Menschenrechte

Hallo zusammen,

soeben geriet mir die März-Ausgabe von Chrismon; einem evangelischen Magazin, von dessen Existenz ich bis vor fünf Minuten nichts wußte (bitte keine blöden Kommentare über evangelische Magazine lesende Hexen *ggg*), zwischen die Krallen. Just dort fand ich eine interessante Umfrage zum Thema Menschenrechte.

Die Frage lautete:

Was glauben Sie? Warum soll man die Menschenrechte achten?

Die Antworten (Prozentangaben gerundet):

35 % • Diese Rechte hat man sich ausgedacht, damit die Menschen friedlich miteinander leben.
34 % • Es gibt diese Rechte nur, weil wir aus der Geschichte gelernt haben.
15 % • Es gibt keine allgemein gültien Menschenrechte, da man sie nicht jedem zugestehen darf, z. B. Terroristen oder Kindermördern
14 % • Die Menschenrechte sind einfach da, man muß sie nicht begründen.
13 % • Der Mensch hat diese Rechte, weil er von Gott geschaffen wurde.

Nun… Der skorpionische Forschungsdrang nimmt bisweilen pathologische Ausmaße an… Welcher Antwort hättet Ihr Euch angeschlossen? Oder hättet Ihr gar ganz anders geantwortet? Und wenn ja: wie?

Neugierige Grüße

Renee

Hallo @lleine,

ich würde mich da den letzteren 13% anschließen. Unsere ganze gesellschaftliche
Grundordnung fußt nun mal meiner Überzeugung nach auf den Zehn Geboten bzw. auf
Christi Rat im NT, der da lautet „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“.

Gruß, Reinhard

Winzige Korrektur
Isch hab misch verkritzelt, aber Reinhard war schneller…

Es soll heißen

24 % ( nicht 34 %) • Es gibt diese Rechte nur, weil wir aus der Geschichte gelernt haben.

R.

Hi Renee

35 % • Diese Rechte hat man sich ausgedacht, damit die
Menschen friedlich miteinander leben.

Unoriginellerweise möchte ich mich diesem prozentual größten Votum anschließen. :wink:
Gruß,
Branden

Was glauben Sie? Warum soll man die Menschenrechte achten?

Die Antworten (Prozentangaben gerundet):

das sind antworten auf eine ganz andere frage! nämlich „wie lassen sich menschenrechte begründen“. warum man sie einhalten soll, wird hier nicht beantwortet.

35 % • Diese Rechte hat man sich ausgedacht, damit die
Menschen friedlich miteinander leben.
34 % • Es gibt diese Rechte nur, weil wir aus der Geschichte
gelernt haben.
15 % • Es gibt keine allgemein gültien Menschenrechte, da man
sie nicht jedem zugestehen darf, z. B. Terroristen oder
Kindermördern

das ist alles dieselbe antwort. die punkte schließen sich nicht aus. allgemein könnte man diese meinung so ausdrücken: alle rechte haben wir uns selbst gegeben, denn es gibt keine absoluten werte.

14 % • Die Menschenrechte sind einfach da, man muß sie nicht
begründen.
13 % • Der Mensch hat diese Rechte, weil er von Gott
geschaffen wurde.

das sind die beiden absolutistischen antwortmöglichkeiten. die erste ist völliger schwachfug, da ohne jegliche begründung. die zweite ist eine starke begründung, die jedoch religion voraussetzt. die prozentzahl der letzten stimmt ziemlich genau mit der anzahl der religiösen menschen in einem westlichen land überein.

Welcher Antwort hättet Ihr Euch
angeschlossen?

allen bis auf die beiden letzten, da ich werterelativist bin. menschenrechte wie alle gesetze haben sich die menschen ausgedacht. sie sind postulate, die wir freiwillig als gültig anerkannt haben.

warum man sich dran halten soll? da gibt es mehrere begründungen - einige gute und einige weniger gute. die beste lautet m.e.:

wenn sich alle dran halten, hat es nutzen für mich selbst. („was du nicht willst…“) dieses argument ist selbstevident.

gruß
dataf0x

Zusatzfrage
Hallo,

Stehen die Menschenrechte über den 10 Geboten? Wurde in dem Artikel dazu etwas gesagt?

Gruß, Peter

Hallo Peter,

in der Print-Ausgabe nicht; allerdings finde ich in der Online-Ausgabe auch nix… Oder ich bin blind. Kuckst Du: http://www.chrismon.de/cframe-umfrage.html.

Gruß

Renee

Hallo,

bei der Beantwortung der Fragen sollte man bedenken, dass die (christliche) Religion (in Europa) bezüglich der „allgemeinen Menschenrechte“ nicht viel bewirkt hat (siehe Mittelalter und auch frühe Neuzeit), die (christliche) Kirche sie seinerzeit bekämpft hat (Zitat von einem hochkatholischen, sehr bekannten und kompetenten Mann!). Aber das hat Chrismon wohl nicht geschrieben …

Gruß, Stucki

Huhu!

14 % • Die Menschenrechte sind einfach da, man muß sie nicht
begründen.

Um mal Terry Pratchet sinngemäß zu zitieren: Wenn man das Universum zu feinem Staub zermahlt, wird dabei kein Atom Gnade herauskommen, und kein Molekül gerechtigkeit - daher halte ich das Argument oben für gefährlich.
Wenn man die Menschenrechte so begründen kann, warum nicht auch die Todesstrafe, oder das eine Etnie „von Natur aus“ weniger „wert“ ist als die andere?

Welcher Antwort hättet Ihr Euch angeschlossen? Oder hättet Ihr gar ganz anders :geantwortet? Und wenn ja: wie?

Ich habe mal lange drüber nachgedacht, und bin zu dem Schluss gekommen, das ich das ganze am ehesten egoistisch sehe:
Ich halte mich an die Menschenrechte, weil ich irgendwann mal in eine Situation kommen könnte, in der ich darauf angewiesen bin, das sich jemand in Bezug auf mich nach den Menschenrechten richtet.
(Allerdings bin ich auf diesen Gedanken gekommen, weil ich darüber nachgedacht habe, wie ich begründen soll, warum ich gerne anderen Leuten helfe, und das obige ist das einzige Argument, das standgehalten hat)

Es gibt mit Sicherheit irgendeine Philosophische Schule, die ähnliches sagt, aber die kenne ich nicht.

Viele Grüße!
Scrabz aka Philipp (aka Drache).

Danke, Drache,
du sparst mir ein langes Posting.

„Do onto others what you want done onto you.“

Gruß
Eckard

„Do onto others what you want done onto you.“

ich würde da ein NOT bzw. 2 einfügen. denn ein verbot ist immer stärker und eindeutiger als ein gebot: es ist nie richtig klar, wann ein gebot erfüllt worden ist (außer es ist auf eine frist beschränkt), während das verbot eine deutliche marke hat: bis hierher und nicht weiter. die meisten menschenrechte sind eigentlich verbote und keine rechte. bspw: ein recht auf leben gibt es nicht! ich kann morgen überfahren werden - wo kann ich das recht einklagen? aber ein verbot von mord gibt es. daher sind sie sgn. 10 gebote (=minimalethik, die weltruhm erlangten) mehrheitlich verbote.

gruß
dataf0x

Hallo Rene,

Ich hätte auf Antwort 2 mit einer starken Prise 1 getippt.

Die Menschenrechte sind ein modernes Ergebnis einer jahrtausende alten Entwicklung.

Darin sind folgende Dinge eingeflossen.

  • Religiöse Vorstellungen
  • Praktische Grundregeln für stabile Gesellschaften
  • Philosophische Erkenntnisse

Selbst in Gesellschaften, die sich überzeugt zu den Menschenrechten bekennen, verstehen und nehmen nicht alle Menschen diese Rechte war.

Ein schönes Beispiel ist das erste Menschenrecht „Die Würde des Menschen ist unantastbar“.
Würde denn ein Mensch, der diesen Gedanken verinnerlicht hat, sich in eine Nachmittags-Talkshow oder in einen Big-Brother-Container begeben?
Wie sieht es mit den Menschen aus, die der Meinung sind, dass Menschenrechte nicht für alle Menschen gelten. Haben die den verstanden, was die Menschen rechte bedeuten?

Gruß
Carlos

Was glauben Sie? Warum soll man die Menschenrechte achten?

Oder hättet Ihr gar ganz anders geantwortet?
Und wenn ja: wie?

Grob aus der Hüfte: Weil die Menschenrechte zweckmäßig sind, um eine Welt zu schaffen, in der Du und Ich gerne leben.
Dafür sind diese Menschenrechte nicht unbedingt perfekt geeignet, aber immerhin das bisher beste, worauf man seit c.a. 30 000 Jahren gekommen ist.

Gruß,
Peter

Warum nicht gleich auf gut deutsch :

Was du nicht willst, dass man dir tu,
das füg auch keinem andern zu !

Gruß

Heidi

Hallo Carlos,

Ein schönes Beispiel ist das erste Menschenrecht „Die Würde
des Menschen ist unantastbar“.
Würde denn ein Mensch, der diesen Gedanken verinnerlicht hat,
sich in eine Nachmittags-Talkshow oder in einen
Big-Brother-Container begeben?

Wieso nicht? Wenn sich derjenige dadurch nicht in seiner Würde verletzt fühlt. Und das verschiedene Menschen unterschiedliche Vorstellungen von „Würde“ haben dürfen, ist auch ein Menschenrecht.

Grüße,

Anwar

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Ein schönes Beispiel ist das erste Menschenrecht „Die Würde
des Menschen ist unantastbar“.

Ich stimme mit deinem Posting vollkommen überein, aber du zitierst hier den Artikel 1 des Deutschen Grundgesetztes (welches natürlich fest in der „Menschenrechts-Tradition“ steht).
Artikel 1 der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“, verkündet von der Generalversammlung der Vereinten Nationen von 1948 lautet: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.“
Gruß!
Christian

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Danke für die Korrektur (o.w.T.)

Hallo Stucki,

die Kirche villeicht nicht, aber das christliche Menschenbild sehr wohl. Wenn du die Menschenrechtsdiskussion seit dem 16. Jahrhundert verfolgst wirst du feststellen, dass diese Rechte zunächst immer mit der Gleichheit der Menschen (vor Gott) begründet werden. Die Rechte werden gefordert, weil wir vor Gott gleich sind. Damit fängt das ganze (historisch) an. Die allgemeinen Menschenrechte in ihrer Erklärung von 1948 bauen auf diesem christlichen Menschenbild auf.

Gruß,

barbara