Hallo zusammen,
heute habe auch ich einen etwas merkwürdigen Menschen erlebt. Ich komme auf seinen, eine Art kleiner Bauernhof, gefahren. Da rennt er, ein etwa 50-jähriger Mann, mir schon entgegen und ich hab die Scheibe heruntergelassen, um ihn zu fragen, ob er der sei, den ich zu besuchen trachtete.
Als mein Auto stand, hat er abrupt den Kopf zur Seitenscheibe hereingesteckt und wär mir fast gegen meinen Schädel geschlagen.
Wie eine Katze auf der Suche nach einer ihr verborgenen Geräuschquelle beglotzte er den Inhalt meines Autos.
Darüber bin ich ziemlich erschrocken und hab dann gesagt, dass ich erstmal aussteigen möchte, bevor ich zum Anliegen meines Besuches komme.
Daraufhin ist er wortlos vom Auto in´s Haus gelaufen und kam eine Weile, gefühlte 1 Minute lang nicht wieder. So, sie können jetzt kommen, bat er mich, plötzlich wieder in der Tür stehend, herein.
„Passen Sie mit dem Kopf auf! Die Türen!“
„Naja, so ein Hüne bin ich nun auch nicht, schauen Sie, wieviel Platz da ist“, hab ich gesagt.
Als nächstes hat er mir erzählt, dass sein Nachbar gegenüber bei der Stasi sei. Auf den müsste man aufpassen. Man könne ja nie wissen. Ich hab mich dann entschieden, nichts dazu zu sagen. (Vielleicht gibt´s ja das MfS wirklich noch, und hat die Aufgabe ihn zu betrachten.)
„Oh, na das ist ja nicht angenehm.“ Hab ich dann gesagt.
Plötzlich sehe ich seine Hand von hinten auf meinen Kopf zukommen und ehe ich mich versah, riss er mir das Headset und damit beinahe die Brille vom Ohr, um es zu betrachten wie ein Kleinkind, was zum ersten Mal einen Marienkäfer auf seiner Hand spazieren sieht. „Was ist das, was ist das?“.
„Das brauche ich zum Telefonieren im Auto. Wenn mich sonst die Polizei erwischt, muss ich Strafe zahlen und bekomme Punkte. Ich möcht es bitte wieder ranmachen. Danke.“ klärte ich ihn auf und entwandt es ihm, wegen des Übergriffs leicht genervt.
Sagt er: „Jaja. Richtig. Mein Nachbar gegenüber ist nämlich bei der Polizei. Auf den muss man aufpassen. Man kann ja gar nicht genug aufpassen. Ich sage ihnen …“
Nachdem ich das Gespräch unter größten Mühen an mich riss und zu dem kam, weswegen ich eigentlich da war, hat er immer wieder versucht, mir in´s Wort zu fallen, und von seinem Nachbarn zu erzählen. Dieser habe eine dunkle Brille auf. Das wär, wegen seiner Augen, würde es heißen. Das glaube er aber nicht. Er sagt´s ja, man kann nicht genug aufpassen.
Glücklicherweise war ich bald fertig mit der Arbeit und brauchte mir nicht etwa eine neuerliche plötzliche berufliche Wandlung des merkwürdigen Nachbarn, vielleicht zum Feuerwehrmann, Postschaffner oder Schützenvereinsmitgliedes, auf die man allesamt aufpassen müsse, weil man ja nie wissen können würde, anzuhören.
Als ich vom Grundstück fuhr, sah ich, dass das einzige Gebäude, auf das die Lokation „gegenüber“ zutreffen würde, unbewohnt war und zum Verkauf stand.
Was fehlt diesem Menschen? Der Nachbar, den es offensichtlich nicht gibt, und das komische, distanzlose Verhalten?
Er lebte da allein und vom äußeren Anschein her gab es keine Abnormitäten.
Viele Grüße
To-i

