Hallo,
ich habe seit einigen Jahren eine Freundin, die immer nach einer gewissen Zeit ihre gerade aktuellen Freundschaften beendet. Dies spielt sich so ab, daß sie aus völligen Nichtigkeiten oder unbekannten Gründen heraus den Kontakt einstellt und die Personen meidet. Seit ich sie kenne, weiß ich von mindestens neun engen Freunden, die auf diese Weise abserviert wurden, was für die Betroffenen immer sehr verletzend und auch nicht im geringsten nachvollziehbar war.
Jetzt ist es mir selbst folgendermaßen ergangen: Sie hatte mich mit einem ihrer langjährigen Freunde bekannt gemacht, und es ergab sich, daß wir uns gut verstanden und uns jetzt immer mal wieder treffen. Sie schien sich darüber sehr zu freuen. Vor einigen Wochen antwortete sie auf Kontaktversuche meinerseits und auch des Freundes nicht mehr und ist für uns beide nicht mehr erreichbar. Zeitgleich hatte sie auch ihre momentane Beziehung beendet und wir wollten für sie da sein.
Jetzt ist durchgesickert, daß sie mit uns nichts mehr zu tun haben will, weil wir uns zuwenig „um sie gekümmert“ hätten, was nicht der Realität entspricht.
Mich würde interessieren, was für eine Art Störung das ist, den eine Störung muß es ein.
Sie hat natürlich wenig Freunde, und den wenigen neuen, die sie nach einiger Zeit dazugewinnt, ergeht es immer wieder gleich. Da sich die Leute untereinander kennen, fängt man bereits an, Witzchen zu machen in dem Sinne „na, hat’s dich jetzt auch erwischt?“
Ich wäre über qualifizierte (!) Aussagen zu diesem Verhalten sehr dankbar.
Danke und Gruß
Moriarty
‚Störung der Beziehungsfähigkeit‘ …
… wird dir, lieber Moriarty, als Label zu wenig aussagekräftig sein, hmm, denn das weißt du bereits selbst.
Mich würde interessieren, was für eine Art Störung das ist,
den eine Störung muß es ein.
Nun ja, es muss sich hier nicht mal unbedingt um eine „Störung“ im klinischen Sinn des Wortes handeln, aber das ist ja auch egal, denn es wäre doch sowieso nur ein sehr oberflächlicher Kenntnisgewinn, deiner Freundin hier ein diagnostisch-spekulatives Label zu verpassen.
Zu deinem Text passen würde aber etwa eine narzisstische Problematik mit ihrem charakterischen Doppel von übersteigertem und zugleich zu kurz geratenem Selbstbewusstsein, was den Narzissten stets auf die Suche gehen lässt nach neuen Objekten (sic), die eine Zeit lang der Quell von Bestätigung und Anerkennung (welche der Narzisst nicht oder nicht verlässlich und stabil aus sich selbst heraus entwickeln kann) sein können, dann aber von ihm oft recht rüde fallen gelassen werden, wenn sie -aus der subjektiven Sicht des Narzissten!- diese nicht mehr genügend bieten können. „Objektiv“ nachvollziehbare Gründe braucht er dafür verständlicherweise nicht.
Bei diesem Fallenlassen ist der Narzisst auch wenig sensibel dafür, dass er damit den Anderen verletzen könnte, nein, er wurde ja selbst verletzt durch den Anderen (ein Narzisst ist überhaupt recht verletzungsanfällig), da ja dieser ihn nicht mehr ausreichend Beachtung schenkte.
Und der Beachtung kann für den Narzissten sowieso nie genug sein, weshalb langfristige und tiefe Bindungen eher nichts für ihn sind (außer vielleicht mit einem passenden Komplement), schon gar nicht reziproke Bindungen. Er will und muss Beachtung nehmen - nicht geben.
Das war jetzt die Beschreibung einer bestimmten idealtypischen Form einer narzisstischen Persönlichkeitsstruktur, die zu deinem knappen „Fallbericht“ aus meiner Sicht als Leser dieser Zeilen als Anregung zu weiterer Reflektion passen könnte. Nnicht mehr und nicht weniger.
_ ℂ Λ ℕ Ð I Ð € _
Hallo Candide,
danke für die Antwort,
das würde schon insofern passen, als daß meine Bekannte permanent erwartet, daß man ihr Aufmerksamkeit schenkt, und sich „um sie kümmert“. Gleichzeitig ist sie hochsensibel und scheint dann wieder ein geringes Selbstwertgefühl zu haben, meldet sich selber eher selten. Alle anderen sind immer „die Bösen“. sie nimmt das Verhältnis von Geben und Nehmen sehr verzerrt wahr. Sie nimmt immer nur. Sie neigt dazu, bei jedem Freund oder Bekannten immer erst mal die negativen Eigenschaften der jeweils anderen nicht anwesenden Bekannten hervorzuheben. Sie ist auch sehr interessiert an negativen Berichten, d.h sie lästert gerne. Ab irgendeinem Punkt bricht sie jede Beziehung ab, wie z.B. auch zu ihren Eltern. Ich glaube mittlerweile wirklich, daß sie ein echtes Problem hat. Das merkt man aber erst am Ende.
Grüße
Moriarty
Hallo,
so eine Beziehung habe ich auch hinter mir. Wenn man(n) ehrlich geliebt hat und dann extrem verletzt wird, braucht man eine Weile bis realisiert wird was da abgegangen ist.
Vielen Dank für Dein Posting
Gruß
Oliver
Hi,
hier ein Sternchen für einen Beitrag anderswo 
die Franzi