Hallo,
liege ich falsch mit meiner Erinnerung, daß es im Mittelalter (und vielleioht auch davor) nur Armeen aus Freiwilligen gab? Wenn ja, wann kam dann die Militärpflicht/Wehrpflicht auf, mit welchem Hintergrund eigentlich?
Danke für Tips Antal
Hallo,
liege ich falsch mit meiner Erinnerung, daß es im Mittelalter (und vielleioht auch davor) nur Armeen aus Freiwilligen gab? Wenn ja, wann kam dann die Militärpflicht/Wehrpflicht auf, mit welchem Hintergrund eigentlich?
Danke für Tips Antal
Tach Antal,
in aller Kürze, weil ich gleich wegmuß:
Die Militärpflicht - nicht die allgemeine Wehrpflicht - begann unter dem Großen Kurfürsten in Preußen. Der hat nach dem 30jährigen Krieg eine große Verwaltuungs- und Heeresreform ins Werk gesetzt.
In den entsprechenden Geschichtswerken solltest du die nötigen Einzelheiten finden. Wenn Du jedoch bis Mitternacht oder so noch keine ernsthaften Auskünfte bekommen hast, bekommst Du noch ein paar Hinweise und Literaturangaben.
Bis später - Rolf
Hallo Antal!
Nein, im Mittelalter gab es keinesfalls Armeen aus Freiwilligen! Ganz im Gegentel: die Fürsten waren Lehensmänner der Kaiser & Könige und diesen zur Kriegsfolge verpflichtet. Die Untertanen der Fürsten hatten diesen wiederum Folgschaft zu leisten… freiwillig sind da wohl nur die Wenigsten in den Krieg gezogen, auch wenn es sowas sicher auch gab, sondern sie hatten als Bauern oder Unfreie wohl einfach keine andere Wahl und mussten ihren Herren folgen.
Freiwillig gemeldet haben sich zB viele junge Männer zu den Fahnen George Washingtons im Freiheitskrieg gegen England (das wiederum auch „gekaufte“ Soldaten aus Hessen mit in den Krieg nahm!).
Genau kann ich nicht sagen, wann „man“ mit Freiwilligenarmeen angefangen hat. Aber ich denke, den Unterschied zwischen Freiwilligenarmeen und solchen, die zwangsverpflichtete Soldaten haben, gibt es in dem Sinne ja auch gar nicht, sondern höchstens in der Theorie!?
Amerika zB mag im Moment eine Berufsarmee haben, sollte es sich aber verteidigen müssen, würde die Wehrpflicht sofort wieder eingeführt. Auch bei uns wäre es keinesfalls anders, wenn wir zu einer Berufsarmee wechseln würden. Oder glaubt irgendwer, einige wenige 10 oder 100-tausende würden ihren Allerwertesten hinhalten und der Rest der Bevölkerung würde sich im Kriegsfalle nur vor dem Fernseher beteiligen?
Nein, nein… für Eroberungskriege braucht man viele Soldaten, deren Anzahl man sicher in der Regel nur mit Wehrpflichtigen erreichen kann und wenn man sein Land verteidigen muss, wird man auch nicht nur auf Freiwillige zurückgreifen können.
Ich denke, nur mit einer Mischung aus beiden Personengruppen wird man eine entsprechend große Armee aufstellen können. So war es in den beiden letzten großen Kriegen, die Europa verheert haben und so wird es sicher (leider) auch bleiben…
Aber ein „Datum x“, zu dem „generell“ von Zwangsverpflichteten auf Freiwillige umgeschwenkt wurde, gibt es sicher nicht. Das ganze ict halt ein sehr vielschichtiges Thema.
mfg
Martin
Nein, im Mittelalter gab es keinesfalls Armeen aus
Freiwilligen! Ganz im Gegentel: die Fürsten waren Lehensmänner
der Kaiser & Könige und diesen zur Kriegsfolge verpflichtet.
Die Untertanen der Fürsten hatten diesen wiederum Folgschaft
zu leisten… freiwillig sind da wohl nur die Wenigsten in den
Krieg gezogen, auch wenn es sowas sicher auch gab, sondern sie
hatten als Bauern oder Unfreie wohl einfach keine andere Wahl
und mussten ihren Herren folgen.
Guten Abend Martin,
so einfach ist die Sache leider nicht: Im Mittelalter waren so um die 80 % der Bevölkerung in der Landwirtschaft beschäftigt, und auf deren Arbeitskraft konnte man nicht so einfach für die Dauer eines Kriegszugs verzichten, zumal die Kriegszüge im späten Frühling begannen und durch den Sommer bis in den Herbst gingen.
Es waren im Gegenteil die Rechte und Pflichten der Lehnsleute und abhängigen Herrschaften aufs Genaueste geregelt. Da lag fest, welcher Ritter oder kleine Adlige seinem Grafen mit wieviel Fußkämpfern oder Reitern zur Verfügung stehen mußte. Selbst die Art der Bewaffnung, die er zu stellen hatte, die Zahl der Pferde etc. war festgelegt. Es hat sich also wirklich immer nur ein kleiner Teil der männlichen Bevölkerung am Krieg beteiligt.
Anders war die Sache freilich in den frühen Schweizer Kantonen. Da gab es schon Anfänge des „Volksheers“, den sog. „Fähnlilupf“. Die Bauern haben sich zusammengetan und in den Schlachten von Sempach und Morgarten im 14. Jhdt zwei große Ritterheere geschlagen.
Später entwickelte sich in der Schweiz dann das „Reislaufen“, also der Dienst als Landsknechte unter fremden fahnen, aber das ist ein anderes Thema.
Als Literatur empfehle ich von Siegfried Fiedler „Taktik und Strategie der Kabinettskriege 1650-1792“, ursprünglich bei Bernhard & Graefe, Bonn, erschienen.
ISBN 3-8289-0521-8 Buch anschauen
Da ist auch die Heeresreform des Großen Kurfürsten abgehandelt.
Gruß - Rolf
Hi,
Oder glaubt
irgendwer, einige wenige 10 oder 100-tausende würden ihren
Allerwertesten hinhalten und der Rest der Bevölkerung würde
sich im Kriegsfalle nur vor dem Fernseher beteiligen?
Ja, ich. Die Armee der Zukunft wird aus Robotern und Drohnen bestehen. Ein Wehrpflichtiger hätte allesfalls noch das Know-How den Kaffee für den Operator zu kochen.
Ausserdem, der nächste Krieg bei dem Wehrpflichige gebraucht werden, wird auch der Letzte der Menschheit sein.
Nur so ein Gedanke
Q.
Hallo,
Ja, ich. Die Armee der Zukunft wird aus Robotern und Drohnen
bestehen. Ein Wehrpflichtiger hätte allesfalls noch das
Know-How den Kaffee für den Operator zu kochen.
Du siehst die falschen Filme.
Gruß
loderunner
Hi,
nein, ich beobachte sehr interessiert was bei Boeing oder anderen Firmen gerade entwickelt wird. Ich sehe welche Projekte vom amerikanischen/europäischen Militär angestoßen/unterstützt werden. Ich habe einen netten Vortrag über selbstlenkende Miltärfahrzeuge sehen dürfen. Und ich denke da liege ich richtig.
Mit „Robotern“ meine ich keineswegs die putzigen, dem Menschen nachgebauten Metallkisten.
Nebenbei sehe ich möglicherweise die falschen Filme - das hat aber nicht hiermit zu tun. 
Gruss
Q.
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
Wenn ja, wann kam dann die Militärpflicht/Wehrpflicht auf, mit
welchem Hintergrund eigentlich?
Eigentlich müsste man ja auch fragen wann und ob sie aus der Mode kam. Denn in der Antike waren „Wehrpflichtarmeen“ die Regel und sie verschwand auch nie ganz.
In den Freien Reichsstädten blieb die Wehrpfliche der Bürger das ganze Mittelalter hindurch bestehen.
Der Kern der Feudal-Heere war dagegen eine Berufsarmee aus Adligen und deren angestellten Söldnern. Ausgehobene Bauern und dergleichen waren, wie weiter unten schon ausgesagt, die Ausnahme.
Gruß
Werner
Hallo zusammen!
Den deutlichsten Sprung von den Kabinettskriegen mit einer wie auch immer gearteten Kriegspflicht zu einem halb oder sogar ganz „freiwilligen“ Heer machte das Frankreich der Revolutionsjahre. Als die übrigen Monarchen Europas zum Sturm gegen diese „Freiheitsbestien“ riefen, rief das gesamte französische Volk zurück und konnte erstaunliche Erfolge in der Verteidigung der Ostgrenzen erzielen. Napoleon griff diese Idee mit seinen riesigen Volksheeren auf und verpasste ihnen noch die nötige Struktur und Taktik. Der Unterschied: Erstmals wurde nicht vordergründig aus Pflicht für einen Lehnsherren/Fürsten/König gekämpft, sondern für den neu entstandenen Begriff einer Nation. Damit konnten ganz andere Motivations- und Rekrutierungsleistungen abgerufen werden, denn jetzt galt es, das eigene Land, die tollen Ideen (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit), die Familie und das Baguette zu verteidigen, nicht mehr nur für irgend einen abstrusen Kindheitstraum irgend eines durchgeknallten Herrschers zu kämpfen. Diese Volksheere und deren nationaler Gedanke sprangen sehr schnell auf alle Länder Europas über. Blöd is nur immer, wenn sich die so hoch motivierten Soldaten dann irgendwann zur Verteidigung ihres Landes in Moskau/Afghanistan wiedersehen 
Dass diese Idee nicht ganz neu ist, sondern in der Antike den Standard darstellte, wurde ja bereits erwähnt.
ciaosen,
the_digger
Hallo zusammen!
Den deutlichsten Sprung von den Kabinettskriegen mit einer wie
auch immer gearteten Kriegspflicht zu einem halb oder sogar
ganz „freiwilligen“ Heer machte das Frankreich der
Revolutionsjahre. …
Jetzt hast du aber einen gewaltigen zeitlichen Sprung eingebaut. Die Frage zielte ja auf die Praxis des Mittelalters. Die von dir angenommene Kriegspflichtigenarmee, der „Kabinettskriege“ ist ein Kind der Neuzeit im Absolutismus und nicht des klassischen feudalen Lehenswesens im Mittelalter.
Gruß
Werner