Militärhierarche

Hallo alle! Aus reinem Interesse würde ich gerne wissen, wie sich in der Bundeswehr oder anderen Armeen die Hierarchie der Ränge gestaltet.
Und dann: Warum werden manche Leute ruck-zuck Generäle, während andere beim Hauptmann stehen bleiben? Und: Wer hat was in welchen Rang zu sagen im Militär, also, wo ist festgelegt, wer was entscheiden kann?

Danke und Gruß

Martin

Hallo !

Möchtest Du hier sämtliche Dienstgrade der Bundeswehr und der restlichen anderen Armeen auflisten??

Warum jemand General wird und warum jemand nur Hauptmann wird?

Ganz einfach : Der General hatte zufällig das Abitur, hat vielleicht einen Doktor- oder Ingenieursgrad. Hat seine Grundausbildung in einer „Crew“ gemacht, die zusammenhält bis zur Pensionierung und die sich gegenseitig mitziehen.
Der General ist, als kleiner Dienstgrad, früh positiv aufgefallen, besuchte mehrmals die Führungsakademie in Hamburg. Er hat sich keiner Leidenschaft, wie das Fliegen oder Panzerfahren oder der See verschrieben, sondern war überall einsetzbar, flexibel und machte jeden angebotenen Lehrgang mit. Scheute keinen Umzug samt Familie und suchte persönlichen Kontakt zu Politikern, die eventuell mal an die Macht kommen. Auch das zeichnet einen General aus, schon früh zu wissen, wer ihm mal nützlich sein kann.

Ein Hauptmann im Greisenalter ist meistens ein Offizier, der zur Bundeswehr ging, um dort fliegen zu können, zur See fahren zu können. Vielleicht ist Panzerfahren sein Hobby. Er hat keine Ambitionen auf große Führungsrollen, ist mit dem Job zufrieden, den er ausübt. Weil es ihm Spaß macht.
Er hat event. kein Abitur, ist auf Umwegen in diese Laufbahn gerutscht und ihm war von Anfang an klar, weiter geht es nicht. Vielleicht hat er auch nie Vorgesetzte gehabt (zwei Stück mußten es sein) die ihn für höhere Aufgaben vorschlugen. Vielleicht hat er neben der Bundeswehr noch eine andere Leidenschaft, nämlich das Saufen, vielleicht ließ er sich zu oft scheiden.
Vielleicht ist er einfach zufrieden mit sich und seinen Aufgaben. Vielleicht hat er auch schon mal eine Disziplinarstrafe bekommen.

Bei der Bundeswehr geht es so zu, wie überall im Leben. Passiert nichts Negatives, hat man Ehrgeiz, die richtigen Kumpels an den richtigen Stellen, dann wirds schon werden.
Hat man keinen Ehrgeiz, hat man Angst vor zu viel Verantwortung, hält man die Klappe und wartet auf die Pensionierung und ist auch zufrieden.

Natürlich träumt jeder Leutnant davon, mal General zu werden, aber irgendwann, nach etlichen Dienstjahren läßt bei dem einen oder anderen der Ehrgeiz nach und man ist mit dem Erreichten zufrieden.

Die Entscheidung fällt immer der für eine bestimmte Sache eingesetzte Führungsoffizier. Hat mit dem Dienstgrad nichts zu tun.

Gruß Max, der zwar nie General war, aber sich oft wünschte, wenn es mal gefährlich wurde, wieder im zweiten Glied zu stehen. Ich meine damit, in seinem Job nicht der Alleinverantwortliche zu sein.

Hallo !

Noch etwas zur letzten Frage, wer das Sagen hat.

Wie ich schon schrieb, der, der dafür die Kommandogewalt hat.
Auf einem Zerstörer können drei Fregattenkapitäne sein, aber nur einer von ihnen ist der Kommandant.
In einem Fliegergeschwader können vier Oberste sein, aber nur einer ist der Geschwaderchef.

Also, das Sagen hat immer der, der vom Verteidigungsministerium oder von militärischen Dienststellen diesen Posten bekommen hat.

Natürlich, um Ärger zu vermeiden, ist der Chef, auch wenn er gleichen Dienstgrades ist, wie einige seiner Leute, möglichst der Dienstälteste.
Das heißt, er ist am längsten bei der Bundeswehr.

Gruß max

Tja- um genau zu sein
Ich hab persönlich erlebt, daß in einem Btl. 4 Stabsoffiziuere waren, der Chef aber ein Hauptmann d.R.

-)

whk

Wie meine Oma schon sagte…
…Ausnahmen bestätigen die Regeln.

Hallo Martin,

obwohl Max’ Antwort die tiefere Wahrheit enthält, ist die offizielle Wahrheit prosaischer. Die Laufbahnen orientieren sich wie überall im öffentlichen Dienst am Bildungsabschluss der Bewerber (einfache, höhere, gehobene…).

Wenn jemand seine Militärkarriere als Hauptmann beendet, ist er entweder jung (war also nur 12 Jahre Soldat), hat mächtig viel Dreck am Stecken (die Offizierskarriere endet normalerweise als Oberstleutnant) oder (am häufigsten) hat die Laufbahn des Fachoffiziers eingeschlagen. Das sind besonders geeignete Feldwebel, die dafür bis A13 (Stabshauptmann) hochbefördert werden können. Das entspricht in der zivilen Verwaltung den Dipl.-Verwaltungswirten(FH).

Was jemand zu sagen hat, hängt nicht nur vom Dienstgrad ab. So kann man als Oberleutnant Kompaniechef werden, wo gleichzeitig ein Hauptmann Stellvertreter ist (analog Major und Bataillonskommandeur).

Ob jemand General wird entscheidet sich erstmals auf dem Stabslehrgang für junge Majore an der Führungsakademie. Den guten Absolventen wird danach das Angebot gemacht, die Generalstabskarriere einzuschlagen (Zusatz „i.G.“). Das nehmen wegen der häufigen Versetzungen aber nicht alle an. Aus den „i.G.lern“ werden dann die Generäle rekrutiert. Von Ruck-Zuck kann also keine Rede sein. Und militärisch dürften die deutschen Generäle weltweit zur Spitze gehören.

Aber diese Beförderung ist in der Tat eine politische Entscheidung und der Anteil von Männern mit (politischem) Rückgrat ist in dieser Dienstgradgruppe erschreckend gering. Man könnte sich ja den nächsten Schulterstern vergeben. Merkwürdigerweise sind Generäle außerhalb der Verfügungsgewalt des Ministeriums (weil im Ruhestand oder bei der NATO) durchaus bereit, ihre Meinung zu sagen.

Und wenn ein aktiver General in Deutschland doch Rückgrat zeigt, wie vor zehn Jahren Schulze-Rhonhof, wird er eben in den Ruhestand geschickt.

Gruß,
Andreas

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