Hallo zusammen,
ich bin auf der Suche nach einem humanistischen Hippologen, der mir den Namen „Merichippus“ (ein urzeitliches Pferd) aufdröseln kann.
Angeblich soll das soviel bedeuten wie „grasfressendes Pferd“, sagt jedenfalls mein altes Biobuch. Aber welche Sprache ist das? Im Griechischen stoße ich bei „mer“-Worten mit Epsilon nur auf Bedeutungen wie teilen, mit Eta nur auf Schenkel.
Ich bin jetzt bei „merykazo“ hängengeblieben, was „wiederkäuen“ heißt - aber das würde wohl jeden Pferdefachmann aus den Hufen hauen. Und im Lateinlexikon bin ich auch nicht fündig geworden.
Wer weiß mehr?
den Namen „Merichippus“ (ein urzeitliches Pferd)
Angeblich soll das soviel bedeuten wie „grasfressendes Pferd“,
sagt jedenfalls mein altes Biobuch.
Das verstehe ich nicht. Warum sollte man ein Pferd als Grasfressendes bezeichnen, um es von allen anderen doch auch Gras fressenden zu unterscheiden?
Ich bin jetzt bei „merykazo“ hängengeblieben, was
„wiederkäuen“ heißt - aber das würde wohl jeden Pferdefachmann
aus den Hufen hauen.
Dieses Wort wurde in der Antike (vgl. Pape-Lexikon zu merykizo) auf
ereugesthai („durch Aufstoßen, Rülpsen, Erbrechen von sich geben“) zurückgeführt.
Könnte es sich also um eine Art Lama handeln?
Teile es bitte mit, es interessiert mich.
Schönen Gruß!
Hannes
Ich bin jetzt bei „merykazo“ hängengeblieben, was „wiederkäuen“ heißt -
aber das würde wohl jeden Pferdefachmann aus den Hufen hauen.
Den vielleicht, aber nicht den Etymologen: Der Name ist tatsächlich von altgr. μηρυκάζειν mērykázein bzw. μηρυκίζειν mērykízein für ›wiederkäuen‹ abgeleitet – auch wenn dies sachlich unzutreffend ist (vgl. etwa: http://www.flmnh.ufl.edu/vertpaleo/fhc/merychippus.htm). In deinem Biologiebuch scheint eine unpräzise Übersetzung zu stehen. Vermutlich hättest du an deiner Herleitung weniger gezweifelt, wenn du mit der vor allem (aber nicht nur) im englischen Sprachraum verbreiteten Schreibweise gesucht hättest: Mer y chippus.
Gruß
Christopher
Hallo Christopher,
herzlichen Dank für die Aufklärung. Jetzt sehe ich klarer. Wiederkäuen kam mir genau so unsinnig vor wie sich erbrechen, aber wenn der Professor nur die Zähne des Tiers so gedeutet hat, bin ich beruhigt.
Wiehernde Grüße
Petra
Hallo Hannes,
nein, ein Lama war es wohl nicht. Das Tier sah schon aus wie ein Pferd und war auf einer Seite mit dem Eohippus („Pferd der Morgenröte“) und dem Mesohippus („Halbpferd“) abgebildet.
Der Schlusssatz auf der von Christopher verlinkten Seite zeigt eine überraschend einfache Lösung des Problems: „The strong crests of the teeth of Merychippus reminded Professor Leidy (the scientist who named this genus) of the teeth of ruminants.“