Meinung bilden und Meinung machen

Moin moin,

eines vornweg, ich weiss, dass es nicht wirlich Innenpolitik ist, aber gerade die Medien haben doch ne Menge Macht bei der Einmischung in die Politik, daher das Posting. Und da das Thema mir nicht zuletzt aufgrund diverser Links hier im Bereich Politik auf der Seele brennt, werd ich das mal los.

Nachdem ich mal wieder quer durch einige Fernsehsender mir politische Magazine angesehen habe, fällt mir folgendes auf:

Irgendwie ist der Fokus (kein Wochenmagazin in diesem Fall) gewechselt von Meinung bilden auf Meinung machen. Viele Beiträge könnte ich quasi aus dem Fernsehsessel heraus aufgrund von anderen Informationen anderer Medien ins Gegenteil umkehren. Ich habe das Gefühl, dass der Enthüllungsjournalismus dem Sensationsjournalismus gewichen ist. Und das nicht nur bei der BILD (die kennt man nicht anders, das weiss man eben Bescheid), sondern bei den z. B. doch eher als ernsthaft bekannten Sendungen wie z. B. die klassischen ARD-Politmagazinen.

Anderes Beispiel, viele werden schmunzeln. Ich hab Reportagen auf VOX gesehen, in denen Veranstaltungen (in diesem Fall Rassekatzenaustellungen) beschrieben wurden, die von Freunden von mir besucht worden sind. Und, oh Wunder, die Reportage hatte nicht das geringste mit der Veranstaltung zu tun, es wurde nicht annähernd versucht, mehrere Seiten zu zeigen sondern nur das von der allg. Bevölkerung erwartete Bild (auch keine Zeitung in diesem Fall) zu verstärken oder die (extremsten) Aussteller lächerlich zu machen. Das wäre so, wenn man Naddel als typisches Bild der deutschen Literatur nehmen würde.

Drittes Beispiel: Gerade hier bringen immer wieder Poster (manche werden wissen wer, andere werden Namen von manchen wissen) bestimmte Quellen, die quasi per Posting als wahr definiert werden. Okay, das wird hier häufig angezweifelt, aber grundsätzlich gehen solche Publikationen im Netz als (eigendefinierte) Wahrheit durch.

Welche Medien, um Himmels Willen, helfen mir heutzutage, eine Meinung aufgrund objektiver Berichte zu bilden, und versuchen nicht, mich in irgendeiner Weise in eine Richtung zu beeinflussen? Ich kann mir doch nicht jeden Tag 8 Sendungen, 18 Zeitungen und 23 Internetplattformen ansehen!

Oder bin ich einfach zu naiv?

Gruß

ALex
(der eigentlich nur noch die „Neue Osnabrücker Zeitung“ als einigermaßen objektiv mitbekommt, die kennt er eben lange genug)

Hallo Alex,

Oder bin ich einfach zu naiv?

Doch, ja.

Deine Katzen-Erfahrung kann ich nur bestätigen. Sowas erlebt unsere Familie recht häufig
(nur unbedeutende Lokal- und Regionalberichte - wir sind keine Prominenten).

Mit herzlichem Gruß,

Wolfgang Berger

wer dem journalismus glaubt ist selbst schuld:
ein journalist macht einen artikel über X, hat
zwar keine ahnung von X, aber eine meinung über X,
er informiert sich über X, so wie er es gelernt hat,
seine meinung über X wird über den haufen geworfen,
aber der artikel den er schließlich schreibt, spiegelt
dennoch seine meinung wieder, indem er die infos über X
derart manipuliert, daß sie wieder seine meinung ergeben…
gruß
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Moin Alex,

Welche Medien, um Himmels Willen, helfen mir heutzutage, eine
Meinung aufgrund objektiver Berichte zu bilden, und versuchen
nicht, mich in irgendeiner Weise in eine Richtung zu
beeinflussen? Ich kann mir doch nicht jeden Tag 8 Sendungen,
18 Zeitungen und 23 Internetplattformen ansehen!

Da wirst du vermutlich auf ausländische Presse ausweichen müssen. (Das war aber immer schon so. Während des Golfkriegs I wurde bsw. in der britischen Presse kritischer und objektiver berichtet, als in der deutschen Presse). Insofern (und mit dieser Erfahrung) steht für mich die britische Presse wie „Independent“ und „Times“ ganz oben.

Direkt gefolgt von der „Financial Times“, die sich aufgrund ihrer Klientel einen ganz anderes Standpunkt erlauben darf. Wirtschaftsleute wollen nunmal möglichst neutral über Geschehnisse informiert werden, um Grundlagen für Entscheidungen zu haben. Die „Financial Times Deutschland“ folgt dieser Tradition.

Auf was du völlig verzichten kannst ist jede Form von Fernseh-Journalismus. Dieser dient nicht der information, sondern der Unterhaltung.

Gruss
Marion

Moin moin,

hier auch ein Beispiel:

http://de.indymedia.org/2003/10/63203.shtml
sind zwar radikale Linke, aber oft mehr uthentisch als die bürgerliche Presse. Junge Welt kann ich auch empfehlen, Heisse ebenso.
Zum nachdenken sollten vielleicht Analysen anregen: http://www.marx-forum.de/politik/politik_r/renten.html

Gruß
Frank

Hi,

die heutige, besonders die deutsche Presse macht sich sehr stark die neonazistische Sprache zu eigen. Goebbels hat es vorgemacht. Heute werden nur noch Meinungen gebildet. Besonders sieht man das an der BILD-Zeitung, die ja immerhin den Spruch inne hat „BILD dir deine Meinung“.

Aus folgender Quelle stammt dieses Zitat von Goebbels:
http://www.rhetorik.ch/Beeinflussen/Beeinflussen.html
„Weil wir die Sprache des Volkes kannten, haben wir das Volk erobert.“

Rede den Mob in den Mund und er wird dir gehören. In der jetzigen Zeit der Sozialschmarotzer sind die Zeitungen voll von Aufzählungen verschiedener menschen, die auf Kosten des Staates leben. Man muss das Volk noch zusätzlich anheizen, aufhetzen.

Ich erinnetre mich nich gut an Zeiten, wo Asylantenwohnheime angezündet wurden. Die BILD-Zeitung war zu diesem Zeitpunkt voll mit Taten böser Asylanten. Und darüber pangerten immer Texte wie „Müssen wir uns das noch gefallen lassen?“

Die beste Möglichkeit der Desinformation ist es, immer nur einseitig zu berichten, wie du selber dargestellt hast (Katzenausstellung). Bestes Beispiel sind die Heise-News.

Propaganda:
Vorteile übertreiben
Nachteile verniedlichen, verschweigen (ausklammern)
Andere Meinungen übergehen, zensieren
bewusst falsche Behauptungen aufstellen
Missverständnisse in Kauf nehmen
Persönlich werden
Quellenangabe vertuschen
Appell an Emotionen (Vorurteile)
Sachverhalte einseitig darstellen
Gegenseite verunglimpfen

Kommt einen doch irgendwie bekannt vor.
Aber schau dir obige Webpage an. Sie ist sehr interessant.

Moin Alex,

das, was früher auf den Jahrmärkten gezeigt wurde, haben wir jetzt im Fernsehgerät. Frei nach dem Motto: Je schriller, desto besser. Der „Normalfall“ ist langweilig (only bad news are good news).

Das Drumherum wird wichtiger (beachte das wichtigtuerische Gepiepse/Gemorse vor und in den 2DF [=ZDF]-Nachrichten) als die Informationsübermittlung.

Unsere sogenannte Regierung lässt einen Furz und die Patienten wollen bereits jetzt 10 € Praxisgebühr bezahlen. Ob die geplanten Gesetze jemals beschlossen werden/können, weil z.B. im Bundesrat oder woanders die Mehrheit dagegen stimmen wird, interessiert die „Meinungsmacher“ nicht. Hauptsache: Ängste schüren, Emotionen wecken. Der Fernsehapparat wird bereits von einigen als „Emotionator“ bezeichnet.

VOX:

Dieser und andere Sender sind von der sogenannten Regierung unter Herrn Kohl zugelassen worden, um etwas mehr Vielfalt in das verstaubte Image der öffentlich-rechtlichen Sender zu bringen. Jetzt haben wir das den Privatsendern abgeschaute Gepiepse (s.o.) z.B. auch beim ZDF.

Welche Medien, um Himmels Willen, helfen mir heutzutage, eine
Meinung aufgrund objektiver Berichte zu bilden, und versuchen
nicht, mich in irgendeiner Weise in eine Richtung zu
beeinflussen?

Schalt´ mal Dein Radio ein, aber nicht den Dudelfunk, sondern Deutschlandradio (früher Deutschlandfunk). Solches Radiohören scheint zwar ein bisschen archaisch bzw. altertümlich zu sein, bietet aber meiner Meinung nach immer noch (obwohl es Zuschüsse von der Regierung bekommt) gut recherchierte journalistische Beiträge und stopft zugleich dem „Emotionator“ das Maul.

Schöne Grüße: Martin