Gedanken zum Betreten von Spezialforen und…
Umgang mit „populären“ Störungen.
Grundsätzlich bin ich auch eher der Meinung dass es sinnvoller ist die zugrundeliegenden Störungen zu betrachten(bzw. überhaupt erstmal zu diagnostizieren), die Symptome wie „Messietum“, aber auch Essstörungen oder Süchte etc. auslösen.
Ich habe manchmal den Eindruck, dass die Fachleute, die sich damit befassen, der Faszination und Eigenartigkeit dieser Themen erliegen und das wesentliche, nämlich Ursachenforschung(und natürlich Therapie/Heilung)vernachlässigen.
Gerade was Messies anbelangt, finde ich auch die sensationslüsterne Berichterstattung in dem Medien ziemlich daneben. Da fahren Kameras durch „Messiewohnungen“ und die „Normalos“ sitzen Zuhause in ihren aufgeräumten Wohnzimmern, gruseln sich , schütteln ihre Köpfe und diagnostizieren diese Störung ihrer schlampig-lebensfrohen Nachbarin.
Ich bezweifle stark, dass „echte“ Messies(was auch immer das jetzt bedeutet)diese Diagnose als selbstwertstützend im eigentlichen Sinn erfahren können(würde ich mehr als Trotz/Gegenreaktion sehen), stehe aber der Hypothese, dass Diagnosen n u r als stigmatisierend und selbstwertschädigend empfunden werden auch skeptisch gegenüber.
Eine Diagnose kann meines Erachtens auch entlastend sein(ob nun selbstdiagnostiziert oder durch Fachleute), weil sie dem „Übel“ einen Namen gibt und/oder Heilungsmöglichkeiten einleiten kann.
Wesentlicher finde ich, ob jemand eine Diagnose nutzt, um sich darauf auszuruhen(und in dem Sinne als „negativ“ identitätsstiftend empfindet), oder als Chance sieht, etwas, das man endlich benannt hat(oder idealerweise von Fachleuten hat benennen lassen), anzugehen.
Noch etwas zum Betreten von speziellen Foren von Betroffenen(oder auch Interessierten).
Ich denke mal, dass so eine Reaktion, wie Du sie erlebt hast, Romana, in jedem Forum dieser Art, ob nun von Messies, Krebskranken(oder Briefmarkensammlern)etc. zu erwarten ist.
Erstmal werden alle deine neugierigen Fragen offen beantworten(Interesse schmeichelt)aber nach einer gewissen Zeit werden sie sich mit Recht fragen welche Motivation ein Nichtbetroffener/Interessierter hat, Stunden dort zu verbringen.(Und in manchen Themenbereichen kann schon der Eindruck entstehen, als Freakshow missbraucht zu werden.)
Solche Foren sind Orte, wo sich die Leute austauschen wollen und wenn jemand nichts Eigenes beiträgt, wird er eben herauskomplimentiert. Ist doch klar.
(Wobei die Briefmarkensammler vermutlich nur genervt sind und nicht mehr antworten, Leute mit Krankheiten oder Problemen schon verletzt reagieren und sich beobachtet fühlen könnten.)
Ich hätte kein gutes Gefühl, wenn ich Leute mit z.B. Krebserkrankungen in i h r e m Forum, wo sie Halt, Unterstützung und Austausch untereinander suchen, über Gebühr ausfrage und würde vermutlich von mir aus auf kleinste Zeichen von Unmut das Forum verlassen. Schließlich bin ich nur Gast. Aber vielleicht sehe ich das zu eng.
Viele Grüße
Anna

