Mein Verhalten in der Gruppe

Hallo ihr wissenden
mein erster Artikel in W-W-W ist auch gleich ein für mich wichtiger.

Mein Problem ist, das ich einiges über Gruppenbildung und das Sozialverhalten in der Gruppe weiss, aber dieses Wissen leider nicht effektiv nutzen kann, da ich wohl nicht fähig bin mein Verhalten genug anzupassen.

Also ich lerne neue Leute kennen, Smalltalk und so. Noch kein Problem.
Dann kann ich sehen, wie sich die soziale Hierachie in der Gruppe strukturiert und finde auch einen guten Platz darin.
Nun werden die Gesprächsthemen tiefsinniger und interessensbezogener, wo ich meine ersten Probleme bekomme.
Nachdem ich von den meisten einen ersten Eindruck gewonnen habe, verliere ich das Interesse, Energie in die verbesserung der Beziehung zu den Gruppenmitgliedern zu investieren. Gleichzeitig will ich aber den mir vorher erarbeiteten Platz in der Gruppe behalten, was meistens nicht klappt.

Nun rutsche ich herab in der sozialen Hierarchie und merke es, jedoch weiss ich nicht, wie ich es verhindern kann. Dazu kommt, das ich deswegen unsicher werde und dann auch wirklich mal Mist baue, also z.B. meine Arbeit nicht richtig mache, oder Kritik nicht sachlich aufnehmen kann.

Nach einiger Zeit gehe ich auf Abwehr und tue so, als interessiere mich mein sozialer Status in der Gruppe nicht und als hätte ich meine anfänglichen noch guten Status gefixt und würde nicht abrutschen. Das merken die anderen natürlich und darauf fallen die Reaktionen unterschiedlich aus.

Trotzdem ich mir dieses Problems bewusst bin und schon viele neue Gruppenbildungen miterlebte, habe ich es bisher nicht geschafft etwas gegen diese Entwicklung zu unternehmen.

Ich hoffe nun mit eurer Hilfe herauszufinden, um was für ein Phänomen es sich handelt und ob es dafür in der Psychlogie eine Bezeichnung und einen Lösungsansatz gibt.

Achso, noch so nebenbei.
Im Alter von 9 bis 12 Jahren war ich wegen Problemen bei der Integration in Gruppen gleichaltriger Kinder in Psychologischer Behandlung. Damals bestand meine Gegenwehr ausschliesslich aus gewalttätigem Verhalten, was jedoch durch die psychologische Betreuung erfolgreich behandelt wurde.
Seitdem komme ich mit nahezu allen Situationen klar. Jedoch will ich mein oben beschriebenes Problem in den Griff bekommen und mich so verbessern.

Danke schonmal für das durchlesen dieser langen Story.
Wenn du jetzt noch nen guten Tip hast, dann danke ich gleich nochmal.

Gruss
der Alex

Hallo Alex,

ich bin nicht vom Fach, aber mir fällt was auf…

Nun werden die Gesprächsthemen tiefsinniger und
interessensbezogener, wo ich meine ersten Probleme bekomme.
Nachdem ich von den meisten einen ersten Eindruck gewonnen
habe, verliere ich das Interesse, Energie in die verbesserung
der Beziehung zu den Gruppenmitgliedern zu investieren.

Wie meinst du das mit dem „Interesse in Energie zur Verbesserung der Beziehung“? Was stört dich an dem Tiefsinn und Interessenbezogenheit?
Das hab ich nicht verstanden.

Mir kommt es vor dass du zu viel drüber nachdenkst wie du in den Strukturen passt und was du nun unternehmen sollst um deiner Position zu stärken.

Wenn die Gespräche tiefsinniger werden, entweder du hast Interesse an den Menschen und an dem WAS die erzählen, konzentrierst dich drauf und REAGIERST auf das was grade erzählt wird, oder du hast kein Interesse, weder an dem Thema noch an den Menschen, dann lässt du es sein.
Oder du hast Interesse an den Menschen, aber nicht an dem Thema, dann kannst du deine Interesse zum gegebenen Zeitpunkt äußern, in dem du Fragen stellst zB, sobald sich die Gelegenheit bietet.
Man muss auch nicht immer zu jedem Thema was vermelden, besonders dann nicht, wenn man nicht dran interessiert ist.
Aber das heißt dann nicht automatisch dass du unten durch bist.

Soll heißen wenn du dich auf das was passiert konzentrierst und nicht WIE du ankommst und auf welchen Platz der Rangliste du nun bist, hast du schon gewonnen.
Aber wenn du ständig unter eigener Beobachtung stehst, dann hast du gar keine Zeit dich auf die Menschen einzulassen.

So seh ich das.

Gruß,
Maja

Soziales Kompetenztraining
Halo Alex,

Verhalten in der Gruppe kann man lernen, z.B. in Trainings der sozialen Kompetenz. Diese finden oft auch schon in Volkshochschulen statt.

Viele Grüße,
Berni

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Maja*!

Ich verstehe ihn so: Er hat sich mehrfach darum bemüht hat, sich in eine Gruppe zu integrieren. Nach anfänglichem Erfolgen verlor er ab einem gewissen Stadium das Interesse an der Gruppe bzw. seiner Integration. Somit schafft er es nicht sein Ziel zu erreichen, Teil einer Gruppe zu sein.
Ich fürchte, wenn er deinem Rat befolgte und die Gruppen verließe, sobald er an den Personen kein Interesse hat, stände er schnell ganz allein da.

Es ist vielleicht so wie wenn man sich vornimmt viel zu lernen um etwas zu verstehen. Am Anfang macht man gute Fortschritte. Dann aber kommt der Punkt, an dem die Motivation nachlässt. Das angestrebte Ziel erscheint uninteressant, unwichtig oder bedeutungslos. Man kann nicht mehr weitermachen und vergisst mehr und mehr. Schließlich hat man alles vergessen und der anfängliche Aufwand war vergebens.

Gruß
Falk

Das Phänomen an sich ist doch eigentlich ganz normal, vielleicht ist bei dir nur die Intensität der Anpassungsfähigkeit/-willigkeit schwächer als bei anderen.
Wenn du kein Interesse daran hast, mit den anderen weiterführende Informationen auszutauschen, kannst du deine Energie besser darauf konzentrieren, andere Personen kennenzulernen.
Ich denke das geht vielen Menschen so (mich eingeschlossen). Probleme entstehen nur, wenn man darauf angewiesen ist, intensiver mit den anderen zusammenzuarbeit (etwa im Beruf, oder/und wie du geschildert hast, um die Hierarchie zu bewahren). Ich sehe dafür eigentlich nur 2 Lösungen. Entweder du heuchelst Interesse, was aber sehr wahrscheinlich sehr schnell auffällt und noch negativer gewertet wird, oder du suchst eine Tätigkeit (falls es sich um deinen Beruf handelt), wo du nicht im Team arbeiten mußt oder die Hierarchie nach der Qualifikation bestimmt wird.

Vielleicht liegt dein Problem aber in erster Linie darin, daß der Verlust deines Ansehens in der Gruppe zu einer Verletzung deines Selbstwertgefühls führt. Um dagegen anzukämpfen ist es wahrscheinlich besser, das Selbstwertgefühl durch andere Ereignisse, die unabhängig von der (frustrierenden) Gruppe sind, wieder zu stärken.

Hallo Alex!

Das du das Interesse verlierst kann verschiedene Gründe haben. Ich liste einige Möglichkeiten, die mir einfallen thesenartig auf.

  1. Du traust dir nicht zu die kommenden Schritte zu bewältigen, weißt nicht wie du dich nun verhalten sollst, oder schätzt die Kosten höher ein als den Nutzen.

  2. Du hast festgestellt, dass du mit den Leuten doch besser nichts zu tun haben möchtest.

  3. Du hast Angst vor tiefergehenden Bekanntschaften. Würdest am Liebsten für immer bei dem oberflächlichen Bekanntsein bleiben.

  4. Hast du einmal einen hohen Status erreicht, lähmt dich die Angst, ihn wieder zu verlieren.

  5. Du hast lange an der Integration gearbeitet. Jetzt ist dir das langweilig. Später hättest du wieder Lust dazu.

Ich hoffe diese Thesen konnte dich zum Nachdenken anregen. War vielleicht sogar etwas dabei, was du für die Ursache deines Problems hälst?

Gruß Falk

Hallo Alex!

Mich wundert deine Angst vor Statusverlust. Streng hierachische Gruppen kenne ich eigentlich nur aus meiner Grundschulzeit. Letztlich schätzt jedes Gruppenmitglied jedes andere in fast jeder Sachfrage anders ein. Mal zählt das Wort des einen mehr, mal das Wort des anderen. Einige orientieren sich lieber an A andere eher an B. C bewundert D, der von E gering geschätzt wird etc. Wenn eine Gruppe eine Entscheidung treffen muss, diskutiert ihre Mitglieder gemeinsam darüber, sofern es sich nicht um eine streng hirachische handelt. Auch gibt es keine klare Unterscheidung zwischen solchen, die dazugehören und solchen, die nicht dazugehören.

Ergo: Mach dir keine Sorgen um deinen Status. Wie intensiv dein Kontakt zu einzelnen Gruppenmitglieder ist, kannst du selbst bestimmen. Es ist auch in Ordnung, wenn du dir eine Auszeit nimmst und dich erst, wenn du wieder Interesse hast, der Gruppe wieder zuwendest.

Wie ist es bei dir mit Bekanntschaften und Freundschaften zu einzelnen Personen? Hast du hier die gleichen Schwierigkeiten oder hast du nur bei Gruppen Schwierigkeiten?

Gruß
Falk

Hallo Falk, THX und Maja

danke schonmal für eure Antworten.

Wie Falk geschrieben hat, verliere ich in der Tat das Interesse an der Gruppe, aber erst nachdem ich feststelle, das die zwischenmenschliche Kommunikation in der Gruppe langweilig ist.

Bei Fachgruppen tritt das Problem nicht auf, da hier ein gemeinsammes Ziel erreicht werden soll, was dann die Kommunikation focussiert.

Auch mit den meisten Einzelpersonen, die sich ja im zwiegespräch anders verhalten, komme ich klar.

Wenn jedoch Gruppenplauderei beginnt, also gelästert wird, oder Witze gemacht werden, oder jemand dann den Ton angibt und alle folgen, kann und will ich teilweise nicht flüssig in der Gruppe mitschwimmen, weshalb ich bei anderen als „Einzelgänger“ erscheine.

Dazu muss ich sagen, das ich in bestimmten Dingen egoistisch bin. So bin ich trotz heftigem Gruppendruck in der Schule Nichtraucher geblieben, oder ich folge nicht direkt dem „Grupenführer/Gruppenältesten“ wenn ich zweifel an der sinnhaftigkeit habe.
Deswegen kann ich wohl auch „Mittläufer“ nicht leiden, die selber nicht nachdenken, sondern sich der Gruppe unterordnen.
Auch Leute, die andere fertig machen und immer lästern, aber in der Gruppe relativ weit oben stehen mag ich nicht.

Wie man sieht, mag ich an Gruppen nicht viel und möchte mich doch verbessern und ohne über meinen nächsten Schritt nachdenken zu müssen in der Gruppe erfolgreich sein.

Im übrigen habe ich diese Probleme in streng hierarchischen Gruppen, wie auch in gruppen ohne anfängliche hierarchie, wobei sich ja nach wenigen Sekunden des Zusammentreffens verschiedener Leute in einer neuen Gruppe sofort erkennen lässt, wie sich die Hierarchie aufbauen wird.

Hat denn schon jemand eine Bezeichnung für mein Verhaltensmuster parat? Würde meinem Problem gerne mal einen Namen geben, damit ich mich noch besser damit auseinandersetzen kann.

Gruss an alle
der Alex

Hallo Alex

Gleichzeitig will ich aber den mir vorher erarbeiteten Platz
in der Gruppe behalten, was meistens nicht klappt.

Mich erinnert das an diejenigen Musiket, insbesondere Gitarristen, die mit dem „Rückkopplungs-Effekt“ nicht umgehen können. Jimi Hendrix hingegen war einer der wenigen, der damit vorüglich spielte (siehe seine Verzerrung der amer. Nationalhymne bei Woddstock).
Um „wieder“ auf die psychologische Ebene zurück zu kommen:
Deine Wahrnehmung ist eine Sache, Deine mögliche Identitätsproblematik auf darauf sich gründende mögliche Selbstwert-Proble,atik eine andere Sache. Aber beide vebinden sich und mir scheint, da hängst Du schon in der Falle.
Gruß,
Branden

If you try too hard …
Hallo, Alex,
wer sich auf den blinden Fleck konzentriert, wird den Punkt nicht mehr wahrnehmen.

Viele Dinge, die wir tun, tun wir unbewußt richtig. Wenn ich mich bewusst auf „Kuppeln/Schalten/Bremsen/Gasgeben“ konzentriere, bringe ich garantiert meine Füße durcheinander.

Was Du versuchst, ist eine Herzenssache mit dem Kopf zu erledigen. Und das kann nicht klappen.

Grüße
Eckard

Hai, Alex,

also für mich hört sich das alles völlig normal an, bis auf die Kleinigkeit, daß ich nicht verstehe, warum Du Dir 'n Kopp darum machst, in einer Gruppe, deren grundlegende Struktur (Hierarchie) Dir nicht passt Deine Position in eben dieser Struktur zu verlieren…

Wenn Du kein Typ für Hierarchien bist, dann kannste Kurse machen und trainieren, bist Du schwarz wirst, Du kannst lernen, Deine Position beizubehalten, Du kannst sogar lernen, so zu tun, als würdest Du dazu gehören und wie man diese Statusspiele richtig spielt - dazu gehören wirst Du nicht, Dich in einer hierarchischen Gruppe wohlfühlen wirst Du Dich (wahrscheinlich) nie…

Die Lösung? Mach Dir Deine eigene Gruppe.
Auch, wenn es Dir gerade so scheint, bist Du nicht der einzige Mensch auf der Welt mit diesem „Problem“. Sieh Dich nach den anderen „Deiner Art“ um - sie sind da - am Rand der Gruppen. Das sind die Leute, die, ähnlich wie Du wahrscheinlich, in Cliquen nur kurzzeitig auftauchen. Die auf Feten, scheinbar einsam, in irgendeiner Ecke (gerne in der Küche) hocken. Gerne auch die, über die „die Clique“ geschlossen lästert.

Statt Dich also auf Biegen und Brechen in „die Gruppe“ einfügen zu wollen, tu Dich doch mit den anderen „Außenseitern“ zusammen.

Gruß
Sibylle

Hallo Falk,

mein eigentlicher Rat an Alex war ein anderer, nämlich sich der Situation und den Menschen hinzugeben und sich nicht zu beobachten, das wäre in meinen Augen ein Versuch Wert (kann man ja trainieren).

Wobei ich immer noch denke dass man sich manche Dinge nicht geben muss, wenn sich alles in einem dagegen sträubt. Wenn Alex zB, wie er schreibt, keine Lust auf Lästereien und dumme Witze hat, dann seh ich kein Grund das mit zu machen. Er ist eben so und punkt.

Aber sein Problem scheint vielschichtiger zu sein, so glaube ich nicht dass ein paar Postings eine Wende für ihn bedeuten können, sondern eher als Anregung dienen sollen auf seinem Weg…
Da die meinigen (Anregungen) grade ausgegangen sind, so ziehe ich mich diskret zurück :wink:

Gruß,
Maja