Meinungsäußerung in Diplomarbeit

Hallo,

ich brauche jetzt mal eure Meinung. In meiner Studienarbeit wurde bemängelt, dass ich zu wenig eigene kritische Gedanken einbringe. Jetzt möchte ich das bei der Diplomarbeit anders machen.

Im Grunde hatte ich bei der Studienarbeit ja schon genügend kritische Gedanken eingebracht, diese aber immer so formuliert, dass es am Ende wieder nicht wirkte.

Darf man in einer Diplomarbeit Redewendungen benutzen wie „meines Erachtens nach“, „meiner Meinung nach“? Das würde einiges leichter machen. ann wäre auch ersichtlich, dass es meine eigenen kritischen gedanken sind.

ich weiß nur, dass ich kein „ich“ verwenden darf, also kein „ich denke“,… Sind oben genante Redwendungen dann auch tabu? Wie kann ich dann eigene kritische Gedanken kennzeichnen? Wie erkennt man, das ich das nicht nur aus irgendeinen buch abgeschrieben habe, wenn ich es nicht benutze?

Meine Studienarbeit war nämlich entsprechend schlecht (3,2) und ich will nicht, dass die Diplomarbeit genauso wird :frowning:

Lg, Anja

Hallo,

Im Grunde hatte ich bei der Studienarbeit ja schon genügend
kritische Gedanken eingebracht, diese aber immer so
formuliert, dass es am Ende wieder nicht wirkte.

Hat das der Dozent/Prüfer so gesagt? Ich komme zwar aus einem anderen Fach, aber wenn ich den Studenten sage, sie hätten zu wenig kritsche Gedanken eingebracht, dann heisst das:

  • zu wenig Auseinandersetzung mit der einschlägigen Literatur, d.h. Meinungen werden zwar nebeneinandergestellt, aber es fehlt eine eigene, begründete Entscheidung des Studenten, warum er sich für welche entscheidet
  • Der Argumentationsgang ist nicht als eigener ersichtlich, d.h. es ist nicht deutlich, dass der Student sich eigenständig mit dem gewählten Thema auseinandergesetzt hat (leicht z.B. daran erkennbar, wenn über die gesamte Arbeit hinweg ein bestimmtes Buch zitiert wird und die Seitenverweise auf diese Buch anzeigen, dass man sich nur vom Aufbau des Buches hat leiten lassen).
  • Nur Zitate / Paraphrasen, d.h. der Student stellt eigentlich nur aus der Literatur zusammen und gibt den Autoren recht

Darf man in einer Diplomarbeit Redewendungen benutzen wie
„meines Erachtens nach“, „meiner Meinung nach“? Das würde
einiges leichter machen. ann wäre auch ersichtlich, dass es
meine eigenen kritischen gedanken sind.

„meines Erachtens“ oder „m.E.“ ist schöner akademischer Brauch. Seine eigene Meinung kann man auch durch Einleitungssätze wie „richtig stellt N.N. fest,…“; „daraus ist klar ersichtlich“, „anzuzweifeln ist, ob…“. Letztere stellen den eigenen wissenschaftlichen Standpunkt klar und deutlich heraus, „m.E.“ formuliert vorsichtiger.

ich weiß nur, dass ich kein „ich“ verwenden darf, also kein
„ich denke“,… Sind oben genante Redwendungen dann auch tabu?

Das gibt hier bestimmt eine Diskussion, allerdings gehöre ich auch zu denen, die kein „ich“ in einer wissenschaftlichen Arbeit zulassen.

Wie kann ich dann eigene kritische Gedanken kennzeichnen? Wie
erkennt man, das ich das nicht nur aus irgendeinen buch
abgeschrieben habe, wenn ich es nicht benutze?

Siehe oben. Hier empfiehlt sich vor allem die Entwicklung eines eigenen Zugangs zum Thema. Ich empfehle immer nach der gründlichen Lektüre einschlägiger Literatur, erst einmal eine Nacht darüber zu schalfen und sich selbst dabei am nächsten Tag zielgerichtet auf die Fragestellung hin ein eigenes mündliches Referat zu halten. So kommt man ganz gut auf einen Argumentationsgang und auf einen Aufbau der Arbeit (wobei sich erfahrungsgemäß der Aufbau immer wieder ändert).

Ansonsten würde ich noch einmal zu dem Dozenten gehen, der die letzte Arbeit bewertet hat und um konkrete Verbesserungsvorschläge bitten.

Grüße,
Taju

Hallo

Die von dir genannten Vorschlaege „meines Erachtens“ u.s.w. sind
nicht gut. Du musst unpersoenlich bleiben.
Normalerweise ist eine Diplomarbeit so strukturiert: Einfuehrung,
Grundlagen (Theorie) und Ergebnisse. Der Grundlagenteil ist im
Wesentlichen die Bereitstellung der Methoden und Formeln, die man
benutzt und der Ergebnisteil ist dann fuer deine eigene Arbeit
vorgesehen, d.h. das was dort drinsteht, ist dein Beitrag zur
Wissenschaft und muss deshalb nicht gesondert durch entsprechende
Floskeln als solcher kenntlich gemacht werden.
Weiterhin gilt: Alles, was nicht dein Verdienst ist, musst du
zitieren oder mit Quellenangaben versehen. Also ist das
Nicht-Zitierte deins.

Frag’ doch mal deinen Betreuer.

Gruss, Tychi

Ich glaube, der Umfang kritischer Anmerkungen hängt stark vom Gebiet und der Aussage ab. In naturwissenschaftlichen Arbeiten dürfte der Anteil kleiner sein, als in sozialwissenschaftlichen oder psychologischen Bereichen, da letztere auch die Fähigkeit zur Methodenkritik erwarten. Ich schließe Arbeiten immer mit einem Bewertungsteil, der genau auf diese Problematik hinweist („Methodisch ist kritisch anzumerken, dass…“, etc…) Wie gesagt, hängt sicher auch vom Thema ab.

Hallo zusammen.

ich weiß nur, dass ich kein „ich“ verwenden darf, also kein
„ich denke“,… Sind oben genante Redwendungen dann auch tabu?

Das gibt hier bestimmt eine Diskussion, allerdings gehöre ich
auch zu denen, die kein „ich“ in einer wissenschaftlichen
Arbeit zulassen.

In der Physik lernen wir an der Stelle, da"s „wir“ erlaubt ist. In Versuchsbeschreibungen sowieso. WIR als Gruppe haben ja konkret am Versuchsaufbau etwas gemacht und nicht eine abstrakte wissenschaftliche Gemeinde als Ganzes. das gilt auch f"ur die Diplomarbeit, dann aber abgeschw"acht. Es bleibt bei dem „wir“, weil es die Arbeit der ganzen Arbeitsgruppe (Professor, Diplomant, evtl. andere Doktoranden, Mitarbeiter, Kollaboranten) ist. Aber man weicht auf unpers"onliche Formulierungen aus, so lange man Standardverfahren benutzt. Wenn ich eine quadratische Gleichung l"ose, dann tue ich das zwar selber, aber ich macht kein Aufhebens davon und schreibe etwa: Als L"osung der Gleichung (1) erh"alt man …" oder „Aus Gleichung (1) folgt unmittelbar…“.

Und generell gilt: Frage immer denjenigen, der Deine Arbeit am Ende bewerten wird. Er entscheidet doch dar"uber, welche Note er Dir und gibt, und SEINE Vorstellung ist f"ur Dich notenrelevant. Was nutzt es Dir, wenn Du Dich an das h"altst, was bei einem anderen Gutachter richtig war, wenn Dein Korrektor eine andere Sichtweise hat? Die Formulierungen in einer Diplomarbeit sind doch nicht DIN-geregelt, sondern gewohnheits- und geschmackssache.
Vielleicht hat Dein Gutachter ein Buch publiziert? Dann sieh doch darin nach, welche Formulierungen er verwendet. Da siehst Du dann auch gleich, in welcher Form er Zitate kennzeichnet und wie er das Literaturverzeichnis anordnet und welche Angaben (Erscheinungsjahr, -ort, Autor, Verlag, …) er angibt. Das ist auch immer eine beliebte Streitfrage und f"uhrt immer wieder zu unerwartet schlechter Benotung.

Gruss,
klaus

Ansonsten würde ich noch einmal zu dem Dozenten gehen, der die
letzte Arbeit bewertet hat und um konkrete
Verbesserungsvorschläge bitten.

Grüße,
Taju

Du musst unpersoenlich bleiben.
Normalerweise ist eine Diplomarbeit so strukturiert:
Einfuehrung,
Grundlagen (Theorie) und Ergebnisse. Der Grundlagenteil ist im
Wesentlichen die Bereitstellung der Methoden und Formeln, die
man
benutzt und der Ergebnisteil ist dann fuer deine eigene Arbeit
vorgesehen, d.h. das was dort drinsteht, ist dein Beitrag zur
Wissenschaft und muss deshalb nicht gesondert durch
entsprechende
Floskeln als solcher kenntlich gemacht werden.
Weiterhin gilt: Alles, was nicht dein Verdienst ist, musst du
zitieren oder mit Quellenangaben versehen. Also ist das
Nicht-Zitierte deins.

Das kann ich nach vielen Seminararbeiten und einer abschließenden Magisterarbeit nur untersreichen. Anders als im angelsächsischen Raum ist die erste Person Singular, solange diese nicht Teil eines Zitats ist, in einem wissenschaftlichen Text nicht angebracht und verrät ein wenig Unprofessionalität.