Hallo, ich studiere Psychologie, und habe eine grundlegende Verständnisfrage. Ist es richtig, wenn ich folgendes sage: Um Daten zu erhalten, gibt es in der Psychologie folgende ZWEI Möglichkeiten: Experimente und deskriptive Verfahren? Und deskriptive Verfahren sind Fragebögen, Interviews… (Wo ordne ich Tests ein und was genau ist das entscheidene Kriterium bei einem Test?)
Und ist es wirklich so streng getrennt zu sehen? Oder mischen sich Experimente und DV manchmal auch? Wie ihr sicher merkt, bin ich momentan ziemlich verwirrt und hoffe auf Klarheit bezüglich dieser Thematik…
Danke.
Hallo Felix!
Du wirfst unterschiedliche Methodenbezeichnungen in einen Topf.
Ein Fragebogen ist ein Meßinstrument.
Ein Experiment ist eine Versuchsanordnung.
Neben dem Fragebogen gibt es andere Meßinstrumente wie z.B. Psychophysiologie (EEG, EKG, EDA, fMRT, etc), Psychoendokrinologie (Hormondatenmessung mittels Blutabnahme oder Speichelprobe), Beobachtung, Befragung (der erwähnte Fragebogen, Interviews, Tagebücher) etc.
Neben dem Experiment gibt es andere Versuchsanordnungen wie z.B. das Pseudoexperiment. Es gibt auch andere Untersuchungsformen wie z.B. Evaluation oder Epidemiologie.
Sowohl bei einem Experiment, Pseudoexperiment oder einer Evaluation können Fragebögen eingesetzt werden.
Der wesentliche Aspekt des Experiments ist es, dass hier Ursache-Wirkungszusammenhänge (Kausalaussagen) bei maximaler interner Validität untersucht werden können. Ein Gegenstück zu Kausalaussagen in der Emperie sind „Zusammenhänge“, wo die Richtung einer Wirkung nicht näher beschrieben ist.
Statistische Instrumente sind den Bedürfnissen der jeweiligen Untersuchung angepasst: Experimente verfügen über Unabhängige Variablen und werden nicht selten nach dem Allgemeinen linearen Modell oder vergleichbaren inferenzstatistischen Testungen (T-Test) ausgewertet, Zusammenhangsuntersuchungen z.B. in der Evaluation durch geeignete Korrelationskoeffizienten oder regressive Verfahren der Inferenzstatistik. Natürlich gibt es auch Überschneidungen.
Deskriptiv beschrieben wird jede Untersuchung.
Lieben Gruß
Patrick
Hallo!
Ich studiere Psychologie zwar nur mit vergleichsweise wenigen SWS, würde aber behaupten, dass es zwei Arten der Datenerfassung gibt:
Qualititive Methoden
Quantitative Methoden
Gruß Micky
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Hallo!
Ich studiere Psychologie zwar nur mit vergleichsweise wenigen
SWS, würde aber behaupten, dass es zwei Arten der
Datenerfassung gibt:
Qualititive Methoden
Quantitative Methoden
Gruß Micky
Hallo Micky,
prinzipiell mag man diese Unterscheidung sehen, in der Disziplin der Psychologie spielen die „Qualitativen Methoden“ m. E. nach heute keine Rolle.
Selbst die kognitive Psychologie (als dominante Teildisziplin) bedient sich naturwissenschaftlicher Methoden und wertet diese mittels quantitativer Methoden aus (EEG und Reaktionszeitmessung sind auch schwer qualitativ auswertbar).
Das Experiment & Quasi-Experiment ist das mit Abstand dominanteste Forschungsdesign innerhalb der Psychologie.
Dies ist gerade durch die Dominanz der Neuropsychologie gut nachvollziehbar.
Die Namensgebung des Lehrstuhls in Düsseldorf („Institut für experimentelle Psychologie“) macht diese Positionierung gut spürbar.
Bei uns standen qualitative Methoden zu keinem Zeitpunkt auf dem Lehrplan, und ich kenne keinen Studierenden einer anderen Universität, wo es so gewesen ist.
Zudem werden bei steigendem Impact-Factor die fachspeziefischen Journals mit großer Wahrscheinlichkeit nut quantitativ erhobene Artikel abgebildet.
Selbst Einzelfallstudien werden mittels Testbatterien und diskriminanter Auswertungsmethoden quantitativ ausgewertet, und auch das Tagebuch als Meßinstrument wird anhand quantitativer Variablen operationalisiert.
Lieben Gruß
Patrick
Das liebe ich so an der Psychologie …
… sie versucht, die Menschen mit ihren Problemen methodisch zu zerpflücken.
Habt Ihr schon mal den Menschen an sich dabei betrachtet? Die Einheit von Körper, Geist und Seele?
Seht die Dinge so, wie sie sind:
Ach, sprach die Seele, er hört einfach nicht auf mich. Ok, sagt der Körper, ich werde krank, dann hat er Zeit für Dich …