Merk- und denkwürdig

mir ist heute was interessantes aufgefallen, mal sehen, ob ich es auch so in worte fassen kann, daß ihr versteht, was ich meine…

„denkwürdig“ bedeutet ja wörtlich „wert, daran zu denken“ bzw. „wert, darüber nachzudenken“.
„merkwürdig“ sollte „wert, es sich zu merken“ meinen.

interessanterweise sind aber meist sachen, die als merkwürdig tituliert werden, eher so, daß man über sie nachdenken muß, um eventuell eine erklärung zu finden, und denkwürdige dinge sind solche, an die man sich erinnern sollte.

beispiele:

der fall der mauer war ein denkwürdiges ereignis.

(da gibt es nicht gerade viel drüber nachzudenken, aber man sollte es sich merken)

was für ein merkwürdiger zufall!

(nein, daran muß man sich nicht jahrelang erinnern, aber in diesem moment wundert es mich, wie es passieren konnte…)

beide sätze klingen mit jeweils dem anderen wort komisch, obwohl die wörter ja eigentlich relativ eindeutig gebildet sind.

gibt es diese bedeutungsverwechslung tatsächlich, oder spinne ich mir da was zusammen? und wenn es sie gibt, wie ist sie entstanden?

(hat „denkwürdig“ vielleicht eher was mit „gedenken“ als mit „denken“ zu tun?

Hei, Gyuri,

wenn du hier schaust und dich da umschaust

http://www.google.de/search?hl=de&ie=ISO-8859-1&q=De…

wirst du deine Vermutung zu „denkwürdig“ bestätigt sehen.
Das lateinische Wort dafür wäre „memorabilia“!
Etwa die xenophonischen „Memorabilia“ zu Sokrates.

„merkwürdig“ hat neben der ernsten Bedeutung, also in der Bedeutung: „das sollte man sich merken“ bzw. „genauer anschauen und überlegen“, auch noch die Bedeutung „seltsam, komisch, ungewöhnlich“, englisch „strange“ oder auch „queer“, das mir vor allem aus dieser TV-Serie „Die Zwei“ vertraut klingt, wo Tony Curtis den einen englischen Aristokraten spielenden Roger Moore mit „Euer Merkwürden“ anredet. Allerdings nur in der deutschen Synchronisation.

Das fällt mir so kurz vor dem ins Bettfallen ein.

Gruß Fritz

Hallo Gyuri,

kleine Ergänzung zu dem was Fritz schon geschrieben hat:

„merkwürdig“ sollte „wert, es sich zu merken“ meinen.

Ja, so ist das. Und eigentlich steckt da das Wort „Mark“ (wie unsere gute alte D-Mark) drin, welches von dem Wort „Marke“ herrührt, einem Zeichen bzw. einem Stempel, der auf Silberbarren gestanzt wurde. Das Wort „Marke“, als Merkzeichen lebt in unserer Briefmarke weiter und gilt auch als Warenzeichen (Markenname). Da außerdem „Marke“ im Sinne von Markierung schon früh auch Grenzlinie bedeutete, verdanken wir dem Wort auch den geografischen Begriff „Mark“ (Mark Brandenburg, Dänemark, Steiermark).
Und eben auch das Verb „merken“ mit all seinen Ableitungen geht von dieser Markierung aus: was wir bemerkt haben, bemerkenswert oder eben „merkwürdig“ finden, merken wir uns - wir haben es „markiert“.
(Quelle: Waltraud Legros, Was die Wörter erzählen)

Gruß
Roland

Hallo, Gyuri,
etwas ist denkwürdig = etwas ist es wert, daran zu denken/(sich) zu erinnern. Aber auch
etwas ist es wert bedacht zu werden (darüber nachzudenken).

Ebenso bei merkwürdig:
Etwas ist des Merkens wert - wert, dass man sich daran erinnert.
Etwas ist bemerkenswert - wert, dass man es sich genauer betrachtet.

Gruß
Eckard

gibt es diese bedeutungsverwechslung tatsächlich, oder spinne
ich mir da was zusammen? und wenn es sie gibt, wie ist sie
entstanden?

Hallo,
es handelt sich doch wohl um Bedeutungsverschiebungen, die das Wort als Ganzes - also in der Zusammensetzung - erfahren hat. Ob sie in jedem Fall nachweisbar ist, weiß ich nicht.
Beispiel „fragwürdig“:
Obwohl GRIMM nur die gebräuchliche Bedeutung (erläutert als „dubius, zweifelhaft, verdächtig, unsicher“) angibt, kann ich mir einfach nicht vorstellen, dass dies die ursprpüngliche und einzige Bedeutung ist. Denn: „fragen“ heißt ja nicht unbedingt „in Frage stellen“.
Ich verwende das Wort „fragwürdig“ auch im Sinn von „wert, dass man dazu Fragen stellt“, schreibe [und spreche] es allerdings dann als „frag-würdig“; ebenso „merk-würdig“ u. ä.
Nachvollziehbar?

Gruß
H.

deine Vermutung zu „denkwürdig“
Das lateinische Wort dafür wäre „memorabilia“!
Etwa die xenophonischen „Memorabilia“ zu Sokrates.

Guten Morgen Fritz!

Zu diesem Hinweis auf die xenophontischen Memorabilia(/apomnemoneumata)…

… 1. die Beobachtung, dass „denk(würdig)“, „merk(würdig)“ verdächtig nah am Lateinischen ist: memora(bilis).

… 2. meine Frage: Ist nachweis- oder widerlegbar, dass irgendwann das deutsche Wort dem lateinischen nachgebildet worden ist?

Ich kenne kein etymologisches Werk, das sich speziell mit solchen bewussten Nachbildungen (wörtlichen Übersetzungsversuchen?) befasst, hätte aber gern eines.

Auf das pseudowissenschaftliche Glatteis, solche Zusammenhänge einfach zu behaupten, möchte man sich ja auch nicht begeben.
Beispiel dafür „zwei(feln)“ - „du(bitare)“:
Daraus, dass in beiden Wörtern die Zahl „zwei“ / „duo“ enthalten ist, darf man noch nicht auf eine solche Nachbildung schließen; denn diese etymologische Tatsache gilt fürs Indoeuropäische überhaupt: Erst mit der Gabelung des Wegs beginnt das ZWEIfeln.

Gruß
H.

Hallo Fragewurm,

„Merkwürdig“ ist alles was sich bei der ersten Betrachtung nicht wie gewohnt verhält, also eigentlich eine Ausnahme von der Regel.
Da es nicht von der Regel erfasst wird, muss man sich diese Ausnahme halt zusätzlich zur Regel „merken“.

Dein PC oder ein Einbrecher können sich merkwürdig verhalten.
Eine Maschine kann merkwürdige Geräusche von sich geben.

Alles Dinge welche sich nicht „normal“ verhalten. Oft ist der Grund dafür auch nicht offensichtlich.

MfG Peter(TOO)

Hallo gyuri!

mir ist heute was interessantes aufgefallen, mal sehen, ob ich
es auch so in worte fassen kann, daß ihr versteht, was ich
meine…

„denkwürdig“ bedeutet ja wörtlich „wert, daran zu denken“ bzw.
„wert, darüber nachzudenken“.
„merkwürdig“ sollte „wert, es sich zu merken“ meinen.

Ich hatte mal was zu „merkwürdig“ gefragt, könnte dich interessieren:
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

MfG
Car