Mietshäuser kaufen

Hallo,

habe mehr oder weniger durch Zufall erfahren, dass 400 Wohneinheiten
zwangsverseigert werden sollen.

Nun könnte das ja finanziell interessant sein, aber ausser den üblichen Risiken
bei Vermietungen (viel Ärger, Mietausfälle, teure Reparaturen usw.) stellt sich
die Frage, wie die Zukunft der Vermieter einzuschätzen ist.

So ist es z. B. hier in Lübeck so, dass die einfacheren Wohnungen kaum noch an
den Mann zu bringen sind. Dazu hat auch beigetragen, dass einige Kasernen in
Mietwohnungen umgewandelt wurden, und auch wer konnte hat noch vor dem
Auslaufen der Eigenheimförderung Häuser gekauft.

Nun ist es ja so, dass der Eigenheimkauf nicht mehr so gefördert wird und
andererseits dürch die Hartz-IV-Reform wohl auch einige in kleinere oder
billigere Wohnungen ausweichen müssen. Wobei ich dies für nicht so sehr
relevant halte.

Wie ich den die Meinung der geneigten Leserschaft zu diesem Thema ?

Gruss

Andreas

Hallo Andreas,

du hattest ja selbst schon einige Zweifel angemeldet. Die Prognosen für Lübeck sehen tatsächlich eher schlecht aus. Schau mal selbst nach:
http://www.luebeck.de/stadt_politik/statistik/progno…

Gruß!
Horst

Hi!

Ich halte es angesichts des deutschen Mietrechts und der in vielen kleineren Stäödten (so wohl auch Lübeck) eher falenden Mietzins-Tendenz nicht für ratsam, Geld in derartige Objekte zu investieren.

Gerade kleine, alte, billige Wohnungedn ziehen nun mal ein Klientel an, bei dem viele Mietausfälle zu erwarten sind. Bis man die Leute dann aus der Wohnung hat, ist ein Jahr schnell vergangen.

Also Finger weg.

Grüße,

Mathias

habe mehr oder weniger durch Zufall erfahren, dass 400
Wohneinheiten
zwangsverseigert werden sollen.

Nun könnte das ja finanziell interessant sein, aber ausser den
üblichen Risiken
bei Vermietungen (viel Ärger, Mietausfälle, teure Reparaturen
usw.) stellt sich
die Frage, wie die Zukunft der Vermieter einzuschätzen ist.

So ist es z. B. hier in Lübeck so, dass die einfacheren
Wohnungen kaum noch an
den Mann zu bringen sind. Dazu hat auch beigetragen, dass
einige Kasernen in
Mietwohnungen umgewandelt wurden, und auch wer konnte hat noch
vor dem
Auslaufen der Eigenheimförderung Häuser gekauft.

Nun ist es ja so, dass der Eigenheimkauf nicht mehr so
gefördert wird und
andererseits dürch die Hartz-IV-Reform wohl auch einige in
kleinere oder
billigere Wohnungen ausweichen müssen. Wobei ich dies für
nicht so sehr
relevant halte.

Wie ich den die Meinung der geneigten Leserschaft zu diesem
Thema ?

Gruss

Andreas

Hallo,

schau Dir mal die Demographie-Studie unter

http://www.berlin-institut.org/kompl.pdf

an. Bin mir nicht sicher, ob wir heute schon verstehen, was da wirklich auf uns zukommt.

Grüße Georg Pütz

Hallo Andreas!

habe mehr oder weniger durch Zufall erfahren, dass 400
Wohneinheiten
zwangsverseigert werden sollen.

Solche Angebote gibts alle Tage.

Ich glaube nicht, daß sich zukünftig die Intensivhaltung-Massenunterkünfte, die zu Zeiten der Wohnungsnot im 08/15-Stil errichtet wurden, mit besonders viel Freude vermieten und unterhalten lassen. Ausnahmen bestätigen die Regel. So gibt es städtische Quartiere, deren Substanz eigentlich nicht viel wert ist, die aber in gewachsener Gegend einen eigenen Charme besitzen und begehrt sind. Aber in aller Regel sind ältere Vermietobjekte mit hunderten Wohneinheiten von Leerstand, häufigen Mieterwechseln und Problemgruppen gekennzeichnet. Da zieht solventes Publikum freiwillig nicht ein.

Mit einem zielgruppengerechten Angebot wird man auskömmlich vermieten können. Aber welche Zielgruppe wünscht sich hunderte Wohnungen auf einem Haufen? Es gibt nach wie vor Wohnungen, bei denen die Mieter trotz 10 €/qm Schlange stehen, es gibt aber auch Wohnungen, die bei 2 €/qm und weniger unvermietbar sind.

Bei Dir in Lübeck gibts in Villengegenden in Uninähe und in sanierten mittelalterlichen Häusern der Altstadt Wohnungen, die sich von alleine vermieten. Aber guck mal z. B. nach Moisling. Gute Verkehrsanbindung, Bahnhof nicht weit weg, Autobahn und B75 sind in der Nähe, aber ich würde da nicht tot über’m Zaun hängen wollen. Und andere Leute auch nicht. Du kannst getrost davon ausgehen, daß der Verkäufer von 400 Wohnungen das Objekt abstoßen will/muß, das ihn wirtschaftlich schon um Kopf und Kragen gebracht hat. Hier in Mecklenburg kannst Du jeden Tag ganze Wohnblöcke für den Preis eines einzigen Quadratmeters einer vermietbaren Wohnung kaufen. Eigentlich werden nur Dumme gesucht, die die Abrißkosten tragen.

Natürlich gibt es regional heftige Unterschiede, aber insgesamt läßt die Bevölkerungsentwicklung erwarten, daß das Leben als Vermieter schwieriger wird. Die Zeiten, in denen jeder phantasielos und menschenfeindlich hingeklatschte Steinhaufen vermietbar war, sind vorbei. Merkwürdigerweise hat sich das noch nicht herumgesprochen. Immer noch kaufen Leute auf Versteigerungen Immobilien, ohne sie je mit eigenen Augen gesehen zu haben. Die merken erst hinterher, welches Problem sie haben, wenn sie das Objekt nicht ganz schnell wieder los werden. Da hört jemand nur Kaufpreis und Mieteinnahme, verschwendet aber keinen Gedanken an Mieterstruktur, Reparaturstau und Instandhaltungskosten und weiß natürlich auch nichts von der Verpflichtung, demnächst eine Kläranlage zu bauen und einen Beitrag für die neue Anliegerstraße zu leisten…

Gruß
Wolfgang

Hallo Wolfgang,

erstmal einen Stern von mir, die anderen Antworter haben aber auch Lob und Dank verdient.

Ich habe mir heute die Mühe gemacht und vom Insolvenzverwalter die Liste der Objekte geholt. Natürlich will ich nicht alles einzeln aufführen, nur ein Objekt:

Schönberg, AB-Strasse (abgekürzt, aber Du wirst schon wissen, wo, hoffe, am Wochenende eine Besichtigung vornehmen zu können), Baujahr 1899 (!!)

Das kann man wohl getrost vergessen, Nettokaltmiete pro Jahr liebt bei ca. 3000 Euro, 23 Wohneinheiten, aber das Alter und die Sozialstruktur ?

Ärgerlich ist, dass der Insolvenzverwalter masslos übertrieben hat mit den Anzahl der angebotenen Einheiten/Wohnungen. Zudem habe ich keinerlei Angaben, wie hoch der Kaufpreis sein soll.

Folgende Angaben habe ich:

Wohn- oder Nutzfläche, Nettokaltmiete, Miete pro m², Summe Miete (?), Nettokaltmiete pro Jahr

Als Tabelle:

Fläche NKM Miete/m2 Summe Miete NKM pro Jahr
102,84 419,26 4,08 419,26 5031

Die Frage: wie soll ich aus diesen Werten (es sind natürlich mehrere) den Wert des Hauses errechnen/abschätzen ?

Gibt es da eine Faustformel ?

Gruss

Andreas

Hallo Andreas!

Fläche NKM Miete/m2 Summe Miete NKM pro Jahr
102,84 419,26 4,08 419,26 5031

Die Frage: wie soll ich aus diesen Werten (es sind natürlich
mehrere) den Wert des Hauses errechnen/abschätzen ?

Gibt es da eine Faustformel ?

Bei so einem alten Gebäude: Nein!!

Es gibt immer wieder Leute, die solche Objekte nach Aktenlage kaufen. Das wird fast zwangsläufig ein Griff ins Klo.

Kleine Anekdote dazu, gerade jetzt genau so passiert: Ein Insolvenzverwalter verkauft aus dem Bestand einer insolventen Wohnungsgesellschaft ein 6-Familien-Haus, Bj. ca. 1900. Mieteinnahmen 4.500 € p. a. netto kalt. Kaufpreis 20 T€. Das hört sich nach Schnäppchen an, nach einem binnen weniger Jahre von selbst bezahlten Haus. Der Käufer erwirbt blind. Er hat das Objekt nie gesehen. Irgendwie erfuhr der Käufer der Immobilie, daß ich mich vor einiger Zeit aus ortsgeschichtlichem Interesse um die Baupläne der Häuser der Gegend kümmerte. Deshalb rief der Mann bei mir an und so merkte ich, daß er nicht den Schatten einer Ahnung hatte, was er gekauft hat und wo genau die Immobilie steht. Er wußte nicht, daß eine Hälfte des Hauses unvermietbar leer steht, er wußte nichts von 10 (!) abbruchreifen Gebäuden auf dem Grundstück (sind nicht in den Plänen des Katasteramts verzeichnet), er kannte nicht den desolaten Zustand des Hauses, an dem es seit 1939 (!) keine Sanierungen gegeben hat, aber mehrere Umbauten, um mit Bretterverschlägen Notunterkünfte zu erstellen. Er wußte nicht, daß das Haus Einzelöfen an maroden Schornsteinen hat, er hatte auch keine Ahnung, daß er spätestens nächstes Jahr eine Kläranlage bauen muß. Er wußte nichts von Altlasten auf dem Grundstück und nichts davon, daß die Sanierung von Haus und Grundstück nicht unter 400 T€ zu haben ist. Deshalb war er auch ahnungslos, daß selbst bei vollständiger Vermietung zu höherer Miete nicht einmal die Zinsen für den zu investierenden Betrag zu erwirtschaften sind. Natürlich hatte der Käufer auch keine Ahnung von der Bevölkerungsstruktur und vom Wohnungsmarkt der Gegend. Sonst hätte er gewußt, daß es überhaupt keine Mieter für den teuren Wohnraum sanierter Wohnungen gibt, daß Leerstand nur über nicht kostendeckende Billigmieten zu vermeiden ist und daß selbst mit solcher ruinösen Methode ungezählte Wohnungen in der Region leer stehen. Natürlich wußte der Mann auch nicht, daß die wenigen Mieter seines Schnäppchens alte Leute sind, die dort schon seit Jahrzehnten wohnen, deren Wohnungen im Todesfall eines Mieters aufgrund des Zustands absolut unvermietbar wären. So kann man also darauf warten, daß die Mieteinnahmen gegen Null gehen und dann außer erheblichen Kosten nichts mehr bleibt. Jetzt sucht der Mann händeringend einen Dummen, der auch nach Aktenlage zuschlägt.

Du darfst eine ältere Immobilie nur kaufen, wenn Du per eigener Sachkenntnis oder Gutachter (nicht vom Makler, Inso-Verwalter, einer Bank oder Formgutachten irgendeiner Behörde) über den Gebäude- und Grundstückszustand umfassend Bescheid weißt, wenn Du Kenntnis von öffentlichen Baumaßnahmen in der Gegend hast, wenn Du ein Konzept für Sanierung und Mieterzielgruppe hast und wenn sich das Ganze in vernünftiger Zeit rechnet.

Kein älteres Gebäude und kein Sanierungsfall läßt sich per Faustformel beurteilen. Was da so kursiert, z. B. Kaufpreis in Höhe der 12-fachen Jahreskaltmiete, ist nur für Objekte in zeitgemäßem Zustand brauchbar und auch nur dann, wenn es genügend potentielle Mieter gibt.

Vermietung ist ein gewerbliches Vorhaben. Bei ausnahmslos jedem gewerblichen Vorhaben braucht man ein tragfähiges Konzept. Wenn schon 08/15- Büro- und Ladenflächen in allen Lagen quadratkilometerweise leer stehen, baut man keine weiteren 08/15- Büro- und Ladenflächen. Wenn schon ganze Wohnblocks leer stehen, baut man besser keinen weiteren Wohnblock in die gleiche Gegend. Aber vielleicht gibts ja eine Hochschule in der Nähe und dann könnte ein Studentenwohnhaus sinnvoller sein als ein normales Wohnhaus. Die Anforderungen der Zielgruppen = potentielle Kunden sind sehr unterschiedlich. An diesen Kundenanforderungen muß man sich orientieren, dann ist Vermietung auch in schwieriger werdender Zeit möglich.
Weil jahrzehntelang jedes Loch für fast jeden Preis vermietbar war und sich Vermieter an diesen Zustand gewöhnten, fällt heute das Umgewöhnen an zielgruppenorientiertes Handeln offenkundig schwer.

Gruß
Wolfgang

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Hallo,

das Einzige, was mir als Konzept einfällt: Umbau von 1-Zimmer-Wohnungen in 4-Zimmer-Wohnungen.

Denn aus der eigenen Erfahrung heraus weiss ich, wie shwer solche Wohnungen zu bekommmen sind. Und zwar nicht unbedingt wegen der Miethöhe, sonder weil solche Wohnungen schlicht und ergreifend kaum angeboten werden.

Zwar habe ich den Wohnungsmarkt seit 2003 nicht mehr so verfolgt, da wir ja unser Haus gefunden haben, aber aus der Erinnerung weiss ich, dass z. B. am Wochenende in den LN vielleicht 2 oder 3 solcher Wohnungen angeboten wurden, wenn überhaupt.

Natürlich gspricht dagegen, dass heute die Bauzinsen sehr niedrig sind, aber sonst bliebe ja nur, um ehrlich zu sein, das Glück. Also die Hoffnung, dass der angebotene Wohnraum auf dem Markt Abnehmer findet. Nur-darauf kann man nicht bauen.

Na, mal sehen, dachte, 30 Jahre eine Hypothek abzahlen und dann im Alter ein zusätzliches Einkommen zu haben. Oder später für die Kids.

Danke für die Antworten,

Gruss

Andreas