Servus,
dass für milchsaures Einlegen auch Einweck- und Schraubdeckelgläser geeignet sind, habe ich nicht aus Jux und Dollerei geschrieben.
Ich erklärs Dir nochmal ausführlich:
Einweckgläser sind so konstruiert, dass beim Abkühlen ein Unterdruck im Glas entsteht. Das funktioniert so, dass beim Erhitzen Gas (beim Sterilisieren heiße Luft, aber es darf auch Kohlendioxid, Methan oder was Du willst sein) beliebig entweichen, aber nicht ungehindert beim Abkühlen wieder eindringen kann. Den Gummi in einem klassischen Weckglas kannst Du Dir wie die Membran in einer Fahrradpumpe oder einem Membranventil vorstellen, andere Konstruktionen wie z.B. Leifheit funktionieren vom Prinzip her auch nicht anders. Folge: Selbst heftig gärendes milchsauer Eingelegtes kann im Einweckglas genauso drucklos liegen wie in einer Krautstande.
Bei Schraubdeckelgläsern macht man sich zunutze, dass Gase im Gegensatz zu Flüssigkeiten komprimierbar sind. Es genügt also völlig, dass man darauf achtet, das Glas zu nicht mehr als 3/4 seines Volumens mit Einlegegut zu füllen: Damit hat man im übrigen Viertel das Volumen Gas, das zum Druckausgleich benötigt wird.
Die Hinweise dazu habe ich aus zwei Quellen: Die erste ist eine Freunding, die aus der Gegend des Eisernen Tores gebürtig ist und wenige Jahre vor Ende der Ära Ceaucescu nach Deutschland gekommen ist. V. liebt trotz allem das „alte Rumänien“ und damit auch die Ciorba von Herzen, und seit sie in D ist, hat sie das Gemüse und die Pilze dazu immer milchsauer eingelegt. Sie hat mir den Vorgang als erste beschrieben.
Ich habe dem Frieden nicht getraut, obwohl ich V. als gänzlich vertrauenswürdige Person kennen gelernt habe. Erst, als ich genau diese Vorgehensweise bei Bühler/Spreng/Hünerfauth, Einmachen (Midena, Küttigen 1993) beschrieben las, habe ich das selber ausprobiert. Mir kam diese Methode, auch ziemlich kleine Mengen verschiedener Gemüse milchsauer einzulegen, ab 2001 sehr entgegen, weil ich das Gemüse aus meinem Garten nur in dem Umfang konserviere, in dem es nicht unmittelbar verbraucht wird.
Und jetzt, zehn Jahre nach meinen ersten Versuchen (damals mit Rettich), kann ich Dir versichern: V. und die genannten Autorinnen haben Recht - mir ist in der ganzen Zeit noch kein einziges Schraubdeckelglas mit milchsauer eingelegtem Gemüse um die Ohren geflogen, der im Glas gelassene Puffer von 1/4 des Volumens reicht auch für Rote Bete, die wegen des Zuckergehaltes recht heftig gären, völlig aus.
Welche Gemüse man milchsauer einlegen kann, habe ich schon beschrieben - du darfst meine erste Antwort gerne noch einmal lesen, nachdem ich Dich vielleicht davon überzeugt habe, dass ich doch kein gar so windiger Lügner bin, wie Du zunächst geglaubt hast.
Schöne Grüße
Dä Blumepeder