Hallo.
Mir ist in letzter Zeit was aufgefallen.
Früher kannte man Aus - bzw. Ein wanderer. Leute, die ihre altsprachliche Bildung heraushängen ließen sprachen von I - bzw. E migranten.
Neuerdings begegnet mir das Wort Migranten ohne Vorsilbe. Dann noch solche quallige Begriffe wie „Kinder mit Migrationshintergrund“.
Ich schlage deshalb vor, daß unsere heimischen Wandervereine sich künftig Migrationsvereine nennen sollten. Hübsch, was?
Gruß an alle, die sich in Neusprech weiterbilden wollen.
Jochen
liegt vor allem daran, das nicht mehr klar ist, ob man ein- oder ausgewandert ist,
Situation in Kasachstan ist ja folgende:
Menschen mit deutscher Abstammung werden als Nazis beschimpft,
deren Ziel ist vor allem die Auswanderung ,
und sie wollen in die „Heimat“ oder den „goldenen Westen“, also Einwanderung. ,
eigentlich ist das ja die Heimat ihrer Eltern, da kann man sogar von Rückwanderung sprechen
was alle gemeinsam haben ist ja die Reise und das Gleiche Ziel,
und halt die Probleme, aufgrund welcher Migrationsvereine gegründet werden
hi,
Früher kannte man Aus - bzw. Ein wanderer. Leute,
die ihre altsprachliche Bildung heraushängen ließen sprachen
von I - bzw. E migranten.
nicht ganz: immigranten und emigranten
Neuerdings begegnet mir das Wort Migranten ohne
Vorsilbe. Dann noch solche quallige Begriffe wie „Kinder
mit Migrationshintergrund“ .
ich find das gar nicht so sinnlos, sondern im wahrsten sinn des wortes bezeichnend. erstens sind emigranten letztlich (und hoffentlich irgendwo) auch immigranten. es ist eine sache der perspektive. zweitens kommt im wort „migration“ besser zum audruck, dass es nicht so sehr um ein ziel geht, sondern in vielen fällen um die bloße flucht, ohne an einem ganz bestimmten ort einwanderer zu sein. (nur weg von da, sei es tschetschenien oder darfour oder oder …). die millionen menschen, die heute migrieren, sind nicht ganz dasselbe wie die auswanderer von früher, die an einem ganz bestimmten platz ihr glück machen wollten und halbwegs sicher sein konnten, dass sie dort akzeptiert werden. (jedenfalls von den us-behörden, weniger vielleicht von den indigenen indianern 
Ich schlage deshalb vor, daß unsere heimischen Wandervereine
sich künftig Migrationsvereine nennen sollten. Hübsch,
was?
die heimischen wandervereine wandern. sie migrieren nicht. obs hübsch wär, weiß ich nicht, aber es wär jedenfalls blödsinn.
hth
m.
Situation in Kasachstan ist ja folgende:
Menschen mit deutscher Abstammung werden als Nazis beschimpft,
Ja. Das habe ich auch gehört. Schrecklich. Die haben doch das geringste mit den „Nazis“ zu tun.
und sie wollen in die „Heimat“ oder den „goldenen Westen“,
also Einwanderung. ,
Heimat nach rund 250 Jahren? Wessen Heimat? Das war die Heimat ihrer Vor- Vorfahren.
eigentlich ist das ja die Heimat ihrer Eltern, da kann man
sogar von Rückwanderung sprechen
Tja. Dann könnte man etwa bei 30% oder mehr der US-Amerikaner als Deutsche betrachten.
Übrigens: Man spricht davon, daß lediglich ca. 20% der aus Russland zu uns strömenden Menschen ethnische Deutsche sind. Der Rest sind angeheiratete Familienangehörige.
Wieviele sich ihren Nachweis der deutschen Abstammung gekauft haben ist auch ungewiß.
eigentlich ist das ja die Heimat ihrer Eltern, da kann man
sogar von Rückwanderung sprechenTja. Dann könnte man etwa bei 30% oder mehr der US-Amerikaner
als Deutsche betrachten.
Übrigens: Man spricht davon, daß lediglich ca. 20% der aus
Russland zu uns strömenden Menschen ethnische Deutsche sind.
Der Rest sind angeheiratete Familienangehörige.
Wieviele sich ihren Nachweis der deutschen Abstammung gekauft
haben ist auch ungewiß.
Hallo jochen, ich stimme deiner meinung zwar weitesgehend zu, finde aber, das hier der falsche Ort für so was ist
Politik-Forum!
Der Beitrag verdient ein Sternchen
Und ich bin mit denen sehr geizig!
)
Livia
Hi Michael,
von mir, der mit den berühmten Jugendlichen mit Migrationshintergrund arbeitet, hast Du auch ein Sternchen bekommen. Interessant finde ich ja, dass Jochen jetzt erst über den Begriff gestolpert ist. In meinem Umfeld benutzt man den Ausdruck seit 20 Jahren.
Ich will jetzt nichts Falsches unterstellen, aber könnte das ein Hinweis darauf sein, wie hierzulande mit dem Phänomen Einwanderung umgegangen wird?
Liebe Grüße
Burkhard
Russlanddeutsche mit schwäbischem Akzent
Hallo,
als Nordhessin habe ich meinen Spaß daran, mich mit einer
„blutjungen“ Russlanddeutschen zu unterhalten, weil sie
so schön „schwäbelt“.
Und meine eigene Voreingenommenheit (*schäm*) trat zu Tage,
als ich von einer farbigen Fleischfachverkäuferin einen
eher größeren als kleineren Sprachakzent erwartete. Sie hatte ihn,
sie sprach „hessisch platt“.
„Migriert“ wurde doch schon immer, letztendlich hängt die Wortwahl
davon ab, wer wann was wie und wem erzählt. Migration beschreibt
eindeutiger den inhaltlichen Vorgang als das deutsche Wort „Wanderung“.
Trotzdem würde ich beispielsweis nicht ohne Grund das Wort „Völkerwanderung“ durch „Völkermigration“ ersetzen.
Wenn aber die Worte: „Immigration und Emigration“ von dir akzeptiert werden, was hast du dann für ein Problem mit der lediglich ungerichteten Variante?
LG, Karin (Nationalmigrantin
)
Gruß an alle, die sich in Neusprech weiterbilden wollen.
das ist wohl eine politische frage! meine meinung: manche glauben anscheinend, daß probleme von selber verschwinden, wenn man sie einfach in hübsch klingende worte weich einpackt. leider nutzt es aber nichts. ein einwanderer ist ein einwanderer und die probleme die er hat, gehen davon nicht weg, wenn man „migrant“ (LOL) ist. (bei migrant denke ich am ehesten an beduinen.)
gruß
dataf0x
"Man spricht davon, daß lediglich ca. 20% der aus
Russland zu uns strömenden Menschen ethnische Deutsche sind.
Der Rest sind angeheiratete Familienangehörige."
Zu dem „Rest“ gehören auch sogenannte jüdische Flüchtlinge, die etwa 50% der Einwanderer aus Russland ausmachen.
Liebe datafox,
es geht dabei nicht darum, die Probleme zu beseitigen, indem man schönere Worte
(was sollte schon schöner sein am Wort „Migrant“?) verwendet. Ich zum Beispiel
glaube nicht an Besprechen und an magische Worte.
Es geht um Viererlei:
-
Sprache analytischer zu machen. Da wo Unterschiede sind, diese auch sprachlich
darzustellen, gleiche Phänomene jedoch auch gleich zu benennen. -
Ideologischen Sprachgebrauch aufzudecken und deutlich zu machen. (Wie zum
Beispiel den Begriff „Asylanten“ als Kampfbegriff zu entlarven, oder statt von
„Illegalen“ lieber von „Illegalisierten“ zu sprechen, da kein Mensch per se
illegal ist, sondern illegal gemacht wird etc.) -
Sprachliches Territorium zu besetzen, das ansonsten von anderen besetzt wird.
Eventuell auch rückgewinnen von Territorien. (Was war mal mit Reform gemeint und
was wird heute unter dem Begriff für reaktionäres Zeugs verkauft? Nur als ein
Beispiel…) -
Und nicht zuletzt über Sprache auch Denken zu verändern, das unter anderem
über Sprache geformt wurde. Hier möchte ich an die unzähligen Rassismus,
darf-ich-Neger-oder-schwarze-Musik-sagen-Diskussionen oder
muss-ich-jetzt-alles-mit-großem-Innen-schreiben-Diskussionen erinnern)
Liebe Grüße
Burkhard
hallo burkhard,
das halte ich schlichtweg für ausgeschlossen, daß man über die sprache das denken ändert.
ich weiß aber, daß das eine alte linke theorie sein soll. bewiesen ist aber bis jetzt nichts, ergo eine annahme.
strubbel
S:open_mouth:)
hallo strubbel
das halte ich schlichtweg für ausgeschlossen, daß man über die
sprache das denken ändert.
ich weiß aber, daß das eine alte linke theorie sein soll.
bewiesen ist aber bis jetzt nichts, ergo eine annahme.strubbel
S:open_mouth:)
Ich bin dafür kein Experte, allerdings glaube ich schon, dass man
über die Sprache das Denken ändern kann.
Als Beispiel dient mir da eine beliebige Aussage, mal mit Worten aus der Fäkalsprache ausgedrückt, mal mit Worten der Höflichkeit belegt.
Ich fühle den Einfluss der Worte auf mein Denken, zumindest weiß ich, dass ein Zuhörer gewiß unterschiedlich über den Sprecher, je nach Wortwahl, denkt.(Das letztere war aber nicht gemeint, nicht wahr?
)
LG, Karin
Hallo Strubbel,
ob’s linke Theorie ist oder suedliche weiss ich nicht,
aber nimm das Beispiel man/frau.
Ja, die Blueten, die das inzwischen treibt, sind nicht
besonders schoen, aber heute ist das doch fast Allgemein-
wissen, dass Sprache eben maskulin-dominant ist. Dieses
Bewusstsein ist ueber die Sprache gekommen, weil man eben
immer oefter ‚frau‘ statt ‚man‘ gelesen hat.
Der alte Spruch (den ich gar nicht unbedingt unterschreibe):
„Du Arschloch sagt sich leichter als Sie Arschloch“ zeigt, dass
es zumindest die Stammtischbrueder,die diesen Spruch immer
wieder zitieren, an die Macht der Sprache glauben.
Und ja, ich glaube wirklich, dass jemand, die sich ueberlegt,
ob sie ‚nigger‘ oder ‚negro‘ sagt, dabei denken muss, was sie
damit ausdruecken will.
Gruesse
Elke
Hi Strubbel,
das halte ich schlichtweg für ausgeschlossen, daß man über die
sprache das denken ändert.
Ich will jetzt hier gar nicht unbedingt eine große Diskussion über Sprache und Denken anfangen, obwohl es ein sehr spannendes und noch lange nicht erschöpftes Thema ist. Aber es ist nicht nur ein linkes Thema, denn bereits die Sprachwissenschaftler Edward Sapir und Benjamin Whorf haben in den dreißiger Jahren die These aufgestellt, dass die Sprache das Denken strukturiere. Sie haben versucht, das anhand der Hopi Sprache zu begründen.
Ludwig Wittgenstein hat sich in den zehner Jahren des 20.Jh darüber Gedanken gemacht, ob man ohne Sprache überhaupt denken kann. Und es gibt bestimmt noch viele andere Nicht-Linke, die diese Gedanken hatten und haben.
Interessant ist übrigens auch der Sprachgebrauch der neuen Rechten, die teilweise Slogans der Linken übernehmen und für sich in Anspruch nehmen (z.B. „Feuer und Flamme für diesen Staat“ oder „Aufruhr, Widerstand,…“ und ähnliches) Ich denke, wenn der Kampf um Sprache und damit um Köpfe eine linke Domäne wäre, würden sich die Rechten sicherlich nicht die Mühe machen, so etwas zu imitieren.
Liebe Grüße
Burkhard
hallo,
es geht dabei nicht darum, die Probleme zu beseitigen, indem
man schönere Worte
(was sollte schon schöner sein am Wort „Migrant“?) verwendet.
laß es mich anders ausdrücken. bestimmte wörter werden von hetzern benutzt, zb. „ausländer“. die die sich davon abgrenzen wollen, verwenden bewußt andere wörter, zb. „migrant“.
der effekt ist zweierlei.
erstens ändert sich im denken überhaupt nichts. jeder weiß sofort, daß mit „migrant“ NICHT der amerikanische austauschstudent oder die japanische fachkraft gemeint ist, sondern natürlich „der ausländer“ - was im hetzjargon automatisch für „dunkelhäutiger aus unterentwickelten ländern“ steht. was hat man erreicht? nichts.
zweitens kommt noch dazu, daß man mit dieser umbenennung den hetzern die definitionshoheit überläßt.
- Sprache analytischer zu machen. Da wo Unterschiede sind,
diese auch sprachlich
darzustellen, gleiche Phänomene jedoch auch gleich zu
benennen.
mit „migrant“ wird EXAKT das gegenteil erreicht. ein sachverhalt wird noch mehr verschleiert und das problem noch mehr unter den tisch gekehrt. denn nicht das migrieren=wandern ist das problem (das tun austauschstudenten aus österreich auch), sondern der kulturelle unterschied, die hautfarbe, die sprache, die religion und alles, was damit an ängsten und vorurteilen zusammenkommt.
- Ideologischen Sprachgebrauch aufzudecken und deutlich zu
machen.
wieder das exakte gegenteil. anstatt die benutzung des wortes „ausländer“ als hüllwort für „dunkelhäutiger wirtschaftsschmarotzer“ aufzudecken, werden noch mehr phrasen gedroschen und noch mehr hochg’scheite wörter kreiert.
(Wie zum
Beispiel den Begriff „Asylanten“ als Kampfbegriff zu
entlarven, oder statt von
„Illegalen“ lieber von „Illegalisierten“ zu sprechen, da kein
Mensch per se
illegal ist, sondern illegal gemacht wird etc.)
das ist keine beschreibende erläuterung mehr, sondern eine politische aussage. es GIBT selbstverständlich menschen, die sich illegal in einem land aufhalten. punkt.
- Sprachliches Territorium zu besetzen, das ansonsten von
anderen besetzt wird.
da wird wieder exakt das gegenteil getan. man kreiert neue wörter und überläßt die alten den hetzern.
- Und nicht zuletzt über Sprache auch Denken zu verändern
es ist IMHO umgekert.
gruß
dataf0x
das halte ich schlichtweg für ausgeschlossen, daß man über die
sprache das denken ändert.
ich weiß aber, daß das eine alte linke theorie sein soll.
bewiesen ist aber bis jetzt nichts, ergo eine annahme.
Hallo strubbel,
erstaunlich in diesem Zusammenhang ist doch, dass seit vielen Jahren eine wahre Flut von staatstragenden Euphemismen über uns schwappt, von denen man nicht gerade behaupten kann, dass sie besonders links gefärbt sind (Bsp. Entsorgungspark, Freisetzung, Kollateralschaden, Gewinnwarnung, Begrüßungszentren (das ist einer meiner persönlichen Lieblinge!), Gefallener usw.).
Wer auch immer die Theorie, das Sprache das Denken verändert, erfunden hat, schamlos gelebt wird sie von der Rechten (hier völlig reflektiert als Gegenbegriff zur „alten linken Theorie“ gebraucht).
Viele Grüße
FM
besonders schoen, aber heute ist das doch fast Allgemein-
wissen, dass Sprache eben maskulin-dominant ist. Dieses
Bewusstsein ist ueber die Sprache gekommen, weil man eben
immer oefter ‚frau‘ statt ‚man‘ gelesen hat.
hallo elke,
genau das ist es eben nicht. eine linke irrlehre.
strubbel
M:open_mouth:)
hallo karin,
ich halte das für ausgeschlossen,
das denken ist die grundlage für die sprache, nicht umgekehrt.
strubbel
3:open_mouth:)
ist mir viel zu kurz gegriffen und zu kurz gedacht
Gruesse
Elke