Mietmaul die zweite

Hallo zusammen,

da ich inzwischen glaube verstanden zu haben, um was es geht, und der Thread unten leider geschlossen ist, mach’ ich doch einfach mal einen neuen auf, denn das Thema scheint mir nicht uninteressant:

„Mietmaul“ ist, wie man z.B. hier:

http://www.rp-online.de/wissen/umwelt/Mietmaul-Stock…

nachlesen kann, wohl einer von mehreren Vorschlägen für die Wahl zum „Jugendwort des Jahres“ und bedeutet angeblich „Rechtsanwalt“.

Ich kann mir allerdings ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass dieser Begriff in „der Jugendsprache“ (was auch immer das genau sein mag) vorkommt. Denn ich glaube nicht, dass Rechtsanwälte auf der Themenliste Jugendlicher derart präsent sind, dass sich dafür ein eigener Begriff (noch dazu ein durchaus hintersinniger) gebildet hätte. Ich halte das eher für eine Wortneuschöpfung irgendeines erwachsenen Geistes (und glaube zudem, dass das auch für einen guten Teil der übrigen Wahlvorschläge zutrifft).

Sieht das jemand anders? Oder kennt möglicherweise jemand sogar Belege dafür, dass dieser Begriff tatsächlich „gesicherte Jugendsprache“ ist?

Grüße,
atn

Bedeutung Mietmaul
HI,
in der Medizin jedenfalls ist ein Mietmaul ein Mediziner, der eine gute Reputation hat, und diese z. B. bei Vorträgen, Zeitschriftenartikeln usw. ausnutzt, um z. B. im Auftrag eines ihn bezahlenden Medikamentenherstellers subtil Medikamente bewirbt, indem er wissenschaftlich klingende Argumente für dieses Medikament anbringt bzw. entsprechende Studien sehr wohlwollend auslegt.
Kurz: Bekannter Mediziner, der Reklame für irgendwas macht, weil er dafür bezahlt wird, letzteres aber nicht verrät.
Alles klar?

palma

Hallo,

in die Richtung würde ich auch denken: Eine höher oder hochgestellte Person, die eine Meinung prominent vertritt und dafür Geld oder andere Vorteile kassiert von Interessengruppen, die sonst nicht gleichermaßen beachtet würden. Politiker, Wissenschaftler…

Grüße
Chrissie

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Ergänzung
…wenn es in der Jugendsprache etabliert ist…

wir nannten die früher „Großschwätzer“

„Mietmaul“ ist, wie man z.B. hier:

http://www.rp-online.de/wissen/umwelt/Mietmaul-Stock…

nachlesen kann, wohl einer von mehreren Vorschlägen für die
Wahl zum „Jugendwort des Jahres“ und bedeutet angeblich
„Rechtsanwalt“.

Ja, aber des Jahres 2008.

Hallo,

Ich kann mir allerdings ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass
dieser Begriff in „der Jugendsprache“ (was auch immer das
genau sein mag) vorkommt. Denn ich glaube nicht, dass
Rechtsanwälte auf der Themenliste Jugendlicher derart präsent
sind, dass sich dafür ein eigener Begriff (noch dazu ein
durchaus hintersinniger) gebildet hätte.

Och, das die Kiddis nix mit Rechtsanwalt zu tun haben, ist doch
bloß eine Vermutung, oder? So mancher macht das Bekanntschaft, eher
er sich versieht.

Wenn sich solche Dumpfbacke mit Fünffingerkredit paar Lungenbrötchen
besorgt und dabei von ne Sicherheitsnadel angemacht wird, die ihn
dann klar bei der Erzeugerfraktion abliefert, dann kann es leicht dazu
kommen dass so ein bestelltes Mietmaul diesem Nullchecker verklickert,
er soll vorm Jugendrichter lieber die Fresse halten ud ihn reden lassen
und dafür aber ein reuiges Face machen, damit er nicht noch mehr
Trouble bekommt.

Ich halte das eher
für eine Wortneuschöpfung irgendeines erwachsenen Geistes (und
glaube zudem, dass das auch für einen guten Teil der übrigen
Wahlvorschläge zutrifft).

Das eigentlich eher nicht.
Bloß sind einige der genannten Begriffe gut 30 Jahre alt und waren
mal evtl. Jugendsprache der Oldis.

Sieht das jemand anders? Oder kennt möglicherweise jemand
sogar Belege dafür, dass dieser Begriff tatsächlich
„gesicherte Jugendsprache“ ist?

Was soll schon gesichert sein.
Jugendsprache ist nicht standardisiert und vor allem auch extrem
inhomogen in Bezug auf Zeit und Raum.
Was die Bürschchen z.B. in Berlin ab lassen (Berlin ist sowieso ein
ein riesiges Sprachlabor für neue Wortschöpfungen), wird wohl
in Hamburg oder Düsseldorf ganz anders formuliert.
Ich denke, sogar von Gruppe zu Gruppe bzw. Gang zu Gang gibt es
da so viele spezielle Ausdrücke, dass die Sprachfrorscher da gar
nicht hinterherkommen.
Gruß Uwi