Worauf führt Metternich den „revolutionären Geist“ zurück und wird
er der Oppositionsbewegung gerecht?
Ich bin mir bei der Beantwortung dieser Frage nicht sicher. Führt er den
„r.G.“ auf die Französische Revolution zurück, oder die Napoleonischen
Kriege? Wie soll ich beurteilen, ob er der Oppositionsbewegung
gerecht wird?
Kann mir jemand evtl kurz das nötige Hintergrundwissen bezogen auf
die Frage vermitteln, ich hab schon viel im Internet recherchiert, was
den Wiener Kongress angeht, den deutschen Bund etc, aber irgendwie
fällt mir die Beantwortung der Frage trotzdem schwer.
Ich habe gerade einen Text zur Beantwortung dieser und einer weiteren Frage zu der Quelle geschrieben (beurteilen sie Metternichs antirevolutionäres Programm):
Vielleicht kann mir jemand sagen, ob das so richtig ist:
Metternich führt den „revolutionären Geist“ auf die Ereignisse vor Napoleons Untergang zurück.
Die Französische Revolution und später die Napoleonischen Kriege, während derer es ständige Unruhe und Grenzverschiebungen gab, weckten in vielen den Wunsch nach nationaler Einheit. Metternich bezeichnet diese Ursache als „Umwälzungen der Epoche“.
Liberale Bürger und Studenten wollten, dass die vielen Kleinstaaten zu einem einigen Deutschland vereint werden.
Stattdessen blieb im Rahmen des Wiener Kongresses die staatenbündische Ordnung und der alte Ständestaat erhalten und der alte Ständestaat wurde wieder eingeführt.
Diese Entwicklung rief die Oppositionsbewegung ins Leben.
Metternich bezeichnet sie hier als „das Übel“, das bekämpft werden muss. Er nennt sie eine „gottlose Sekte“, die destruktiv ist und Ruhe und Ordnung gefährdet.
Um diese Bewegung zu unterdrücken, griff die Regierung zu fraglichen Mitteln, wie Zensur, Bespitzelung und Polizeigewalt.
Demokratie hatte in dieser Gesellschaft keinen Platz.
So war zwar die äußere Sicherheit gewährleistet, jedoch auf Kosten der Bevölkerung, die unterdrückt wurde.
Mettenich wollte mit diesen Mitteln, nach einer sehr unruhigen Zeit, wahrscheinlich wirklich einfach die Ordnung in Europa aufrecht und stabil erhalten, jedoch ist auch verständlich, dass sich in der Bevölkerung Widerstand regt, wenn die persönlichen Rechte dermaßen eingeschränkt sind.
So verfolgte der konservative Metternich zwar im Prinzip ein gutes Ziel, jedoch mit den falschen Mitteln und um jeden Preis.
ich fürchte, Du greifst da zu kurz.
Das nationale Element spielte zu Lebzeiten Metternichs nicht einmal ubedingt die entscheitende Rolle, auch wenn es durchaus schon eine deutsche Nationalbewegung gab.
Aber viel wichtiger war der Kampf um die bürgerlichen Rechte, der Kampf um Pressefreiheit, um bürgerliche Selbstverwaltung, um Mitbestimmung ubd um die Gleichstellung aller Bürger vor dem Gesetz u.a. Und diesbezüglich war Napoleon voll und ganz in den Fußtapfen der der französischen Revolution mit seiner Gesetzgebung. Zumindest hat er diese Gedanken in den von ihm besetzten Ländern wesentlich mit verbreitet.
Für Metternich war das alles Teufelszeug. Der unterschied da auch nicht zwischen fanzösischer Revolution und Napoleon - für ihn bedrohte Beides die alte Adelsgesellschaft gleichermaßen. Er wollte einfach nur zurück in Zeit davor - insofern war er ein stockreaktionärer alter Knochen. Das unterscheidet Metternich von dem wirklichen Genie Bismarck - Bismarck wollte Preußen und Deutschland der Anforderungen der modernen Zeit anpassen - notfalls auch mit Parlament und gleichem Wahlrecht, wenn es nicht ander ging. Aber Metternich wolte einfach nur zurück - und damit lies sich nun wirklich kein langfristig stabiles System mehr aufbauen.
Und dieses alte System war auf den absoluten König als Herrscher ausgerichtet - da war gar kein Platz für nationale Komponenten. Einfach, weil die Meinung des Volkes und somit der Nation in diesem System gar keine Rolle spielte.
Allerdings war das auch objektiv eine der Sollbruchstellen der Habsburger Monarchie. Metternich hätte da auch gar keine andere Wahl treffen können, selbst wenn er gewollt hätte. In diesem Vielvölkerstaat war nun einmal der Kaiser das einzige gemeinsame Element und blieb es bis zum Schluß - Deutschland hatte da einfach die besseren Karten auf Grund seiner nationalen Geschlossenheit.