Milzbrand

Hallo,
in den USA sind gerade 2 Faelle von Milzbrand aufgetreten - der erste Patient ist bereits gestorben.
http://www.n-tv.de/2775445.html
Ich wuesste gerne, wie gross die Wahrscheinlichkeit ist, dass die Krankheit sich in der beaengstigenden exponentiellen Form verbreitet. Also, wer kann etwas sagen zu den Ansteckungsformen, der Inkubationszeit, dem Krankheitsverlauf…
Danke,
Gruss, Marcus

Hallo Marcus,
vor allem erwähnenswert dürfte sein,daß es nicht von Mensch zu Mensch ansteckend ist,etwa durch Tröpfcheninfektion.
So dürfte in diesem fall die exponentielle Verbreitung ausgeschlossen sein.
Solange keiner über oder in Deinem Ort was „hinschmeisst“ brauchst Du Dir keine Sorgen zu machen.
Gruß,Mina

Also, wer kann etwas sagen zu den
Ansteckungsformen, der Inkubationszeit, dem
Krankheitsverlauf…

http://www.bzs.bund.de/bsmag/marzi.htm
http://www.med1.de/Laien/Krankheiten/Tropen/Milzbrand/
http://www.m-ww.de/krankheiten/infektionskrankheiten…

www.rki.de

Das Robert Koch Institut, und dann weiter bei Infektionskrankheiten

Gruss
Roger

Homepage des RKI

Milzbrand, Anthrax

Erreger:
Bacillus anthracis (grampositives, bekapseltes, sporenbildendes Stäbchen, Familie der Bacillaceae). Entscheidend
für die Virulenz ist die plasmidkodierte Fähigkeit zur Exotoxin- und Kapselbildung.
Verbreitung:
weltweit, eher in Viehzuchtgegenden (besonders Wiederkäuer), sehr selten in industrialisierten Ländern;
bevorzugt in wärmeren Klimazonen u.a. in Südosteuropa, Südamerika, Afrika, SO-Asien
Infektionsweg:
Hautmilzbrand:
Infektion durch Kontakt mit kontaminierten tierischen Materialien (Organe, Fell, Wolle,
Düngung mit Knochenmehl). Eindringen der Sporen über kleine Hautverletzungen
Lungenmilzbrand:
Inhalation von sporenhaltigem Staub oder Aerosolen (z.B. beim Schlachten)
Darmmilzbrand:
Orale Aufnahme der Sporen mit ungenügend gekochtem Fleisch oder Innereien von
erkrankten Tieren. Die Sporen sind über Jahrzehnte infektionstüchtig. Der Milzbrandbazillus
verfügt über ein sehr breites Infektionsspektrum, er ist für nahezu alle Warmblüter
hochpathogen.

Dauer der Inkubation:
2-7 Tage (meist innerhalb von 48 Studen nach Exposition)
Symptomatik:
In über 95% der Fälle ist die Haut die Eintrittspforte für die Erreger. Diese ist meist an Händen, Armen, Hals
oder Gesicht gelegen. Es entsteht eine rasch progrediente, stark infiltrierte Papel, die sich zu einem nicht
schmerzhaften, mit schwärzlichem Schorf bedeckten Geschwür entwickelt. Der Milzbrandkarbunkel ist meist von
einem ausgeprägten Umgebungserythem umgeben und fluktuiert nie. Verursacht durch die freigesetzten
Exotoxine entwickelt sich eine schwere Allgemeinsymptomatik mit hohem Fieber, Benommenheit, Kreislauf- und
Herzrhythmusstörungen. Vom Primärherd ausgehend kann sich, über eine meist sehr schmerzhafte
Lymphangitis, eine foudroyant verlaufende Milzbrandsepsis entwickeln. Diese ist mit einer hohen Letalität
behaftet. Ohne antibiotische Therapie verlaufen ca. 5-20% der Hautmilzbrandfälle tödlich. Bei rechtzeitig
begonnener Antibiotikatherapie ist die Prognose des Hautmilzbrandes jedoch gut.
Die Initialsymptome nach Inhalation von Milzbrandsporen sind eher unspezifisch und ähneln einer Infektion der
oberen Luftwege. Innerhalb kurzer Zeit kommt es jedoch zu einer perakuten Krankheitsprogression, zu einer
Milzbrandbronchopneumonie mit Hämoptoe, hohem Fieber, Schüttelfrost und Schocksymptomatik. Die Patienten
versterben innerhalb von 3-5 Tagen.
Darmmilzbranderkrankungen sind sehr selten und schwer zu diagnostizieren, meist kommt es zu einem
gehäuften Auftreten innerhalb einer Familie. Anfangs beklagen die Patienten Leibschmerzen und Meteorismus.
Innerhalb kurzer Zeit entwickeln sich blutige Durchfälle, Peritonitis und Schocksymptomatik. Die Prognose ist
schlecht, die Patienten versterben auch unter antibiotischer Therapie meist rasch.
Therapie:
Penicillin, Tetracyclin, Erythromycin, Chloramphenicol
Differentialdiagnose:
Hautmilzbrand:
Furunkulose
Lungenmilzbrand:
Pest, Tularämie
Darmmilzbrand:
Typhus, Mesenterialinfarkt

Prophylaxe, Immunität:
Isolierung von erkrankten Personen. Verdächtige Tiere müssen adäquat beseitigt werden. Bei beruflicher
Expositionsmöglichkeit (Metzger, woll- und lederverarbeitende Industrie u.ä.) müssen entsprechende
Schutzmaßnahmen (Handschuhe, Atemschutzmasken) eingehalten werden. Für Personen mit einem hohen
Ansteckungsrisiko besteht die Möglichkeit einer aktiven Impfung mit abgetöteten Erregern.
Gesetzliche Regelungen:
Eine Meldepflicht besteht bei Verdacht, Erkrankung und Tod.
Diagnostik:
Nachweis des Erregers im Abstrichpräparat der Hautläsion (Gramfärbung) oder in Speziallabors auch kulturell
(Hautläsion, Sputum, Stuhl, Blut). Cave: Aufgrund der Gefahr der Generalisierung sollten chirurgische
Manipulationen (Biopsien) bei V.a. Milzbrandkarbunkel unterbleiben. Entscheidend ist bei entsprechender Klinik
eine mögliche Exposition in der Anamnese. Serologische Untersuchungen spielen keine Rolle.