Menschlich oder etwas anderes

Mir ist bei verschiedensten Anlässen aufgefallen, daß speziell IT-Fachleute extrem sensibel auf Anregungen oder Kommentare der Anwenderschaft zu Ihren „Babies“ reagieren.

Da werden alle Register der Eristik mit Beschimpfungen, Unterstellungen und bezweifeln der Qualifikation hervorgekramt um den lästigen Frager möglichst schnell mundtot zu machen.

Mir ist ja klar, daß es unangenehm ist, wenn man auf eventuelle Schwachstelln hingewiesen wird, aber warum diese Überreaktionen.

Ist das irgendwie mit Hilfe der Psychologie erklärbar?

Hallo,

ich kenne das von mir selbst. Als Supportmitarbeiter für eine ziemlich komplexe Software muss ich mir öfters anhören, was für ein Schrott dieselbe doch ist. Da möchte man schon gerne wie von Dir beschrieben reagieren.

Ich denke allerdings nicht, dass sich hier ITler besonders auszeichnen. Es ist allgemein IMHO so, dass man sich in gewisser Weise mit seinen Projekten/Waren/Babies identifiziert. Kritik wird dann nicht so gern gehört. Besonders schlimm wird es dann, wenn der kritisierte ITler zwischen sich und dem Kritisierenden eine massive Wissensdifferenz vermutet … „zu blöd um das Programm zu bedienen, aber meckern geht“.

Gruß,

Myriam

Mir ist bei verschiedensten Anlässen aufgefallen, daß speziell
IT-Fachleute extrem sensibel auf Anregungen oder Kommentare
der Anwenderschaft zu Ihren „Babies“ reagieren.

Hallo, Wolfgang,
wie Myriam bin ich auch der Ansicht, dass zur Erklärung dieses Phänomens die „allgemeine Küchenpsychologie“ hinreichende Erklärungen bietet.

Der Fachmann, der sich mit der Materie zwar detailliert, aber auf hohem fachlichen Niveau sehr gut auskennt, sieht sich laienhafter Kritik ausgesetzt und fühlt die eigenen Schwierigkeiten, die oft hochkomplexe Materie mit adäquat laienhaftem Wortschatz klar genug darzulegen. Wenn dann beim Kritiker noch, wie es oft geschieht, unverhohlener Unmut in der Kritik mitschwingt, führt das natürlich zu einer Abwehr- und Verteidigungshaltung, die der vermuteten und „gefühlten“ Agression entsprechend begegnet.

Grüße
Eckard

Hi Wolfgang,

das könnte daran liegen, dass die Gewerke in der IT sehr abstrakt sind. Das führt dann dazu, die geistige Anstrengung mit der Qualität des Werkes gleichzusetzen, wobei gern übersehen wird, dass der Nutzer vielleicht völlig andere Schwerpunkte setzt - zB die Benutzbarkeit, die gerade bei komplexen Gewerken gerne schon mal hinten runterfällt.

Gruß Ralf

hallo myriam,

das hast du wohl recht.
genauso hab ich die erfahrung gemacht, daß männer aus der it-branche durchschnittlich gesehen (!) doch etwas weniger entwickelte fähigkeiten im sozialen bereich haben.
das geht in den bereich kommunikation, als auch fehlendes einfühlungsvermögen in den kunden.
aber nicht nur in der it. denk mal an die vielen technischen fehlentwicklungen, welche von techniker erdacht sind, in der praxis untauglich.
die anwender sind dann reglemäßig „zu doof“ fürs produkt.
große firmen haben jetzt dafür sowas wie „usebility“-abteilungen.

strubbel
@:open_mouth:)

Hallo Wolfgang,

aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen, dass es nicht besonders witzig ist ständig und immer wieder von selbsternannten IT-Experten gesagt zu bekommen, wie man die professionellen Firmensysteme zu konfigurieren hat, damit alles besser ist. Die Anwender haben gar nicht das Knowhow um zu realisieren, dass sie ihren Heimcomputer nicht mit den Firmensystemen vergleichen können. Das kann man ihnen ja eigentlich nicht verübeln, dafür gibt es schließlich IT-Spezialisten (wie mich *g*). Wenn du dir sowas desöfteren anhören musst, kann es schon vorkommen, dass du nach dem x-ten völlig unsinnigen Vorschlag nicht mehr so kooperativ reagierst, sondern auch mal etwas ausfallender wirst. Schließlich stielt einem das auf die Dauer Zeit und Nerven, da es immer der selbe Quatsch ist den man sich anhören muss. Auch wenn es sich wieder nicht Anwenderfreundlich anhört, ist das leider die Realität. Ich würde ja auch niemals auf die Idee kommen einem Chirurgen zu sagen, wie er besser operieren kann. Der Unterschied ist nur, dass viele Anwender glauben, sie hätten das nötige Wissen, nur weil sie einen PC zu Hause stehen haben, dem ist aber nicht so.

Nicht sehr psychologisch, aber jetzt hast du einen Einblick aus der Sicht eines IT-lers *g*

Gruß

Phoebe

Ich kann mur das schon vorstellen, daß ein Entwickler, nicht nur ITler, oft masiv unter Druck stehen, aber das geht doch eigentlich jedem so in seinem Job.
Ich bin allerdings der Meinung, daß bei SW, die für nicht-ITler gemacht wird oft übersehen wird, daß der „Kunde“ mit dem Produkt zurechtkommen muß und nicht der ITler.

PS
Meine IT-Erfahrungen begannen in der Zeit als eine Zuse noch etwas bedeutet hat. Wenn wir damals etwas nicht für die eigene Arbeit, sondern für Kunden entwickelt haben, dann war es für uns das wichtigste, daß der Kunde mit dem Produkt zurechtkommt. Das war für uns manchml recht aufwendig, aber das waren noch die Zeiten, als der Kunde mit seinen Wünschen die Richtung vorgab und nicht der Entwickler eines Werkzeugs dem Kunden sagt, was er zu wünschen hat.
Gottseidank reagieren nicht alle Entwickler so gestresst wie der von mir beschriebene.

Mir ist bei verschiedensten Anlässen aufgefallen, daß speziell
IT-Fachleute extrem sensibel auf Anregungen oder Kommentare
der Anwenderschaft zu Ihren „Babies“ reagieren.

Also ich kenne das eher aus der anderen Seite,
Ich: „Bist du mit der Webseite so zufrieden? Kommst du damit gut zurecht?“
Kunde: „Klar, haste prima gemacht!“
Ich: „Gut, achja xy möchte ich nochmal überarbeiten - weil ich finde das könnte man Anwenderfreundlicher machen. Ich hab noch dieses und jenes vor.“
Kunde: „Genau, die Idee hatte ich auch schon …“

Wirkliche Kritik gibt es leider kaum von Kunden, ich muss die erst immer dazu überreden das sie mir sagen was ihnen nicht gefällt und wenn ich echte, harte Kritik möchte, dann frage ich gute Bekannte - die zufällig alle entweder in der IT Branche arbeiten oder privat viel mit dem Bereich zu tun haben.

Für mich gibt es min. zwei Arten von IT Fachleuten - die Geeks http://de.wikipedia.org/wiki/Geek mit dennen ich relativ gut auskomme, die ständig neues suchen, alles techn. was sie in die Finger bekommen auseinander nehmen und anders wieder zusammen setzen. Sehr Wissensdurstige, sich selbst und ihre Umwelt ständig in Frage stellende Leute sind. Noch sowas wie Berufsehre haben, nur Produkte oder Dienstleistungen anbieten hinter dennen sie wirklich stehen - bzw. die Schwachstellen aufzeigen.

Und Gruppe 2, Streber die vom Kindergarten an alles nach Anweisung und Bedienungsanleitung machen. Sich durch das Betriebssystem oder den Rechner den sie nutzen definieren. Scheuklappen haben, meinen der grösste zu sein weil sie den MCSE haben - es aber nicht hinbekommen, selbstständig das Hintergrundbild an einer ihnen fremden Benutzeroberfläche zu ändern. Bei Firmen ist glaube ich gerade diese Spezies sehr beliebt, das sie einerseits über viele bunte Scheinchen(Zertifikate, Abschlüsse…) verfügt und andererseits sich den Führungsstrukturen bedingungslos unterordnet. Auch nie irgend etwas in Frage stellen, Kritik gibts nur hinter vorgehaltener Hand. Die Leutchen greifen dann auch gerne mal deine Qualifikation an, damit du nicht merkst das es mit ihrer eigenen nicht sehr weit her ist.

Das für mich grösste Problem dabei ist aber, das die sich nie selber in Frage stellen. Und da ich ständig mit Ironie, Sarkasmus und Zynismus um mich werfe, komme ich mit solchen Leuten auch nicht klar.

Solche Leute haben scheinbar von Kind auf gelernt das jede Kritik ein Angriff ist und so wird das dann auch behandelt.

Gruss Jan

Hi,

das hast du wohl recht.
genauso hab ich die erfahrung gemacht, daß männer aus der
it-branche durchschnittlich gesehen (!) doch etwas weniger
entwickelte fähigkeiten im sozialen bereich haben.

Das wage ich sehr zu bezweifeln, zumindest glaube ich nicht das es da wirklich grosse Unterschiede zu KFZ Mechanikern, ALDI VerkäuferInnen oder Schreibstubenhengsten gibt. Was mir allerdings auffällt ist, das es scheinbar im IT Bereich zwei Lager gibt und kaum Leute in der Mitte. Die eine Gruppe die fast autistisch ist und die anderen die sehr hochentwickelte soziale Fähigkeiten hat.

das geht in den bereich kommunikation, als auch fehlendes
einfühlungsvermögen in den kunden.
aber nicht nur in der it. denk mal an die vielen technischen
fehlentwicklungen, welche von techniker erdacht sind, in der
praxis untauglich.

Ja, gerade die aktuellen Benutzeroberflächen gehen an Otto Normalnutzer völlig vorbei. Ideal wäre sicher ein Computer den man anmotzen kann, „Brief schreiben, zackig“ dann ein paar Brocken im SMS Stil hinrotzt und am Ende kommt ein perfekt formulierter, gesetzter Brief aus dem Drucker. BTW ich kann zwar ohne Probleme Linux installieren und auch relativ brauchbar PHP programmieren, wenn ich aber eine SMS schreiben oder eine Mikrowelle bedienen soll - könnte ich ausflippen weil mir das viel zu umständlich ist … die Begeisterung für diese Dinge werde ich nie verstehen.

die anwender sind dann reglemäßig „zu doof“ fürs produkt.

Es gibt ein Problem mit OSI Level 8!

große firmen haben jetzt dafür sowas wie
„usebility“-abteilungen.

Nur leider ist es dann so, das nicht das auf Otto Normaluser zugeschnittene Produkt gekauft wird - sondern das „Profigerät“. Gerade bei Digicams kann man das sehen, die kleine einfach zu bedienende Kamera wird nicht genommen - sondern es muss eine digitale SLR(idealerweise mit einer billig Scherbe als Objektiv) sein. Nachher wird gemeckert das man mit der Bedienung nicht klarkommt und die Kamera weniger leistet als das billigere Costumer Gerät …

Gruss Jan