Metaphern

hallo!

ich lese gerade ein buch von einer autorin, die das schreiben laut klappentext in einem creative-writing-seminar erlent hat - was man ihrem stil meiner meinung nach auch anmerkt.

ich bleibe beispielsweise immer wieder an metaphern hängen… könnt ihr mir sagen, ob ich einfach nur zu pingelig bin, oder ob sie euch auch stören? hier zwei beispiele:

eine herde schnatternder mägde

ganz abgesehen davon, daß ich nie von einer herde mägde sprechen würde, impliziert doch schnattern eher gänse, und die treten schon gar nicht in herden, sondern in scharen auf (oder gibt es noch ein besseres wort)?

„gewiß“, antwortete ranulf einsilbig

nun ja, das ist irgendwie selbsterklärend… es ist ja nicht so, als gäbe es kein besseres wort (zb. wortkarg), das diesen logischen widerspruch auflöst…

was sagt ihr? hirnwichserei oder hab ich irgendwie recht?

Hallo gyuri,

dein Sprachgefühl trügt dich nicht. Der kreative Gebrauch eben von passenden Metaphern kennzeichnet einen guten Stil.

eine herde schnatternder mägde

ganz abgesehen davon, daß ich nie von einer herde mägde
sprechen würde, impliziert doch schnattern eher gänse, und die
treten schon gar nicht in herden, sondern in scharen auf (oder
gibt es noch ein besseres wort)?

Deiner Kritik ist hier nichts hinzuzufügen.

„gewiß“, antwortete ranulf einsilbig

nun ja, das ist irgendwie selbsterklärend… es ist ja nicht
so, als gäbe es kein besseres wort (zb. wortkarg), das diesen
logischen widerspruch auflöst…

Das siehst du zu eng. „einsilbig“ steht eben für „wortkarg“. Selbsterklärend ist allerdings, dass eine Antwort, die aus einem Wort besteht, einsilbig (wortkarg) ist. Das Adverbiale ist also überflüssig. Ein weiteres Merkmal eines guten Stils ist nämlich Knappheit, d.h.: Adverbiale und Attribut nur, wenn sie zusätzliche Informationen enthalten!

was sagt ihr? hirnwichserei oder hab ich irgendwie recht?

Wirf das Buch weg, aber verschenke es nicht, sonst verdirbt es noch anderen den (stilistischen) Charakter.

Grüße
oranier

autorin, die das schreiben laut klappentext in einem creative-writing-seminar erlent hat
„gewiss“, antwortete ranulf einsilbig

Vielleicht war die ja auch in einem Creative-Mathematik-Seminar :wink:
„ge|wiss“, antwortete Ranulf zweisilbig

:wink: Michl

„Sicher ist es für den Autor schön, wenn er seinen eigenen Text sensationell findet,
aber das bedeutet noch lang nicht, dass es dem Publikum genauso gehen muss.“
Tony Kühn

Hallo,

entschuldige, aber mit zwei aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten willst Du belegn, daß jemand des Schreibens nicht mächtig ist, bzw. es stereotyp tut?
Schön wäre es, wenn Du uns den Titel verraten würdest, denn ich bin sicher, daß man bei jedem und jeder Schreibenden durch herausgerissene Satzfragmente ohne jeden Zusammenhang deren Unfähigkeit ‚belegen‘ kann.

Gandalf

Hi,

Metaphern sind eingeschliffene Redewendungen, bei deren Entstellung unsere Erwartung enttäuscht wird. Da entsteht ein Überraschungsmoment, wo einfach keines hingehört. Warum Redewendungen entstellt werden, darüber könnten wir vermutlich tagelang grübeln. In den seltensten Fällen wird es Absicht sein, sondern schlicht das Unvermögen, Metaphern zu behalten. Dann entsteht absolut hirnloser Quark oder eben Neuschöpfungen aus mehreren Bruchstücken, die meistens nicht zusammenpassen. Mit Scherben so zu spielen, dass hinterher wieder etwas Hörenswertes herauskommt, ist halt nicht jedem gegeben.

Gruß Ralf

Das siehst du zu eng. „einsilbig“ steht eben für „wortkarg“.

ja, generell lasse ich das wort natürlich als synonym gelten, aber in diesem fall ist es, da es sich auf ein zweisilbiges wort bezieht, irgendwie fehl am platz.

Wirf das Buch weg, aber verschenke es nicht, sonst verdirbt es
noch anderen den (stilistischen) Charakter.

das wird leider nicht gehen, ich habe es im rahmen eines bookrings (http://www.bookcrossers.de/bcd/brrb/help#bookring) zugeschickt bekommen und muß es nach dem lesen weiterschicken.

Hallo,

Schön wäre es, wenn Du uns den Titel verraten würdest, denn
ich bin sicher, daß man bei jedem und jeder
Schreibenden durch herausgerissene Satzfragmente ohne jeden
Zusammenhang deren Unfähigkeit ‚belegen‘ kann.

Richtig! Das ist das Kamel, dessen Stein dem Faß die Krone ins Gesicht schlägt…

Meinst Du sowas?

Gruß - Rolf

entschuldige, aber mit zwei aus dem Zusammenhang gerissenen
Zitaten willst Du belegn, daß jemand des Schreibens nicht
mächtig ist, bzw. es stereotyp tut?

nein, mit diesen beiden zitaten wollte ich nur belegen, daß ich in diesem buch stellenweise bei metaphern hängenbleibe, weil sie für mein gefühl sehr ungeschickt sind. wie die anderen postings zeigen, ist es nicht nur mein gefühl.
wenn es nur diese beiden kleinigkeiten wären, hätte ich auch nichts über die sonstige qualität des buches gesagt… aber es ist leider viel mehr als das, nur kann man das meiste nicht so einfach, kurz und aus dem zusammenhang gerissen hier posten.

Schön wäre es, wenn Du uns den Titel verraten würdest, denn
ich bin sicher, daß man bei jedem und jeder
Schreibenden durch herausgerissene Satzfragmente ohne jeden
Zusammenhang deren Unfähigkeit ‚belegen‘ kann.

ich wollte nicht ihre unfähigkeit belegen bzw. bestätigen lassen, denn davon bin ich zu genüge überzeugt. ich wollte nur mein gefühl bei genau diesen beiden metaphern bestätigen lassen, denn ich bin manchmal in solchen dingen viel zu pingelig.

Metaphern sind eingeschliffene Redewendungen, bei deren
Entstellung unsere Erwartung enttäuscht wird.

Hallo, Ralf,
Zustimmung weitgehend, wie die von Gyuri angeführten Beispiele und zahllose andere Fehlleistungen über die man allenthalben stolpert zeigen.

Andererseits läßt sich mit Metaphern auch trefflich spielen, eben um einen sanft entschlafenden Leser oder Zuhörer mit einer überraschenden Wendung zu schrecken und sein Interesse neu zu entfachen. Das allerdings ist eine schwere Kunst und geht des öfteren auch in die Sitzpolster.

An Gyuri wäre die Frage zu richten, ob dieses Machwerk moderner Literatur eventuell eine Übersetzung erleiden musste, so dass nicht die Autorin sondern der Übersetzer (und sein Verleger, der ihm möglicherweise nicht mal die Zeit zum Korrekturlesen ließ) an den Pranger gehören.

Zu „Kreativ Schreiben“ Kursen ist generell zu sagen, dass sie sicher eine nützliche Einrichtung sind, die wenn ich recht unterrichtet bin, eher in den USA in Schwange sind. Allerdings muss tatsächlich nicht mit jedem Produkt aus so geschulter Feder guter Papier verdorben werden.

Gruß
Eckard

Gutes Beispiel
Ein Mensch, der Bücher schreiben wollte,
besinnt sich plötzlich, ob ers sollte.
Ob er, bisan ein heilig Wesen,
dran Dichter und Verlag genesen,
ein Mensch, der nicht nur las, der gar
sich Bücher kaufte gegen bar
und den, weil selbst er nie geschrieben,
die Menschen und die Götter lieben,
ob er, gleichviel aus welchen Gründen,
sich stürzen sollt in solche Sünden
wie sie im Himmel und auf Erden
höchst selten nur vergeben werden -
Der Mensch, der schon Papier erworben
hat anderweitig es verdorben.
[Eugen Roth]

Moin Eckard,

Andererseits läßt sich mit Metaphern auch trefflich spielen

eben das ist die Kunst, die ich mit Deinem „Der Zahn der Zeit heilt alle Wunden“ (so ähnlich jedenfalls) hätte belegen wollen, blöderweise habe ich das weder zusammengekriegt noch wiedergefunden. Mein Kurzzeitgedächtnis wird jeden Tag kürzer.

Gruß Ralf

An Gyuri wäre die Frage zu richten, ob dieses Machwerk
moderner Literatur eventuell eine Übersetzung erleiden musste,
so dass nicht die Autorin sondern der Übersetzer (und sein
Verleger, der ihm möglicherweise nicht mal die Zeit zum
Korrekturlesen ließ) an den Pranger gehören.

das werk selbst ist auf deutsch verfaßt worden, ausnahmsweise kann also kein übersetzer was dafür. für die qualität des verlages sprechen die vielen, zum teil haarsträubenden beistrichfehler, die fehlende angabe eines lektors (sofern es einen gab), die billige aufmachung sowie das fehlerhafte satzbild (als hätten sich alle hurenkinder und schusterjungen dieser welt zu einem lustigen fest versammelt).

witzigerweise hat das buch auf amazon ausschließlich höchstwertungen bekommen. vielleicht bin ich ja einfach zu kritisch :wink:

Wortbedeutungen und Logik

ja, generell lasse ich das wort natürlich als synonym gelten,
aber in diesem fall ist es, da es sich auf ein zweisilbiges
wort bezieht, irgendwie fehl am platz.

Ich nehme meine Anerkennung deines Sprachgefühls zurück.

Wenn die Bedeutungen der Wörter übertragen oder ausgeweitet werden, haben sie eben eine übertragene oder ausgeweitete Bedeutung und lassen sich nicht mehr mit der Logik der engen Bedeutung messen.

Was soll man denn von folgenden Beispielen halten:

  1. Heute in einer Fernsehsendung über die fünfziger Jahre berichtet ein Flachlandtiroler, dass er als Kind mit der Familie in den Harz (!) fuhr und dort auf den Berggipfeln Höhenangst bekam und es ihm fürchterlich schlecht ging. „Erst wenn ich wieder im Tal war, ging es mit mir wieder bergauf.“!

  2. Selber erlebt: Ich habe in einer Stadt studiert, wo wegen einer zentralen Ausbildungsstätte sehr viele Blinde waren.
    Saßen zwei Blinde hinter mir im Bus. Sagt der eine Blinde zum anderen Blinden: "Ich stehe jeden Morgen um Halb Acht auf.! Sagt der andere Blinde:„So siehst du auch gerade aus!“

Grüße
oranier

Ich nehme meine Anerkennung deines Sprachgefühls zurück.

8-P

Wenn die Bedeutungen der Wörter übertragen oder ausgeweitet
werden, haben sie eben eine übertragene oder ausgeweitete
Bedeutung und lassen sich nicht mehr mit der Logik der engen
Bedeutung messen.

ist schon klar… und wenn es sich um einen bewußten einsatz solcher übertragenen bedeutungen handelt, ist es auch was anderes, als wenn es in einem text mit lauter solchen mißglückten metaphern steht. ich bleibe dabei: ich halte die formulierung für ungeschickt.

„Erst wenn ich wieder im Tal war, ging es mit mir wieder bergauf.“!

das ist eine scherzhafte formulierung und die übertragene bedeutung ist viel klarer. hier stört mich die wortwiederholung viel mehr.

Sagt der andere Blinde:„So siehst du auch gerade aus!“

wie jemand aussieht, ist unabhängig davon, ob ihn der andere sieht oder nicht. außerdem war das hier wohl als scherz gemeint…