Meldung beim Arbeitsamt

Hallo!

Ich habe eine ähnliche Frage wie meine Vorgänger. Es geht um eine mögliche Meldung beim Arbeitsamt.

Vor etwa einem Jahr habe ich mein Studium abgeschlossen. Seitdem bin ich auf der Suche nach einem Arbeitsplatz, bislang leider erfolglos. Ich habe mich damals vorsorglich wieder in einem anderen Studiengang eingeschrieben, gerade wegen der Krankenkasse und des Semestertickets. Doch ich weiß nicht, ob ich meine jetzige Immatrikulation beibehalten kann (Studiengebühren, nicht bestandene Prüfungen). Mich arbeitslos melden wollte ich bisher nicht. Anspruch auf ALG 1 habe ich nämlich offenbar nicht, und ALG 2 kommt wegen eigenen Vermögens nicht in Betracht. Hilfe bei der Stellensuche durchs Arbeitsamt ist wohl auch nicht zu erwarten, ich bekomme auch so alle relevanten freien Stellen.

Ich gehe aber davon aus, dass – wenn ich kein Student mehr bin – eine Meldung beim Arbeitsamt sinnvoll ist. Ohne Krankenversicherung dazustehen kann ich mir nicht vorstellen. Aber ich möchte auch nicht vom Arbeitsamt in die Pflicht genommen werden. Wie gesagt, die Stellensuche funktioniert auch so. Außerdem habe ich einen 400 Euro-Job, der auch Zeit kostet. Eventuell habe ich auch einen Praktikumsplatz in Aussicht. Kann ich es vermeiden, zu Schulungen oder anderen Pflichtterminen geladen zu werden? Schließlich bekäme ich ja auch keine Leistungen. Ich möchte mich auch nicht auf alle möglichen Stellen bewerben, wenn es unseriöse/unpassende Jobangebote gibt. Würde das Arbeitsamt bei so etwas mitspielen?

Viele Grüße,

Axel

Ruhig Blut
Hi,

es ist grundsätzlich sinnvoll, sich beim Amt arbeitssuchend zu melden. Denn das macht sich später an deiner Rente bemerkbar. Aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen, dass dich das Arbeitsamt nicht mit Jobangeboten überschüttet. Ich hatte nach 6 Monaten Meldung kein einziges Jobangebot bekommen…

Anspruch auf ALG 1 habe ich nämlich offenbar nicht, und ALG 2 kommt wegen eigenen Vermögens nicht in Betracht.

Kommt drauf an, wie viel du gespart hast. Du hast pro Lebensjahr einen Freibetrag von 200 Euro. Wenn du wesentlich mehr hast, dann würde ich das Geld einfach bei einem lieben Vertrauten in Sicherheit bringen. Soweit ich weiß, darf dir das Amt nicht vorhalten, dass du kurz vor deiner Meldung als Arbeitsloser noch - sagen wir mal - 5000 Euro auf den Kopf gehaun hast.

hier gibts gute Tipps und Erklärungen:
http://www.alg-2.info/artikel/quer0404-antrag-klippe…

Hilfe bei der Stellensuche durchs
Arbeitsamt ist wohl auch nicht zu erwarten, ich bekomme auch
so alle relevanten freien Stellen.

Das ist klar, allein ein Besuch der für 80 Millionen Euro aufgebauten Jobbörse ist ein Witz.

Ich gehe aber davon aus, dass – wenn ich kein Student mehr bin
– eine Meldung beim Arbeitsamt sinnvoll ist. Ohne
Krankenversicherung dazustehen kann ich mir nicht vorstellen.

Stimmt. Beachte, dass die auf dem Amt eine Exmatrikulationsbescheinigung sehen wollen.

Aber ich möchte auch nicht vom Arbeitsamt in die Pflicht
genommen werden. Wie gesagt, die Stellensuche funktioniert
auch so. Außerdem habe ich einen 400 Euro-Job, der auch Zeit
kostet.

Das ist sogar gut für dich. Denn diese Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt dürfte dich davor schützen, dass du einen 1-Euro-Job ausüben musst. Zwar kassiert das Amt einen Gutteil deiner 400 Euro ein, aber 160 Euro bleiben dir davon zusätztlich zu den 345 Euro Grundsicherung und zur Miete. Außerdem kannst du deinem Sachbearbeiter signalisieren, dass sich aus dem Job vielleicht mal ne richtige Festanstellung ergibt. So bleibt dir Zeit und nervliche Ruhe, dich nebenher um einen richtigen Job zu kümmern.
Ach ja, wenn es geht, melde dich erst zum 1.10. Denn dann gelten die neuen, großzügigeren Zuverdienstmöglichkeiten. Alle Anträge, die vorher bewilligt wurden, werden meines Wissens noch nach den alten Regelungen behandelt.

Eventuell habe ich auch einen Praktikumsplatz in
Aussicht. Kann ich es vermeiden, zu Schulungen oder anderen
Pflichtterminen geladen zu werden?

Sag deiner Sachbearbeiterin, dass du ein Praktikum machen könntest. Die wird richtig dankbar sein, weil das als Trainingsmaßnahme gilt. Einschränkung: leider werden meist nur 12 Wochen im Jahr genehmigt, weil du während des Praktikums ja nicht dem Arbeitsmarkt und den tollen Jobangeboten des Amts zur Verfügung stehst (ein Witz, ich weiß). Für das Praktikum werden dir auch noch Fahrtkosten erstattet. Sollte dein Praktikum länger dauern, dann versuch entweder deine Sachbearbeiterin zu überzeugen. Wenn das nicht geht, sprich mit deinem Praktikumschef. Der muss nämlich einen Schrieb ausfüllen, auf dem u.a. die Dauer der Trainingsmaßnahme angegeben wird. Da soll er halt den Zeitraum reinschreiben, der dem Amt genehm ist. Du hospitierst aber so lange wie du willst. Das bekommen die beim Amt eh nicht raus. Wenn sie dir den Mörder-Job anbieten, kannst du das Praktikum dann immer noch abbrechen.

Ich möchte mich auch nicht auf alle
möglichen Stellen bewerben, wenn es unseriöse/unpassende
Jobangebote gibt. Würde das Arbeitsamt bei so etwas
mitspielen?

Die erwarten nicht von dir, dass du als Student und frischer Arbeitsloser gleich jeden Scheissdreck annimmst, keine Angst.
Viel Glück
André

Danke erstmal für die Hinweise.

Da ich 27 bin und mein Vermögen leider (zum Glück) 5400 Euro übersteigt, habe ich keinen Anspruch auf Hartz IV. Ich will das auch nicht unbedingt mit aller Macht umschiffen. Wenn ich aber kein ALG 2 bekommen, kann ich dann meine 400 Euro komplett behalten? Das ist ja der Punkt meiner Frage: wie geht das Arbeitsamt grundsätzlich mit denjenigen um, die gar keine Leistung erhalten?

Axel

Danke erstmal für die Hinweise.

Da ich 27 bin und mein Vermögen leider (zum Glück) 5400 Euro
übersteigt, habe ich keinen Anspruch auf Hartz IV. Ich will
das auch nicht unbedingt mit aller Macht umschiffen. Wenn ich
aber kein ALG 2 bekommen, kann ich dann meine 400 Euro
komplett behalten? Das ist ja der Punkt meiner Frage: wie geht
das Arbeitsamt grundsätzlich mit denjenigen um, die gar keine
Leistung erhalten?

Wenn du arbeitssuchend gemeldet bist, bekommst du keine Leistung vom Amt und das Amt will auch nix von dir. Es geht einzig darum, dass du später dokumentiert hast, dass du dich um einen Job bemüht hast, was dir dann bei der Rente (minimal) angerechnet wird. Krankenversicherung und natürlich Miete musst du allerdings selber blechen! Du bist, soweit ich weiß, nicht verpflichtet, irgendeinen Job anzunehmen (da du ja nix beziehst, was sie dir kürzen könnten). Abgesehen davon, werden sie dir nix anbieten, weil keine ernst zu nehmende Firma ihre freien Stellen dem Arbeitsamt meldet, sondern in irgendeiner Jobbörse im Netz oder in einer Zeitung ausschreibt.

Ich weiß ja nicht, wieviel Vermögen du besitzt. Entweder, du kannst davon leben - und dich selbst krankenversichern. Oder du sorgst dafür, dass du genau in den Vermögensbereich kommst, in dem dir das Amt nix mehr wegnehmen kann und du von denen versichert wirst. Immerhin lebst du in einem Land, das gefälligst dafür zu sorgen hat, dass du auch einen Job bekommst. Jedenfalls versprechen das doch alle Politiker.
Gruß André