Melodie

Hallo,

ich frage mich immer wie Künstler eine Melodie entwickeln.
Ein Bild (Farbenlehre), ein Gericht (kombination von passend Geschmacksrichtungen aus Erfahrung) und einen Text (zb Reime) kann man meist nach einem Schema erstellen, aber wie erstellt man eine Melodie?

Vielen Dank für eine Antwort!

Victoria

Hallo Victoria,

du hast die Antwort schon vorgegeben. :smile:

ich frage mich immer wie Künstler eine Melodie entwickeln.
Ein Bild (Farbenlehre), ein Gericht (kombination von passend
Geschmacksrichtungen aus Erfahrung) und einen Text (zb Reime)
kann man meist nach einem Schema erstellen, aber wie erstellt
man eine Melodie?

Auch nach einem Schema. Zugrunde liegt ein Motiv, eine prägnante rhythmische Struktur, die metrisch (vereinfacht gesagt, in Takten) vorgegeben wird. Volksweisen sind nach diesem Prinzip entstanden, so arbeiten auch Komponisten. Laien tun das genauso, allerdings ohne es zu wissen, nämlich daß sie es genauso tun. :smile: Das wäre die Erstellung einer Melodie. Ihre Entwicklung läuft nach verschiedenen Prinzipien, die in der Summe eine Kompositionstechnik oder mehrere Kompositionstechniken bedeuten. Zum Beispiel, Wiederholung, Fortspinnung, motivisch-thematische Arbeit usw.

Wenn das für dich noch zu allgemein klingt, frag nach!

Gruß

Hallo peet,

danke für deine schnelle Antwort!

Dass es so in der Art abläuft habe ich mir auch (eigentlich nicht) vorstellen können.
Aber gibt es darüber Bücher welche Töne zusammenpassen und welche nicht?
Aber im Gegensatz zu einem Bild (Farblehre) muss doch ein Melodien Komponist ein sehr sehr guten Sinn für Melodien haben (der Maler muss eine ruhige Hand, eine Farbenlehre und Übung im Zeichnen haben (einfach ausgedrückt)?

Ich könnte mir nicht vorstellen eine Melodie zu entwerfen, vor allem würden mir immer wieder schon bekannte Melodien durch den Kopf gehen und meine „Arbeit“ beinflußen bzw. unmöglich machen.

Victoria

Aber gibt es darüber Bücher welche Töne zusammenpassen und
welche nicht?

Es gibt reichlich Bücher und Handbücher dazu. Nur wird darin nicht beschrieben, welche Töne zusammenpassen. Es ist nämlich so, daß eigentlich alle Töne zusammenpassen. Es kommt darauf an, was der Komponist damit ausdrücken will. Es gibt Bücher, wo beschrieben wird, wie die großen Komponisten gearbeitet haben - solche wie Mozart und Beethoven. Das ist sehr lehrreich. Es gibt Kompositionslehren. Es gibt aber auch speziell Handbücher, wie man eine Melodie komponiert. Dann aber stilecht - z.B. in der Art von Palestrina, Mozart usw. Das beste Beispiel ist das Buch von Dieter de LaMotte (ISBN:376181173X Buch anschauen).

Aber im Gegensatz zu einem Bild (Farblehre) muss doch ein
Melodien Komponist ein sehr sehr guten Sinn für Melodien haben
(der Maler muss eine ruhige Hand, eine Farbenlehre und Übung
im Zeichnen haben (einfach ausgedrückt)?

Ganz genau, das ist eine Gabe und dazu noch viel mehr Arbeit. Wenn ich deiner Auflistung folge, dann ein feines Ohr, eine Kompositionslehre und Übung im Melodieschreiben. :smile:

Ich könnte mir nicht vorstellen eine Melodie zu entwerfen, vor
allem würden mir immer wieder schon bekannte Melodien durch
den Kopf gehen und meine „Arbeit“ beinflußen bzw. unmöglich
machen.

Klar, darin unterscheidet sich ein Genie von uns Sterblichen :smile:

Viele Grüße

Hallo,

Aber gibt es darüber Bücher welche Töne zusammenpassen und
welche nicht?

Vielleicht ein paar Bücher von Diether de la Motte:

Melodie. ISBN: 3423046112 Buch anschauen
MUSIK FORMEN. Phantasie, Einfall, Originalität. ISBN: 3896391607 Buch anschauen
Wege zum Komponieren: Ermutigung und Hilfestellung. ISBN:3-7618-1290-6 Buch anschauen

Grüße
Wolfgang

auch wenn die frage sehr interessant ist und die antworten schon sehr vieles verraten, möchte ich noch einen kleinen hinweis hier lassen:

laien oder auch zum teil amateurmusiker überschätzen die wichtigkeit der melodie. die melodie ist neben harmonie, rhythmischer gestaltung und im endeffekt auch klanglicher gestaltung (arrangement usw.) nur ein aspekt der musik, und zwar „nur“ ein gleichgestellter.

es ist natürlich leichter, auf einem bild die gestalt im vordergrund zu sehen, aber jeder wird zugeben, daß die restlichen aspekte des bildes (hintergrundgestaltung, komposition, licht- und schatteneffekte usw.) ebenso darüber entscheiden, ob wir es mit einem meisterwerk zu tun haben, wie das zentrale motiv. so ähnlich ist es in der musik.

melodien sind (in der regel) das, was man sich am ehesten abspeichern und merken kann, worauf man vorrangig hört und womit man eine komposition verbindet. aber gleichzeitig ist die melodie noch lange nicht alles, woraus musik besteht…

grob vereinfacht kann man behaupten, daß viele melodien von mozart relativ banal und eingängig sind. das ist teil seines stils, zum teil schreibt er für ein publikum, das solche melodien sehr schätzt, zum teil hängt es auch mit der musikalischen charakterisierung seiner figuren (man denke zb. an papageno) zusammen usw.

das ist nun einerseits eine erklärung dafür, wieso mozart für viele der bekannteste komponist ist: diese eingängigkeit macht ihn sozusagen zum leicht genießbaren popstar unter den klassischen komponisten. andererseits sagt das aber noch lange nicht, daß seine musik wertlos ist, denn erstens ist er ein absolut genialer meister darin, banal beginnende melodien so fortzuspinnen, daß sie sich wunderbar und kunstvoll entfalten und niemals langweilig werden, und zum anderen hebt er mit den besagten weiteren aspekten die qualität ins unermeßliche.

die scheinbare wichtigkeit von melodien wird auch in frage gestellt, wenn man sich bewußt macht, daß es schon immer vorgekommen ist, daß man eine melodie übernommen, gleich gelassen, aber die anderen aspekte der musik ganz anders gestaltet hat. gregorianische choräle wurden als cantus firmi in unzähligen messen und motetten (und zum teil auch in anderen gattungen) verarbeitet, und man würde trotz identischer melodie nie von identischer musik sprechen. melodien wurden auch oft parodiert, gestohlen und wiederverwertet, aber auch da stößt sich niemand daran, weil das drumherum eben so anders ist (bei einer parodie macht ja zb. genau das den witz aus).

es gibt auch komponisten, denen die melodie wesentlich weniger wichtig ist, als harmonische und rhythmische gestaltung, formales konzept und andere aspekte. umgekehrt wird es kaum einen geben, der tatsächlich mit der losgelösten und isolierten melodie beginnt…

Hallo Gyuri,

das bestätigt um so mehr meine Vermutungen zum entwerfen einer Melodie. Wahrscheinlich hätte ich nie die Fähigkeit Melodien zu komponieren.

Vielen Dank,

Victoria

Hi Wolfgang,

vielen Dank für diesen Tip!

Victoria

Hm Schade die Gabe habe ich anscheinend nicht… :smile:

Danke,

Victoria

das bestätigt um so mehr meine Vermutungen zum entwerfen einer
Melodie. Wahrscheinlich hätte ich nie die Fähigkeit Melodien
zu komponieren.

du würdest dir schwertun, ein befriedigendes ergebnis zu erzielen, wenn du die melodie losgelöst von den anderen musikalischen aspekten betrachtest - aber warum solltest du es tun?

komponieren lernt man nicht, indem man melodien ohne alles komponiert. das ausharmonisieren vorgegebener melodien bringt dir bei, harmonie und melodie als miteinander verschränkte aspekte zu sehen, die beschäftigung mit kontrapunkt wird dir zeigen, daß melodien ganz anspruchslos und in kombination miteinander dennoch wunderbar sein können, usw.

Hallo Victoria,

das Zauberwort dürfte ‚Harmonielehre‘ sein.
Dort wird beschrieben, wie Töne zu Akkorden zusammengesetzt werden und wie Akkordabfolgen zu handhaben sind.
Das ist dann das Rüstzeug, so wie ein Maler seine Itten kennen sollte,

Gandalf