich diese Linie weiterverfolgen (Sport, Hobbies, unter Leute gehen, vielleicht auch Therapie), am Ball bleiben, aber nichts erzwingen oder zu viel zu schnell erwarten - gib dir die Chance einer natürlichen Entwicklung. Dass es „wie vorher“ wird, ist nicht garantiert - aber du kannst auch auf eine neue, „erwachsenere“ Art wieder aufwachen.

Alles Gute,

Beate

Lass dir Zeit. Eine Dauerkrise von zwei Jahren
ist kein Pappenstiel.

Wieviel Zeit soll man sich denn lassen um eine Krise ‚auszuleben‘?

Dass es „wie vorher“
wird, ist nicht garantiert -

Eben, das ist kein bisschen garantiert und es kann auch alles noch viel schlimmer werden.

Gruß Maid

Hallo,
nimm auf jeden Fall Hilfe in Anspruch (Therapie) !

Hilfreich ist auch, Dinge zu tun, die nicht von außen kommen, sondern von Dir selbst. Worauf hast Du Lust ? In der Phase natürlich auf nichts. Trotzdem, was machst Du gerne ? Überwinde Dich dazu, diese Dinge, die DU gerne machst, zu tun, auch wenn Du keine Lust dazu hast. Es wird Dir nicht immer gelingen oder direkt besser gehen, aber Du kannst 50 oder 80 % Deiner „Löcher“ mildern.

Glaub mir, versuch es. Versuch es immer wieder.

Gruß, Ticoli

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Lass dir Zeit. Eine Dauerkrise von zwei Jahren
ist kein Pappenstiel.

Wieviel Zeit soll man sich denn lassen um eine Krise
‚auszuleben‘?

Sorry wenn das falsch rauskam: Ich hatte den Eindruck gewonnen, dass Evangelos sich hier zusätzlich Sorgen macht und fast ein bisschen unter eine Art Leistungsdruck setzt, was wirklich nicht obendrein noch sein muss: Es ist bereits besser geworden, aber wer weiß einen guten Trick … Ich hatte vor gut zwanzig Jahren auch mal eine ziemlich fiese Phase, und die „Schwere“ oder das „Abgeschirmtsein“ direkt anzugehen war da auch nicht möglich. Was mir geholfen hat, war mehr oder weniger, was hier alle in irgendeiner Form angesprochen haben: Gespräche, Anregungen aufnehmen, Dinge konsequent weiterbetreiben, die mir auch sonst Freude machen. In meinem Fall auch: Umziehen (ich hatte mich mit meiner ersten Studenten-WG arg vergriffen, was ein Teil des Problems war), auch einmal wöchentlich eine Meditationsgruppe, auf die eine Freundin mich hingewiesen hatte. Halt Eindrücke sammeln, die Entwicklungen fördern können, ohne groß zu fragen, ob sie jetzt „voll durchkommen“ oder nicht. So langsam wurde das Dunkle dann einfach unwichtig.
Das meine ich mit „Zeit lassen“ - arbeiten, aber akzeptieren, dass es indirekt läuft und nicht von heute auf morgen geht, auch dass jeder seine eigenen Möglichkeiten entdecken muss - nicht so sehr „eine Krise ausleben“ - das hat - für mich zumindest - etwas von „im Leiden festsitzen“ und das meint hier wohl niemand.

Dass es „wie vorher“
wird, ist nicht garantiert -

Auch blöd formuliert? Genau den Denkfehler habe ich damals aber zuerst gemacht - alles wird, wie es war. Geht nicht - ich habe in dieser Zeit ziemlich heftig nachgedacht und viel gelernt - natürlich sehe ich vieles anders!

Eben, das ist kein bisschen garantiert und es kann auch alles
noch viel schlimmer werden.

Ich hatte eher an Erholungsprozesse gedacht, wie Daniela sie beschrieben hat, und dazugehört eben eine veränderte Perspektive - wenn es schlimmer wird, ist das eher eine neue Krise.

Gruß Maid

Gruß zurück,

Beate

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Danke, ich habe Dich jetzt viel besser verstanden.

Gruß Maid :smile: