vergangenes Wochenende haben wir in der Gegend von Soultz - Reichshoffen - Niederbronn - Bitche an verschiedenen Orten die Ankündigungen für eine örtliche „Messti“ gesehen, wie man das im September auf dem Land halt hat.
Der Wirt in Langensoultzbach, den wir danach gefragt haben, konnte uns zu dem Wort auch bloß sagen, daß es „vo Schdrosbuerg har oufkumme-n-esch“, und er selber dafür eher noch „Kirmes“ kennt.
Das Wort klingt weder nach Französisch noch nach Alemannisch. Weiß jemand von Euch, was das für ein Wort ist, wo es herkommt, wo es hingehört, womit es zusammenhängt?
Hallo!
Ich kenne das „Messti“ nur als Dorffest aus dem Elsässischen. Dort waren auch schon früher einige Worte mit „deutschen“ Ursprüngen zu finden. Im Deutschen gibt es das Wort „Messe“ auch als Begriff für einen Jahrmarkt o.ä. als Beispiel dazu fällt mir die „Meenzer Mess“ ein.
Ich würde mal tippen, dass sich diese wiederum von der kirchlichen Messe ableiten. Und diese Messe leitet sich letztendlich von der Entlass-Formel der lateinischen Liturgie „Ite, missa est!“ her („Geht hin, es ist die Aussendung!“)
Das Wort klingt weder nach Französisch noch nach Alemannisch.
Weiß jemand von Euch, was das für ein Wort ist, wo es
herkommt, wo es hingehört, womit es zusammenhängt?
es ist wohl ein elsässisches Wort für „Messtag“, siehe
http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbu… (da steht noch das kleine g dabei; merkwürdigerweise springt der Artikel bei mir nach kurzer Zeit auf „Tag“ um - also vielleicht das Stichwort mehrmals anklicken),
Deutsch findet man im Elsaß nicht, aber Alemannisch und nördlich des Haguenauer Waldes eine ganz spannende Mischung aus Mittelfränkisch und Alemannisch. In dieses Gebiet gehört auch Langensoultzbach, wo man angestammt „Kirmes“ sagt, wie in weiten Teilen des oberdeutschen Sprachraumes. „Kerwe“, „Kirbe“ und ähnliche (von Kirchweih) und „Kirmes“ (von Kirchmesse) sind die verbreiteten Bildungen dazu - netterweise übrigens auch als „kermesse“ im weit entfernten Gallo zu finden.
Wenn „Messti“ ein alemannisches Wort ist, dann ist es immerhin überraschend, daß es kein Pendant dazu im übrigen alemannischen Sprachraum gibt, den ich zumindest zwischen Vorarlberg und dem südlichen Oberrheingebiet ganz ordentlich zu kennen glaube. Die Silbe „-ti“ gibt daran überhaupt keinen Sinn, egal wie ich sie drehe, wende und lautverschiebe. Daher mag ich nicht so recht glauben, daß es sich um ein alemannisches Wort handelt.
Hast Du nähere Hinweise dazu, eventuell Parallelen in anderen oberdeutschen Dialekten oder auch Quellen?
ja, jetzet! - So wird ein Schuh daraus. Den „-dig“ wie im Sundig, Mädig, Zaisdig etc. hab ich darin nicht gefunden; das weggefallene „-g“ kann ein Opfer an Nachbarin Marianne und den romanischen „(lun-, mar- etc.) di“ sein. Wer weiß, ob in drei-vier Generationen „Messdi“ gefeiert wird.
im Saarland werden die Elsässer selten, allerdings besonders die Lothringer mit dem Schimpf- oder Neckwort „Wackes“ bezeichnet. Nur gerüchteweise habe ich gehört, dass die Luxemburger das Wort für die Saarländer benutzen.
Zwei Wörterbucheinträge dazu:
„_ WACKES , m. im Elsasz für einen gemeinen, groben menschen, einen nichtsthuer üblich. CH. SCHMIDT 113 denkt an abkürzung von vagabund (wofür auch waggebumm gesagt wird), die endung -es müszte dann von andren wörtern verwandter bedeutung übernommen sein. auch in Basel ist waggis üblich _“ http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbu…
„_ Wackes II das Wort [???], ursprüngl. in Strassburg »Bummler« u. dann Neckn. für den Elsässer in der Nachbarschaft (Schweiz, Baden, Württemberg, Lothringen, in der Pfalz, im Saargeb. u. in Bitb auch für den Lothringer); Rhfrk, Mosfrk wagəs, sonst -ak-, Pl. -əsə(n), sər m.: verächtl._“ http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbu…
im Saarland werden die Elsässer selten, allerdings besonders
die Lothringer mit dem Schimpf- oder Neckwort „Wackes“
bezeichnet. Nur gerüchteweise habe ich gehört, dass die
Luxemburger das Wort für die Saarländer benutzen.
das halt ich für ein Gerücht
noch nie gehört. Luxemburger machen keinen Unterschied zwischen Saarländer und anderen Deutschen, jeder ist ein „Preiss“
Das „-ti“ bzw. „-di“ ist einfach ein gekürztes Tag / Dag.
In unseren Mundarten kommt es oft vor, dass Vokale ausgewechselt oder vertauscht oder weggelassen werden.
Wir im Solothurnischen Wasseramt und in Teilen des Bernbiets (beides CH) sagen jedenfalls auch Sunndi, Mändi, Zyschti, Donnschti, Friti, Samschti. Im selben Kanton lassen aber einige das Schluss-G hören. Nur so zur Ergänzung.
das ist höchlich interessant - in der beschriebenen Gegend verläuft, meine ich, die Grenze zwischen Hoch- und Höchstalemannisch, und ich fände es nicht überraschend, wenn sich diese Grenze im Lauf der letzten zwei-drei Generationen südwärts in Richtung Berner Oberland verschoben hätte (neugierhalber: hängt die Aussprache mit oder ohne End-„g“ vielleicht auch von der Generation ab?) - gleiches kann man am See beobachten, wo das Schwäbische innert ungefähr fünfzig bis sechzig Jahren zügig fast vierzig Kilometer gegen das Niederalemannische vorgedrungen ist.
Seiswieswöll: Mit Deinem Zeugnis ist belegt, dass das verschwundene End-„g“ in „Messti“ keine Anpassung des Elsässer Alemannischen an das Französische ist, sondern auch sonst am Rand des Alemannischen Sprachbereiches vorkommt, und nur die Schreibweise mit „t“ eine Anpassung an das weichere französische „t“ ist. - Märci vielmohl -