Meine Sinne?

Hallo Zusammen,

ich weiss nicht ob dies das richtige Brett hier ist, aber ich versuche mal mein Glück.

Also…ich habe eine Frage um die Sinne. Ich denke das die verschiedenen Sinne des Menschen, wie Hören, Sehen, Riechen etc… ja bei jedem unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Wie ist es aber mit der Verbindung zur Erinnerung.
Irgendwie glaube ich zu wissen, dass das Gehirn auf, wenn man es so nenen will, Geschmack- Geruchs- und Visuelle"Datenbanken" zugreift und so weiss man gleich um was es sich handelt.

Nun zu meiner Frage. Mir fällt seit mehreren Jahren auf, das Gerüche auf mich eine sehr starke Wirkung haben und häufig direkt Bilder und Gefühle der Vergangenheit aufkommen lassen. Aber nicht nur „das kenn ich irgendwo her“ sondern „Holla-Die-Waldfee was is jetzt los?“
Es ist tatsächlich so, das ich teilweise Emotionen sehr stark nachempfinde.
Beispiel hierfür: Ich arbeite in einem riesigen Chemiekonzern, in dem es an jeder Ecke anders duftet. Ich arbeite schon ziemlich lange hier und hab auch hier gelernt.
Neulich bin ich an meinem alten Betrieb (Bau) vorbei gefahren und habe den Geruch vernommen. Wie ich umgehend schmerzlich feststellen musste, hatte ich in diesem Betrieb gearbeitet als ich mich damals von meiner Freundin getrennt hatte. Es war echt krass, weil ich mittlerweile glücklich verheiratet bin und eigentlich alles in Butter scheint. Aber dieser Geruch hat mich in diesen traurigen Moment zurückgeworfen und das mit aller Gewalt.

Bei Sommerregen oder Herbstregen (ich denke die Gerüche kennt jeder) geht mein Kopf fast mit mir durch. Ich bekomm Eindrücke aus all meinen Lebensabschnitten und finde mich an Orten wieder (gedanklich) an die ich Jahre nicht Gedacht habe.

Ich habe das Gefühl das es „schlimmer“ wird. Ist das normal das man so stark auf Gerüche reagiert???

Bitte um Rat

Grüße vom Hasen

An der Amygdala vorbei
Guten Tag,

es so nenen will, Geschmack- Geruchs- und
Visuelle"Datenbanken" zugreift und so weiss man gleich um was
es sich handelt.

witziger Vergleich, aber so arbeitet unser Gehirn nicht.

Nun zu meiner Frage. Mir fällt seit mehreren Jahren auf, das
Gerüche auf mich eine sehr starke Wirkung haben und häufig

Das ist normal und bei fast jedem so. Aus der Literatur habe ich in Erinnerung, dass Geruchswahrnehmungen aus gutem Grund an der „Pforte zu den Empfindungen“ (obwohl auch das mittlerweile nicht mehr genau so gesehen wird), der Amygdala (Mandelkern) vorbei direkt „Alarm“ auslösen kann. Sprich Emotionen hervorrufen kann. Und in der evolutionären Bedeutung eben, dass man Dinge „unpassenden“ Geruchs sich nicht „unter der Nase reinschiebt“.

und eigentlich alles in Butter scheint. Aber dieser Geruch hat
mich in diesen traurigen Moment zurückgeworfen und das mit
aller Gewalt.

Gut, dann probier’s mal mit Zimtduft und probier das mal bei anderen Menschen. Oder frisch ausgelöschte Wachskerzen. Da denkt fast Jeder an Weihnachten.

Bei Sommerregen oder Herbstregen (ich denke die Gerüche kennt
jeder) geht mein Kopf fast mit mir durch. Ich bekomm Eindrücke
aus all meinen Lebensabschnitten und finde mich an Orten
wieder (gedanklich) an die ich Jahre nicht Gedacht habe.

Ich habe das Gefühl das es „schlimmer“ wird. Ist das normal
das man so stark auf Gerüche reagiert???

Ja und das ist evolutionär gesehen auch gut so, gegen das versehentliche Verspeisen ungesunder Teile der Umwelt. Dass Geruchswahrnehmungen dabei recht ungebremst Emotionen auslösen können ist ein Nebeneffekt, aber auch Teil der Fähigkeit auch da zu lernen. Und dass es sehr schnell passiert, bevor wir uns verseucht/vergiftet haben.

Du hast also eine ganz normale Warnfunktion und weil du das bisher nicht wusstest, machst du dir da Gedanken drum. Brauchst du nicht. Ist alles ganz normal und hat seine Richtigkeit.

Gruß

Stefan

Deine Sinne trügen dich nicht, mein Gutester
Moin Hase

Nun zu meiner Frage. Mir fällt seit mehreren Jahren auf, das
Gerüche auf mich eine sehr starke Wirkung haben und häufig
direkt Bilder und Gefühle der Vergangenheit aufkommen lassen.
Es ist tatsächlich so, das ich teilweise Emotionen sehr stark
nachempfinde.

Die Geruchsnerven haben eine direktere, also wenn du so willst: kürzere, Verbindung zu tiefer gelegenen, archischeren Strukturen des menschlichen Gehirns.
Wenn also diese „usprünglicheren“ Areale des Gehirns durch Gerüche affiziert werden, gibt es diese von dir sehr richtig wahrgenommenen bzw. dargestellten Empfindungen.
Es grüßt dich
Branden

Danke!!!
Huhu!

Danke für eure schönen und hilfreichen Antworten. Die machen es mir zwar nicht leichter, aber verständlicher :smile:

Grüße vom Hasen

Hallo Hase,

Dein Nickname passt ja schon gut zu Deiner Frage! :open_mouth:)

Es gibt noch einen anderen Zugang, der nicht so von der Biologie, bzw. Biochemie her kommt.

Es gibt Menschen, die ein „besseres“ Geruchsgedächtnis haben. Ich habe einige solcher Menschen schon kennenlernen dürfen. Teilweise lösen die Gerüche positive, teilweise negative Gefühle aus.
Der Mensch lernt und speichert Erinnerungen ja nicht nur nach dem kognitiven Gehalt, sprich: reine Daten. Vielmehr sind Erinnerungen vernetzt. Das kann bei Menschen mit einem ausgeprägten Geruchssinn, bzw. Geruchsgedächtnis eben mit Gerüchen gekoppelt sein.

Unser Geruchssinn hat ja eine Eigenschaft, wir können uns vor Gerüchen kaum verschließen. Während wir bei schlimmen Bildern die Augen schließen können, ist es uns nur schwer möglich den Geruchssinn zu unterbinden (z.B. nur durch den Mund atmen, o.ä.). Wir sind also oft schlimmen oder guten Gerüchen erstmal ausgeliefert.

Mir kommt gerade eine spontane Idee… Hilflosigkeit… Wie hast Du Dich bei der Trennung von Deiner damaligen Freundin gefühlt? Hast Du es Dir erlaubt, um die Beziehung zu trauern?

Vielleicht liegt in Dir noch die Trauer auf Eis und Dein Geruchsgedächtnis hat das zum Anlass genommen, über eine Assoziation die Trennung ins Bewußtsein zu holen…?

Normaler Weise blendet unsere Wahrnehmung Informationen, die wir nicht für die Situation benötigen aus, z.B. die Empfindungen unserer Haut. Du fühlst nicht den ganzen Tag die Hose, die Du trägst, oder hörst das Bäumerauschen während Du einen Brief schreibst.
Vielmehr ist unsere Wahrnehmung selektiv. Wenn Du jetzt plötzlich sensibilisiert auf Gerüche bist, dann liegt das wahrscheinlich daran, dass Du diese Erfahrung hattest.

Ein ähnliches Beispiel ist: Du hast ein neues Auto, einen roten Golf. Plötzlich siehst Du, dass viel mehr Leute einen roten Golf fahren, als früher. Das liegt aber daran, dass dieses Auto plötzlich eine Bedeutung für Dich hat und Du es nicht mehr ausblendest.
Oder: Man wird schwanger und plötzlich sieht man nur noch überall Mütter mit Kindern und Schwangere…

Wenn Dich diese Gerüche und die damit verbundenen Gefühle und Assoziationen treffen, setze Dich damit auseinander. Das kann einfach eine Form sein, (verdrängte) Erinnerungen zu verarbeiten, oder einfach eine „psychohygienische“ Bremse. Ich kenne Deine Lebensumstände nicht, aber vielleicht ist es für Dich an der Zeit, sich mit Dir selbst auseinander zu setzen?

Vielleicht ist Deine „erhöhte Wachsamkeit“ aber auch eine beruflich erworbene. Ich weiß ja nicht, was die Firma, in der Du arbeitest, so herstellt, aber man lernt doch gefährliche Chemikalien u.a. am Geruch zu erkennen, z.B. Chlor oder Propan oder ähnliches. Konnte das eine Rolle spielen? Vielleicht erst im Zusammenhang mit den Erfahrungen, die Du geschildert hast? Gab es Unfälle mit Gas in der Firma?

Die Menschen, die diese Geruchsfähigkeit haben, haben oft erzählt, dass sie Situationen schlecht aushalten können, in denen „schlimme“ Gerüche präsent sind: Fäkaliengeruch, etc. Sie versuchen solche Situationen zu meiden und erklären sich aber vorher, damit die anderen Menschen das verstehen können. Die andere Seite ist, dass diese Menschen oft wahre Genussmenschen sind. Sie können ein toll riechendes Essen mehr geniessen, als andere. Oder ein tolles Parfüm …

Viele liebe Grüße
Thorn

Mir kommt gerade eine spontane Idee… Hilflosigkeit… Wie
hast Du Dich bei der Trennung von Deiner damaligen Freundin
gefühlt? Hast Du es Dir erlaubt, um die Beziehung zu trauern?

Ich denke schon das ich getrauert habe. Hab sogar für einen Mann eher untypisch noch 2 mal das Gespräch gesucht, dennoch blieb viel Schmerz.

Vielleicht liegt in Dir noch die Trauer auf Eis und Dein
Geruchsgedächtnis hat das zum Anlass genommen, über eine
Assoziation die Trennung ins Bewußtsein zu holen…?

Hab mir schon fast gedacht, dass so eine Antwort kommt, wenn ich von der Exfreundin anfange :smile: Aber es sind ja auch positive Momente mit Gerüchen verbunden, die mich an andere Sache erinnern. Es ist eben alles sehr Intensiv. Ich seh Gesichter vor mir, höre Stimmen als wäre für eine Millisekunde der Moment wieder da.

Normaler Weise blendet unsere Wahrnehmung Informationen, die
wir nicht für die Situation benötigen aus, z.B. die
Empfindungen unserer Haut. Du fühlst nicht den ganzen Tag die
Hose, die Du trägst, oder hörst das Bäumerauschen während Du
einen Brief schreibst.
Vielmehr ist unsere Wahrnehmung selektiv. Wenn Du jetzt
plötzlich sensibilisiert auf Gerüche bist, dann liegt das
wahrscheinlich daran, dass Du diese Erfahrung hattest.

Mein Verstand sollte lernen besser zu selektieren :smile: und das zügig. Sonst bekomm ich ein Problem mit ihm. Garstiger Verstand du…

Wenn Dich diese Gerüche und die damit verbundenen Gefühle und
Assoziationen treffen, setze Dich damit auseinander. Das kann
einfach eine Form sein, (verdrängte) Erinnerungen zu
verarbeiten, oder einfach eine „psychohygienische“ Bremse. Ich
kenne Deine Lebensumstände nicht, aber vielleicht ist es für
Dich an der Zeit, sich mit Dir selbst auseinander zu setzen?

Ist das wichtig? Ich denk mir immer: Was vorbei ist ist vorbei. Ich leb eh hier und jetzt. Warum alte Wunden erneut durchkauen, wenn es doch so lange dauert bis sie heilen?

Vielleicht ist Deine „erhöhte Wachsamkeit“ aber auch eine
beruflich erworbene. Ich weiß ja nicht, was die Firma, in der
Du arbeitest, so herstellt, aber man lernt doch gefährliche
Chemikalien u.a. am Geruch zu erkennen, z.B. Chlor oder Propan
oder ähnliches. Konnte das eine Rolle spielen? Vielleicht erst
im Zusammenhang mit den Erfahrungen, die Du geschildert hast?
Gab es Unfälle mit Gas in der Firma?

Denke nicht das es da einen Zusammenhang gibt. Bin ja nicht Wachsam irgendwelchen Gefahren gegenüber, sondern werde von Gefühlen überrummpelt. Die kommen ganz tückig, tippen dir auf die linke Schulter, und wenn du dich nach Ihnen umdrehst sind sie weg und erschrecken dich erneut von vorne.

Die Menschen, die diese Geruchsfähigkeit haben, haben oft
erzählt, dass sie Situationen schlecht aushalten können, in
denen „schlimme“ Gerüche präsent sind: Fäkaliengeruch, etc.

Also wenn meine Tochter die Windel voll hat, ruf ich meine Frau :smile:

Sie versuchen solche Situationen zu meiden und erklären sich
aber vorher, damit die anderen Menschen das verstehen können.
Die andere Seite ist, dass diese Menschen oft wahre
Genussmenschen sind. Sie können ein toll riechendes Essen mehr
geniessen, als andere. Oder ein tolles Parfüm …

Dies muss ich beobachten, bevor ich sagen kann das trifft auf mich zu

Viele liebe Grüße
Thorn

Auch viele liebe Grüße vom Hasen und Danke für die ausführliche Beschäftigung mit meinem Problem

Ich denke schon das ich getrauert habe.
… dennoch blieb viel Schmerz.

Die vorangegangene Antwort v. Thorn gefiel mir inhaltlich sehr gut. Meine Ansichten zu Deiner Wahrnehmungsfähigkeit sind ähnlich.
Du wirst diese Gerüche zur damaligen Trennungssituation wahrscheinlich erst dann nicht mehr dahin gehend assoziieren, wenn alle Reste des alten Schmerzes abgetrauert, somit erlöst und vergessen sind.

Die Seele strebt immer nach Erlösung. Dahin fokussiert sich die Wahrnehmung.

O.

Hallo Hase,

das find ich toll, dass Du mit viel Witz unterwegs bist… "garstiger Verstand… " da musste ich doch sehr schmunzeln… Du hast recht, das liegt einem wirklich auf der Zunge…

Ich möchte gerne noch auf zwei Dinge eingehen, die mir bei Deiner Antwort aufgefallen sind:

Wenn Du fragst, ob das wichtig ist, sich mit sich und seinen „emotionalen Wunden“ zu beschäftigen, kann ich das pauschal nicht beantworten. Bei einigen Menschen wäre es wohl besser, sie täten es, aber es gibt auch Menschen, denen würde ich auch nahe legen, sich mal weniger nur mit sich zu beschäftigen.
Ich kenne Dich nicht, wer bin ich Fredel, dass ich Dir sagen könnte, was das Beste für Dich ist…? :open_mouth:)

Ich möchte Dir aber ein Bild anbieten:
Wenn Du einen offenen Beinbruch hast, wirst Du auch zusehen, dass die Wunde versorgt wird und Du vielleicht einen Gips bekommst; wirst kürzer treten, damit das Bein verheilen und der Knochen wieder zusammenwachsen kann. Wenn Du das nicht tust, wird der Knochen vielleicht schräg zusammenwachsen, die Wunde sich entzünden… Im schlimmsten Fall wird das Bein abgenommen oder Du stirbst an einer Blutvergiftung oder der Infektion.

Wenn Du einen Kratzer hast, wirst Du die Wunde reinigen, vielleicht desinfizieren und einfach weitermachen, mit dem was Dein Leben so ausmacht.

So ähnlich ist es mit emotionalen Wunden. Es gibt kleinere Verwundungen, die alleine heilen, aber auch schwere Verletzungen, die man behandelt, oder manchmal auch ärztlich versorgen muss.

Ich weiß nicht, in welche Kategorie die damalige Trennung gehört, dass wirst Du rausfinden. Wie und ob Du die Wunde versorgst, hängt ja dann von Deiner Einschätzung ab…

Das Zweite ist das „Obenliegende“ - die Gerüche:
Wenn Du das so erzählst, mit dem Überrumpeln, dann würde ich da noch ein paar Dinge nachfragen, aber das ist hier (in einem Forum) eher nicht der richtige Ort…

Vielleicht wäre es gut auch zu schauen, ob es bestimmte Situationen (oder Gerüche) gibt, die diesen Zustand „triggern“, also auslösen, oder ob es ein eher allgemeines Phänomen ist. Wenn es einen gemeinsamen Nenner für das Auslösen gibt, kannst Du auch der Ursache näher kommen.
Und Du hättest die Möglichkeit, Dich darauf einzustellen, dass eine solche Erinnerung hochkommen kann, damit es Dich wenigstens nicht überrumpelt. Es ist ja oft einfacher so etwas auszuhalten, wenn man sich vorher gedanklich darauf einstellen kann…

Bleib so positiv, ich wünsche Dir alles Gute für die weitere Zeit und auch den Mut Altes anzupacken, auch wenn es unangenehm ist.

Viele liebe Grüße
Thorn