Meinungen zur Existenzgündung gesucht

Hallo zusammen,

zum 30.6. dieses Jahres habe ich meinen Job als Außendienstverkäufer in der Industrie verloren, nun habe ich von einem unsrer Wettbewerber das Angebot bekommen, für ihn in gleicher Funktion tätig zu werden.

Ich kann ausschließen, dass es Überschneidungen zu ehemaligen Kunden gibt (ja, ausnahmesweise geht das!).

Nun überlege ich, inwieweit das für mich rechnerisch Sinn macht und stelle hier mal „Rahmendaten“ ein:

ich hatte vorher ein Nettogehalt von ca. 3.000 € / mtl. zzgl Firmenwagen der oberen Mittelklasse.

Wenn ich die 3.000,- € als Selbständiger erwirtschaften möchte, und definitiv als Außendienstler einen repräsentativen Wagen brauche, rechne ich wie folgt:

3.000,- „Zur Verfügung“ für Miete, Kleidung, Nahrung, priv. Versicherungen etc
+1.000,- Fahrzeug (Leasing / Unterhalt / Betrieb)
+500,- Kranken- / Sozialversicherung (BEK)
+500,- priv. Rentenversicherung (als Sonerzahlungen in Riester- und Kaiserrente)
+200,- Büromaterial / Verwaltung / …
+_____ Was für Posten kommen hier in der Regel noch hinzu?

Der Vertrieb der Produkte wird wohl so aussehen, dass Interessenten beim Auftraggeber anrufen, sich für das Produkt interessieren und ein Beratungstermin vereinbart wird. Für jeden erfolgreichen (!) Abschlus erhalte ich eine Provision, evtl. auch monatlich ein Zusatzhonorar für Sonderdienstleistungen wie Homepagepfege, Messeplanung, etc.

Für den Anfang habe ich erstmal nur diesen einen Kunden (der allerdings mehrere ähnliche Unternehmen hat an die ich fakturieren kann wegen Umgehung der Scheinselbständigkeit).

Über das Arbeitsamt bekomme ich für 9 Monate jeweils knappe 2.000 € Existenzfördergeld und für weitere 3-6 Monate 300 €.

Soweit meine Gedanken, ich gebe die Diskussion hiermit frei und freue mich auf einige gute Tippy, Hinweise und weiterführende Links!

+_____ Was für Posten kommen hier in der Regel noch hinzu?

Mehrwertsteuer
Gewerbesteuer
Einkommensteuer
Haftpflichtversicherung (nicht Auto)

Grüße
Ulf

Morgen,

so wie ich dein Post lese meinst du sowas wie freischaffender
Künstler.

Wenn ich die 3.000,- € als Selbständiger erwirtschaften möchte,

OK, kommt gleich.

und definitiv als Außendienstler einen repräsentativen
Wagen brauche, rechne ich wie folgt:

Das ist Unsinn, kein Mensch schaut heute noch auf das Auto des
Verkäufers, man kann sich da sehr viel einreden. Meist sieht der
Kunde den Wagen nicht mal! Den Wagen würde ich eher als persönliches
Hobby oder Statussymbol sehen.

3.000,- „Zur Verfügung“ für Miete, Kleidung, Nahrung, priv.
Versicherungen etc

OK.

+1.000,- Fahrzeug (Leasing / Unterhalt / Betrieb)

Da reichen 500,- alles andere ist Hobby

+500,- Kranken- / Sozialversicherung (BEK)

Das ist knapp.

+500,- priv. Rentenversicherung (als Sonerzahlungen in

Das reicht in keinem Fall, unter 1000,- geht da nichts und das ist
als alleinige Versorgung auch gering.

Riester- und Kaiserrente)

Ich denke du bist selbstständig?

+200,- Büromaterial / Verwaltung / …

OK.

+_____ Was für Posten kommen hier in der Regel noch hinzu?

Wie schon gesagt, Steuern natürlich

30 Tage Urlaub ohne Verdienst
Weiterbildung
Krankheit

Um das Gleiche Netto zu beommen benötigst du etwa 72k€ im Jahr,
so 6k€ im Monat. Rechne lieber mit Jahreseinkommen da Urlaubsmonate
normalerweise auch Geldlosigkeit bedeuten.

Gruß
Stefan

Hallo,

so wie sich das anhört solltest du dir das http://de.wikipedia.org/wiki/Scheinselbst%C3%A4ndigkeit mal durchlesen.

Ralph

Das war auch mein erster Gedanke, dann dachte ich aber dass der Arbeitgeber wohl (hoffentlich) wissen wird was er tut. Naja…

Hallo Einzelkämpfer,

Deine Kalkulation ist vernünftig, nur brauchst solltest Du mit mehr als 3000 € rechnen, damit Du Dein Lebensstandard auch halten kannst wenn Du den Kunden aus unerklärlichen Gründen verlierst (weil jemand billiger ist oder netter oder oder oder) und nicht das Arbeitsamt hast, es sei denn du bezahlst in die Arbeitslosenversicherung brav ein, mußt Dich aber bei der Agentur für Arbeit informieren wie das läuft.

Mir gefällt nicht das Dein Kunde schon von Anfang an trickst, entweder bist Du selbstständig oder nicht.
Auch klingt das sehr schön, das Du nicht Neukunden suchen mußt sondern nur zur Beratung vorbei fährst und dann eine Rechnung schreibst.

Wenn es so ist - JACK POTT

Hallo,
also eine ganz konservative Rechnung ist wie folgt:

dein jetziges Jahresgehalt aller Einkünfte

  • Gehalt für 6 Wochen Urlaub
  • Gehalt für 2-3 Wochen Krankheit
    diese Summe multiplizieren mit Faktor 1,30 (das sind die 30 % Arbeitgeberanteil an den Sozialabgaben, die du ja nun selber zahlen musst)

Diese Summe musst du verdienen um genauso dazustehen wie vorher (finanziell und abgesichert)
Ein Auto, Miete für Büro und das Risiko der Selbständigkeit kommt dann noch on Top dazu. Natürlich musst du dies nicht gleich im ersten Jahr erreichen, aber dein mittelfristiges Ziel sollte es schon sein

Gruß
nala

Hallo!

und definitiv als Außendienstler einen repräsentativen Wagen brauche…

Kein Kunde ordert was auch immer, weil Du so ein tolles Auto hast. Bevor Du Kosten produzierst und Verpflichtungen durch Abzahlung eines teuren Autos oder durch einen Leasingvertrag eingehst, brauchst Du eine stabile Gewinnsituation. Bis dahin tut es auch ein weniger „repräsentatives“ Auto. Nebenbei: Erfahrene Selbständige, die möglicherweise Deine Kunden sind, können Schein und Sein i. d. R. unterscheiden. Du möchtest bestimmt nicht als jemand betrachtet werden, der glaubt es nötig zu haben, mit geleastem Luxus in Form eines dicken Autos aufzukreuzen. Versuche es lieber mit fachlicher Kompetenz, kundenorientiertem Verhalten und Zuverlässigkeit.

Manche Handelsvertreter brauchen ein teures Auto, weil ihr Vertriebsgebiet ungünstig bemessen ist, deshalb täglich große Strecken zu bewältigen sind und viel Zeit auf der Straße verplempert wird. Auf der Straße entstehen nur Kosten und Unfallrisiken, aber kein Kunde wird akquiriert und kein Geld verdient. Als freier Handelsvertreter solltest Du darauf achten, möglichst wenig Zeit hinter dem Lenkrad zu vergeuden. Klug abgegrenzte Vertriebsgebiete helfen dabei.

Für den Anfang habe ich erstmal nur diesen einen Kunden (der :allerdings mehrere ähnliche Unternehmen hat an die ich fakturieren :kann wegen Umgehung der Scheinselbständigkeit).

Du solltest unbedingt darauf achten, für mehrere voneinander unabhängige Kunden tätig zu sein. Andernfalls bist Du nur abhängig Beschäftigter, jedenfalls nicht unabhängig und selbstbestimmt.

Gruß
Wolfgang