Hallo yndigo
ich weiß nicht, ob es für alle gilt. Für sehr viele Menschen
die ich kenne und ebenso für mich selbst, war und ist die
Basis, vor allem sich selbst verstehen zu wollen. So gut wie’s
nur irgend geht mit Freunden offen und ehrlich sprechen/sein.
Sich selbst zugestehen, schlechte oder unvollkommene
Charaktereigenschaften zu haben, etc. Aber natürlich auch,
sich von Herzen freuen können, wenn man sich seiner guten und
besten Eigenschaften/arten bewußt wird. etc., etc.
Gnothi sauton
Hallo Tychi, kann mit dem Begriff nichts anfangen. Bin ein, jedenfalls im herkömmlichen Sinn, ungebildeter Mensch.
ist zwar ein hohes Ideal und es ist auch
richtig, dass
die Selbstanalyse zum Verstaendnis des „Menschen an sich“,
also des
ihm Wesentlichen, beitragen kann, jedoch ist hier Vorsicht
geboten.
Wo, von verdammt wenigen Ausnahmen mal abgesehen, ist keine Vorsicht geboten? In einer Menschengesellschaft, in der es hauptsächlich darum geht besonders cool zu sein. (ich mach es einfach mal an diesem Begriff fest. es würde sonst zu lang werden). In der Jugendszene, okay. Ich glaube, daß Analyse nur sehr begrenzt seine wertvolle Gültigkeit hat. Ist meiner Meinung nach mehr gut in der Forschung mit toten Gegenständen.
Mit dem Bergriff ‚Analyse‘ verbinde ich ein bewußtes sich-auf- etwas-fokussieren, dranbleiben, verfolgen, allzeit mit ‚wachem‘ Intellekt auf der Lauer sein. Das war und ist nicht mein Werdegang. Bin also ‚nicht gut‘ darin. Das Lebendige, und somit die Psyche, ist so gewaltig viel mehr; da ist Analyse, so mein Eindruck, schnell ein unzureichendes ‚Werkzeug‘.
- Es ist schwierig zwischen allgemeinen (und auf Mitmenschen
uebertragbare) Eigenschaften und speziellen, nur fuer dich
selbst
typischen, zu unterscheiden.
Das denke ich bedingt auch. Aber ebenso darum geht es natürlich auch, das herauszufinden, unterscheiden zu lernen. Deshalb die Betonung auf Ehrlichkeit; oder sollte ich es lieber nennen: sich üben in Wahrhaftigkeit. Meine Erfahrung ist die, daß es nicht darum geht, sich ständig zu kontrollieren, in dem Bemühen sich zu entwickeln, zu ändern. Halte ich für eine Sackgasse. Es kostet zu viel Zeit und Energie. Aber natürlich kann man’s sich nicht unbedingt aussuchen. Jeder kann ja nur von sich selbst berichten. Was weiß ich, was für andere gut ist. Ich kann darüber Vermutungen anstellen und von diesen mal mehr, mal weniger überzeugt, oder ratlos sein.
Sehr umfassend und effektiv erfolgreich hat sich bei mir gezeigt: ein Ziel wirklich wahrnehmen, nicht nur gedanklich; sondern mit der zur Verfügung stehenden Kraft des Herzens (um’s mal so zu nennen). Sozusagen mit allen Fasern einen Wunsch/Ziel in sich zu versenken… und dann loslassen und ‚laufen lassen‘. Erfordert am Anfang viel Geduld und noch mehr Glauben/Hoffen an/auf sich selbst.
Mein Verstand reicht fast nie aus, um ein inneres Ziel wirklich klar zu sehen; aber meine Wahrnehmung, also die Summe von etwas Größerem.
- Die Introspektive geschieht mit noch staerkeren Filtern als
der
Blick nach aussen.
Sicher; aber ich vermute, nicht immer sind es ‚stärkere‘ Filter. Jenachdem, was betrachtet wird, kann es genau umgekehrt sein. Aber auch das ist alles relativ. Menschen, die recht behütet aufgewachsen sind und vielleicht darunter leiden, daß ein Geschwister ihnen selbst vorgezogen wurde, oder ähnliches was so in ‚normalen‘ Familien passiert, werden sich wohl für gewöhnlich so verhalten. Sicher auch jene aus heilen Familien. (gibt’s sowas überhaupt…aber was heißt schon ‚heil‘) Kann und mag das alles nicht beurteilen.
Aber jene, die früh oder von Anbeginn ständig in großer Not waren, können einen gänzlich anderen Blickwinkel entwickeln; und tun es für gewöhnlich auch. Es sei denn sie wurden gebrochen. Jene, die durch psychische und/oder physische Folter gehen mußten und sich nicht verloren haben, haben den größten Teil dieser Filter verloren; momentweise können die noch vorhandenen sogar fast alle in den Hintergrund treten. (was natürlich schon wieder gefährlich sein kann)
Waehrend du einen anderen Menschen relativ
interesselos betrachten und beurteilen kannst, gelingt dir das
nicht,
Darum geht’s ja eventuell. Ich persönlich habe keinerlei Interesse daran, jemanden ‚relativ interesselos‘ zu betrachten. Das ist für mich Zeitverschwendung. Aber vielleicht verstehe ich nicht wirklich was Du meinst. Und ‚beurteilen‘… hmm…im Sinne von ‚zu einer bestimmten Erkenntnis kommen‘, ja. Die kann oft genug aber nur eine vorläufige Gültigkeit haben.
wenn du selbst das Objekt deiner Betrachtungen bist. Dieser
unbewusste Wunsch, ein bestimmtes Selbstbild zu haben,
verzerrt dein
Urteil ueber dich massgeblich.
Ja, ganz sicher. Mit ‚intellektueller Analyse‘ kommt man eben nicht sehr weit. Aber wir denken, glaube ich, in dieser Sache hier vor unterschiedlichen Hintergründen. Und ich denke schon, daß es keine Einheitsregeln gibt. Wenn jemand sich für Psychologie interessiert, weil er eines Tages z.B. Manager coachen will, was ich keineswegs negativ meine, aber sehr wohl bewertend; dann sind all diese üblichen Erkenntnisse wertvoll und richtig. (jedenfalls gehe ich mal davon aus, soweit ich es überhaupt einschätzen kann).
Ist/war die Triebfeder aber eigene Not, oder vielleicht besser ausgedrückt, das Interesse an der menschlichen Psyche/und mehr als nur dieser, eine Grundvoraussetzung um überleben zu können; dann gelten zum Teil sogar ganz andere ‚Gesetze‘. Da geht es in erster Linie darum, sich nicht gänzlich zu verlieren; darum, nicht gebrochen, zerstört zu werden. Und um ‚unbewußte Wünsche nach einem bestimmten Selbstbild‘ geht es da schon gar nicht. Das ist in solchen Zusammenhängen nichts weiter als Firlefanz. Im Gegenteil, da steht man in kürzester Zeit splitternackt vor seiner eigenen, inneren Realität. Wer sich weigert sie für wahr zu nehmen, hat schon verloren. Jene ringen um das Sein und nicht um den Schein.
Es gibt Studien, die nahelegen,
dass
die Selbsteinschaetzung oft unrealistischer ist als das Urteil
einer
anderen Person ueber dich. Es kann sein, dass jemand deine
wesentlichen Charakterzuege richtiger beurteilt als du selbst,
auch
wenn er dich erst 10 min. kennt.
GERADE wenn 'er mich erst 10 min. kennt! Aber mal ehrlich… braucht man dafür Studien? Das liegt doch auf der Hand.
Das trifft besonders auf
Selbstverherrlicher zu.
Ja, das sehe ich auch so… und auf Menschen, die sich ihrer ‚Sache‘ allzu sicher sind, ohne viel vom Leben wahrgenommen zu haben.
Und es trifft noch viel häufiger auf jene zu, die nicht wirklich bereit sind, sich zu gegebener Zeit in Frage zu stellen. Also die, die behaupten wirklich etwas erfahren zu wollen und nicht merken, daß es ihnen lediglich um Anerkennung geht. (was ja eigentlich nichts ist, das man negativ bewerten sollte. Nur wäre es für diese Leute viel angenehmer, es auch zu erkennen).
Gruß, Yndigo
(tut mir leid, daß es so lang geworden ist.)
Gruss, Tychi