Hallo
Bevor ich zur eigentlichen Frage komme, möchte ich eine erste Unsicherheit ansprechen:
Es existieren ja verschiedene Regeln über die Richtigikeit und die Priorität von Grenzformeln. Ich versteh nun nicht ganz, ab wann eine Grenzformel wirklich eine „korrekte“ Granzformeln ist, die zwingend aufzuführen ist. Dass Grenzformeln, die benachbarte gleiche Formalladungen besitzten, erst gar nicht zu berücksichtigen sind (da sie eigentlich keine „echte“ Granzformeln sind) weiss ich bereits. Nun spricht man aber häufig von der Priorität bzw. Bedeutung einzelner Grenzformeln, die nach verschiedenen Regeln (die mir bekannt sind) bestimmt werden kann. Wie ist das genau: Sie alle Grenzformeln aufzuführen oder nur die, die diese Regeln am besten erfüllen und am „wichtigsten“ sind? Werden die „unwichtigeren“ noch als Grenzformeln anerkannt?
Nun zur eigentlichen Frage:
Eine Regel besagt, dass jeweils die Grenzformeln am wichtigsten sind, die die kleinste Anzahl an Formalladungen und die kleinsten Formalladungsbeträge aufweisen. Nun frage ich mich: Wie sind Moleküle zu beeurteilen, bei denen durch ein Umgehen der Oktettregel Formalladungen vermieden werden können? Was ist von entscheidenderer Bedeutung: das Einhalten der Oktettregel oder das Vermeiden von Formalladungen?
Ein Beispiel wäre Phosphorsäure: Ich hätte jetzt das freie Elektronenpaar des Phospohrs als Bindung zum vierten Sauerstoff-Atom eingesetzt, wodurch O und P Formalladungen erhalten würden. Nun findet man aber meist eine Lewis-Formeln, in der Phosphor eine Doppelbindung mit dem vierten Sauerstoff eingeht und dadurch an 4 Bindungen beteiligt ist (Oktettregel nicht eingehalten. Mir stellen sich nun folgende Fragen:
a) Sind beide Formeln richtig? Darf ich von zwei Grenzformeln sprechen, wobei die ohne Formalladung von grösserer Priorität ist?
b) Wie muss ich das Verwenden eines freien Elektronenpärchens zur Ausbildung einer Doppelbindung mit je zwei einzelnen Elektronen eines benachbarten Atoms verstehen? Irgendwie kann ich das nicht mit dem vereinbaren, was ich bisher so gelernt habe. Mich stört nicht die Nichteinhaltung der Oktettregel, sondern dass ein freies Päärchen für Bindungszwecke verwendet wird, ohne dass Formalladungen entstehen.
Danke im Voraus für Antworten
mfg phychem